Sonntag, 29. November 2015

# 27 - Morden im Namen Gottes?

Ein Thriller mit "Page-Turner"-Effekt

 

Nachdem ich vor zwei Wochen über ein Sachbuch, das die Hintergründe des "Islamischen Staats" beleuchtete (Die schwarze Macht) und vor einer Woche über ein Autoren-Zwiegespräch mit Jesus (Jesus - Das Interview) geschrieben habe, soll es nun etwas zum "Durchatmen" sein. Deshalb habe ich heute Zu richten die Lebenden von meinem Bücherstapel genommen. Dies ist der neueste Thriller der US-amerikanischen Schriftstellerin Erica Spindler, der im Oktober 2015 in deutscher Übersetzung erschienen ist.


Eine Glasmalerin steht vor den Trümmern ihres Lebens

 

 

Mira Gallier ist eine junge Witwe und betreibt in New Orleans einen kleinen Betrieb für Glasmalerei. Ihren Mann Jeff verlor sie während des verheerenden Hurrikans Katrina, der 2005 weite Teile New Orleans' dem Erdboden gleich gemacht hat. Seinen Tod, an dem sie sich eine Mitschuld gibt, hat sie nie verwunden. Doch dann passieren im August 2011 Schlag auf Schlag dramatische Ereignisse: Ein beliebter Priester wird im Altarraum seiner Kirche brutal ermordet. Doch der Mörder hat sich nicht einfach so nach der Tat davongemacht, sondern auf den kunstvollen zwölf Glasfenstern im Kirchenschiff, die Szenen aus dem Leben Christi erzählen, eine Botschaft hinterlassen: "Er wird kommen, um zu richten die Lebenden und die Toten." Spencer Malone vom New Orleans Police Department und seine ihm neu zugeteilte Partnerin Karin Bayle nehmen die Ermittlungen auf.

Doch was zunächst wie eine Einzeltat eines verwirrten Menschen aussieht, der der Priester zufällig zum Opfer fiel, weitet sich aus. Kurz darauf wird ein Obdachloser, der wegen seines religiösen Fanatismus' den Spitzmamen "Preacher" hatte, getötet auf einer öffentlichen Toilette aufgefunden. Das Tatwerkzeug: Eine Scherbe aus dem Glasmüll von Mira Gallier. Auch zwischen dem Mord an dem Priester und der Glasmalerin gibt es eine Verbindung: Alle Fenster in der Kirche waren von ihr restauriert worden. 


Ein Monat voller Leichen

 

 

Aber die Serie ist damit noch lange nicht vorbei. Innerhalb weniger Tage kommen Miras Schwiegervater, mit dem sie in tiefer gegenseitiger Abneigung verbunden war, ihre neugierige Nachbarin und ihre Psychologin, bei der sie nach dem Verschwinden ihres Mannes jahrelang in Behandlung war, ebenfalls auf teilweise brutale Art und Weise ums Leben. Daran, dass hier ein Serienmörder am Werk ist, besteht kein Zweifel mehr. 

Mira gerät immer mehr in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Vor allem Karin Bayle macht keinen Hehl aus ihrem Misstrauen gegen die Witwe. Doch Mira weiß bald selbst nicht mehr, wo ihr der Kopf steht: Ihre geliebte Halskette, die ihr ihr Mann geschenkt hatte,  wird ihr bei einem Überfall in ihrer Werkstatt gestohlen und kurz darauf nachts zurückgebracht - Mira findet sie an ihrer Nachttischlampe. Jemand ist dazu in ihr Haus eingedrungen und hat offensichtlich dicht neben ihr an ihrem Bett gestanden, während sie schlief. Sagt Mira. Doch an den Außentüren und Fenstern gibt es keine Einbruchspuren, und die Glasmalerin ist sich sicher, überall abgeschlossen zu haben. Da sich die Merkwürdigkeiten um Mira häufen und sie der einzige Mensch ist, der zu allen Toten eine Verbindung hat, wird ihr klar, dass ihre Lage immer aussichtsloser wird. Doch sie erhält Unterstützung: Wie aus dem Nichts taucht plötzlich der beste Freund ihres Mannes, Connor, bei ihr auf. Er war noch vor Jeffs Tod von einem Tag auf den anderen verschwunden und steht nun vor ihrer Tür. Sein Verhalten ist freundschaftlich, aber Mira spürt, dass er etwas vor ihr verbirgt. Auch ihre Assistentin Dani, die für Mira eine gute Freundin ist, steht ihr zur Seite, verhält sich dann aber so merkwürdig, dass Mira an ihrer Aufrichtigkeit zu zweifeln beginnt.


Noch zwei Tote...

 

 

Malone und Bayle finden heraus, dass es tatsächlich einen Zusammenhang gibt zwischen den Morden und Mira, aber auf eine andere Weise, wie sie es zuvor vermutet hatten. Diese Erkenntnis lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Der oder die große Unbekannte will noch zwei weitere Menschen töten. Aber das noch junge Team arbeitet nicht reibungslos zusammen, und nach einem Streit zwischen den beiden Ermittlern verschwindet Karin Bayle plötzlich spurlos. Hat auch sie bei diesen mysteriösen Vorgängen irgendwie ihre Finger im Spiel?

Erica Spindler hat die Handlung um Mira Gallier sehr spannend aufgezogen. Bis wenige Seiten vor dem Finale kommen tatsächlich mehrere Personen als Mörder oder Mörderin infrage, und auch Miras Verhalten macht sie immer wieder verdächtig.
Zu richten die Lebenden ist ein Buch, das man bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legen möchte. Die Autorin schafft es nicht nur, einen guten Spannungsbogen aufzubauen, sondern gibt nebenbei Einblicke in das vom verheerenden Hurrikan Katrina zerstörte New Orleans, dessen Bewohner auch Jahre nach der Katastrophe noch um Normalität kämpfen und die Toten betrauern.

Mir war Erica Spindler vor diesem Buch völlig unbekannt, obwohl sie bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht hat. Aber jetzt werde ich sicher mehr von ihr lesen.

Zu richten die Lebenden ist erschienen bei books2read und kann über HarperCollins Germany GmbH bestellt werden.
Das Buch wurde mir von Blogg dein Buch zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke.
 
 

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