
Vor Kurzem war ich wieder mal in "meinem" Buchladen ganz in meiner Nähe. Ich hatte mir den Reader für die Longlist des Deutschen Buchpreises zurücklegen lassen und hatte einen Geschenkgutschein dabei. Gibt es etwas Besseres als dem Konsum frönen zu können, ohne selbst Geld ausgeben zu müssen? Dreimal nein! Dieses Glücksgefühl - und da übertreibe ich nicht - wird bei mir nur inmitten von Büchern ausgelöst.
Deshalb beobachte ich mit Sorge das langsame Sterben des stationären Buchhandels. "Aber im Internet zu bestellen ist doch so bequem", höre ich da den ersten leisen Protest. Ja, ist es. Aber es gibt mittlerweile Angebote, die es möglich machen, im Internet zu bestellen und sich das Buch dann beim Buchhändler abzuholen oder es über ihn bringen zu lassen. Wenn ich weiß, was ich will, schreibe ich "meinem" Buchhändler eine E-Mail und er meldet sich, wenn meine Bestellung im Laden ist. Wenn es Probleme gibt, also z. B. ein Buch vergriffen ist, wird diese Information mit allem, was dazugehört (Wann ist das Buch wieder erhältlich? Welche Alternativen gibt es?) ebenfalls elektronisch ausgetauscht.
Wenn ich nur ganz ungefähr weiß, wonach ich suche, gehe ich in den Laden und lasse mich beraten. Bei Büchern, die ich verschenken will, hat mein Buchhändler noch nie danebengelegen. Und: Wenn der Beschenkte das Buch schon hat, kann ich es im Laden zurückgeben und ein anderes mitnehmen. Ich gehe immer in denselben Laden. Man kennt mich dort, weiß, was ich gern lese, und ich habe schon mal den Händler in meiner Ratlosigkeit um Hilfe gebeten: "Sie kennen doch Frau XY, eine Freundin von mir. Können Sie mir einen Tipp geben, was ihr gefallen könnte?" Konnte er, meine Freundin hat sich über die Auswahl gefreut.
Eigentlich wollte ich einen Buch-Sucht-Text schreiben, jetzt ist es während des Tippens doch ein Plädoyer für den
örtlichen Buchhandel geworden. Ich habe eine Grafik des Portals Statista gesehen, aus der hervorging, dass die Zahl der Buch-Einzelhändler zwischen 2006 und 2016 von etwas mehr als 5.000 auf nicht ganz 3.700 zurückgegangen ist. Zum Teil sind Buchhändler auch selbst schuld: Wer sich nur hinter seinen Tresen stellt, den Kopf einzieht und hofft, dass das Schlimmste an ihm vorüber geht, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Nur vom Weihnachts- und Schulbuchgeschäft kann ein Buchhändler auch dann nicht leben, wenn er an Mitarbeitern spart. Bei "meinem" Buchhändler sehe ich über die letzten Jahre hinweg die Zeichen des schleichenden Niedergangs: Die Außenbeleuchtung, auf der der Geschäftsname steht, wird nicht mehr angeschaltet, das Lesesofa hat seine besten Tage hinter sich (was mit einem Überwurf kaschiert wird), der Laden wird von Montag bis Samstag pünktlich geöffnet und geschlossen, von Sonderaktionen habe ich nichts bemerkt und die letzte Lesung, von der ich weiß, war im November 2017, als einer unserer Ratsherren seinen zweiten Krimi vorstellte.

Dieser Text erscheint parallel bei Tägliches auf drei Beinen.
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