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Sonntag, 15. Juni 2025

Die Bücherkiste hat Geburtstag: 10 Jahre Rezensionen aus fast allen Genres 🥳📚

Vor genau zehn Jahren habe ich hier den ersten Blogbeitrag veröffentlicht und hätte damals nicht gedacht, dass ich so lange durchhalte. Als ich vor fast einem Jahr anlässlich des neunten Blog-Geburtstags diesen Text geschrieben habe, habe ich schon eine ausführliche Rückschau gehalten.

Seitdem hat sich in der Welt einiges getan: Die nationalen und internationalen Krisen scheinen sich zu stapeln und treiben vielen Experten die Sorgenfalten auf die Stirn. Außerdem ist in diesem Jahr Papst Franziskus gestorben. Diese Ereignisse schlagen sich auch in meinen Rezensionen seit Mitte Juni 2024 nieder: Von 44 vorgestellten Büchern waren sechzehn Sachbücher. Dabei ging es um China, den Klimawandel, Russland mit seinen Expansionsbestrebungen, die Ukraine, die Papstwahl im Wandel der Zeit und - fast schon unvermeidlich - Donald Trump und Project 2025. Diese Verlagerung zu mehr Sachbüchern habe ich nicht geplant, sie ist mir erst im Nachhinein aufgefallen.

Gibt es Vorurteile gegenüber Leserinnen und Lesern von Sachbüchern?

Da kann man sich natürlich fragen: Wie finden es die Leserinnen und Leser dieses Blogs, wenn ich weniger über Belletristik schreibe? Ich bekomme dazu keine konkreten Rückmeldungen, sehe aber in der Blog-Statistik, dass sich in den letzten zehn Jahren durchschnittlich mehr Menschen für Romane als für Sachbuchtitel interessiert haben. Dieser Trend hat sich seit Juni 2024 jedoch umgekehrt: Erstmals hatten Sachbücher die Nase vorn. Gerade als mir das aufgefallen war, las ich den Beitrag eines Buchbloggers bei Instagram. Er schrieb unter der Überschrift "Über die Schmähungen des Sachbuchs"¹ einen Artikel, in dem er kritisierte, dass Menschen, die nur oder überwiegend Sachbücher lesen, negative Eigenschaften zugeschrieben werden. Er vermutete, dass die Kritiker mit dem Begriff 'Sachbuch' die Titel aus dem Bereich der Selbstoptimierungsliteratur gleichsetzen und außerdem überwiegend Männer zu Sachbüchern greifen und eine Verknüpfung zu negativen Männlichkeitsklischees hergestellt wird.

Ernsthaft: Das ist ganz schön spekulativ. Es gibt nirgends eine Statistik, die beweist, dass mehrheitlich Männer Sachbücher kaufen. Wer das schreibt, bezieht sich auf Beobachtungen, nicht auf Daten. 'Anekdotische Evidenz' heißt so etwas: Die Erfahrung, die ich selbst mache, betrachte ich als allgemeingültige Tatsache. Was der Buchblogger kann, kann ich schon lange: Ich habe von diesen Schmähungen noch nie etwas gehört und gelesen. Einer der besten Sachbuchblogs, die ich kenne, ist der einer Frau: Petra Wiemann stellt auf ihrem Blog Elementares Lesen seit über zwölf Jahren Sachbücher vor.

"Bitte keine schwierigen Wörter": Soll dem Wunsch nach Vereinfachung überall nachgegeben werden?

Kürzlich las ich eine Äußerung einer Krimiautorin², die im Hauptberuf Rechtsanwältin ist. Sie wurde aufgefordert, keine komplizierten Worte zu verwenden, sondern ihre Formulierungen zu vereinfachen. Ähnliches äußerte eine Autorin, die Dark Romance-Romane und Thriller schreibt³. Beide reagierten befremdet darauf, dass man ihnen vorschreiben wollte, wie sie sich ausdrücken sollen. 

Ich verstehe, dass sich Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen leicht lesbare Inhalte wünschen. Daraus aber eine Forderung an Autorinnen und Autoren abzuleiten, befremdet mich und schränkt kreative Schreibende in ihren sprachlichen Möglichkeiten ein. Das kann keiner wirklich wollen.

Tote zum Leben erwecken: prima oder kann weg?

Quelle: BBC Maestro
Vor fünf Jahren habe ich auf meinem zweiten Blog
über bekannte und unbekannte Menschen geschrieben, die mithilfe von Virtual Reality quasi zum Leben erweckt wurden. Ich habe damals nicht gewusst, was ich davon halten soll.

Nun hält das auch bei der schreibenden Zunft Einzug. 
Die britische Krimi-Autorin Agatha Christie dürfte den meisten ein Begriff sein. Miss Marple und Hercule Poirot haben nicht nur Mörder das Fürchten gelehrt, sondern sind auch durch ihre schrullige Art im Gedächtnis der Leserschaft geblieben.

Agatha Christie lebt seit fast fünfzig Jahren nicht mehr. Aber nun wird sie von den Toten erweckt: Das Unternehmen BBC Maestro, ein Tochterunternehmen der BBC Studios, bietet seit einiger Zeit Internet-Schreibkurse an, die von prominenten Schriftstellerinnen und Schriftstellern geleitet werden. Dazu gehören z. B. Isabel Allende oder Ken Follett. Für 99 € kann man sich jeweils 22 Unterrichtseinheiten, die insgesamt viereinhalb Stunden dauern, ansehen. Allende und Follett wurden leibhaftig gefilmt und haben selbst gesprochen. 

Und dann ist da noch Agatha Christie. In einem Werbe-Video für einen von ihr moderierten Schreibkurs geht sie durch die Räume ihres Hauses oder tippt auf einer alten Schreibmaschine einen Roman. Dabei spricht sie ununterbrochen über das Schreiben und dass sie nie gedacht hätte, eine Autorin zu sein. Die Person im Video sieht aus wie Agatha Christie und spricht wie sie: Hier hatte KI das Sagen.
Da Dame Christie sich nicht mehr selbst um die Inhalte "ihres" Schreibkurses kümmern kann, hat das für sie ein Experten-Team übernommen. Dieser Teil stammt also nicht von einer KI.

Was hat BBC Maestro bewogen, die britische Autorin in den Mittelpunkt eines Video-Kurses zu stellen? Gibt es nicht noch andere Krimi-Autoren, die dazu bereit gewesen wären? Vermutlich schon, aber Agatha Christie gilt als die weltweit erfolgreichste Schriftstellerin, ihr Name hat also auch lange nach ihrem Tod Zugkraft. Oder anders gesagt: Mit ihr lässt sich immer noch viel Geld machen. Man darf annehmen, dass es nicht bei dieser einen KI-Produktion bleiben wird. Vielleicht lernen wir in einiger Zeit von einem KI-Mozart das Komponieren oder von Annette von Droste-Hülshoff die Kunst der Poesie. Wer weiß ... Es bleibt ein schaler Beigeschmack.

Ein Tod und eine verpasste Ehrung

Er gehörte zu denen, über die jedes Jahr anlässlich der Verleihung des Literatur-Nobelpreises gesagt wurde: Jetzt ist es soweit, jetzt bekommt er ihn endlich. Der gebürtig aus Kenia stammende Schriftsteller Ngũgĩ wa Thiong’o ist vor etwas mehr als zwei Wochen im Alter von 87 Jahren gestorben. Seine Familiengeschichte war vom britischen Kolonialismus geprägt, mehrere Angehörige kamen im Kampf gegen die Kolonialmacht ums Leben. Das Thema Kolonialismus bestimmte seine Literatur, er litt unter Verhaftungen und Folter unter den ersten beiden postkolonialen Präsidenten Jomo Kenyatta und Daniel arap Moi und musste letztlich ins Exil in die USA gehen, wo er an mehreren renommierten Universitäten lehrte. Sein Roman Herr der Krähen gilt als der Afrika-Roman des 21. Jahrhunderts. Den Nobelpreis für Literatur hat er nicht mehr bekommen, nach eigener Aussage war ihm dieser allerdings auch nicht so wichtig.

Zehn Jahre - und nun?

Das, was ich für diesen Artikel zusammengestellt habe, zeigt, dass die Welt der Literatur immer in Bewegung ist. Wir reden schon lange nicht mehr nur über die gedruckten Papierwerke, wenn wir "Bücher" sagen. Der Anteil der E-Books am Gesamtwerk steigt langsam, aber stetig an, Bücher können von jedem Einfaltspinsel mithilfe von KI geschrieben werden, und kürzlich ist eine selbsternannte Autorin aufgeflogen, nachdem sie eine KI gebeten hatte, ein Buch im Stil einer bestimmten Schriftstellerin zu verfassen, sie aber vergessen hatte, diese Anweisung aus dem fertigen Machwerk zu entfernen. Anfängerfehler.

Worüber wird die Buchwelt in einem, fünf oder zehn Jahren sprechen? Ich bleibe am Ball und hoffe, ihr auch. Hier, in meiner Bücherkiste.


Quellen:

¹: Sachbuchseite📚 (@sachbuchseite) • Instagram-Fotos und -Videos

²: Sachbuchseite📚 (@sachbuchseite) • Instagram-Fotos und -Videos

³: Aktuelles | Autorin Ellen Connor Dystopie Horror Thriller


Freitag, 28. Juni 2024

Happy birthday to Inas Bücherkiste

Heute Vormittag fiel mir ein, dass ich die Bücherkiste
irgendwann im Juni 2015 gestartet habe. Mit einem Buch, das ich immer noch gut finde: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war von Joachim MeyerhoffUnd wann war das genau? Am 15. Juni 2015. Vor fast zwei Wochen ist mein Blog also neun Jahre alt geworden, und ich habe das verpasst. Das ist mir leider nicht zum ersten Mal passiert.

Aber sollte meine Dösigkeit ein Grund sein, diesen Geburtstag jetzt komplett abzuhaken? Ich finde: nein.

Ich will jetzt aber nicht schreiben, welche von den bislang über 440 vorgestellten Büchern ich am allerbesten fand und welche eher ein Fall für den Schredder sind. Das machen schon andere Leute im Fernsehen, und ich kann nicht sagen, dass ich das besonders gelungen finde. Beim Lesen soll es um die Lust an der Sache gehen; ich glaube nicht, dass diese Lust steigt, wenn in der Buchszene präsente Menschen das  Lieblingsbuch einiger Leserinnen und Leser mit dem Etikett "Schund" versehen. 

bloggdeinbuch.de und die Plagiate

Rund um die Bücherkiste gab es ein paar Begebenheiten, die es wert sind, erzählt zu werden. Manchmal war das Buchbloggen nämlich ein Kommen und Gehen.
Im Frühling 2012 wurde die Bloggerplattform bloggdeinbuch.de ins Leben gerufen. Dahinter stand der kaum ältere Verlag EPIDU, der sich selbst als Web 2.0-Verlag bezeichnete: Leserinnen und Leser konnten mitbestimmen, welche Bücher veröffentlicht werden. Über bloggdeinbuch.de konnten Verlage gegen eine Gebühr ihre Neuerscheinungen für Rezensionen anbieten. Drei Jahre später berichtete der Gründer, dass schon 160 Verlage an diesem Modell teilnehmen. 
Viele Publikationen, die sich mit Themen aus der Buchbranche beschäftigen, haben über das Start-up berichtet. Die Grundstimmung war durchweg positiv. Ein paar Jahre später war bloggdeinbuch.de Geschichte. Mein letzter Kontakt war im Sommer 2017, das letzte Lebenszeichen gab das Portal auf Twitter im Januar 2019 von sich. Mir ist das erst später aufgefallen, obwohl ich immerhin sieben Bücher, die ich über bloggdeinbuch.de bekommen hatte, in der Bücherkiste vorgestellt habe.

Mit der Rezension eines Buches, das ich von bloggdeinbuch.de erhalten hatte, habe ich dann zum ersten Mal erlebt, dass meine Texte plagiiert wurden. Die Bücherkiste war erst ein Dreivierteljahr alt, als mir auffiel, dass eine andere Bloggerin zwei Drittel meiner Rezension unverändert in ihre eigene eingefügt hatte. Nach meinem Hinweis wurde sie von der Plattform aufgefordert, ihren Text zu ändern, was sie auch getan hat.
Fast zeitgleich hatte eine andere Bloggerin ein Buch rezensiert, das ich direkt vom Autor bekommen hatte. Sie hatte sich zwar die Mühe gemacht, den einen oder anderen meiner Sätze ein bisschen umzubauen, aber die "Abschreiberitis" war klar zu erkennen. Auf meine freundlich formulierte Bitte, ihre Rezension in ihren eigenen Worten zu verfassen, reagierte sie schnippisch und forderte mich auf, meine Anschuldigung zurückzunehmen. Hat es Sinn, da noch länger zu diskutieren? Nein, hat es nicht. Ich habe den Fall einem Fachanwalt geschildert, der die Bloggerin aufgefordert hat, ihren Text zu ändern oder zu löschen. Sie hat sich fürs Löschen entschieden. Da ich vom Anwalt nie eine Rechnung bekommen habe, gehe ich davon aus, dass die Bloggerin diese bezahlt hat. Ihren Blog gibt es immer noch, es werden aber nur unregelmäßig Artikel veröffentlicht.
Auf den ersten Blick könnte man mein Verhalten zickig finden. Aber zu diesem Zeitpunkt habe ich auch bezahlt geschrieben, indem ich Websites betextet habe. Meine Blogs waren damals ein Teil meiner Selbstpräsentation. Außerdem bestraft Google sogenannten Duplicate Content mit der Herabstufung der primär rankenden Seite - also in diesem Fall meiner.

Indipendent-Publishing - interessante Jahre und die Insolvenz 

Im Juni 2015 kündigte der Harenberg Verlag an, in seine Branchenzeitschrift "buchreport-magazin" erstmals einen Schwerpunkt zum Thema 'Indipendent Publishing' aufzunehmen. Der sog. "Indie-Katalog" wurde von der Website indie-publishing.de flankiert. Die Redaktion nahm Kontakt zu Bloggern auf, die nicht nur die Titel der großen Publikumsverlage rezensierten, sondern eben auch die von unabhängigen Verlagen, die es deutlich schwerer haben als ihre großen Mitbewerber, auf dem Buchmarkt sichtbar zu werden. Der "Indie-Katalog" beschränkte sich jedoch nicht auf diese Zielgruppe, sondern bot auch Selfpublishern die Möglichkeit, ihre Bücher zu präsentieren. Etliche meiner Rezensionen wurden dort abgedruckt, wie zum Beispiel hier

Das Rezensieren von Büchern, die nicht in der Mainstream-Welle mitschwammen, hat mir viel Spaß gemacht. Die angebotenen Rezensionsexemplare waren ein guter Querschnitt durch alle Genres. Doch Anfang 2019 wurde es plötzlich still. Auf meine Nachfrage teilte mir ein Mitarbeiter des Indie-Katalogs mit, dass man an einem tollen neuen Konzept arbeite und man die Zusammenarbeit mit Bloggern "vorerst" einstelle. Aus dem "vorerst" wurde der Tod des Indie-Katalogs. Was Jahre zuvor so positiv und euphorisch angekündigt worden war, verschwand sang- und klanglos von der Bildfläche. 

Vielleicht war das der Anfang vom Ende des Harenberg-Verlags. Ich weiß es nicht. Der Verlag meldete im Dezember 2023 Insolvenz an. Seit 1971 hatte er für den SPIEGEL die Bestsellerliste erstellt. Nach über 50 Jahren war es damit plötzlich vorbei. Nun werden die Bestsellerlisten von der Buchhandels-Genossenschaft eBuch erstellt und in der Zeitschrift "BuchMarkt" veröffentlicht.

Blogsterben?

Etwa zu dem Zeitpunkt, in dem ich hier meiner Bücherkiste Leben eingehaucht habe, sind auch sehr viele andere Buchblogs entstanden. Ich habe keine Ahnung, was diese "Gründungswelle" ausgelöst hat, aber der Trend war nicht zu übersehen. Ich bin damals einigen Blogs, die mich interessierten, über die Blogroll gefolgt. Nach ein oder zwei Jahren habe ich aber festgestellt, dass ich diese verlinkte Leseliste überarbeiten muss: Die meisten Blogs existierten gar nicht mehr, der anfängliche Schwung der lesebegeisterten Bloggerinnen und Blogger ist nach relativ kurzer Zeit auf der Strecke geblieben. Jetzt, während ich diesen Text schreibe, fällt mir auf, dass ich mir meine Blogroll mal wieder ansehen muss. Die Liste ist bereits auf nur sechs unterschiedliche Blogs geschrumpft. Vier davon sind passiv, ein Foto-Blogger postet nur noch alle paar Monate einen Beitrag, nur eine Buchbloggerin lädt regelmäßig ihre Rezensionen hoch.

Mir fallen Buchblogs ein, die vor Jahren in den sozialen Netzwerken eine Nische besetzt haben und nach meinem Eindruck damit erfolgreich waren. Auch sie existieren nicht mehr.

Woran liegt das? Ich kann da nur spekulieren. Vor einigen Jahren wurde unter Buchbloggern diskutiert, ob es anrüchig ist, mit dem Veröffentlichen von Rezensionen Geld zu verdienen. Auf den Social-Media-Plattformen wurde diese Frage rauf und runter besprochen. Viele bezogen sich auf Kosmetik-, Mode-, Koch- oder Reiseblogger, die bei ausreichend hoher Reichweite mit guten Einnahmen rechnen konnten - und es noch immer können. Da stand dann die kulturell-ethische Fraktion der ökonomischen gegenüber, eine Einigung konnte es nicht geben. Ich selbst habe für mich keine klare Antwort gefunden, ob es in Ordnung ist, mit einem Buchblog Einnahmen zu erzielen. Das Buch wie ein sakrosanktes Kulturgut zu behandeln, finde ich allerdings übertrieben. Möglicherweise gab es Buchblogger, die auf Einkünfte gehofft haben, dann jedoch nur Kosten hatten. 

Das wird aber nur einige Buchbloggerinnen und -blogger zum Aufgeben gebracht haben. Was für Blogleser nicht zu erkennen ist, ist der Aufwand, der hinter jedem Beitrag steckt.
Zuerst muss das Buch natürlich gelesen werden. Bei schmalen Bänden reichen ein paar Stunden, bei dicken und/oder anspruchsvollen Büchern vergehen Tage von der ersten bis zur letzten Seite. Dann wird am Blogtext gefeilt. Das kann dauern und hängt auch von der Tagesform ab. Was nicht vergessen werden darf: Das Bloggen ist für mich wie wahrscheinlich die Mehrheit der Buchbloggerinnen und -blogger ein Hobby. Ich bin im Gegensatz zu manchen anderen Buchbloggern wirtschaftlich nicht mit der Literaturbranche verbunden. Das heißt aber auch, dass ich niemandem nach dem Mund reden muss und in der Auswahl der vorgestellten Titel frei bin. Das ist sicher ein großes Plus. Aufgrund dieser Freiheit entscheide ich auch über die Art, wie ich die Bücher präsentiere. Ich möchte, dass sie im Mittelpunkt stehen und der Blick aufs Buch nicht von Dekoartikeln abgelenkt wird. Meine Bücherkiste ist keine Unterabteilung von "Schöner Wohnen", da muss kein Vorhang oder Blumenstrauß auf die Farben des Covers abgestimmt sein.

Die Zahl der kunstvoll arrangierten Buchfotos dürfte in den letzten Jahren aber zugenommen haben. Viele Buchblogger betreiben entweder parallel zu ihrem klassischen Weblog Accounts auf Social-Media-Kanälen oder sind komplett zu ihnen abgewandert. Während 2015 Facebook weit vorn lag, findet man heute viele Buchblogger bei Instagram, Pinterest und TikTok. Diese Portale haben gemeinsam, dass sie visuell ausgerichtet sind. Der Rezensionstext spielt, wenn es überhaupt einen gibt, nur eine Nebenrolle. Häufig reichen dann drei Sätze und fünf Hashtags, um einen Post zu erstellen. Wenn ich dann Kommentare wie "geiles Cover" lese, weiß ich, dass ich falsch bin. Ich erkenne dann weder in den Buch-Posts noch in den Kommentaren eine Liebe zum Buch.

Ich habe auch Social-Media-Accounts bei InstagramX (Ex Twitter) und Threads. Sie dienen dazu, den eigentlichen Buchblog zu bewerben. Was ich vor neun Jahren für überflüssig gehalten habe, scheint heute der einzige Weg zu sein, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Folge: Die Social-Media-Aktivitäten kosten weitere Zeit. Zeit, die ich im Grunde lieber mit dem Lesen oder anderen Dingen verbringen möchte.

Messen und Kontakte

Buchbloggen kann man natürlich im stillen Kämmerlein im Schein einer Kerze betreiben, das Glas Rotwein immer in Reichweite. Aber wer will das schon?

Zum Bloggerleben gehörte für mich auch der Besuch der Buchmessen in Frankfurt und Leipzig. Es war schön, sich mit anderen Bloggerinnen (ja, die große Mehrheit der Buchblogger ist weiblich) auszutauschen und Kontakte mit Verlagen zu knüpfen. Mein Schwerpunkt lag dabei auf unabhängigen Verlagen; die großen Publikumsverlage haben ohnehin viel Aufmerksamkeit. Doch mein letzter Messebesuch war im April 2023 auf der Leipziger Buchmesse. Danach habe ich beschlossen, nicht mehr zu großen Messen zu gehen. Als Mensch mit Mobilitätseinschränkung habe ich die Besuche in den überfüllten Hallen als extrem anstrengend empfunden, auch mit einem Elektro-Scooter. Es war der nackte Stress, trotz der Unterstützung meiner jeweiligen Begleitung. In Leipzig kam 2023 noch die nicht vorhandene Steuerung auf den Parkplätzen hinzu, was mich trotz meines Presseausweises stundenlang von der Veranstaltung ausschloss. 

Der Kontakt mit den Verlagen hat unter meiner Messe-Abwesenheit allerdings gelitten, was ich sehr schade finde. Physisch präsent zu sein ist dort offenbar wichtiger als ich dachte. Hier nutze ich die Gelegenheit, mich insbesondere beim Verlag Donata Kinzelbach, dem Polar Verlag sowie dem Anthea Verlag für die gute Zusammenarbeit zu bedanken.
Zu einzelnen Buchbloggerinnen gibt es noch eine Verbindung. Aber wahrscheinlich haben alle Dinge ihre Zeit.

Mir macht das Buchbloggen immer noch Spaß und ich bin gespannt, was ich bis zum zehnten Geburtstag der Bücherkiste noch erleben werde. Wenn ich ihn nicht wieder vergesse...



Mittwoch, 15. Juni 2022

Konfetti! Die Bücherkiste wird sieben Jahre alt

Vor genau sieben Jahren, am 15. Juni 2015, habe ich mir einen Ruck gegeben und einfach losgelegt. Vom Bloggen hatte ich keinen Schimmer, und eine ganze Weile waren die Rezensionen so ausführlich, dass man sich nach dem Lesen den Kauf des vorgestellten Buches im Grunde schenken konnte.

Viele Buchblogger haben einen Schwerpunkt, nach dem sich ihre Titelauswahl richtet. Kochbücher, Reisebücher, Fotobände oder Kinderbücher: Die Auswahl ist riesengroß. Ich hatte damals auch überlegt, mich auf ein Genre zu beschränken. Aber mein Ehrgeiz war, jede Woche ein Buch vorzustellen. Das hat auch meistens geklappt, aber allein die Vorstellung, ständig z. B. Krimis zu lesen, weil ich nun mal einen Krimi-Blog habe, hat mich abgeschreckt.

Meine Interessen sind damals breit gefächert gewesen und sind es noch. Das spiegelt sich in meiner Bücherkiste wider und wird auch in Zukunft so bleiben.

Sieben Jahre erscheinen lang, wenn man sie noch vor sich hat. In der Rückschau sind sie fast wie im Flug vergangen. Über 350 Bücher habe ich euch vorgestellt, die ihr alle in der Cover-Parade (Reiter oben) auf einen Blick habt. Werde ich in sieben Jahren - 2029 - immer noch vor dem Laptop sitzen und Rezensionen über Bücher schreiben, die mich interessiert haben? Okay, es waren auch einige dabei, die mir nicht gefallen haben. Aber in die meisten Titel habe ich mich gern vertieft.

Ich bedanke mich für eure Treue und hoffe, dass ihr auch in Zukunft immer mal wieder in der Bücherkiste vorbeischaut. Bis dann! 

Ach, ja: Das hier ist übrigens der allererste Blogtext.


via GIFER

Photo credit: Eva the Weaver on Visualhunt.com

Samstag, 15. Juni 2019

Konfetti, Konfetti: Die Bücherkiste wird schon 4!

Heute vor vier Jahren habe ich den ersten Text für
Inas Bücherkiste hochgeladen. Er steckte voller Zweifel: Kann ich das überhaupt? Das liest doch kein Schwein! Letzteres hat sich bewahrheitet: Ich konnte bislang kein Schwein davon überzeugen, sich für meine Beiträge zu interessieren. Und dabei habe ich alles versucht: Ich habe einem Dutzend Schweinen meine Texte vorgelesen, sie durften sogar vorschlagen, über welches Buch ich als nächstes schreiben soll. Leider war ihre Aussprache so undeutlich, dass ich sie nicht verstanden habe. Na ja, macht nix. Immerhin haben sich im Laufe der Jahre ein paar Menschen hier eingefunden und dann und wann sogar Rezensionen kommentiert. Kurz: Ich bin sehr zufrieden und habe nach wie vor Freude daran, zu schreiben, wie ich das eine oder andere Buch finde.

Ein Blog ist "lebendiger", als ich mir das zu Anfang vorgestellt hatte. Es bleibt nicht dabei, Bücher zu lesen und über sie zu schreiben. Wenn man am Ball bleibt, entwickeln sich viele neue Kontakte - sehr schöne und oft hilfreiche, aber leider auch solche, auf die man gut hätte verzichten können. Mehrmals wurden meine Texte kopiert: einmal Wort für Wort, ein anderes Mal leicht verändert. Die Bloggerin, die damals abgeschrieben hatte, hat ihren Blog mittlerweile geschlossen. Fast dreieinhalb Jahre ist das jetzt her, die Bücherkiste war also noch jung. Ich war gelinde gesagt erstaunt, dass ich nach so kurzer Zeit schon kopiert wurde. Aber glücklicherweise überwiegen die schönen Kontakte: die zu meinen Blog-Lesern, anderen Buchbloggern, Autoren und auch Verlagen. 

Die Datenschutzgrundverordnung, die seit dem 25. Mai 2018 in Kraft ist, hat unter den Bloggern gerade in den ersten Monaten für viel Aufregung gesorgt. Eine ganze Menge Blogger haben seitdem beschlossen, sich zurückzuziehen. Die Sorge, Opfer von dubiosen, raffgierigen Abmahnanwälten zu werden, war meistens der Auslöser, mit dem Schreiben im Internet aufzuhören. Das ist sehr schade, weil das zulasten der Vielfalt geschah, aber oft war es meiner Meinung nach zu voreilig.

Ich werde, wenn nicht irgendetwas Unvorhergesehenes passiert, im Oktober wieder zur Frankfurter Buchmesse fahren. Es wäre toll, wenn sich dort wieder Treffen mit Gleichgesinnten ergeben würden. Ohne Inas Bücherkiste gäbe es sie nicht. Liebe Leserinnen und Leser, bleibt mir auch bis zum nächsten Bücherkisten-Geburtstag gewogen.
Ich wünsche euch viel Spaß mit dem, was ihr hier in der nächsten Zeit lesen werdet. 😃

  
                              
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