Donnerstag, 13. September 2018

# 167- Blogtour "Mutige Frauen"

Was macht Frauen zu mutigen Frauen?

 

In diesem Jahr sind im Herder Verlag bereits zwei Bücher erschienen, die sich mit mutigen Frauen beschäftigen: Hildegard von Bingen - die mächtigste Nonne des Mittelalters von Maria Regina Kaiser und Gabriele Münter - ein Leben zwischen Kandinsky und Kunst von Stefanie Schröder.

Hildegard von Bingens Name ist heute vor allem deshalb bekannt, weil zahlreiche Unternehmen mit Gesundheitsprodukten, auf die sie ihren Namen drucken, ihr Geld verdienen. Maria Regina Kaiser hat das Leben der bekanntesten Nonne des Mittelalters in Romanform beschrieben, und man kommt zu dem Schluss: Ja, Heilpflanzen spielten für sie eine große Rolle, aber ihr Leben und Wirken wurde von dem dominiert, was Gott ihr sagte. Schon in jungen Jahren, bevor sie ihr Leben Gott und der Kirche widmete und ins Kloster ging, hatte der Glaube voll von ihr Besitz ergriffen. Das, was sie lenkte und sie auch zu unbequemen Entscheidungen bewog, war das unregelmäßige Auftreten des 'lebendigen Lichts'. So hat sie das, was sie in den Momenten, in denen es ihr erschien, selbst bezeichnet. Sie besaß die Gabe, die Zukunft einzelner Menschen vorherzusehen und wurde oft von einem hellen Licht eingehüllt, in dem sie eine Stimme hörte, die ihr Ratschläge gab oder zeigte, wie sie ihren Lebensweg fortsetzen sollte. So entstand auch der Entschluss, die Klausnerei im Kloster Disibodenberg, der sie als Äbtissin vorstand, zu verlassen und das Frauenkloster Rupertsberg zu gründen. Die Mönche waren von dieser Entscheidung nicht begeistert: Einige von ihnen waren während der Beichte, die sie den Nonnen abnahmen, mehrmals übergriffig geworden. Dieses Amüsement wurde ihnen nun genommen. Der Abt wollte den Auszug der Nonnen auch darum verhindern, weil die Ratschläge Hildegards so populär waren, dass sich ständig zahlreiche Pilger einfanden. Und viele Besucher waren gleichbedeutend mit einem stetigen Fluss von Einnahmen. Nur unter der Hand wurde von den Mönchen kritisiert, dass ohne die Nonnen, die damals allesamt dem wohlhabenden Adel entstammten, auch keine Mitgift mehr zu erwarten war. Schlimmer noch: Hildegard verlangte sogar, dass ein Teil der von den Damen mitgebrachten Güter wieder herausgegeben werden sollte, um für den Bau und Betrieb des neuen Klosters verwendet zu werden. Eine gewisse Ironie der Geschichte liegt darin, dass heute mit Heilpflanzen, Wässerchen und Tinkturen, die angeblich auf Hildegard zurückgehen, reichlich Kasse gemacht wird, die tief gläubige Nonne sich aber selbst nicht zu helfen wusste: Ihr Leben war von einer damals rätselhaften Krankheit dominiert, die sie schon als Kind gebrechlich machte und immer wieder dafür sorgte, dass Hildegard von Muskelkrämpfen gelähmt wurde und oft lange nicht das Bett verlassen konnte. Aus heutiger Sicht kann es sich bei ihrer Erkrankung um Multiple Sklerose gehandelt haben.
Hildegard lebte in der für sie gesicherten Gewissheit, dass Gott durch das 'lebendige Licht' zu ihr spricht und ihr Handeln immer im Einklang mit dem Willen des Herrn steht, wenn sie diesen befolgt. Das war es, was sie stark gemacht hat, und mit dieser Stärke war es ihr möglich, die Widerstände, die ihr als Frau entgegenschlugen, auszuhalten und so viel Ansehen zu gewinnen, dass ihre sogenannten Schauungen auch vom Papst gutgeheißen wurden und sie sie aufschreiben durfte. Doch sie ließ nicht mit sich reden, wenn es um die Neuaufnahme von jungen Mädchen oder Frauen in ihr Kloster ging: Wer keine adelige Herkunft vorweisen konnte, hatte keine Chance. Gott scheint an dieser Stelle geschwiegen zu haben.
Hildegard von Bingen starb 1179 im Alter von 81 Jahren.


Gabriele Münter ist oft nur Kunstinteressierten ein Begriff. Erst, wenn der Name Wassily Kandinsky fällt, stellt sich der "Aha-Moment" ein. Die beiden waren etliche Jahre ein Liebespaar. Münter hatte den russischen Maler Kandinsky als Lehrer in einer Malschule kennengelernt und sich zunächst gegen seine Annäherungsversuche gesträubt. Sie blickte zu dem fast zwölf Jahre älteren Mann auf und fühlte sich von seinen Liebesbeteuerungen geschmeichelt. Kandinsky war allerdings noch verheiratet, beteuerte aber immer wieder inbrünstig, sich scheiden lassen und Münter heiraten zu wollen. Doch immer, wenn er von einem Besuch in Russland zurückkam, hatte er "vergessen", sich um die nötigen Formalitäten zu kümmern. Frauen scheinen zu allen Zeiten auf so einen Schwachsinn hereingefallen zu sein.
Gabriele Münter war in konservativen Verhältnissen aufgewachsen und hatte ein großes Talent zum Zeichnen und Malen. Schon als Kind war sie mehrmals umgezogen, und mit Kandinsky setzte sich dieses Nomadenleben fort. Das lag jedoch nicht an ihr, sondern an ihrem Geliebten: Er hatte eine große innere Unruhe, die ihn von einem Ort zum anderen trieb, hielt es aber immer weniger an Orten aus, wo sich viele Menschen befanden. Münter fühlte, wie sie von seinen psychischen Problemen immer weiter vereinnahmt wurde; sie seelisch unter Druck zu setzen, beherrschte Kandinsky meisterhaft. Sie nahm es zur Kenntnis, von ihren Geschwistern bedrängt und von den Mitmenschen moralisierend beäugt zu werden, weil ihr Lebenswandel in dieser Zeit dem einer Hure gleichkam. Die 1903 von Kandinsky betriebene Verlobung mit Münter, auf der er trotz seiner immer noch existierenden Ehe bestand, war ein Strohhalm, an dem sich Münter festhielt. Die Malerin lebte sparsam von ihrem Erbteil und hat sich von Kandinsky dazu überreden lassen, ein Ferienhaus in Murnau am Staffelsee (Oberbayern) als Sommerhaus und Alterswohnsitz zu kaufen. Das Haus wurde zum Treffpunkt bekannter Künstler wie Franz Marc oder August Macke. Letztlich kam es jedoch 1916 zwischen Münter und Kandinsky zum Bruch, und bereits ein Jahr später heiratete Kandinsky eine andere Frau.
Aber nicht nur das stetige Auf und Ab dieser Beziehung wurde zum Problem. Gabriele Münter musste erfahren, dass sie von den Malern ausgegrenzt wurde. Kleinliche und eitle Streitigkeiten, die von August Macke ausgegangen waren, waren die Ursache. Macke fühlte sich bei der Kunst-Publikation Der Blaue Reiter zu wenig beachtet und gönnte seiner Kollegin nicht die Aufmerksamkeit. Eine belastende Situation für Münter, die immer nach zwischenmenschlicher Harmonie strebte. 
Auch wenn Stefanie Schröder den roten Faden von Gabriele Münters künstlerischer Entwicklung verfolgt, liegt der Schwerpunkt auf ihrem sozialen Leben. Die Beziehungen zu ihren Geschwistern, zu Kandinsky und ihrem späteren Lebensgefährten Johannes Eichner sowie zu der damaligen Kunstszene sind das wesentliche Element des Buches. Gabriele Münter starb als alleinstehende Frau 1962 im Alter von 85 Jahren in ihrem Haus in Murnau.

Was ist Mut?

 

Darüber, was Mut ist, scheiden sich die Geister. Vielleicht kann man sich darauf einigen, dass Mut dadurch gekennzeichnet ist, dass man für eine wichtige Sache bereit ist, über den eigenen Schatten zu springen und Ängste zu überwinden, weil man nur so glaubt, sein Ziel erreichen zu können. Die Risiken, die man dabei eingeht, werden bewusst in Kauf genommen. Sind Hildegard von Bingen und Gabriele Münter vor dem Hintergrund dieser Definition mutige Frauen ihrer Zeit gewesen? Ich denke, diese Frage ist schwer zu beantworten. Hildegard von Bingen war von ihrem tiefen Glauben durchdrungen und handelte in der festen Überzeugung, nur das zu tun, was Gott von ihr erwartet. Da ihre Erkrankung sich immer dann besserte, wenn sie sich über alle Ermahnungen und Vorhaltungen hinwegsetzte und die Anweisungen des 'lebendigen Lichts' befolgte, war sie sicher, dann das Richtige zu tun. Das befähigte sie dazu, sich gegen die Wünsche auch der höchsten kirchlichen Würdenträger zu stellen und das durchzusetzen, was ihrer Meinung nach Gottes Wille war. Das, was sie tat, war also im eigentlichen Sinne nicht ihr eigener Entschluss, über den sie sich Gedanken gemacht und der in ihr gereift war. Sie war streng genommen ein Werkzeug Gottes.
Auch bei Gabriele Münter ist die Sache nicht eindeutig. Sie war zerrissen zwischen ihrer Beziehung zu Kandinsky und den Erwartungen, die nicht nur ihre Familie, sondern auch sie selbst an ihr Leben stellte. Nichts hätte sie lieber getan, als mit dem Maler eine ganz normale und bürgerliche Familie zu gründen. Stattdessen schien zwischen den beiden eine gegenseitige seelische Abhängigkeit bestanden zu haben. So legt es jedenfalls die Darstellung von Stefanie Schröder nahe. Als die Beziehung mit Kandinsky zerbrach, war Münter fast 40 Jahre alt und nicht mehr in einem Alter, in dem man damals noch heiratete, um eine Familie zu gründen. Möglicherweise hat ihr die Trennung gezeigt, dass sie auch gut ohne den Maler zurechtkam, aber das ist Spekulation. Mutig war jedoch ihr 1938 gefasster Entschluss, Kandinskys Bilder in ihrem Haus in Murnau zu verstecken, als sogar in Privathäusern nach sogenannter entarteter Kunst gefahndet wurde. Damit hat sie Haft, wenn nicht sogar ihr Leben riskiert.

Beide Bücher kosten als gebundene Ausgabe je 22 Euro und als epub- oder Kindle-Edition 16,99 Euro.
In Kürze erscheint in dieser Reihe eine Romanbiografie von Nadine Sieger, die sich mit dem Leben von Coco Chanel beschäftigt. 

An dieser Blogtour nehmen noch diese Blogs teil:
Lesendes Federvieh 

Katis Bücherwelt  
Klusi liest 

Ich bedanke mich bei der Agentur Literaturtest für ihre Unterstützung.

Freitag, 7. September 2018

# 166 - Tödliche Männerfeindschaft

Im Spaßgeschäft geht es ernst zu

 


Johnny Quadt hat es geschafft und ist auf Sylt die Größe unter den Event-Unternehmern. Wenn da nur nicht sein Konkurrent Alf Leefmann wäre, der versucht, ihm auf der Insel das Wasser abzugraben. Die Feindschaft zwischen den beiden Männern, der eine enge Freundschaft vorausgegangen ist, bestimmt Johnnys Leben wie fast kein anderes Thema. Bisher war er für die beliebte Veranstaltung 'Sylter Sommernachtsträume' verantwortlich, doch die Ausschreibung für das nächste Jahr ist Alf praktisch auf den Leib geschnitten, und Johnny sieht seine Felle davonschwimmen. Mit diesem Einstieg beginnt Countdown in Westerland, der neueste Krimi der Autorin Ulrike Busch.

Ein Anschlag zerstört den Inselfrieden

 

Johnny pflegt einen verschrobenen Tick: Er hat sich vor Jahren seine verbleibende Lebenszeit auf die Sekunde genau voraussagen lassen. Seitdem zeigen ihm eine Wanduhr im Firmenbüro und eine App auf seinem Smartphone an, wann für ihn die letzte Stunde schlägt. Als er eines Morgens wie immer als Erster seine Firma betritt, blickt er auf die Uhr und stutzt: Sie steht auf null. Im selben Moment wird durch das Fenster auf ihn geschossen. Doch die Kugel verfehlt ihr Ziel und trifft nur einen alten Pokal. Für Johnny gibt es keinen Zweifel: Da hatte Alf seine Finger im Spiel. Die erfahrenen Kriminalbeamten Kuno Knudsen und Arno Zander übernehmen die Ermittlungen und stoßen bald auf etliche Ungereimtheiten. Hat der Schütze absichtlich danebengeschossen oder den Unternehmer versehentlich verfehlt? Überraschenderweise ist Quadt nur begrenzt zur Zusammenarbeit bereit. Alle Überlegungen, die sich jenseits von Alf Leefmann bewegen, werden von ihm zurückgewiesen. Sein verschrobenes Wesen lässt ihn auch nicht zum Sympathieträger werden: Sein Haus ist komplett vernetzt und wird mithilfe von 'Amanda' auf Zuruf ferngesteuert, und im Firmenbüro sorgt eine heimlich installierte Spionagesoftware dafür, dass ihm nichts entgeht - auch nicht das, was seine Lebensgefährtin Eta Smid, die in praktisch allem das Gegenteil von ihm ist, tut.
Die Situation spitzt sich weiter zu, als Johnny auf seinem Grundstück von einer mit einem Messer bestückten Drohne angegriffen wird. Doch die Entwicklung nimmt ihren Höhepunkt, als tatsächlich ein Mensch erschossen wird, den man als Leser nicht als gefährdet eingeschätzt hat.

Wie war's?

 

Ulrike Busch bietet ihren Lesern mit Countdown in Westerland wieder einen Krimi, bei dem alles "rund" ist: Wer hinter den Anschlägen steckt, offenbart sich erst fast zum Schluss. Grundsätzlich kommen eine ganze Reihe von Personen aus Johnnys Umfeld in Betracht: seine Tochter Isa, deren Freund Alex, zwei von Johnnys Mitarbeitern und nicht zu vergessen Alf Leefmann. Für alle, die bereits die vorigen Bände der Reihe 'Kripo Wattenmeer' kennen: Kunos Bruder Okko und der praktisch allgegenwärtige Inselreporter Friedrich Fliegenfischer sind auch wieder mit dabei.

Countdown in Westerland kostet als Taschenbuch (BoD) 10,99 Euro und als ePUB- oder Kindle-Edition 3,99 Euro. 

Sonntag, 2. September 2018

Die Longlist des Deutschen Buchpreises 2018 - diese Titel sind im Rennen

Vor einem Jahr hatte ich die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017 vorgestellt, nun liegt der Reader mit der Longlist 2018 in den Buchhandlungen aus. 105 Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben 165 Bücher eingereicht, aus denen zwanzig Titel in die engere Wahl gekommen sind. Der Reader beinhaltet eine kurze Vorstellung der Autoren einschließlich eines Fotos sowie einen fünfseitigen Textausschnitt der nominierten Titel. Die Jury hat die Werke von dreizehn Autorinnen und sieben Autoren nominiert, die ihre Wurzeln nicht nur in D/A/CH, sondern auch in Osteuropa und in einem Fall in Argentinien haben.

Meine Favoriten

Immerhin zwölf der 20 Leseproben haben mir gut gefallen.Die Kurzbeschreibung zu jedem Buch bezieht sich nur auf das, was die Textausschnitte beinhalten.  Ich fange einfach mal an:

  • María Cecilia Barbetta: Nachtleuchten. Das Buch spielt in Buenos Aires, der Geburtsstadt der Autorin. In diesem Abschnitt erfährt die elfjährige Teresa, dass ihre Mutter ein Kind erwartet. Auf die Frage des Vaters, ob sie sich freue, sagt sie pflichtschuldig "Ja", ahnt aber, dass es für sie nicht mehr die ungeteilte Liebe der Eltern geben würde. Schlimmer noch ist für Teresa aber die Vorstellung, wie es zu der Schwangerschaft gekommen ist: Die Harmlosigkeit, die in der Mitteilung über den Nachwuchs enthalten ist, lenkt aus ihrer Sicht nur von der Anzüglichkeit, die dahinter steht, ab. Der Roman ist im August 2018 im S. Fischer Verlag erschienen. 
  • Maxim Biller: Sechs Koffer. Mai 1965, Prag: Der erzählende fünfjährige Junge blickt in der kurzen Szene auf seinen Vater, einen Übersetzer. Das Kind schildert einen Konflikt, der seit einer Weile durch die gesamte Familie zu geistern scheint. Onkel Dima, einer der Brüder des Vaters, sitzt im Gefängnis, und für den kleinen Jungen ist klar: Dort sitzen nur Leute, die jemanden umgebracht haben. Der Junge tippt darauf, dass der Großvater das Opfer war. Bei den anderen Brüdern des Vaters ist er sich sicher, dass sie Menschen umgebracht haben, schließlich waren sie in der Roten Armee. Doch schon der nächste - und letzte - Absatz dieses Textauszugs lässt vermuten, dass Onkel Dima kein Menschenleben auf dem Gewissen hat, sondern durch seine ungeschickte Vorbereitung seiner Flucht nach Westberlin aufgeflogen und verhaftet worden ist. Erscheint bei Kiepenheuer & Witsch.
  • Susanne Fritz: Wie kommt der Krieg ins Kind.
    Die Autorin hat sich mit der eigenen Familiengeschichte beschäftigt. Im Textausschnitt nimmt sie zum polnischen Staatsarchiv Kontakt auf, um Einblick in die Akten über ihre Mutter zu erhalten, die 1945 als Vierzehnjährige von der sowjetischen Geheimpolizei GPU verhaftet wurde und mit 15 im Straflager Potulice inhaftiert war. Sie begibt sich auf die Suche nach dem gefangenen Kind, das ihre Mutter damals gewesen ist. Fritz ist erschüttert, als sie die Akte aufschlägt und ihr Blick auf den Fingerabdruck ihrer Mutter fällt. Doch die Unterlagen enthalten auch Angaben zu ihren Großeltern, die bereits vor ihrer Geburt verstorben sind. Die Trauer der Mutter um die eigenen Eltern war immer so präsent, dass Susanne Fritz während ihrer Kindheit immer das Gefühl hatte, dass die Großeltern geisterhaft mit am Tisch sitzen. Das, was sie in den alten Akten findet, ist wie ein Ruf aus der Vergangenheit, der eine Brücke in die Gegenwart schlägt. Das Buch ist im März 2018 im Wallstein Verlag erschienen.
  • Arno Geiger: Unter der Drachenwand. Arno Geiger hat bei mir quasi Vorschusslorbeeren, seitdem ich sein Buch Es geht uns gut gelesen habe, mit dem er 2005 den damals erstmals verliehenen Deutschen Buchpreis gewann. Ein verwundeter Wehrmachtssoldat will sich 1944 am Mondsee am Fuße der Drachenwand erholen. Er kommt im Ort Mondsee an und erhält eine ungemütliche Unterkunft bei einer sehr unfreundlichen Quartiersfrau. Geiger schafft es bereits in diesem kurzen Textauszug, eine sehr dichte Atmosphäre zu erzeugen, die den Leser das Dorf mit den Augen des Soldaten sehen lässt. Erschienen im Carl Hanser Verlag.
  • Nino Haratischwili: Die Katze und der General. In diesem Buch geht es um die Kriege in Tschetschenien und Georgien. Im Mittelpunkt
    steht ein junger Mann aus Moskau, dessen Vater in Afghanistan gekämpft und dafür als Held verehrt wurde - auch von seinem Sohn. Doch der Vater ist tot, und die Mutter hat ihr Leben als Witwe damit verbracht, ihren Mann zu heroisieren. Der Sohn kann dem nichts mehr abgewinnen. Erschienen bei der Frankfurter Verlagsanstalt.


  • Franziska Hauser: Die Gewitterschwimmerin. 2011: Die Mutter der Erzählerin ist mit 79 Jahren plötzlich verstorben. Beim Kaffeetrinken nach der Beerdigung singen die älteren Trauergäste
    Lobeshymnen auf die Verstorbene und ihren Mann, der schon länger nicht mehr am Leben ist. Doch die Töchter wollen das nicht so stehen lassen. Sie deuten an, dass sich der Vater an ihnen sexuell vergriffen hat, woraufhin sie von den Gästen als Nestbeschmutzer bezeichnet werden. Erschienen im Eichborn Verlag.


  • Anja Kampmann: Wie hoch die Wasser
    steigen
    . Die Autorin schreibt über das harte Leben auf einer Bohrinsel im Atlantik. Schon der kurze Abschnitt überzeugt durch die authentische Atmosphäre.






  • Gert Loschütz: Ein schönes Paar. Ein Paar flüchtet 1957 mit seinem Kind  aus der DDR und trennt sich nicht lange danach. In der ausgewählten Szene erhält der Vater vor der Flucht einen auffällig adressierten Brief vom Bundesministerium der Verteidigung, in dem es um seine Bewerbung um eine Stelle dort geht. Das Paar fragt sich, warum der Brief nicht von der Stasi abgefangen wurde. Will man ihnen eine Falle stellen? Erschienen im Verlag Schöffling & Co.

  • Susanne Röckel: Der Vogelgott. Die Menschen
    einer abgelegenen Berggegend fühlen sich von einem Aas fressenden Riesengeier bedroht. Im Textausschnitt sucht die Erzählerin als Fremde in einem Dorf dieser Region eine Unterkunft, weil die Lok ihres Zuges ausgefallen ist. Der Ort wirkt rückständig, aber was am meisten auffällt, sind die allgegenwärtigen Vögel. Erschienen im Jung und Jung Verlag.


  • Matthias Senkel: Dunkle Zahlen. In Moskau
    findet 1985 eine Programmier-Spartakiade statt. Hier ist die kubanische Dolmetscherin gerade dabei, sich auf die Suche nach ihrer Mannschaft zu machen. Wen sie auch fragt, sie erntet nur Ratlosigkeit. Auch das Verhalten der Organisatoren ist merkwürdig. Erschienen im Verlag Matthes & Seitz.



  • Stephan Thome: Gott der Barbaren. Die
    Handlung des gezeigten Abschnitts setzt im Mai 1885 an Bord der HMS Nimrod im Golf von Zhili (ca. 280 km östlich von Peking) ein. Die Szene beschreibt den Angriff von britischen und französischen Kriegschiffen auf ein chinesisches Fort. Das Geschehen wird aus der Sicht des britischen Befehlshabers, des 8th Earl of Elgin, erzählt, der hier wie ein vom Schicksal Getriebener wirkt. Erschienen im Suhrkamp Verlag.

  • Christina Viragh: Eine dieser Nächte. Das Buch spielt während eines Flugs von Bangkok nach
    Zürich. Der eher unsympathisch wirkende und Whisky trinkende Amerikaner Bill erzählt Geschichten, die ihm die Aufmerksamkeit der Mitreisenden einbringen. In der im Reader abgedruckten Szene drängt er sich mit seinem Mitteilungsbedürfnis seiner Sitznachbarin Emma auf. Noch hat sie kein Mittel gefunden, ihn zum Schweigen zu bringen. Erschienen im Dörlemann Verlag.



    Womit ich nichts anfangen konnte

     

    Seit der unseligen Plagiatsgeschichte um ihr Buch Axolotl Roadkill kann ich mit Helene Hegemann nichts mehr anfangen, zumal sie das auch nie bedauert, sondern ihr Verhalten als normal und völlig in Ordnung eingeschätzt hat. Ihr nominiertes Buch Bungalow hat es nun auch nicht in meine persönliche Top-Liste geschafft. Ich habe mir den Textauszug natürlich ebenfalls angesehen, aber es ist wohl keine Überraschung, dass er mir nicht gefallen hat. Mich hat schon auf diesen wenigen Seiten gestört, dass der Protagonistin in ihrem Alltag ständig seltsame Dinge passieren, die sie emotionslos wahrnimmt und erzählt. Eine ziemlich verkopfte Schreibe, die mich nicht anspricht.

    So geht's weiter

     

    Am 11. September wird sich zeigen, wer es eine Runde weiter geschafft hat: Die Shortlist wird veröffentlicht.
    Am 8. Oktober wird der Deutsche Buchpreis auf der Frankfurter Buchmesse verliehen. Ich habe einen Favoriten, behalte ihn diesmal aber für mich.
       

     









Freitag, 31. August 2018

# 165 - Der zweite Fall für Kommissar Frei

Auf den Spuren eines Serienmörders

 

Kommissar Henry Frei hat bereits im Thriller Böses
Kind zusammen mit seiner Kollegin Louisa Albers in Berlin ermittelt. In Stille Schwester, dem neuesten Buch von Martin Krist, verfolgen die beiden in der winterlichen Hauptstadt einen Serienkiller. Seine Opfer scheinen nichts miteinander gemeinsam zu haben, zumindest solange sie noch lebten. Im Tod gibt es jedoch einige Übereinstimmungen: Alle wurden mit einer Drahtschlinge erdrosselt, gewaschen, auf ihre Betten drapiert und hielten in einer Hand einen Zettel mit der Telefonnummer des nächsten Opfers. In den Wohnungen finden sich keine Spuren, die Wohnzimmer und Bäder sind jedes Mal akribisch gereinigt. Erst nach und nach entdecken die Ermittler die Vorgehensweise des Täters: Da es nie Einbruchspuren gab, müssen die Opfer ihn selbst in die Wohnungen gelassen haben - aber dem zweiköpfigen Polizeiteam, das vor den Häusern Wache hielt, ist nichts Ungewöhnliches aufgefallen. 
Als die junge Rebecca erfährt, dass es nach dem letzten Mord einen deutlichen Hinweis darauf gegeben hat, dass sie das nächste Opfer sein könnte, laufen ihre Gedanken Amok und sie findet heraus, dass ihr Freund sie in einigen Dingen belogen hat. Ist er es, der kaltblütig Menschen tötet? Wird sie die Nächste sein?
Nicht nur Rebecca macht sich Sorgen, sondern auch Henry Frei ist in Alarmstimmung: Schwebt seine Kollegin Louisa in Lebensgefahr?

Parallel zur Handlung wird abschnittsweise eine an Frei gerichtete E-Mail gezeigt, deren Bedeutung sich erst fast zum Schluss erschließt. Es geht darin um die zerrüttete Familie der Absenderin, die die Ursache hierfür in der Bevorzugung der Schwester sieht. Die E-Mail wirkt zunächst so, als wollte sich mit ihr jemand den Frust von der Seele schreiben, aber es steckt weit mehr dahinter.

Das spurlose Verschwinden der Tochter von Freis ehemaligem Kollegen Marek, das schon in Böses Kind angesprochen wurde, wird wieder aufgeriffen, bleibt aber offen. Ich gehe davon aus, dass man im nächsten Frei-Thriller mehr darüber erfahren wird.

Wie war's?

 

Sehr spannend, authentisch, mitreißend. Ich will doch mal hoffen, dass sich Herr Krist gerade an seinem nächsten Titel die Finger wund schreibt.  Das Erscheinungsdatum für Kalte Hölle ist mit 'demnächst' angegeben.

Stille Schwester kostet als Taschenbuch 9,99 Euro und als epub- oder Kindle-Ausgabe 3,99 Euro.

Mittwoch, 29. August 2018

Ich war bei "meinem" Buchhändler - ein Suchtbericht

Habt Ihr ein Geschäft, in das ihr so richtig gern geht? In dem Ihr aufpassen müsst, nicht wieder mal viel mehr Geld auszugeben, als Ihr Euch vorgenommen habt? Bei mir ist das seit meiner Kindheit der Buchhändler an meinem Wohnort. In dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin, habe ich damals reichlich Taschengeld in das Geschäft geschleppt. "Aber es gibt doch auch Stadtbüchereien! Da kostet es doch (fast) nichts!". Stimmt, da war ich auch. Auch! Aber Bücher, die mir gefallen, möchte ich selbst haben. Ich bin da völlig irrational. 
Vor Kurzem war ich wieder mal in "meinem" Buchladen ganz in meiner Nähe. Ich hatte mir den Reader für die Longlist des Deutschen Buchpreises zurücklegen lassen und hatte einen Geschenkgutschein dabei. Gibt es etwas Besseres als dem Konsum frönen zu können, ohne selbst Geld ausgeben zu müssen? Dreimal nein! Dieses Glücksgefühl - und da übertreibe ich nicht - wird bei mir nur inmitten von Büchern ausgelöst.

Deshalb beobachte ich mit Sorge das langsame Sterben des stationären Buchhandels. "Aber im Internet zu bestellen ist doch so bequem", höre ich da den ersten leisen Protest. Ja, ist es. Aber es gibt mittlerweile Angebote, die es möglich machen, im Internet zu bestellen und sich das Buch dann beim Buchhändler abzuholen oder es über ihn bringen zu lassen. Wenn ich weiß, was ich will, schreibe ich "meinem" Buchhändler eine E-Mail und er meldet sich, wenn meine Bestellung im Laden ist. Wenn es Probleme gibt, also z. B. ein Buch vergriffen ist, wird diese Information mit allem, was dazugehört (Wann ist das Buch wieder erhältlich? Welche Alternativen gibt es?) ebenfalls elektronisch ausgetauscht. 
Wenn ich nur ganz ungefähr weiß, wonach ich suche, gehe ich in den Laden und lasse mich beraten. Bei Büchern, die ich verschenken will, hat mein Buchhändler noch nie danebengelegen. Und: Wenn der Beschenkte das Buch schon hat, kann ich es im Laden zurückgeben und ein anderes mitnehmen. Ich gehe immer in denselben Laden. Man kennt mich dort, weiß, was ich gern lese, und ich habe schon mal den Händler in meiner Ratlosigkeit um Hilfe gebeten: "Sie kennen doch Frau XY, eine Freundin von mir. Können Sie mir einen Tipp geben, was ihr gefallen könnte?" Konnte er, meine Freundin hat sich über die Auswahl gefreut.

Eigentlich wollte ich einen Buch-Sucht-Text schreiben, jetzt ist es während des Tippens doch ein Plädoyer für den
örtlichen Buchhandel geworden. Ich habe eine Grafik des Portals Statista gesehen, aus der hervorging, dass die Zahl der Buch-Einzelhändler zwischen 2006 und 2016 von etwas mehr als 5.000 auf nicht ganz 3.700 zurückgegangen ist. Zum Teil sind Buchhändler auch selbst schuld: Wer sich nur hinter seinen Tresen stellt, den Kopf einzieht und hofft, dass das Schlimmste an ihm vorüber geht, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Nur vom Weihnachts- und Schulbuchgeschäft kann ein Buchhändler auch dann nicht leben, wenn er an Mitarbeitern spart. Bei "meinem" Buchhändler sehe ich über die letzten Jahre hinweg die Zeichen des schleichenden Niedergangs: Die Außenbeleuchtung, auf der der Geschäftsname steht, wird nicht mehr angeschaltet, das Lesesofa hat seine besten Tage hinter sich (was mit einem Überwurf kaschiert wird), der Laden wird von Montag bis Samstag pünktlich geöffnet und geschlossen, von Sonderaktionen habe ich nichts bemerkt und die letzte Lesung, von der ich weiß, war im November 2017, als einer unserer Ratsherren seinen zweiten Krimi vorstellte. 

Sollte es eines Tages Geld vom Himmel regnen oder ich doch noch mal den Eurojackpot knacken, werde ich dieses Trauerspiel aufhalten. Bis dahin bleibe ich treue Kundin und hoffe, dass andere es ebenfalls bleiben. Damit das Sterben der Buchhandlungen, das die USA erfasst hat und weswegen es ganze Landstriche ohne einen einzigen Buchhändler gibt, nicht auch hier derart gravierende Folgen hat. Drückt mir die Daumen für einen satten Gewinn.

Dieser Text erscheint parallel bei Tägliches auf drei Beinen.

Freitag, 24. August 2018

# 164 - Das Hauen und Stechen am Panamakanal

DIE berufliche Chance für einen Ingenieur

 

Der Brite Max Burns ist ein angesehener Geomatik-Ingenieur, ein Spezialist für den Kanal- und Brückenbau. Er lässt in Christoph Martins Buch Die Expansion für die Erfüllung seines großen beruflichen Traums buchstäblich alles stehen und liegen, als er von seinem alten Kumpel Godfredo Roco überredet wird, am Großprojekt der Erweiterung des Panamakanals als Chefingenieur mitzuarbeiten: Er hat die Zusage, in der Firma seines künftigen Schwiegervaters eine Stelle anzutreten, zurückgezogen, was gleichzeitig auch das Aus für seine Verlobung mit dessen Tochter Sarah war.

Auf alte Freunde ist doch immer Verlass...

 

Godfredo Roco und Max Burns kennen sich aus Schultagen. Die Freundschaft wurde durch den Selbstmord von Max' Eltern jäh beendet, weil dann kein Geld mehr für das teure Internat da war. Max wuchs bei seinem Onkel Alan in bescheidenen aber behüteten Verhältnissen auf. Godfredo und dessen Vater Paco, die bei dem Projekt die Fäden in der Hand halten, haben für das Team um Max luxuriöse Unterkünfte bereitgestellt und treten mit dem Habitus von Menschen auf, die es gewohnt sind, zu gewinnen. Die Ausschreibung für das Großprojekt wird denn auch von ihnen gewonnen, obwohl jedem Experten angesichts des niedrigen Preises klar sein muss, dass da etwas ganz gewaltig zum Himmel stinkt. Das finden auch Max und Godfredo, die in die Hinterzimmerspielchen, die Paco inszeniert hat, nicht eingeweiht wurden.
Doch auch die Amerikaner hatten ihr Gebot abgegeben: einerseits aus historischen Gründen aber auch, um einen Gegenpart zu den Chinesen zu bilden. Merkwürdigerweise nimmt China jedoch gar nicht an der Ausschreibung teil.
Was Max noch nicht ahnt: Er ist hier nur das Bauernopfer in einem groß angelegten Betrugs- und Unterschlagungsszenario. Die Strippenzieher haben eingeplant, dass der Ingenieur seinen Kopf für Dinge herhalten muss, die er nicht getan hat und schrecken auch vor einem Mord nicht zurück.
Der panamaische US-Botschafter nimmt in der Handlung eine zwielichtige Rolle ein, und auch die Installation des Defense Clandestine Services, einer US-Geheimdiensteinheit, wird zunehmend undurchsichtiger. Die enorm ehrgeizige Chefin Fisher ist bereit, für ihr Land alles zu geben und dabei auch Wahrheit und Gerechtigkeit zu opfern.

Auch dieses Buch kommt nicht völlig ohne Romantik aus. Am Schluss wird es zwei Paare geben, die auf den ersten Blick nicht zusammen zu passen scheinen, aber die körperliche Anziehungskraft kann da vielleicht einiges überdecken.

Wie war's?

 

Mein Eindruck fällt gemischt aus. Der Plot ist sehr gut, auch wenn es hier um ein Ereignis geht, das bereits stattgefunden hat: Die Erweiterung des Panamakanals erfolgte zwischen 2007 und 2016, die wesentliche Handlung von Die Expansion spielt im Jahr 2008. Ich hätte mir allerdings einen stärkeren Bezug auf das Bauprojekt gewünscht, und auch der Blick auf Panama fällt sehr dezent aus. Kurz: Land und Projekt sind austauschbar. Das Buch hat mich gut unterhalten, für einen Thriller halte ich es jedoch nicht, da ich dafür mehr Spannung erwarte. Manche der Figuren hätte genauer gezeichnet werden und Korrektorat und Lektorat gern aufmerksamer ausfallen dürfen. Max Burns wird beispielsweise als Geomantik-Professor bezeichnet, obwohl wenig wahrscheinlich ist, dass die Durchführung eines Großprojekts von Esoterik und Hellseherei profitieren könnte.
Die Expansion ist zunächst in einer englischen Version erschienen. Informationen hierzu gibt es unter www.theexpansionbook.com
Der Autor, der mit vollem Namen Christoph Martin Zollinger heißt, ist nach eigenen Angaben ein Schweizer Unternehmer, der nach seinem Jura-Studium lange in Panama gearbeitet hat. Seine Co-Autorin ist die Australierin Libby O'Loghlin. 

Was ich zum Schluss noch anmerken möchte: Normalerweise gehe ich auf Buchcover hier nicht ein, aber dieses Mal mache ich eine Ausnahme. Mir stößt wirklich auf, dass hier die Rechtschreibung zugunsten einer halbwegs gleichmäßigen Buchstabenverteilung geopfert wurde. Hätte ich das Buch im Regal eines Buchhändlers gesehen, hätte ich es ganz sicher nicht gekauft, weil ich davon ausgegangen wäre, dass sich diese Schludrigeit im Text fortsetzt. 

Die Expansion kostet als Taschenbuch 11,95 Euro sowie als epub- oder Kindle-Edition 7,99 Euro.
Ich bedanke mich bei der Agentur Literaturtest, die mir das Buch zur Verfügung gestellt hat. 

Freitag, 17. August 2018

# 163 - Neue Ermittlungen am Bodensee

Ines Fox ist wieder unterwegs

 

Die Hobbyermittlerin Ines Fox, der von der Autorin Christiane Kördel Leben eingehaucht wird, ist den Lesern dieses Blogs schon bekannt: In den ersten beiden Bänden Seezeichen 13 und Seeblick kostet extra hat die Inhaberin einer kleinen Webdesign-Agentur in Konstanz bereits eindrucksvoll ihr Talent bewiesen, sich durch ihre bodenlose Neugier immer wieder selbst in tödliche Gefahr zu bringen. Warum sollte das im neuesten Buch Seekoller - Eine Bodensee-Miami-Komödie anders sein? 

Urlaub oder Ermittlungen?

 

Ines Fox und ihr Dr. Frieder, ein Rechtsmediziner, haben eigentlich einen gemeinsamen Urlaub an der Nordsee geplant, doch der fällt buchstäblich ins Wasser: In einer Fahrradrikscha wird ein totes Ehepaar aus den USA gefunden, das sich gerade in den Flitterwochen befunden hat. Vanessa wurde mit einem Giftpfeil getötet, Jeff ist offenbar beim Anblick seiner frisch gemeuchelten Gattin an gebrochenem Herzen gestorben. Kurz nach dem Eintreffen der Polizei explodiert am Ufer des Bodensees ein Boot.
Merkwürdig ist, dass der Fahrer der Rikscha ein früherer Verehrer der Toten gewesen ist, der sie angeblich sogar gestalkt haben soll.  
Ines Fox erfährt im noblen Inselhotel, dass Vanessa dort an der Rezeption und im Büro gearbeitet hat. Alle Mitarbeiter wussten, dass ihre Eltern in ihrer Heimat Miami ein edles Luxushotel besitzen, das 'The Charmond'. Die junge Frau hatte berichtet, dass sie in Nobelhotels auf der ganzen Welt Erfahrungen sammeln wolle, um später das elterliche Haus zu übernehmen. 
Als ob zwei Tote noch nicht genug wären, stolpert Ines auf der Suche nach dem Ort, von dem der Giftpfeil abgefeuert wurde, buchstäblich über eine abgetrennte Hand. Liegt hier ein weiteres Mordopfer?

Ines' Neugier siegt auch dieses Mal über die Vernunft und sie beschließt, nach Miami zu fliegen, sich das 'The Charmond' selbst anzusehen und mit Vanessas Eltern zu sprechen. Aber die Hoteleigentümerin eröffnet der Hobbyermittlerin, dass sie gar keine Kinder hat. Spätestens jetzt wird klar, dass hier etwas oberfaul ist. Durch ihren Leichtsinn bringt sich Ines zu allem Überfluss in Lebensgefahr. Wie soll sie den Verbrechern entkommen, die sie gefangen halten?

Wie war's?

 

Wer bereits Seezeichen 13  und Seeblick kostet extra gelesen hat, weiß, wie Ines Fox tickt: Die Webdesignerin strauchelt in immer neue verfängliche und oft gefährliche Situationen hinein. Christiane Kördel macht da auch bei Seekoller - eine Bodensee-Miami-Komödie keine Ausnahme. Ihre Leser werden von der ersten bis zur letzten Seite gut und humorvoll unterhalten, und mit dem aus Norddeutschland stammenden und mit einem staubtrockenen Humor ausgestatteten Dr. Frieder hat die Autorin einen guten Gegenpart zur quirligen und impulsiven Ines Fox geschaffen, über die man nördlich von Hannover wohl sagen würde: "Die hat Hummeln im Mors!"

Seekoller - eine Bodensee-Miami-Komödie ist als Taschenbuch (Books on Demand) für 9,99 Euro sowie als epub- oder Kindle-Edition für 2,99 Euro erhältlich.