Donnerstag, 23. Juni 2022

# 353 - Vom ersten bis zum letzten Atemzug: Rechtsfragen, die das ganze Leben betreffen

Christian Solmecke ist vielen aus dem Internet bekannt: Bei YouTube erklärt der Rechtsanwalt seit fast zwölf Jahren in seinem Kanal Kanzlei WBS Rechtliches aus dem Alltag oder der aktuellen öffentlichen Diskussion.

Nun hat sich Solmecke entschlossen, die wichtigsten juristischen Fragen, die sich vielen von uns stellen, in einem Buch zusammenzustellen: Der Taschenanwalt. In 16 Kapiteln erklärt der Anwalt, ob unser Gefühl dafür, was richtig und gerecht ist, auch dem geltenden Recht entspricht. Ob es um die Geburt, die Familiengründung, den Urlaub, das Berufsleben, die Freizeit und nicht zuletzt auch den Tod geht: Alles wird so erklärt, dass es auch Menschen, die mit der Juristerei nichts am Hut haben, verstehen. Auch das Verhalten im Internet wird beleuchtet - ich glaube, so mancher ist sich nicht bewusst, dass er hier oft haarscharf an der Illegalität vorbeischrammt.

Jedes Kapitel wird von einer Einführung und einer Illustration des Cartoonisten Dirk Meissner eingeleitet.

Lesen?

Der Taschenanwalt ist auf jeden Fall eine Leseempfehlung: Christian Solmecke löst so einige Mythen und Gerüchte aus dem deutschen Recht auf, an die wir bislang fest geglaubt haben. Das Buch ist eine sehr erhellende Lektüre für (fast) alle Lebenslagen.

Der Taschenanwalt ist 2022 bei Yes Publishing erschienen und kostet als Taschenbuch 14,99 Euro und als E-Book 11,99 Euro.


Freitag, 17. Juni 2022

# 352 - 800 Jahre kriminelles Treiben in Mecklenburg und Vorpommern in einem Buch

Bert Lingnau hat es wieder getan: Vor vier Jahren hat er mit Rübe ab! den ersten Band mit tatsächlich geschehenen Kriminalfällen zwischen der Lübecker Bucht und Usedom herausgebracht, mit Singende Barsche folgt nun die Fortsetzung.

62 echte Kriminalfälle hat Lingnau zusammengetragen, die sich zwischen 1185 und 1985 ereignet haben. Auf der Grundlage umfangreicher Recherchen in Archiven, Büchern, Zeitungen und Websites schildert der Journalist lustige, aber auch schaurige Taten. Damit klar ist, in welche Kategorie jede Missetat fällt, hat Lingnau jede einzelne Schilderung mit verschiedenfarbigen Barschen gekennzeichnet. Wer sich nicht mit zu üblen Taten belasten will, kann die Fälle, die mit einem schwarzen Fisch versehen sind, einfach überschlagen.

Bert Lingnau erzählt zum Beispiel von einer 1983 gescheiterten "Republikflucht" aus der DDR und ihren Begleitumständen, einem Schmied, der 1885 seine herrische Schwiegermutter erdrosselte oder einem Fall, der sich 1985 zugetragen und diplomatische Verwicklungen ausgelöst hat: Ein US-Offizier wurde in der Nähe von Ludwigslust von einem sowjetischen Wachposten angeschossen, der dessen Fahrer daran hinderte, seinem Vorgesetzten Erste Hilfe zu leisten. Der Offizier starb an seiner Verletzung.

Das Buch greift auch Themen auf, die einem sehr bekannt vorkommen: Da geht es um Denunzianten, die ihre Mitmenschen der Hexerei bezichtigten, um sie loszuwerden; ein immer wiederkehrendes Tatmotiv - daran hat sich bis heute nichts geändert - ist die Gier, und viele kriminelle Übergriffe passierten im Vollrausch. Haben sich Kriminelle und ihre Motive im Laufe der letzten 800 Jahre denn gar nicht geändert? Oft kann man tatsächlich diesen Eindruck haben: Im Mittelalter flogen Diebe, Betrüger und Mörder häufig auf, weil sie ihre Taten vorher nicht geplant hatten oder der Plan diesen Namen nicht verdiente. Andere, insbesondere korrupte Amtsträger, hielten sich für cleverer, als sie waren. Und auch die Verfolgung der Juden ist ein Thema, das den Rahmen für Kriminalfälle bildet.

Einen deutlichen Unterschied zwischen dem Mittelalter und unserer Zeit gibt es allerdings in der Art und Weise, wie mit Verbrechen umgegangen wurde: Damals genügte ein Hinweis oder ein bloßer Anschein einer Straftat, um festgenommen und vor Gericht gestellt zu werden. Urteile wurden auch dann gesprochen, wenn die Beweislage so dünn wie ein Spinnennetz war. 'In dubio pro reo' war der mittelalterlichen Rechtsprechung fremd, es galt vielmehr der Rachegedanke. Dazu gehörte auch, dass der Henker jede Menge zu tun bekam - ein todsicherer Beruf also.

Auch Singende Barsche ist wie Rübe ab! in vier regionale Kapitel aufgeteilt und enthält zahlreiche von Bert Lingnau selbst gemachte Fotos, die die Landschaften zeigen, in denen sich "de Moorden" (plattdeutsch für Morde) und andere Missetaten ereignet haben. Im letzten Kapitel kommen Niederdeutsch-Fans auf ihre Kosten: Den Personen werden plattdeutsche Dialoge in den Mund gelegt, wie sie früher höchstwahrscheinlich stattgefunden haben.

Lesen?

Wer Rübe ab! mochte, wird auch Singende Barsche gern lesen. Viele Kriminalfälle sind kurios, oft muss man schmunzeln. Das Buch kann man auch zwischendurch zur Hand nehmen, den jeder Fall beschränkt sich auf drei Seiten. Die Übersichtskarte am Ende des Buches, aus der die einzelnen Tatorte hervorgehen, macht den Titel "rund".

Singende Barsche ist 2022 im Klatschmohn Verlag erschienen und kostet als Taschenbuch 11,80 Euro.


Mittwoch, 15. Juni 2022

Konfetti! Die Bücherkiste wird sieben Jahre alt

Vor genau sieben Jahren, am 15. Juni 2015, habe ich mir einen Ruck gegeben und einfach losgelegt. Vom Bloggen hatte ich keinen Schimmer, und eine ganze Weile waren die Rezensionen so ausführlich, dass man sich nach dem Lesen den Kauf des vorgestellten Buches im Grunde schenken konnte.

Viele Buchblogger haben einen Schwerpunkt, nach dem sich ihre Titelauswahl richtet. Kochbücher, Reisebücher, Fotobände oder Kinderbücher: Die Auswahl ist riesengroß. Ich hatte damals auch überlegt, mich auf ein Genre zu beschränken. Aber mein Ehrgeiz war, jede Woche ein Buch vorzustellen. Das hat auch meistens geklappt, aber allein die Vorstellung, ständig z. B. Krimis zu lesen, weil ich nun mal einen Krimi-Blog habe, hat mich abgeschreckt.

Meine Interessen sind damals breit gefächert gewesen und sind es noch. Das spiegelt sich in meiner Bücherkiste wider und wird auch in Zukunft so bleiben.

Sieben Jahre erscheinen lang, wenn man sie noch vor sich hat. In der Rückschau sind sie fast wie im Flug vergangen. Über 350 Bücher habe ich euch vorgestellt, die ihr alle in der Cover-Parade (Reiter oben) auf einen Blick habt. Werde ich in sieben Jahren - 2029 - immer noch vor dem Laptop sitzen und Rezensionen über Bücher schreiben, die mich interessiert haben? Okay, es waren auch einige dabei, die mir nicht gefallen haben. Aber in die meisten Titel habe ich mich gern vertieft.

Ich bedanke mich für eure Treue und hoffe, dass ihr auch in Zukunft immer mal wieder in der Bücherkiste vorbeischaut. Bis dann! 

Ach, ja: Das hier ist übrigens der allererste Blogtext.


via GIFER

Photo credit: Eva the Weaver on Visualhunt.com

Samstag, 11. Juni 2022

# 351 - Lass dich mit Achtsamkeit durchs Leben tragen, damit du es behältst

Björn Diemel könnte ein glücklicher und zufriedener
Mensch sein: Er verdient als angestellter Anwalt in einer Gemeinschaftskanzlei viel Geld, ist verheiratet und hat eine süße zweieinhalbjährige Tochter namens Emily, an der er sehr hängt. Doch die Hauptperson in Karsten Dusses Kriminalkomödie Achtsam morden hat gerade keinen guten Lauf: Seine Frau Katharina beklagt sich über seine mangelnde Aufmerksamkeit ihr und besonders Emily gegenüber und Björn ist zwischenzeitlich klar geworden, dass er niemals seinen Traum, Kanzleipartner zu werden, erreichen wird. Der Grund: Er hat mit seinem Mandanten Dragan zwar eine hochlukrative und stetig sprudelnde Einnahmequelle, aber den Schwerkriminellen zu vertreten wird intern als "Bäh-Mandat" bezeichnet. Man freut sich über den nie versiegenden Honorarstrom, will sich aber offiziell nicht die Finger schmutzig machen. Klar, dass sich bei einem Mann wie Dragan die anwaltliche Vertretung nicht auf gelegentliche Auftritte bei der Polizei und vor Gericht beschränkt. Björn schrammt sehr oft hart am Rand der Legalität entlang.

Um eventuell die Ehe, aber auf jeden Fall die Vater-Tochter-Beziehung zu Emily zu retten, wird Björn von Katharina zu einem Achtsamkeitstraining gezwungen. Zwölf Wochen lang soll sich der gestresste Jurist auf einen Trainer einlassen, der ihm nach und nach zeigt, wie man sein Leben entschleunigt und wieder mit sich ins Reine kommt. Das Konzept der Zeitinseln, die man nur für sich und seine eigenen Bedürfnisse reserviert, gefällt Björn. Doch sein Mandant Dragan kann mit so einem Gedöns nichts anfangen: In einer spektakulären Aktion hat der Verbrecher auf einem Autobahnparkplatz den engsten Vertrauten eines Clanchefs gemeuchelt, mit dem er seit Jahren verfeindet ist. Dummerweise wurde die Tat von fünfzig Schulkindern gefilmt, die in einem Reisebus saßen, der gerade auf den Parkplatz einbog... 

Dragan verlangt von Björn, ihm beim Untertauchen zu helfen. Dass Björn gerade im Begriff war, mit Emily in ein gemeinsames Wochenende an einem See aufzubrechen, interessiert den Kriminellen nicht. Dank des Achtsamkeitstrainings mitsamt des zugehörigen Trainingsbuches gelingt es Björn, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Er verbringt eine schöne Zeit mit seiner Tochter und findet für Dragan eine "Lösung". Diese Art der "Lösung" zieht jedoch weitere Probleme nach sich, sodass sich Björn bald in Lebensgefahr befindet. Aber viele Schwierigkeiten lassen sich bewältigen, wenn man die Achtsamkeit nicht aus den Augen verliert.

Lesen?

Karsten Dusse ist Rechtsanwalt, hat sich aber auf den unblutigen Bereich des Miet- und Eigentumsrechts spezialisiert. Den häufig strapazierten Begriff der Achtsamkeit hat er mit sehr viel Humor für sein Buch genutzt: Sein Protagonist Björn Diemel schafft es, alle Schwierigkeiten, die zunächst unlösbar erscheinen - vom fehlenden Kindergartenplatz für Emily bis zur "Ruhigstellung" von Schwerkriminellen, die ihn bedrohen - mit kühlem Kopf und gezieltem Atmen sowie der strikten Beachtung aller Achtsamkeitsregeln in den Griff zu kriegen. 

Dusse gelingt es erfreulicherweise, auch die blutigsten und ekelhaftesten Szenen nicht in effektheischerischen Splatter abgleiten zu lassen, sodass man sich tatsächlich auch dann noch amüsieren kann, wenn buchstäblich die Köpfe rollen.

Achtsam morden ist kein Achtsamkeitsratgeber, sondern Unterhaltung. Unter diesem Vorzeichen sollten auch die Passagen aus dem fiktiven Buch des Achtsamkeitstrainers gelesen werden.

Das Buch ist 2019 im Heyne Verlag erschienen und kostet sowohl als Taschenbuch als auch E-Book 10,99 Euro sowie als Hörbuch 11,99 Euro. Das Hörbuch wurde von Matthias Matschke gelesen und erhielt 2020 den Deutschen Hörbuchpreis.

Montag, 6. Juni 2022

# 350 - Butter, Tote und gesellschaftliche Normen - alles in einem Roman

Manako Kajii ist dick, selbstsüchtig und wird
beschuldigt, drei Männer getötet zu haben. Die Tötungsart ist höchst merkwürdig: Die Frau, die mithilfe von Internet-Partnerportalen ihre späteren Partner kennenlernte, kocht leidenschaftlich gern. Dabei spart sie nicht an Kalorien: Butter gehört zu ihren liebsten Zutaten, und das reichhaltige fettige Essen soll den Männern den Garaus gemacht haben. Zumindest indirekt. Ganz direkt hat sie vom Vermögen der Verblichenen profitiert.

Rika Machida ist auf den ersten Blick das genaue Gegenteil: Die Journalistin achtet penibel darauf, sehr schlank zu bleiben, hat einen Freund, der wie sie mit seiner Arbeit sehr eingespannt ist, und will beruflich weiterkommen. Die beiden Frauen treffen im Roman Butter der japanischen Schriftstellerin Asako Yuzuki aufeinander, und was als Recherche für eine mehrteilige Interview-Serie über die mutmaßliche Mörderin Manako angelegt ist, entwickelt sich nach und nach in eine andere unerwartete Richtung.

Rikas Versuche, die Angeklagte im Untersuchungsgefängnis zu befragen, scheitern zunächst. Erst als die Journalistin auf Manakos Bedingung eingeht, deren Gerichte nachzukochen, kommt es zu mehreren Begegnungen im Besucherraum. Rikas anfängliche Abneigung gegen die Frau, der es egal zu sein scheint, was andere über ihre Figur und ihren Lebensstil denken, weicht einer gewissen Faszination. Sie wird von Manako nicht nur dazu gebracht, ungewohntes Essen zuzubereiten und zu verzehren, sondern sie lässt sich von der Gefangenen auch an Orte schicken, die deren Lebensweg geprägt haben. Rika erkennt erst spät, dass sie manipuliert wird. Während ihrer Recherche wird sie jedoch auch mit einem traumatischen Ereignis aus ihrer Kindheit konfrontiert, dem sie sich erst jetzt stellt.

Butter erzählt nicht nur die Geschichte einer Mörderin, sondern Asako Yuzuki nutzt die Figur der Rika sowie ihrer besten Freundin Reiko dazu, deutliche Kritik am japanischen Gesellschaftsmodell zu üben: Von Frauen wird nicht nur erwartet, dass sie schlank und gepflegt sind, sondern sich dem immensen beruflichen Leistungsdruck ebenso beugen wie Männer - sogar, wenn sie eine Familie haben. Sobald sie verheiratet sind, sollten sie sich allerdings beruflich im Hintergrund halten; wenn das erste Kind geboren ist, wird das Leben der Frauen im Idealfall allein von der Familie bestimmt. Das scheint tatsächlich nötig zu sein, denn Männer werden in diesem Roman als derart unselbständig beschrieben, dass sie sich nicht selbst eine Mahlzeit zubereiten können und ohne eine Frau an ihrer Seite verwahrlosen. Dass es sich dabei auch um moralische Verwahrlosung handeln kann, schildert Yuzuki mit einer Episode aus Manakos Kindheit, in der ein Kinderschänder im Mittelpunkt steht.

Wie nebenbei lernt man nicht nur, wie bestimmte Gerichte zubereitet werden, sondern auch, wie sich die Menschen in Japan im Winter in ihren Wohnungen vor der Kälte schützen. Tipp: Eine Heizung, wie wir sie kennen, ist dort nicht üblich.

"Enjokōsai" ist ein Phänomen, das uns auch hier nicht fremd ist. Das Wort bedeutet "Aushilfsbegleitung" und meint, dass sich Oberstufenschülerinnen von älteren wohlhabenden Männern aushalten lassen - sehr oft spielt dabei der Sex eine große Rolle. Enjokōsai ist zwar mittlerweile verboten, wird aber gesellschaftlich toleriert. Es spielt in der Handlung des Romans zwar nur eine untergeordnete Rolle, wirft aber ein weiteres Schlaglicht auf die japanischen Moralvorstellungen.

Lesen?

Wer japanische Literatur kennenlernen möchte oder sich bereits dafür begeistert, sollte Butter unbedingt lesen. Es hilft, die wiederkehrenden japanischen Ausdrücke nachzuschlagen, um sich besser in die Handlung hineinzuversetzen. Ich weiß jetzt beispielsweise, worum es sich bei einem Kotatsu handelt.

Butter ist 2022 im Blumenbar Verlag erschienen und kostet als gebundenes Buch 23 Euro.

Sonntag, 29. Mai 2022

# 349 - Gier - Wo ist die Grenze?

Vor einigen Wochen hatte ich hier bereits ein Buch
vorgestellt, das in einer neuen Reihe des Hirzel Verlags erschienen ist, die sich mit den Todsünden beschäftigt. Die Journalistin und Autorin Barbara Streidl hat sich in ihrem Essay mit der Gier auseinandergesetzt und verrät im Untertitel, worum es ihr geht: Wenn genug nicht genug ist zielt auf die Probleme, die dann entstehen, wenn Menschen - salopp gesagt - den Hals nicht voll kriegen können.

Ist die Gier eine Sünde, die für einen bestimmten Menschenschlag typisch ist oder kennen wir das maßlose Verhalten in allen Bevölkerungsgruppen? Wer sich und sein Verhalten kritisch hinterfragt, wird feststellen, dass er selbst ebenfalls hier und da zur Gier neigt. Sei es das Super-Sonderangebot an der Fleischtheke oder die Billigkleidung aus Fernost: Menschen, die solche Güter kaufen, nehmen hin, dass Tiere unter unwürdigsten Bedingungen leben und getötet werden und Arbeiterinnen und Arbeiter unter Verhältnissen Geld verdienen, die man seinem ärgsten Feind nicht zumuten würde. Aber viele Menschen verhalten sich dabei wie dreijährige Kinder: Was ich nicht sehe, existiert nicht. Und greifen zu.

Auch durch die Berichterstattung der Medien kann man den Eindruck gewinnen, dass das Heil in immer mehr Wachstum liegt: Steigen Bruttosozialprodukt und Bruttoinlandsprodukt, freuen sich Unternehmen und Wirtschaftsforschungsinstitute; zeigt der Trend abwärts, senken sie unheilvoll den Daumen. Das alles geschieht vor dem Hintergrund einer Warnung, die schon vor 50 Jahren von renommierten Wissenschatlern ausgesprochen wurde, jedoch in der Kakophonie der vielen anderen Nachrichten unterzugehen scheint: In seinem Bericht "Die Grenzen des Wachstums" zeigt der Club of Rome sehr deutlich auf, dass das Mantra des immerwährenden Wirtschaftswachstums aus verschiedenen Gründen nicht nur Unfug ist, sondern unser Leben schlechter macht.

Streidl bewertet auch die auf der Gier beruhenden Skandale der letzten Jahrzehnte: Da sind beispielsweise die österreichischen Winzer, die ihren Wein mit Glykol gestreckt hatten, die fortschreitende Gentrifizierung in den Städten oder die Hedgefonds, die Firmen nur aufkaufen, um sie auszuschlachten. Hinter allem steckt die grundsätzliche Haltung, dass es ein 'Genug' nicht gibt. Das 'Mehr' ist das, was zählt; der Verzicht ist nicht populär.

Nachdenklich macht ein Kapitel, das mit "Wie viele Sklaven halten Sie?" betitelt ist. Es geht um das System, das die Menschen in Gewinner und Verlierer des globalen Kapitalismus' einteilt: Auf der einen Seite sind die, die sich am (günstigen) Konsum von Technikartikeln, Flugreisen oder Billigkleidung erfreuen - auf der anderen diejenigen, die keine andere Wahl haben, als dieses System zu mickrigen Löhnen am Laufen zu halten. Doch was steckt hinter diesem ständigen Konsum? Streidl zitiert hier die Philosophin Caroline Krüger, die in unserem Konsumverhalten eine Eskalation von Wünschen und Erwartungen sieht: Es mangelt am Innehalten, um sich zu fragen: Habe ich nicht längst genug?

Lesen?

Gier zeigt deutlich auf, wo die menschliche Maßlosigkeit anzutreffen ist und was sie anrichtet. Wer das Buch gelesen hat, kommt nicht mehr an der Frage vorbei, ob das eigene Konsumverhalten von Notwendigkeit oder doch eher von Überfluss geprägt ist. Kaufen wir etwas, weil wir es tatsächlich brauchen, oder weil es z. B. in unserem Freundeskreis "angesagt" ist oder wir mit dem Kauf eine innere Leere füllen? Mit etwas Selbstkritik lässt sich das wahrscheinlich beantworten.

Eine Stelle gab es allerdings, die mich irritiert hat: Streidl sieht im Lebenswandel vieler Rockstars eine ausgeprägte Gier nach Aufmerksamkeit, Erfolg und Drogen und bezieht sich auf den sog. "Club 27". Damit sind bekannte Musikerinnen und Musiker gemeint, die schon mit 27 Jahren an den Folgen ihres ausschweifenden Lebensstils gestorben sind. Dazu gehören u. a. Amy Winehouse, Jimi Hendrix und Janis Joplin. Alle waren drogensüchtig, sodass mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, dass sie auch psychisch krank waren. Unter diesen Vorzeichen fällt es mir schwer, das Verhalten von kranken Menschen als Gier zu bezeichnen.

Gier ist 2022 im Hirzel Verlag erschienen und kostet als Klappenbroschur 15 Euro sowie als E-Book 13,90 Euro.


Freitag, 20. Mai 2022

# 348 - Finnland ist der Nabel der Welt!

Der Bestsellerautor Tuomas Kyrö gilt in seiner Heimat
als Garant für humorvolle und etwas abgedrehte Bücher. Sein Roman Kunkku ist da keine Ausnahme.

"Kunkku" bedeutet auf Deutsch "Der König", und genau der steht im Mittelpunkt des Romans: Kalle XIV. Penttinen von Finnland. Das Land im hohen Norden Europas gilt in der ganzen Welt als vorbildlich und einflussreich, in vielen Bereichen hat es die Nase vorn.

Das Problem ist nur: Der Vater des 1947 geborenen Kalle ist früh verstorben, sodass der lebenslustige Prinz viel eher als ihm lieb ist zum König gekrönt wird. Und das bedeutet: Alles, was ihm im Leben am besten gefällt - Frauen mit großen Brüsten, Autos und das Tennisspiel - findet ab sofort am besten gar nicht mehr statt. Oder so, dass der Hofmarschall die schlimmsten Ausschweifungen vertuschen kann.

Der König will im Grunde nur die schönen Seiten des Königslebens auskosten - eben die oben genannten. Ein großes Problem ist sein Charakter: Er ist zwar ein erwachsener Mann, hat aber das Gemüt eines pubertierenden 15-Jährigen. In seinem Gehirn geht es manchmal drunter und drüber, zu oft trifft er die falschen Entscheidungen.

Als er die estnische Schauspielerin Sofi kennenlernt, wendet sich zunächst alles zum Guten. Die Beziehung lässt sich gut an, doch dann merkt Sofi, dass ihr Kalles Gesellschaft zu eintönig ist. Noch bevor sie sich von ihm trennt, wird sie schwanger. Kalles starker Samen hat alle Hindernisse - aka Verhütung - überwunden. Und da das ungeborene Kind ja nicht irgendein Kind, sondern die spätere Thronfolgerin oder der Thronfolger wird, kommt nur eine Hochzeit der beiden jungen Leute infrage.

Der Roman erzählt abwechselnd das chaotische Leben des finnischen Königs und das von Pena, einem älteren finnischen Sozialhilfeempfänger, dem die Frau davongelaufen ist. Schnell wird deutlich, dass es um zwei Lebensabschnitte von ein und derselben Person geht: Die Regentschaft von Kalle XIV. Penttinen von Finnland hat ein abruptes Ende genommen. Die Naivität des Königs, sein Hang zum Fremdgehen und seine Sprunghaftigkeit haben das einst großartige finnische Königshaus zum Einsturz gebracht.

Lesen?

Kunkku ist eine humorvolle Gesellschaftssatire um einen König, dessen Leben "zufällig" Ähnlichkeit mit dem eines tatsächlich existierenden nordeuropäischen Monarchen hat, der ein Jahr früher als Kyrös fiktive Figur in einem Land westlich von Finnland zur Welt kam. Mit leichter Hand wird nebenbei die Geschichte des 20. Jahrhunderts neu geschrieben: Die Rote Armee Fraktion wird Ende der 1970-er Jahre zur stärksten Fraktion des schwedischen Parlaments und läutet den Niedergang des Landes bis zur völligen Bedeutungslosigkeit ein. 
Finnland entwickelt sich seit den 1950-er Jahren zu einem multikulturellen Staat, der mit Gegenden wie Chinatown in Kuopio oder Klein-Ghana in Vantaa Touristenströme anzieht. In der Film- und Musikbranche ist das Land international führend.
Pünktlich zur Jahrtausendwende rücken Europa und Asien näher zusammen und gründen die Euro-Asiatische Union. Die Gründungsmitglieder sind Frankreich, Deutschland, Japan, China und das vereinigte (!) Korea. Durch die enge kulturelle und wirtschaftliche Verflechtung sollen Kriege und Handelsstreitigkeiten verhindert werden. 

Und dann ist da auch noch John F. Kennedy, der für Tuomas Kyrö noch lange nicht tot ist, sondern Kalle XIV. immer wieder beratend zur Seite steht. Gute Aussichten, oder?

Kunkku ist ein Lesetipp für alle, die etwas für schrägen Humor und absurde Geschichten übrig haben. Das Buch ist 2014 bei Hoffmann & Campe erschienen und kostet 25 Euro. Mir lag die Paperback-Ausgabe aus dem Verlag Bastei Lübbe vor, die 2016 erschienen und nur noch antiquarisch zu bekommen ist.


Samstag, 14. Mai 2022

# 347 - Wie geht's weiter? 50 Jahre nach dem Bericht "Die Grenzen des Wachstums" des Club of Rome

Der Journalist Franz Alt und der Wissenschaftler Ernst
Ulrich von Weizsäcker engagieren sich seit vielen Jahren für den Umwelt- und Klimaschutz. Mit Der Planet ist geplündert melden sie sich erneut zu Wort.

Es ist allerdings keineswegs so, dass die beiden Experten das Buch gemeinsam geschrieben hätten. Ernst Ulrich von Weizsäcker hat zu den 200 Seiten lediglich 14 beigesteuert, in denen er erklärt, worum es sich beim Club of Rome, dessen Co-Präsident er einige Jahre war, handelt und inwieweit die Prognosen dieses Expertengremiums eingetroffen sind. Sie wurden in einer Studie zusammengefasst, die 1972 unter dem Titel "Die Grenzen des Wachstums, Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit" veröffentlicht wurden. Es handelte sich dabei um einen Ausblick, wie sich die Weltwirtschaft unter Berücksichtigung verschiedener Szenarien entwickeln wird. "Die Grenzen des Wachstums" erregte weltweite Aufmerksamkeit und wurde ein Jahr nach der Veröffentlichung mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Franz Alts Schwerpunkt liegt ganz klar auf der Nutzung der Sonnenenergie als unerschöpfliche Ressource. Genau wie den Wind gibt es das Sonnenlicht im Überfluss. Alt erteilt sowohl der Kernkraft als auch der Kernfusion eine Absage und ist ein großer Fan von nachhaltigen Energieprojekten, an denen die Bürgerinnen und Bürger beteiligt sind.
Er beklagt die sich verschärfende weltweite Knappheit von Wasser und dessen Kommerzialisierung, kritisiert das Wachsen der Müllberge, begründet die Notwendigkeit einer Verkehrswende und dringt auf einen wirksameren Tierschutz. Die benannten Probleme und Missstände sind nicht neu und werden seit Langem diskutiert, sie aber so komprimiert präsentiert zu bekommen, sorgt für eine besondere Eindringlichkeit. 

Allerdings geht es Alt nicht nur darum, anklagend den Finger zu heben: Er zeigt Wege auf, die wir beschreiten müssen, um unseren Planeten zu retten. Ein Beispiel ist die Kreislaufwirtschaft (Cradle-to-Cradle-Prinzip), die das Ziel hat, dass keine Materialien verloren gehen und nach dem Nutzungsende eines Produkts weiter- oder wiederverwendet werden können.

Franz Alt streift auch das Thema Aufrüstung und Krieg. Er spricht sich klar gegen ein Wettrüsten aus und baut auf eine Verständigung unter den Staaten, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht. Allerdings wurden die letzten Arbeiten an Der Planet ist geplündert bereits im Januar 2022, also vor dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine, fertiggestellt. In einem Interview, das Alt am 1. März 2022 mit dem WDR geführt hat, räumt er jedoch ein, dass sich seine Haltung hierzu angesichts dieser Ereignisse verändert hat.

Das Buch ist geprägt von Alts Nähe zum christlichen Glauben und seiner Affinität zur Spiritualität. Vielleicht ist dies seine Kraftquelle, die ihn dazu befähigt hat, über Jahrzehnte hinweg sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und immer wieder an verantwortliche Personen in Politik und Wirtschaft zu appellieren, sich für die Rettung der Erde und damit der Menschheit einzusetzen. Die Botschaft des Club of Rome ist 50 Jahre alt. Weitere 50 Jahre haben wir nicht mehr, um die Zukunft unserer Kinder und Enkel zu retten.

Lesen?

Der Planet ist geplündert ist ein Parcours durch die drängendsten Themen unserer Zeit. Wie groß die Dringlichkeit ist zu handeln, wird überdeutlich. Schon deshalb ist das Buch zu empfehlen. Ich hätte mir jedoch ein Quellenverzeichnis gewünscht, um einzelne Angaben besser nachvollziehen oder mehr darüber erfahren zu können. Das angefügte Literaturverzeichnis ist interessant, aber kein Ersatz.

Der Planet ist geplündert ist im März 2022 im Hirzel Verlag erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 22 Euro sowie als Hörbuch 19,99 Euro.

Nachtrag: Das Buch hat einen aufmerksameren Lektor verdient, dem die Doppelung eines Absatzes aufgefallen wäre.

Samstag, 7. Mai 2022

# 346 - Psychothriller, der mit den Ängsten vor der Digitalisierung spielt

Jo Ferguson ist 33, freie Journalistin, geschieden und
pleite. Zum Glück hilft ihr ihre wohlhabende beste Freundin Tabitha aus der Patsche und lässt sie umsonst in ihrer Wohnung im angesagten Londoner Viertel Camden wohnen. Tabitha ist sehr viel beruflich unterwegs, sodass sich die beiden Frauen nicht stören. Wegen ihrer häufigen Abwesenheit hat Tabitha ihr Zuhause mit reichlich digitaler Technik ausgestattet, um ungebetenen Besuchern keine Chance zu geben. Das Smart-Home-System entspricht dem aktuellen Stand der Technik, lässt sich selbstverständlich aus der Ferne steuern und ist so lernfähig, dass der Assistent "Electra" sich schnell auf die Menschen, die regelmäßig mit ihm kommunizieren, einstellen kann. Ein Traum?

In seinem Psychothriller Die Stimme zeigt der britische Bestsellerautor S. K. Tremayne, wie sich die Bestandteile eines digitalen Haushalts praktisch verselbständigen. Jo, die so gut wie immer allein in der Wohnung ist, wird von Electra unvermittelt auf ein Ereignis angesprochen, das etliche Jahre zurückliegt: "Ich weiß, was du getan hast. Ich kenne dein Geheimnis. Ich weiß, was du mit dem Jungen gemacht hast. Wie seine Augen weggerutscht sind. Ich weiß alles." Jos Erinnerung an diesen Tag, den sie mit Tabitha auf einem Festival verbracht hat, sind furchtbar. So furchtbar, dass die beiden Freundinnen sich damals versprachen, niemandem von den Ereignissen zu erzählen. Woher also weiß Electra davon?

Schon bald merkt Jo, dass dies erst der Anfang einer Entwicklung ist, in deren Verlauf sich ihre Existenz in ihre Einzelteile auflöst. Wenn sie bislang dachte, am Tiefpunkt ihres Lebens angekommen zu sein, wird sie nun eines Besseren belehrt. Nicht nur das Smart-Home-System scheint sich gegen sie verschworen zu haben, sondern sogar Jos Social-Media-Account führt ein Eigenleben und beleidigt und erniedrigt ausgerechnet die Menschen, die ihr am wichtigsten sind. Auch von ihrem Mail-Konto werden Nachrichten verschickt, die darauf abzielen, ihren Angehörigen und Freunden zu schaden und Jo als ein Mensch mit einer Persönlichkeitsstörung aussehen zu lassen. Doch sie kann sich nicht erinnern, all diese Posts und Mails geschrieben und abgesendet zu haben.
Um sie herum wird es immer einsamer.

Jo fühlt, dass sie immer öfter nicht weiß, was ihrer Fantasie entspringt und was real ist. Wird sie verrückt wie ihr Vater, der sich am Ende das Leben genommen hat? Wäre der Tod nicht auch für sie der Weg, diesem Wahnsinn zu entkommen? Oder gibt es einen Menschen, der sie so sehr hasst, dass er sie auf diese perfide Weise vernichten will?

Lesen?

Die Stimme ist ein spannend inszenierter Thriller, der Fans der häuslichen Digitalisierung nachdenklich machen kann. Die Möglichkeiten, sein Leben auf diese Weise unterstützen zu lassen, bergen Gefahren, die viele Nutzer gern ausblenden - weil die Vorteile den Alltag so bequem machen. 

Das Buch ist spannend bis zum Schluss, und Jo erfährt Dinge über einen geliebten Menschen, die sie vielleicht lieber nicht gewusst hätte.

Die Stimme ist 2020 bei Droemer Knaur erschienen und kostet als Paperback 16,99 Euro sowie als E-Book 14,99 Euro.

Freitag, 29. April 2022

# 345 - Der Ausbruch aus einem Glaubensgefängnis

365 Verbote und 248 Gebote enthält die Thora. Die Sekte der Satmarer Juden hält sich besonders streng daran: Welcher Fuß darf beim morgendlichen Aufstehen zuerst vom Bett auf den Boden gesetzt werden? In  welcher Reihenfolge werden die Schuhe zugebunden und geschnürt? Was darf am Schabbat auf keinen Fall gemacht werden? In praktisch allem, was den Alltag ausmacht, befindet sich die Gemeinschaft auf dem Stand des 18. Jahrhunderts. Die engen Vorgaben, die für Außenstehende absurd wirken, haben einen Grund, den der Rabbi Akiva Weingarten in seinem Buch Ultraorthodox - mein Weg erklärt.

Weingarten wurde 1984 als ältestes von zehn Kindern in eine ultraorthodoxe chassidische Familie der Satmarer hineingeboren, die sich völlig der Hingabe an die strengen Glaubensgrundsätze verschrieben hat. Die Gemeinschaft lebt zwar in Lakewood (New Jersey) inmitten anderer Menschen, schottet sich aber durch ihre Regeln und nicht zuletzt ihre eigene Sprache von der Außenwelt ab: Das Jiddisch wirkt wie eine Mauer, die kein Goyim (Nicht-Jude) durchdringen kann.

Je älter Akiva Weingarten wurde, desto mehr Pflichten und Regeln musste er erfüllen. Wie sehr ihn das belastete, wird an seiner Wortwahl deutlich: Mehrmals beschreibt er in seinem Buch die Vielzahl an Mizwot und Erwartungen, die an ihn gestellt wurden, als "Gebirge". Das Gefühl, religiös vergewaltigt zu werden, wurde übermächtig; Weingarten spürte, dass er seinen Glauben verloren hatte und empfand Trauer und Einsamkeit. Seine unglückliche arrangierte Ehe verstärkte die Trostlosigkeit. Er beschloss, die Gemeinschaft zu verlassen und in Deutschland neu anzufangen.

Lesen?

Im Oktober 2020 habe ich hier die beiden Bücher Unorthodox und Überbitten von Deborah Feldman vorgestellt. Auch Feldman wuchs in einer Satmarer-Gemeinschaft in New York auf, heiratete, bekam ein Kind - und ertrug die Enge dort nicht mehr, die für Frauen noch ausgeprägter ist als für Männer. Wie in der Gemeinschaft üblich, hatten weder Feldman noch Weingarten einen anerkannten Schulabschluss. Beide betraten bei ihrer Abkehr von der Sekte eine völlig andere Welt, die nach Regeln funktionierte, die ihnen fremd waren - und haben jeweils ihren persönlichen Weg gefunden. Weingarten ist heute Rabbiner in Dresden und Basel. 

Nach dem Lesen von Feldmans Büchern zu erfahren, wie es mit Weingarten einem Mann in einer sehr ähnlichen Situation ergangen ist, ist hochinteressant. Weingarten schreibt offen und schnörkellos; die Nöte, in denen er sich befunden hat, sind unmittelbar nachzuempfinden. Ultraorthodox - mein Weg ist ein Buch, das ich in einem "Rutsch" durchgelesen habe.

Ultraorthodox - mein Weg ist im März 2022 im Gütersloher Verlagshaus erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 20 Euro.