Freitag, 15. Februar 2019

# 184 - Humor aus Schweden

Vom schwedischen Erfolgsautor Jonas Jonasson habe ich vor längerer Zeit "Der
Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" gelesen und mir nach dieser positiven Erfahrung Die Analphabetin, die rechnen konnte vorgenommen. Danach hatte ich einen festen Vorsatz: Das war es jetzt mit Jonas Jonasson. Das "Strickmuster", nach dem sein zweiter Roman aufgebaut war, ähnelte einfach zu sehr dem des ersten Buches: Wenn du glaubst, da geht nichts mehr, kommt eine noch irrere Wendung daher. Mein Plan hat "bestens" funktioniert, denn nun wird es hier um Jonassons 2016 auf Deutsch erschienenes Buch Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind gehen.

Worum geht's?

 

DIE Hauptperson ist Johann Andersson, besser bekannt unter seinem tatkräftig erworbenen Spitznamen Mörder-Anders. Weil er das Wort "Faustregel" in der Vergangenheit allzu wörtlich genommen hat, hat sich Mörder-Anders mehrere Jahre die schwedischen Gardinen von innen nach außen angesehen. Sein bester Kumpel ist übrigens der Alkohol.

Per Persson, der Rezeptionist der Pension Sjöudden, ist der zweite Protagonist, der eine wichtige Rolle spielt. Er hat in seinem Leben bislang nie die Sonnenseiten gesehen und trifft zufällig auf die atheistische Pastorin Johanna Kjellander. Sie hat in einer Predigt ihren despotischen Vater verflucht, der vor ihr in der Gemeinde das Pfarramt inne hatte. Diese Predigt war dann auch ihre letzte und sie seitdem arbeitslos.

Mörder-Anders, Per Persson und Johanna Kjellander sind, als sie aufeinandertreffen, mindestens in finanzieller Hinsicht ziemlich arme Würstchen. Auf der Suche nach einer lukrativen Einnahmequelle verfallen sie auf die Idee einer "Körperverletzungsagentur". Das Prinzip: Sie nehmen Aufträge an, jemanden gegen ein angemessenes Honorar durch Mörder-Anders genau nach den Wünschen der Auftraggeber verprügeln zu lassen. Das rechte Knie soll zertrümmert werden? Bitteschön! Zusätzlich darf es noch ein gebrochener linker Arm sein? Das wird teurer, ist aber kein Problem. Das Geschäft floriert so gut, dass der tatkräftige Mörder-Anders nur an zwei Tagen pro Woche tätig sein muss und sich an den anderen fünf volllaufen lassen kann. Was er nicht ahnt: Seine beiden Geschäftspartner streichen für Akquise und Verwaltung den Löwenanteil des Geldes ein, während er mit einem Trinkgeld abgespeist wird. Aber Andersson ist so einfach gestrickt, dass er nicht misstrauisch wird.
Doch die Erfolgssträhne droht abzureißen, als sich der Mörder für die Bibel zu interessieren beginnt und beschließt, ein besserer Mensch zu werden: keine Auftragskörperverletzungen und kein Alkohol mehr. Die Einnahme aus dem letzten Auftrag soll an das Rote Kreuz gespendet werden. Per und Johanna sehen ihre beste Geldquelle austrocknen und entwickeln einen Plan, in dem Mörder-Anders auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen soll.

Wie war's?

 

Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind soll humorvoll daherkommen, ist aber nichts als eine Aneinanderreihung von Absurditäten. Wenn man denkt, dass es nicht mehr irrer geht, wird man von Jonasson eines Besseren belehrt. Dieses Mal werde ich mich an das halten, was ich mir schon nach dem Lesen von Die Analphabetin, die rechnen konnte vorgenommen hatte und kein weiteres Buch dieses Autors anrühren. 

Der Titel kostet als gebundenes Buch 19,99 Euro, als Taschenbuch 10 Euro, als MP3-CD 8,95 Euro sowie als epub- oder Kindle-Ausgabe 9,99 Euro. 

Samstag, 9. Februar 2019

# 183 - Vom Fliehen und Ankommen

1945 verschlägt es die Gräfin Hildegard von Kamcke und
ihre fünfjährige Tochter Vera auf ihrer Flucht aus Ostpreußen ins Alte Land, das Obstanbaugebiet vor den Toren Hamburgs. Sie kommen bei Ida Eckhoff unter, die zusammen mit ihrem im Krieg als Soldat verwundeten Sohn Karl auf einem Altländer Hof wohnt. Die Botschaft der plattdeutschen Inschrift am Giebel des Wohnhauses wird sich durch das ganze Buch ziehen:

Dit Huus is mien un doch nich mien,
de no mi kummt, nennt't ook noch sien.

Ida Eckhoff hat für das "Polackenpack" nichts übrig und lässt das die Neuankömmlinge deutlich spüren: "Von mi gift dat nix!", ist ihre Antwort auf Hildegards Bitte um etwas Essen für ihre Tochter. Doch sie kann nicht verhindern, dass sich die stolze Hildegard und der durch den Krieg körperlich und seelisch schwer angeschlagene Karl einander annähern und schließlich heiraten. Dieser Schritt lässt Ida in ihrer neuen Rolle als Schwiegermutter schwere Geschütze auffahren. Doch die beiden Frauen sind einander ebenbürtig und schenken sich nichts.

Aber der Tag kommt, an dem Hildegard ihre Sachen packt und das Haus für immer verlässt. Allein. Vera bleibt bei Karl zurück, gefragt wurde sie nicht. Ida ist da schon nicht mehr am Leben, Hildegard von einem Architekten schwanger. Hildegard lässt sich von Karl scheiden und heiratet ein zweites Mal. Sie bekommt eine Tochter, die später selbst zwei Kinder - eine Tochter und einen Sohn - haben wird. Der Kontakt zwischen Vera und ihrer Halbschwester Marlene ist eher sporadisch, die Jüngere weiß nur wenig von der Flüchtlingsvergangenheit der Mutter.
Vera wird Zahnärztin und bleibt ihr Leben lang in dem Haus, das einmal Ida Eckhoff gehört hat. Es ist nicht so, dass sie eine bewusste Entscheidung getroffen hätte, weil sie Land und Leute ins Herz geschlossen hat; sie ist auf irgendeine Weise hier hängengeblieben, wie ein Blatt, dass sich in einem murmelnden Bach an einem kantigen Stein verfangen hat. Sie lebt ihr ziemlich einsames Leben, passt sich nicht an das an, was andere für "normal" halten und lässt Haus und Hof langsam verrotten.

Sechzig Jahre nach Veras Ankunft treffen wieder "Flüchtlinge" auf dem Altländer Hof ein: Veras Nichte Anne und ihr kleiner Sohn Leon. Anne hat bis jetzt mit ihrem Sohn und ihrem Freund in Hamburg-Ottensen gewohnt, einem Stadtteil, der vor hippen Menschen und modernen Eltern überquillt und wo sich Anne nie wirklich wohl gefühlt hat. Nachdem herausgekommen ist, dass ihr Freund sie betrogen hat, hat Anne kurzentschlossen ihre Sachen gepackt, Leon ins Auto gesetzt und ist zu ihrer Tante gefahren. Die beiden unterschiedlichen Frauen müssen sich nun aneinander gewöhnen und die Eigenheiten der jeweils anderen akzeptieren lernen.


Lesen?

 

Altes Land erzählt sehr empathisch davon wie es sich anfühlt, sein Zuhause zu verlieren und woanders, wo man nicht willkommen ist, neu anzufangen. Der Roman stellt das Leben der Altländer jedoch auch dem der Zugezogenen gegenüber: Erstere wollen sich entweder nicht daran gewöhnen, dass sich die Zeiten ändern und man sich Neuem öffnen muss oder sie werden von ihren Nachbarn belächelt, wenn sie ihre Obsthöfe um touristische Attraktionen erweitern; die neuen Bewohner, vorwiegend gutsituierte Hamburger auf Sinnsuche, haben eine romantische Vorstellung vom Leben auf dem Land, wie sie Leute pflegen, die regelmäßig in diesen Lifestyle-Magazinen blättern, in denen Bauernhöfe aufgeräumt und keimfrei und Landwirte mindestens so glücklich wie ihre Kühe sind. Für manche dieser Menschen sind die Alteingesessenen tumbe Bauern, denen es gehörig an Bildung fehlt. Man kann vermuten, dass Dörte Hansen, die selbst auf dem Land lebt, das so oder so ähnlich schon oft erlebt hat. 
Klare Leseempfehlung.

Altes Land  kostet als gebundenes Buch 19,99 Euro, als Taschenbuch 10 Euro, als epub- oder Kindle-Version 9,99 Euro sowie als Audio-CD 7,99 Euro. 

Samstag, 2. Februar 2019

# 182 - Es gibt nichts, was es nicht gibt

Mit Ferdinand von Schirach habe ich mich in der Bücherkiste schon einmal beschäftigt, als ich Euch sein Buch Carl Thorberg vorgestellt habe. Heute wird es um von Schirachs bislang letzte Veröffentlichung Strafe gehen.

Die Struktur ist bereits grundsätzlich bekannt: Der Jurist bietet seinen Lesern zwölf Kurzgeschichten an, die er mit einem für dieses Buch sehr treffenden Zitat des dänischen Philosophen und Schriftstellers Søren Kierkegaard einleitet: "Wenn alles still ist, geschieht am meisten."

Der Begriff der Strafe kommt in manchen der Fälle eher durch die Hintertür daher: Da ist zum Beispiel die Ehefrau, die verdächtigt wird, ihren Mann durch einen Schuss in den Hinterkopf ermordet zu haben. Alle Indizien sprechen gegen sie, ein Motiv hatte sie ebenfalls. Doch ihr Strafverteidiger bekommt von einem Mann, der für seine Kunden die Drecksarbeit macht, einen entscheidenden Hinweis, der den Prozessverlauf um 180° dreht. Woher der Informant in kürzester Zeit erkennen konnte, was die Polizei übersehen hatte? "Das wollen Sie nicht wissen, Herr Anwalt", lautet dessen süffisante Antwort.

Ferdinand von Schirach zeigt jedoch auch auf die Klippen, die das deutsche Strafrecht bereithält und schreibt über eine Sachlage, bei der sich dem juristisch Unkundigen die Fußnägel hochrollen, die aber in völligem Einklang mit der Rechtssituation steht: Ein unbescholtener Leiter einer Supermarktfiliale findet heraus, dass der Keller seines Hauses von Drogenkurieren als Versteck genutzt wird. Er findet dort in einer Tasche knapp fünf Kilo Kokain. Auf der Flucht vor den Kurieren verursacht er mit seinem Auto einen schweren Verkehrsunfall, wobei auch die mit Koks gefüllte Tasche gefunden wird. Wegen des Drogendelikts wird gegen ihn ein Haftbefehl erlassen. Doch wenige Wochen vor Prozessbeginn wird dem frisch gebackenen Kriminellen wegen der Unfallfahrt ein Strafbefehl zugestellt, den er akzeptiert. Doch da gibt es das Verbot, jemanden wegen derselben Sache zweimal zu verurteilen. Da das Drogendelikt allerdings in einem Tatzusammenhang mit dem Verkehrsunfall steht, es für den Unfall jedoch schon einen rechtskräftigen Strafbefehl gibt, endet der Prozess anders, als man es mit dem sogenannten "gesunden Menschenverstand" erwarten würde.

Lesen?

Wie man es von von Schirach gewohnt ist, erzeugt er in allen zwölf Texten mit seiner Klarheit und Strukturiertheit eine besondere Atmosphäre, von der nicht durch sprachliche Schnörkel abgelenkt wird. Der Ausgang aller Fälle ist überraschend und bildet die Vielfalt der menschlichen Verwerfungen ab. Und auch hier gilt: Das Böse kann gleich hinter der nächsten Tür lauern und kommt oft ganz harmlos daher.

Strafe ist bei Luchterhand erschienen und der letzte Teil einer Trilogie, die mit den Titeln Verbrechen und Schuld begonnen hat. Das gebundene Buch kostet 18 Euro, die epub- oder Kindle-Version 14,99 Euro und die MP3-CD 8,95 Euro.

Samstag, 26. Januar 2019

Eine Lesung mit Takis Würger

Ja, der Mann heißt tatsächlich so. Wer immer mal wieder einen Blick in die Bestsellerlisten wirft, der hat sicher auch im Frühling 2017 gesehen, dass sein Debütroman Der Club nahezu kritiklos die Feuilletons passiert hat und sich Autor und Verlag über sehr gute Verkaufszahlen freuen konnten.

Etwas wie "Auf einem Bein steht man schlecht" scheint sich Würger vielleicht gedacht zu haben, denn am 11. Januar 2019 ist bereits sein zweites Buch erschienen: Stella, ein Roman, der sich auf fiktive Weise um die Jüdin Stella Goldschlag rankt, die es tatsächlich gegeben hat. Stella hat den Versprechungen der Nazis geglaubt, dass diese ihre Eltern von der Deportation ins KZ verschonen würden, wenn sie dafür untergetauchte Juden verriete. Würger siedelt die Handlung im Jahr 1942 an. Eine weitere wichtige Person ist der 19-jährige Friedrich, den es zu dieser Zeit aus dem schweizerischen Dorf Choulex am Genfer See nach Berlin zieht. Friedrich verliebt sich in Stella, die sich Kristin nennt und ihm ihre wahre Identität erst später verrät. Seine Mutter, die aus Deutschland stammte, hatte ihm schon als Kind vermittelt, dass sie von Juden nichts hält. Der Autor erzählt auch, dass Friedrich im Alter von sieben Jahren für ein geringes Vergehen von einem Kutscher mit einem Ambosshorn so schwer verletzt wurde, dass seine rechte Gesichtshälfte für den Rest seines Lebens entstellt war. Der Kutscher sprach schwer verständliches Urnerdeutsch, was in der Gegend um den Genfer See nicht sehr geläufig war.

Eine Freundin fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, sie
©: Christian A. Schröder/Lizenz: siehe unten
zu einer Lesung, bei der es um Stella gehen sollte, zu begleiten. Der zunächst dafür vorgesehene Veranstaltungsort - eine Kirche in Hannover - erwies sich aufgrund der großen Kartennachfrage schnell als zu klein. Der Veranstalter, ein bekannter hannöverscher Buchhändler, gab dem Autor in einem Theater eine größere Bühne: Alle 630 Plätze waren ausverkauft. Eine sehr gute Gelegenheit, ein Buch noch bekannter zu machen. Doch was das Publikum bekam, war ein Interview, das die Autorin und Moderatorin Margarete von Schwarzkopf mit Takis Würger führte, und nur ein kleines bisschen Lesung. Drei Mal hat Würger sein Buch aufgeschlagen und jeweils für zwei oder drei Minuten Passagen daraus vorgetragen.


Vermutlich hatten die meisten Menschen im Saal mitbekommen, dass die Buchkritiker eimerweise Jauche über dem Roman ausgeschüttet hatten. Die um eine positive Atmosphäre bemühte von Schwarzkopf betonte dann auch zu Beginn, dass ja die Kritik nicht immer erfreulich ausgefallen sei, aber man sich doch lieber selbst ein Urteil bilden solle, nachdem man das Buch gelesen habe. Na ja, mein guter Wille, das zu tun, war zu diesem Zeitpunkt noch da. Doch dann ging es schon früh etwas seltsam weiter: Frau von Schwarzkopf fragte Würger, wie er denn auf den Ort Choulex als Friedrichs Heimatdorf gekommen sei. Seine Antwort: Er habe ein bisschen bei Google Maps geguckt, welcher Ortsname sich gut anhört, und dieser habe ihm gut gefallen. Aha.
Wenige Minuten später wurde dem Autor die nächste Frage gestellt, auf die er offenbar nicht vorbereitet war: Wie hört sich eigentlich Urnerdeutsch an und was macht es für andere Schweizer so schwer verständlich? Würger räumte nun ein, selbst keine Ahnung zu haben, worum es sich bei diesem Dialekt genau handele und auch nicht, wie er klingt. Ein Herr eine Reihe vor mir schüttelte missbilligend den Kopf, meine optimistische Grundhaltung verdüsterte sich.

Im weiteren Verlauf des Abends habe ich gelernt, dass Würger reichlich Aktenstudium betrieben und Museen besucht hat, um möglichst viel über Stella Goldschlag herauszufinden, sich beim Schreiben von ihrer Person jedoch wieder gelöst hat, da er ja einen fiktionalen Roman verfassen wollte. Soso. Wie es dazu passt, dass sich auf dem Buchcover ein Porträtfoto der tatsächlichen Stella findet, erschließt sich mir nicht.

Immer wieder hatte ich den Eindruck, dass Margarete von Schwarzkopf und Takis Würger sich nicht ausreichend auf diesen Abend vorbereitet hatten. Auf manche Fragen folgten sekundenlange Pausen, in denen Würger sich eine passende Antwort überlegte oder sich ständig mit "Ähs" behalf. Meine Freundin raunte mir einmal zu: "Wenn da noch mehr Ähs kommen, verliere ich den Faden." Sie hatte recht, diese Unsicherheiten gab es deutlich zu oft. Aber warum? Takis Würger kennt die Situation schon von der Lesereise für Der Club, der Temin in Hannover für Stella war bereits der fünfte, danach sind noch 42 weitere geplant. Waren die vielen Zuschauer ungewohnt? Das ist möglich, aber ich hatte gerade von einem gelernten Journalisten (Würger ist Redakteur beim SPIEGEL) mehr Professionalität erwartet.

Die Chancen, dass ich Stella kaufen werde, stehen jetzt eher schlecht. Das Konzept, das in Würgers Buch mündete, machte auf mich einen unausgegorenen Eindruck. 



Foto Schauspielhaus Hannover: Lizenz unter https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de. Es wurden keine Veränderungen vorgenommen.

Donnerstag, 17. Januar 2019

Das Revival der 1920-er Jahre


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Die Serie „Babylon Berlin“ ist in (fast) in aller Munde,
aber wie viele ihrer Fans wissen, dass sie auf eine Bestsellerreihe des Krimi-Autors Volker Kutscher zurückgeht? Die Entwicklungen während der Weimarer Republik werden dort wie durch ein Brennglas auf Berlin fokussiert. Der erste Teil der Serie, Der nasse Fisch, erschien bereits 2007. Das Besondere daran: Es bleibt in diesem wie in den nachfolgenden Bänden der Reihe nicht dabei, die Hauptfigur Gereon Rath ein Delikt nach dem anderen aufklären zu lassen, sondern die Leser bekommen gewissermaßen im „Vorbeilesen“ zahlreiche Informationen über historische Fakten serviert. 

Ich gehöre zu denen, die zunächst ein Buch lesen, bevor sie sich den zugehörigen Film oder die dazu gedrehte Serie ansehen. Wer der Meinung ist, zum Lesen keine Zeit zu haben, sich aber die literarischen Highlights nicht entgehen lassen möchte, für den ist ein Hörbuch das Medium der Wahl. Eine tolle Auswahl an Hörbüchern aus den 1920-er Jahren bietet das Audible Magazin. Dort sieht man, dass nicht nur Kutschers Romane in diesem Segment erfolgreich vertreten sind, sondern auch andere Titel, die im Laufe des letzten Jahres zum Thema „Die 20-er“ zahlreich besprochen und diskutiert wurden. Wenn Martha tanzt von Tom Saller gehört ebenso dazu wie Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald. Der bereits 1925 veröffentlichte Roman, der in dieser Zeit angesiedelt ist, erlebte eine wahre Renaissance, als er auf der Grundlage des Drehbuchs des Regisseurs Francis Ford Coppola 1974 mit Mia Farrow und Robert Redford in den Hauptrollen verfilmt wurde. Die zweite Filmversion, die 2013 die Kinocharts stürmte, war nicht weniger erfolgreich, was auch am Hauptdarsteller Leonardo Di Caprio gelegen haben dürfte. Auch dieses Buch kann angehört werden. Der bekannte Schauspieler Burghart Klaußner sorgt mit seiner markanten Stimme dafür, die 1920-er Jahre vor dem geistigen Auge der Zuhörer wieder aufleben zu lassen. 

Wer sich fast 100 Jahre zurückversetzen möchte, kann nicht nur zum Buch öder Hörbuch greifen, sondern sich auch mit der passenden Musik die entsprechende Atmosphäre nach Hause holen. Wenn man mit der damaligen Form des Charlestons und Swings nichts anfangen kann, dann gefällt wahrscheinlich eher deren moderne Variante: Beim Elektroswing werden die bekannten Swingrhythmen durch elektronische Beats auf ein anderes Niveau gehoben und so auch für heutige Hörgewohnheiten interessant und vor allem: tanzbar. 

Menschen schauen gern zurück, und man kann oft den Eindruck haben, dass sie es umso verklärter tun, je weiter ein Ereignis oder eine Epoche zurückliegt. Das gilt auch für die 1920-er Jahre, die – wieder einmal – auferstehen, zumindest in mancher Hinsicht. Dass dieses Jahrzehnt ein sehr schwieriges in der deutschen Geschichte war und eine Krise die andere jagte, dass sich das Volk durch die in den Versailler Verträgen vereinbarten Reparationszahlungen ausgequetscht fühlte wie eine Zitrone und große Teile der Bevölkerung in Armut versanken: Das alles verblasst im heutigen Bewusstsein immer mehr, wenn von den „Goldenen 20-ern“ die Rede ist. Aber sich hörend, sehend oder lesend in eine vergangene Zeit entführen zu lassen, gibt auf jeden Fall der Phantasie Flügel. In diesem Sinne: Let’s swing again!

Freitag, 11. Januar 2019

# 181 - Was schon Mark Twain wusste

"Deutsche Sprache, schwere Sprache" - diesem Ausspruch wird die Amerikanerin Dana Newman wahrscheinlich sofort zustimmen. Das legt zumindest ihr Buch You go me on the cookie nahe, in dem sie schildert, über welche Sprachfallen sie anfangs gestolpert ist oder immer noch stolpert. 

Dana Newman hat zunächst mithilfe eines Lehrbuches und der dazugehörigen CD versucht, Deutsch zu lernen. Auch Unterricht hat sie genommen, sich im Alltag mit der Sprache umgeben, indem sie zum Beispiel Nachrichten hörte, und dergleichen mehr. Jahre sind über dem Deutschlernen vergangen, und wenn man ihre Wechselbäder aus der Freude darüber, endlich den richtigen Begriff oder eine Regel gelernt und angewandt zu haben, und der folgenden Enttäuschung, dass es dann doch wieder -zig Ausnahmen gibt, verfolgt, kann sie einem oft leid tun. Peinliche Situationen gibt es selbstredend dazu wie die Amarenakirsche auf dem Sahnehäubchen eines Eisbechers. Ihr deutscher Ehemann Stefan ist ihr in vielen Fällen keine große Hilfe: Er weiß, warum man ein Wort so oder so schreibt oder verwendet, aber leider oft nicht, warum. Ich glaube, damit befindet er sich in bester (deutscher) Gesellschaft.

Newman machen auch regionale Unterschiede zu schaffen. Das reicht von der Verwendung verschiedener Begriffe für ein und dieselbe Sache bis zu lapidaren Dingen wie der Uhrzeit: Weiß jeder, was mit "viertel 8" gemeint ist? Das ist eine eher süd- oder ostdeutsche Zeitangabe, im Norden ist sie ungebräuchlich. Aber das ist nur ein Beispiel von vielen, die die Autorin immer wieder dazu bringen, sich verzweifelt die Haare zu raufen.

Wie war's?

 

You go me on the cookie ist ein sehr witzig geschriebenes Buch, und ich finde es toll, dass Dana Newman nie aufgegeben hat, korrektes Deutsch zu lernen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ebenso viel Energie und Ausdauer aufgebracht hätte wie sie.

Dana, solltest Du das hier lesen, empfehle ich Dir das Buch eines Landsmanns, der allerdings schon lange verstorben ist: Mark Twain und Du wäret sicher ein Herz und eine Seele, wenn es um die Einschätzung geht, wie "leicht" sich Deutsch lernen lässt. Am 21. November 1897 hielt Twain eine Rede vor dem Wiener Presse-Club, in der er seinen Problemen mit unserer Sprache auf humorvolle Weise Luft gemacht hat. 
Sein Buch "Die schreckliche deutsche Sprache" kann man sich hier anhören: 


You go me on the cookie ist bei Goldmann erschienen und kostet als Taschenbuch 10 Euro und als epub- oder Kindle-Ausgabe 9,99 Euro. 

Wer sich Dana Newman quasi live und in Farbe ansehen möchte, kann das übrigens auf ihrem Youtube-Kanal Wanted Adventure - an american in germany tun. Dort gibt es viele Videos darüber, wie es ist, als Amerikanerin Deutsch zu sprechen. 

Freitag, 4. Januar 2019

# 180 - Über die Liebe und den Mut

Die Überschrift hätte auch "Über den Mut zur Liebe" heißen können, denn darum geht es in der Geschichte von Anna Gavalda: In Das Wetter ist schön, das Leben auch ist der stille Buchhalter Olivier mit Haut und Haaren Sarah, der Verkaufsleiterin in seiner Firma, verfallen. So sehr, dass er in einem Pariser Kaufhaus schöne Dessous für sie aussucht und sich dabei vorstellt, mit Sarah verheiratet zu sein.
Leider ist er nicht der Einzige, der Sarah unwiderstehlich findet, was seinen Mut, ihr seine Liebe zu gestehen nicht gerade steigert.

Olivier wohnt mit seinen Schwestern Fanny und Myriam in einer gemütlichen WG. Doch als Fanny ihr Examen besteht und der Anlass in der Wohnung gefeiert wird, passiert etwas, das Olivier glasklar vor Augen führt, dass sich in seinem Leben etwas ändern muss.

Das Wetter ist schön, das Leben auch ist ein - so kitschig dieses Wort auch ist - herzerwärmendes Buch, das zeigt, dass es sich lohnen kann, seinem Leben eine neue Richtung zu geben.  

Diese Rezension fällt so kurz aus, weil auch das Buch kurz ist: Die Erzählung stammt ursprünglich aus dem Buch Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet und hatte dort den Titel "Klick-Klack". Mit nur rund 45 Seiten ist sie schnell gelesen, hat aber das Potenzial, immer mal wieder aus dem Bücherschrank geholt zu werden. Die mir vorliegende Ausgabe stammt denn auch aus einem Bücherschrank, nämlich dem des Hotels, in dem wir diesmal Silvester gefeiert haben.
Das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich, was auf den einschlägigen Websites aber kein Problem ist.

Donnerstag, 3. Januar 2019

Ein spezieller Jahresrückblick

Ich habe auf dem Blog Frauenleserin von Kerstin Herbert einen besonderen Jahresrückblick gesehen, der für Kerstin gleichzeitig der Start einer Blogparade ist. Den Anstoß gab eine Pilotstudie mit dem Titel "Sichtbarkeit von Frauen in den Medien und im Literaturbetrieb", die das Ergebnis des Projekts #Frauenzählen gewesen ist. Hinter der von der Universität Rostock wissenschaftlich begleiteten Studie stand eine verbandsübergreifende Arbeitsgemeinschaft. Im März 2018 wurden über 2.000 Literaturkritiken und Rezensionen, die aus 69 deutschen Medienformaten (TV, Radio, Print) stammten, analysiert und ausgewertet. Dabei stellte sich u. a. heraus, dass in allen Medien (Ausnahme: Frauenzeitschriften) nur ein Drittel der Buchbesprechungen sich Titeln widmeten, die von einer Frau stammten. Das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Kritikern betrug dabei 4 : 3; drei Viertel der von männlichen Kritikern besprochenen Werke stammten von Männern, bei Kritikerinnen ist das Verhältnis ausgewogen. 

Kerstin hat diese Ergebnisse nun zum Anlass genommen, ihr eigenes Blogverhalten näher zu betrachten und sich fünf Fragen gestellt, die sie nicht nur beantwortet hat, sondern mit ihrer Blogparade auch an andere Buchblogger weitergibt: 

  1.  Wie hoch ist Deine „Frauenquote“? Wie viele Bücher hast Du in diesem Jahr gelesen und/oder rezensiert? Wie viele davon wurden von Autorinnen verfasst?
  2.  Welches Buch einer Autorin ist Dein diesjähriges Lesehighlight? (Warum?)
  3.  Welche Autorin hast Du in diesem Jahr für Dich entdeckt und was macht Sie für Dich so besonders?
  4.  Welche  weibliche Lebensgeschichte oder Biografie hat Dich in diesem Jahr besonders beeindruckt (und warum?)
  5.  Welches Buch einer Autorin möchtest Du in 2019 unbedingt lesen?

Das habe ich mir für meine Bücherkiste gleich mal näher angesehen. Die Antworten:
  1. Ich habe 50 Bücher vorgestellt - vom Thriller bis zum Sachbuch. Hätte man mich vor meiner Zählung gefragt, ob die Rezensionen von Büchern weiblicher oder männlicher Autoren überwiegen, hätte ich geschätzt, dass sie gleich oft vertreten gewesen sind. Irrtum. 20 Titel wurden von Autorinnen und 29 von Autoren verfasst. Ein Sachbuch stammt von zwei Autorinnen sowie zwei Autoren. Die Quote ist nicht so haarsträubend wie die, die in der Pilotstudie ermittelt wurde, aber Fairness sieht anders aus.
  2. Ein einzelnes Buch einer Autorin zum Lesehighlight 2018 zu küren, schaffe ich nicht. Madeleine Albright mit Faschismus - eine Warnung gehört aber sicher dazu. Aus eigener Anschauung weiß sie, wie sich die Anfänge einer Entwicklung hin zum Faschismus zeigen und weist auf Parallelen zu historischen Entwicklungen hin, die in einer Vielzahl von Ländern - auch in Deutschland - bereits erkennbar sind.
  3. Zu meinen persönlichen Entdeckungen gehören die Krimi-Autorinnen Petra Ivanov und Estelle Surbranche. Beide schreiben spannende Bücher; bei Ivanov spielen die persönlichen Beziehungen der Figuren untereinander eine Rolle, Surbranche ist die Autorin für alle, die es mögen, wenn es "ans Eingemachte" geht.
  4. In Hidden Figures geht es um den Einfluss schwarzer Mathematikerinnen auf die US-Raumfahrt vor allem in den 1960-er Jahren. Mich hat die Zähigkeit dieser Frauen sehr beeindruckt, die für ihr Studium gekämpft haben und sich in der frauen- und schwarzenfeindlichen Berufswelt täglich aufs Neue durchbeißen mussten.
  5. Für 2019 steht Michelle Obama mit Becoming ganz weit oben auf meiner Wunschliste.

Das Ungleichgewicht  bei meinen rezensierten Büchern hat mich nachdenklich gemacht. Ich werde aber nicht dazu übergehen, künftig Strichlisten zu führen, um einen zu großen Vorsprung der einen oder anderen Seite zu vermeiden. Aber ich nehme mir vor, genauer hinzusehen und in dieser Hinsicht grundsätzlich aufmerksamer zu sein. In einem Jahr werde ich wieder nachzählen.

Ich freue mich auf ein neues Buchjahr mit vielen neuen Titeln und hoffe, dass ich euch Bücher zeigen kann, die euch interessieren. Schau'n wir mal. 😉

Samstag, 29. Dezember 2018

# 179 - Der kinderliebe Herr Pfarrer

Die Farbe von Milch der britischen Schriftstellerin Nell Leyshon beginnt 1831, als Mary gerade fünfzehn geworden ist. Sie will erzählen, was ihr seit dem Frühling 1830 widerfahren ist. 

Mary ist die jüngste Tochter eines armen Bauernpaares. Auch ihr Großvater lebt im Haus. Er ist aber nach einem Unfall nicht mehr arbeitsfähig und fristet seine Tage im Apfelkeller.
Das Leben der vier Mädchen wird von den Aufgaben bestimmt, die auf dem kleinen Hof täglich erfüllt werden müssen. Der Vater ist enttäuscht, dass seine Frau keinen Sohn geboren hat und darüber, dass Mary mit einer Gehbehinderung zur Welt gekommen ist. Er treibt seine Töchter ununterbrochen zur Arbeit an und hat die Familie fest im Griff. Die Mutter fügt sich; auch dann, wenn eines ihrer Kinder unter der Gewalttätigkeit ihres Mannes zuleiden hat. Aber Mary hat sich mit all dem arrangiert, sie kennt nichts anderes.

Marys Leben ändert sich gründlich, als ihr Vater mit dem Pfarrer eine Abmachung trifft: Die Pfarrersfrau ist schwer krank, und Mary soll bei ihr sein und außerdem die Haushälterin unterstützen. Der Pfarrershaushalt ist für das Mädchen wie das Eintauchen in eine fremde Welt: Im Pfarrhaus gibt es viele Zimmer mit schönen Möbeln und etlichen Regeln, die sie nach und nach lernt. Um Ralph, den Sohn des Hauses, macht sie wenn möglich einen Bogen: Sie hat ihn nachts mit einer ihrer Schwestern beobachtet und hält ihn für einen Schürzenjäger - was stimmt. 
Mary fällt durch ihre spitze Zunge und ihren wachen Verstand auf. Nachdem seine Frau gestorben ist, unterrichtet sie der Pfarrer deshalb im Lesen und Schreiben. Doch sie merkt schnell, dass er dafür eine Gegenleistung erwartet. Das eigentliche Drama fängt mit dieser Erkenntnis erst an.

Nell Leyshon lässt Mary in ihrer einfachen und direkten Sprache erzählen. Zu Beginn ist der Mangel an Satzzeichen irritierend, aber je mehr die Handlung voranschreitet, umso deutlicher wird der Grund dafür. 
Der Buchtitel Die Farbe von Milch bezieht sich auf Marys Haare; sie selbst bezeichnet sie so.
Der Zeitpunkt der Handlung fällt in die Hochphase der britischen Industrialisierung und der damit verbundenen gesellschaftlichen Umwälzungen, in deren Folge die Einwohnerzahl Großbritanniens rasant zunahm. Standesunterschiede waren in dieser Zeit wie in Stein gemeißelt: Was eine Respektsperson wie der Pfarrer sagte, zählte. Tat er Unrecht, wurde der Mantel des Schweigens darübergelegt. Mary hat nicht die Möglichkeit, der bedrohlichen Situation zu entkommen, weil ihre Familie das Geld braucht, was sie beim Pfarrer verdient. Doch alles hat einmal ein Ende.

Lesen?

 

Ja. Gerade die einfache Sprache macht Die Farbe von Milch zu einem authentischen Roman und lässt das Leben der bitterarmen Landbevölkerung nahe heranrücken.
Das Buch wurde mit von Netgalley zur Verfügung gestellt. es kostet gebunden 18 Euro, als Taschenbuch 10 Euro, als Audio-CD 13,45 Euro und als epub- oder Kindle-Edition 16,99 Euro.

Freitag, 21. Dezember 2018

# 178 - Der Beginn einer neuen Thriller-Reihe

Martin Krist ist den regelmäßigen Besuchern dieses Blogs längst gut bekannt; am Ende dieses Textes werde ich Euch die Rezensionen verlinken, die ich bisher über Bücher von ihm geschrieben habe.

Nun also etwas Neues. Martin Krist hat mit Freak City eine neue in New York spielende Thriller-Serie gestartet, an die man durchaus hohe Erwartungen knüpfen kann. Und die habe ich. Mitte November 2018 ist nun der erste Teil erschienen: Hexenkessel. Die Hauptfigur ist Pearl, ein Mann mit indianischen Wurzeln, dessen Vergangenheit im Nebel liegt. An seinen Narben, die er auch im Gesicht hat, ist jedoch abzulesen, dass in seinem Leben nicht immer alles eitel Sonnenschein war. Pearl hat eine Affäre mit der Frau eines bekannten TV-Moderators und lässt sich engagieren, wenn es darum geht, Schwerkriminelle oder deren Opfer aufzuspüren. Das Wort "Privatdetektiv" würde auf ihn aber nicht passen: Es ist zu seriös, um ihn zu beschreiben. Was andere immer wieder zu spüren bekommen, ist seine schnell aufschäumende Wut, die sich in brutalen Handgreiflichkeiten entlädt.

Pearl wird von Dagobert Trump, einem Musical-Regisseur angeheuert, der seit Tagen seine Hauptdarstellerin Francine Sharpio vermisst. Nach seiner Darstellung hatte die Künstlerin eine große Karriere vor sich, ein Selbstmord scheidet deshalb aus. Francines Gatte macht sich indessen keine großen Gedanken um den Verbleib seiner Frau.

Zeitgleich hat sich die geschiedene Mutter Patsy von ihrem Freund Milo dazu anstiften lassen, ihn bei einem völlig ungefährlichen Einbruch zu unterstützen. Milo hat schon ein paar Jahre Knast hinter sich, aber Patsy versprochen, ein ehrliches Leben zu führen - nach diesem Bruch.
Patsy macht nur dieses eine Mal mit, um mit ihrer Tochter aus dem Dunstkreis ihres Ex-Mannes verschwinden und mit dem Mädchen ein neues Leben anfangen zu können. Man ahnt es bereits: Der Plan geht gehörig in die Hose. Sie werden auf frischer Tat von Ivo Weitzman, dem Hauseigentümer,  überrascht, der gleich mit der Flinte auf sie zielt. Doch die Drei sind nicht allein: Fast wie aus dem Nichts taucht ein Fremder auf, der eine Unachtsamkeit Weitzmans nutzt, um ihn niederzustechen. Auf ihrer Flucht vor dem Mörder finden Patsy und Milo im Schlafzimmer eine übel zugerichtete Tote, der die Augäpfel entfernt wurden. Die beiden sollen nicht die einzigen Mordopfer dieses Thrillers bleiben.

Die zwei Handlungsstränge bewegen sich langsam aufeinander zu, der Leser erfährt jedoch erst zum Schluss, ob es zwischen ihnen eine Verbindung gibt. Durch den Thriller zieht sich noch ein weiteres Thema, das vermutlich auch im nächsten Teil der Serie weitergeführt wird: Pearl hat mehr oder weniger freiwilligen Kontakt zu einem Polizisten, dessen herausragendste Eigenschaft seine Korrumpierbarkeit ist. 

Wie war's?

 

Hexenkessel hat meine Erwartungen an Handlung und Spannung voll erfüllt. Wer Thriller mag, die ihre Leser durchgehend bei der Stange halten, sollte diese Serie im Auge behalten. Wie es mit ihr weitergeht, erfahrt ihr hier.

Hexenkessel ist bei R&K erschienen und kostet als E-Book 0,99 € sowie als Taschenbuch 9,99 €. 

Über diese Thriller von Martin Krist habe ich bereits in der Bücherkiste geschrieben:
 
Böses Kind
Brandstifter
Drecksspiel
Kalte Haut 
Stille Schwester