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Freitag, 28. Juni 2024

Happy birthday to Inas Bücherkiste

Heute Vormittag fiel mir ein, dass ich die Bücherkiste
irgendwann im Juni 2015 gestartet habe. Mit einem Buch, das ich immer noch gut finde: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war von Joachim Meyerhoff. Und wann war das genau? Am 15. Juni 2015. Vor fast zwei Wochen ist mein Blog also neun Jahre alt geworden, und ich habe das verpasst. Das ist mir leider nicht zum ersten Mal passiert.

Aber sollte meine Dösigkeit ein Grund sein, diesen Geburtstag jetzt komplett abzuhaken? Ich finde: nein.

Ich will jetzt aber nicht schreiben, welche von den bislang über 440 vorgestellten Büchern ich am allerbesten fand und welche eher ein Fall für den Schredder sind. Das machen schon andere Leute im Fernsehen, und ich kann nicht sagen, dass ich das besonders gelungen finde. Beim Lesen soll es um die Lust an der Sache gehen; ich glaube nicht, dass diese Lust steigt, wenn in der Buchszene präsente Menschen das  Lieblingsbuch einiger Leserinnen und Leser mit dem Etikett "Schund" versehen. 

bloggdeinbuch.de und die Plagiate

Rund um die Bücherkiste gab es ein paar Begebenheiten, die es wert sind, erzählt zu werden. Manchmal war das Buchbloggen nämlich ein Kommen und Gehen.
Im Frühling 2012 wurde die Bloggerplattform bloggdeinbuch.de ins Leben gerufen. Dahinter stand der kaum ältere Verlag EPIDU, der sich selbst als Web 2.0-Verlag bezeichnete: Leserinnen und Leser konnten mitbestimmen, welche Bücher veröffentlicht werden. Über bloggdeinbuch.de konnten Verlage gegen eine Gebühr ihre Neuerscheinungen für Rezensionen anbieten. Drei Jahre später berichtete der Gründer, dass schon 160 Verlage an diesem Modell teilnehmen. 
Viele Publikationen, die sich mit Themen aus der Buchbranche beschäftigen, haben über das Start-up berichtet. Die Grundstimmung war durchweg positiv. Ein paar Jahre später war bloggdeinbuch.de Geschichte. Mein letzter Kontakt war im Sommer 2017, das letzte Lebenszeichen gab das Portal auf Twitter im Januar 2019 von sich. Mir ist das erst später aufgefallen, obwohl ich immerhin sieben Bücher, die ich über bloggdeinbuch.de bekommen hatte, in der Bücherkiste vorgestellt habe.

Mit der Rezension eines Buches, das ich von bloggdeinbuch.de erhalten hatte, habe ich dann zum ersten Mal erlebt, dass meine Texte plagiiert wurden. Die Bücherkiste war erst ein Dreivierteljahr alt, als mir auffiel, dass eine andere Bloggerin zwei Drittel meiner Rezension unverändert in ihre eigene eingefügt hatte. Nach meinem Hinweis wurde sie von der Plattform aufgefordert, ihren Text zu ändern, was sie auch getan hat.
Fast zeitgleich hatte eine andere Bloggerin ein Buch rezensiert, das ich direkt vom Autor bekommen hatte. Sie hatte sich zwar die Mühe gemacht, den einen oder anderen meiner Sätze ein bisschen umzubauen, aber die "Abschreiberitis" war klar zu erkennen. Auf meine freundlich formulierte Bitte, ihre Rezension in ihren eigenen Worten zu verfassen, reagierte sie schnippisch und forderte mich auf, meine Anschuldigung zurückzunehmen. Hat es Sinn, da noch länger zu diskutieren? Nein, hat es nicht. Ich habe den Fall einem Fachanwalt geschildert, der die Bloggerin aufgefordert hat, ihren Text zu ändern oder zu löschen. Sie hat sich fürs Löschen entschieden. Da ich vom Anwalt nie eine Rechnung bekommen habe, gehe ich davon aus, dass die Bloggerin diese bezahlt hat. Ihren Blog gibt es immer noch, es werden aber nur unregelmäßig Artikel veröffentlicht.
Auf den ersten Blick könnte man mein Verhalten zickig finden. Aber zu diesem Zeitpunkt habe ich auch bezahlt geschrieben, indem ich Websites betextet habe. Meine Blogs waren damals ein Teil meiner Selbstpräsentation. Außerdem bestraft Google sogenannten Duplicate Content mit der Herabstufung der primär rankenden Seite - also in diesem Fall meiner.

Indipendent-Publishing - interessante Jahre und die Insolvenz 

Im Juni 2015 kündigte der Harenberg Verlag an, in seine Branchenzeitschrift "buchreport-magazin" erstmals einen Schwerpunkt zum Thema 'Indipendent Publishing' aufzunehmen. Der sog. "Indie-Katalog" wurde von der Website indie-publishing.de flankiert. Die Redaktion nahm Kontakt zu Bloggern auf, die nicht nur die Titel der großen Publikumsverlage rezensierten, sondern eben auch die von unabhängigen Verlagen, die es deutlich schwerer haben als ihre großen Mitbewerber, auf dem Buchmarkt sichtbar zu werden. Der "Indie-Katalog" beschränkte sich jedoch nicht auf diese Zielgruppe, sondern bot auch Selfpublishern die Möglichkeit, ihre Bücher zu präsentieren. Etliche meiner Rezensionen wurden dort abgedruckt, wie zum Beispiel hier. 

Das Rezensieren von Büchern, die nicht in der Mainstream-Welle mitschwammen, hat mir viel Spaß gemacht. Die angebotenen Rezensionsexemplare waren ein guter Querschnitt durch alle Genres. Doch Anfang 2019 wurde es plötzlich still. Auf meine Nachfrage teilte mir ein Mitarbeiter des Indie-Katalogs mit, dass man an einem tollen neuen Konzept arbeite und man die Zusammenarbeit mit Bloggern "vorerst" einstelle. Aus dem "vorerst" wurde der Tod des Indie-Katalogs. Was Jahre zuvor so positiv und euphorisch angekündigt worden war, verschwand sang- und klanglos von der Bildfläche. 

Vielleicht war das der Anfang vom Ende des Harenberg-Verlags. Ich weiß es nicht. Der Verlag meldete im Dezember 2023 Insolvenz an. Seit 1971 hatte er für den SPIEGEL die Bestsellerliste erstellt. Nach über 50 Jahren war es damit plötzlich vorbei. Nun werden die Bestsellerlisten von der Buchhandels-Genossenschaft eBuch erstellt und in der Zeitschrift "BuchMarkt" veröffentlicht.

Blogsterben?

Etwa zu dem Zeitpunkt, in dem ich hier meiner Bücherkiste Leben eingehaucht habe, sind auch sehr viele andere Buchblogs entstanden. Ich habe keine Ahnung, was diese "Gründungswelle" ausgelöst hat, aber der Trend war nicht zu übersehen. Ich bin damals einigen Blogs, die mich interessierten, über die Blogroll gefolgt. Nach ein oder zwei Jahren habe ich aber festgestellt, dass ich diese verlinkte Leseliste überarbeiten muss: Die meisten Blogs existierten gar nicht mehr, der anfängliche Schwung der lesebegeisterten Bloggerinnen und Blogger ist nach relativ kurzer Zeit auf der Strecke geblieben. Jetzt, während ich diesen Text schreibe, fällt mir auf, dass ich mir meine Blogroll mal wieder ansehen muss. Die Liste ist bereits auf nur sechs unterschiedliche Blogs geschrumpft. Vier davon sind passiv, ein Foto-Blogger postet nur noch alle paar Monate einen Beitrag, nur eine Buchbloggerin lädt regelmäßig ihre Rezensionen hoch.

Mir fallen Buchblogs ein, die vor Jahren in den sozialen Netzwerken eine Nische besetzt haben und nach meinem Eindruck damit erfolgreich waren. Auch sie existieren nicht mehr.

Woran liegt das? Ich kann da nur spekulieren. Vor einigen Jahren wurde unter Buchbloggern diskutiert, ob es anrüchig ist, mit dem Veröffentlichen von Rezensionen Geld zu verdienen. Auf den Social-Media-Plattformen wurde diese Frage rauf und runter besprochen. Viele bezogen sich auf Kosmetik-, Mode-, Koch- oder Reiseblogger, die bei ausreichend hoher Reichweite mit guten Einnahmen rechnen konnten - und es noch immer können. Da stand dann die kulturell-ethische Fraktion der ökonomischen gegenüber, eine Einigung konnte es nicht geben. Ich selbst habe für mich keine klare Antwort gefunden, ob es in Ordnung ist, mit einem Buchblog Einnahmen zu erzielen. Das Buch wie ein sakrosanktes Kulturgut zu behandeln, finde ich allerdings übertrieben. Möglicherweise gab es Buchblogger, die auf Einkünfte gehofft haben, dann jedoch nur Kosten hatten. 

Das wird aber nur einige Buchbloggerinnen und -blogger zum Aufgeben gebracht haben. Was für Blogleser nicht zu erkennen ist, ist der Aufwand, der hinter jedem Beitrag steckt.
Zuerst muss das Buch natürlich gelesen werden. Bei schmalen Bänden reichen ein paar Stunden, bei dicken und/oder anspruchsvollen Büchern vergehen Tage von der ersten bis zur letzten Seite. Dann wird am Blogtext gefeilt. Das kann dauern und hängt auch von der Tagesform ab. Was nicht vergessen werden darf: Das Bloggen ist für mich wie wahrscheinlich die Mehrheit der Buchbloggerinnen und -blogger ein Hobby. Ich bin im Gegensatz zu manchen anderen Buchbloggern wirtschaftlich nicht mit der Literaturbranche verbunden. Das heißt aber auch, dass ich niemandem nach dem Mund reden muss und in der Auswahl der vorgestellten Titel frei bin. Das ist sicher ein großes Plus. Aufgrund dieser Freiheit entscheide ich auch über die Art, wie ich die Bücher präsentiere. Ich möchte, dass sie im Mittelpunkt stehen und der Blick aufs Buch nicht von Dekoartikeln abgelenkt wird. Meine Bücherkiste ist keine Unterabteilung von "Schöner Wohnen", da muss kein Vorhang oder Blumenstrauß auf die Farben des Covers abgestimmt sein.

Die Zahl der kunstvoll arrangierten Buchfotos dürfte in den letzten Jahren aber zugenommen haben. Viele Buchblogger betreiben entweder parallel zu ihrem klassischen Weblog Accounts auf Social-Media-Kanälen oder sind komplett zu ihnen abgewandert. Während 2015 Facebook weit vorn lag, findet man heute viele Buchblogger bei Instagram, Pinterest und TikTok. Diese Portale haben gemeinsam, dass sie visuell ausgerichtet sind. Der Rezensionstext spielt, wenn es überhaupt einen gibt, nur eine Nebenrolle. Häufig reichen dann drei Sätze und fünf Hashtags, um einen Post zu erstellen. Wenn ich dann Kommentare wie "geiles Cover" lese, weiß ich, dass ich falsch bin. Ich erkenne dann weder in den Buch-Posts noch in den Kommentaren eine Liebe zum Buch.

Ich habe auch Social-Media-Accounts bei Instagram, X (Ex Twitter) und Threads. Sie dienen dazu, den eigentlichen Buchblog zu bewerben. Was ich vor neun Jahren für überflüssig gehalten habe, scheint heute der einzige Weg zu sein, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Folge: Die Social-Media-Aktivitäten kosten weitere Zeit. Zeit, die ich im Grunde lieber mit dem Lesen oder anderen Dingen verbringen möchte.

Messen und Kontakte

Buchbloggen kann man natürlich im stillen Kämmerlein im Schein einer Kerze betreiben, das Glas Rotwein immer in Reichweite. Aber wer will das schon?

Zum Bloggerleben gehörte für mich auch der Besuch der Buchmessen in Frankfurt und Leipzig. Es war schön, sich mit anderen Bloggerinnen (ja, die große Mehrheit der Buchblogger ist weiblich) auszutauschen und Kontakte mit Verlagen zu knüpfen. Mein Schwerpunkt lag dabei auf unabhängigen Verlagen; die großen Publikumsverlage haben ohnehin viel Aufmerksamkeit. Doch mein letzter Messebesuch war im April 2023 auf der Leipziger Buchmesse. Danach habe ich beschlossen, nicht mehr zu großen Messen zu gehen. Als Mensch mit Mobilitätseinschränkung habe ich die Besuche in den überfüllten Hallen als extrem anstrengend empfunden, auch mit einem Elektro-Scooter. Es war der nackte Stress, trotz der Unterstützung meiner jeweiligen Begleitung. In Leipzig kam 2023 noch die nicht vorhandene Steuerung auf den Parkplätzen hinzu, was mich trotz meines Presseausweises stundenlang von der Veranstaltung ausschloss. 

Der Kontakt mit den Verlagen hat unter meiner Messe-Abwesenheit allerdings gelitten, was ich sehr schade finde. Physisch präsent zu sein ist dort offenbar wichtiger als ich dachte. Hier nutze ich die Gelegenheit, mich insbesondere beim Verlag Donata Kinzelbach, dem Polar Verlag sowie dem Anthea Verlag für die gute Zusammenarbeit zu bedanken.
Zu einzelnen Buchbloggerinnen gibt es noch eine Verbindung. Aber wahrscheinlich haben alle Dinge ihre Zeit.

Mir macht das Buchbloggen immer noch Spaß und ich bin gespannt, was ich bis zum zehnten Geburtstag der Bücherkiste noch erleben werde. Wenn ich ihn nicht wieder vergesse...



Montag, 1. Mai 2023

Anstelle einer Buchbesprechung: So war die Leipziger Buchmesse 2023

In dieser Woche ist mein Lesepensum im Vergleich zu sonst eher gering ausgefallen. Der Grund: Ich war am Wochenende in Leipzig und habe die Buchmesse besucht - seit der coronabedingten Absage 2020 die erste nach dem offiziellen Ende der Pandemie. Wie war's?

Ich bin nicht zum ersten Mal zur "LBM" gefahren, wusste also, was mich in etwa erwartet und worauf ich mich einstellen muss. Aber wie das so ist mit vermeintlichen Sicherheiten, lösen sie sich manchmal gern in Rauch auf. Das war auch hier so.

Wir sind am Messe-Freitag, dem zweiten Messetag, angereist, kamen in unserem Hotel aber so spät an, dass wir darauf verzichtet haben, für zwei Stunden Messebesuch zum Gelände zu fahren. "Ist doch kein Problem", dachten wir. "Wir haben morgen den ganzen Tag Zeit und am Sonntag auch noch ein paar Stunden." Ein Trugschluss.

Als wir uns am Samstag auf der Autobahn dem Messegelände näherten, wies die Navigationsapp auf ein Problem hin. Schon etliche Kilometer vor der Abfahrt zur Messe war die Straße rot markiert: Stau, angeblich zwölf Minuten Zeitverlust. Na ja, damit kann man leben. Auf eine andere Route auszuweichen, konnte man sich ohnehin schenken: Alle anderen Zufahrtsstrecken waren ebenfalls rot auf der Karte eingefärbt. Also Stillstand. Zwanzig Meter fahren. Stillstand. Fahren. Die angekündigten zwölf Minuten schien der Algorithmus ausgewürfelt zu haben, so weit weg waren sie von der Wirklichkeit.

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Die Autoschlange setzte sich nach der Autobahnausfahrt nahtlos bis zu den Messeparkplätzen fort. Die waren schon rappelvoll. Aber wir wollten zum Presseparkplatz, hatten schon die Parkberechtigung hinter die Windschutzscheibe gelegt und waren verhalten optimistisch. In der Warteschlange vor der Schranke beobachteten wir das Gespräch des Parkplatzwächters mit dem Fahrer des Autos vor uns. Der fuhr kurz darauf dorthin zurück, woher er gekommen war: auf die Straße. Immer noch klingelte es nicht bei uns. "Na, da wollte wohl einer einen 'alternativen' Parkplatz ausprobieren", lästerten wir.

Dann standen wir an der Pole-Position - direkt vor der Schranke. Doch der junge Mann mit der Sicherheitsweste klärte uns auf: "Hier ist nichts zu machen. Die Fahrzeuge stapeln sich schon! Der Park&Ride-Parkplatz ist auch schon voll. Die Besucher-Parkplätze auch." Unsere Idee, in der Nähe einer Straßenbahnhaltestelle zu parken und mit Öffis zum Messegelände zu fahren verpuffte in dem Moment, in dem wir mehrere Bahnen gesehen hatten: Zwischen die einzelnen Fahrgäste passte kein Blatt Papier. 

Wir haben uns dann entschieden, die nächsten Stunden im Panometer zu verbringen. Dort wird gerade das 360°-Panoramabild New York 9/11 des Künstlers Yadegar Asisi gezeigt. Schon 2018 musste dieser Ort als Alternative zur Buchmesse "herhalten", weil ein Schneechaos über Leipzig hereingebrochen war.

Start mit Verzögerung

Unser Messebesuch begann am Samstag um 16 Uhr, zwei Stunden vor der Schließung. Da ich einigen unabhängigen Verlagen meinen Besuch angekündigt hatte, wollte ich auf Nummer sicher gehen und war dort zuerst.

Vom Verlag Donata Kinzelbach habe ich hier schon mehrmals berichtet. Seit nun schon 38 Jahren gibt die Verlegerin Literatur aus dem Maghreb, also den nordafrikanischen Staaten Tunesien, Algerien, Marokko sowie der West-Sahara, heraus. Im Laufe der Jahre hat sich die Bandbreite etwas erweitert: Der Verlag bietet nun auch einige Titel von Autorinnen und Autoren anderer Nationalitäten an, der Maghreb bleibt jedoch der Schwerpunkt. 
Für ihre Verdienste hinsichtlich der Vermittlung zwischen Kulturen und Kulturkreisen erhielt Donata Kinzelbach vor 15 Jahren sogar das Bundesverdienstkreuz am Bande. 
In Kürze werde ich in der Bücherkiste den autobiografischen Titel Wie Mond und Sonne der iranischen Autorin Mahshid Najafi vorstellen, die 1985 gemeinsam mit ihrem Mann aus ihrer Heimat nach Deutschland geflüchtet ist und im Januar 2023 für ihre ehrenamtlichen Bemühungen um Integration und Demokratie mit dem Integrationspreis der Stadt Offenbach ausgezeichnet wurde.

Auch diesmal habe ich beim Polar Verlag vorbeigeschaut, dessen Krimis ich seit einigen Jahren mit Begeisterung lese. Ihr werdet hier bald noch mehr über ihn finden, und damit sind nicht (nur) weitere Rezensionen gemeint. Demnächst werde ich den in diesem Jahr auf Deutsch erschienenen Krimi Sunset City von Melissa Ginsburg vorstellen.

Margarita Stein, die Leiterin der Anthea Verlagsgruppe, habe ich während der Frankfurter Buchmesse 2022 kennengelernt. Sie gibt Bücher von bemerkenswerten Autorinnen und Autoren heraus, darunter das des Gewinners des Europäischen Literaturpreises 2021. Sie hat mir den Roman Der Fassadenkletterer von Angela Schmidt-Bernhardt ans Herz gelegt. Ein Anruf aus Polen reißt eine Frau aus ihrem bisherigen Leben: Der beste Freund ihres Vaters hinterließ einen Stapel Briefe, in denen sich interessante Informationen über ihren eigenen Vater befanden. Was hat ihr Vater ihr verschwiegen?

In der Bücherkiste wurden bereits sieben Titel aus dem erst vor drei Jahren gegründeten Kanon Verlag vorgestellt - ein deutliches Indiz dafür, wie gut mir gefällt, was dort veröffentlicht wird. Das nächste Kanon-Buch wird "Was ich sah, war die freie Welt" des Publizisten Max Dax sein. In seinen 24 Gesprächen über die Vorstellungskraft interviewt er zum Beispiel Yoko Ono, Grace Jones oder Isabella Rossellini. Ich bin sehr gespannt.

Am Samstag hatten wir noch etwa zwei Stunden Zeit, bevor wir die Heimreise angetreten haben. Das genügte für einen Überblick über das Angebot des diesjährigen Gastlandes Österreich. Ein Buch hatte es mir besonders angetan: Die 1929 in Wien geborene jüdische politische Journalistin Hella Pick schreibt in ihrem autobiografischen Buch Unsichtbare Mauern (erschienen im Czernin Verlag, Wien) über ihre Flucht nach England 1939 und ihren Werdegang zu einer der renommiertesten Journalistinnen. Sie war für die BBC tätig und reiste für die Zeitung The Guardian um die Welt. Pick wurde für ihr Lebenswerk mit britischen, österreichischen und deutschen Preisen ausgezeichnet. Ich freue mich darauf, das Buch zu lesen.

Am Stand des Steidl Verlags, dessen Name österreichisch klingt, der aber in Göttingen zu Hause ist, haben wir zuerst die tollen Foto-Bände bewundert. Doch dann bin ich über das Buch Stella Goldschlag - Eine wahre Geschichte gestolpert. Stella? Nachdem ich mich bei einer Standmitarbeiterin erkundigt hatte, wurde meine Vermutung bestätigt: Es handelt sich tatsächlich um dieselbe Person, über die der Autor Takis Würger seinen 2019 veröffentlichten Roman Stella geschrieben hat. Es war damals sicher eines der am kontroversesten diskutierten Bücher des Jahres, das ich auch hier in der Bücherkiste besprochen habe. Der Autor und Journalist Peter Wyden war ein Mitschüler Stella Goldschlags und ist der Geschichte um ihren massenhaften Verrat von Jüdinnen und Juden an die Nationalsozialisten nachgegangen. Sein Buch basiert auf Fakten, was es von Würgers Roman unterscheidet.

Fazit

Die Leipziger Buchmesse hat wieder viele spannende Titel bereitgehalten, und ich habe mich sehr über die guten Gespräche an den Ständen gefreut. 
Der Wermutstropfen war die katastrophale Verkehrs- und Parkplatzsituation am Messe-Samstag. Möglicherweise war die Messeleitung von diesem Ansturm selbst überrascht, man weiß es nicht. Das sollte sich jedoch nicht wiederholen, denn die Messebesucher sollen das Gelände am Ende eines Tages mit einem guten Gefühl verlassen. Schließlich sind sie das, was die Branche dringend braucht: Buchkäuferinnen und -käufer.

Freitag, 25. September 2020

# 258 - Abgebrochen: Das Restaurant hat für mich nicht geöffnet

Auf dieses Buch bin ich zufällig gestoßen. Das Thema
sprach mich an, und als ich las, dass es 2016 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert worden ist, habe ich zugegriffen.


Im Restaurant - Eine Geschichte aus dem Bauch der Moderne von Christoph Ribbat betrachtet das Phänomen Restaurant aus allen erdenklichen Perspektiven, die mit ihm zusammenhängen und unternimmt eine Zeit- und Stilreise durch die Welt der Speisegaststätten und Nobel-Gourmettempel. Er hat sein Buch in vier Kapitel unterteilt und streut immer wieder Anekdoten aus Küchen und Gasträumen in seine Betrachtungen ein. Doch was Ribbat mit 'Eine Geschichte' im Buchtitel andeutet, ist dieses Werk gerade nicht: Es wird keine Geschichte erzählt, die ihren roten Faden in der Chronologie der Ereignisse hätte; Ribbat springt in der Zeitgeschichte vor und zurück, oft wird sogar innerhalb eines Abschnitts nicht klar, auf wen oder was sich das eben Geschriebene gerade bezieht: Dass es sich beispielsweise bei Julius Behlendorff nicht um den Inhaber eines Nobelrestaurants gehandelt hat, erschließt sich mir erst im Nachhinein. Das ist auch mein eigener Fehler, weil der Autor mit der Nummerierung seiner Quellen indirekt einen Hinweis darauf gegeben hat. Aber das Quellenverzeichnis nimmt mit 25 Seiten etwa zehn Prozent des gesamten Buches ein und ich gebe zu, dass mir das ständige Blättern zu lästig ist.


Vermutlich sollte es das Interesse steigern, wenn manche Episoden zunächst abrupt enden und dann an anderer Stelle fortgesetzt werden. Mit dieser Methode fällt es jedoch nicht leicht, die losen Enden später wieder aufzunehmen, sodass der erwähnte rote Faden noch mürber wird. Da dies nicht nur mit einer, sondern zeitgleich mit mehreren Handlungssträngen passiert, ist das Lesen manchmal anstrengend.


Doch Ribbat zeigt auch, was das Restaurant ebenfalls ausmacht: Da geht es dann zum Beispiel um die aufopferungsvolle Selbststudie einer Studentin in Chicago im Jahr 1917, die in verschiedenen Lokalen jobbt und ihre deprimierenden Erkenntnisse über das Arbeitsleben des Restaurantpersonals zusammenfasst; auch auf Prominente in der Küche und an den gedeckten Tischen wird verwiesen, die Bandbreite reicht hier von Wolfgang Siebeck und Eckart Witzigmann bis zu James Baldwin und auch Joseph Goebbels. Durch das Buch weht so auch immer wieder eine Kritik an den Verhältnissen in der Gastronomie und dem teilweise unangenehmen Umgang der Gäste mit dem Restaurantpersonal. An einer Stelle wird ein kurzer Blick auf einen der durch die NSU verübten Morde geworfen: Ein Freund der Familie bringt den Leichnam des Getöteten in sein Heimatdorf in der Osttürkei. Der Bezug zum Thema Restaurant: Dieser Freund betreibt in Rostock einen Kebap-Grill, außerdem hält es der Bruder des Mordopfers im Dorf nicht mehr aus und kellnert in Antalya. Mehr erfährt der Leser hierzu nicht, sodass der Eindruck haften bleibt, dass der kurze Exkurs auf jeden Fall in das Buch hinein sollte.


Lesen?

Die Art, sich der Geschichte des Restaurants und aller weiterer Facetten der Gastronomie zu widmen, hat mich nicht angesprochen. Die oft sehr kurzen Schlaglichter und das ständige Wechseln von Zeit und Ort machen das Lesen ermüdend. Auf Seite 161 habe ich das Buch zugeklappt.


Im Restaurant - Eine Geschichte aus dem Bauch der Moderne ist 2016 im Suhrkamp Verlag erschienen und kostet als gebundene Ausgabe beim Verlag 19,95 Euro, im Buchversand jedoch nur noch 4,99 Euro. Das Taschenbuch wird für 12 Euro angeboten.

Samstag, 7. März 2020

Nichts los in Leipzig? Die Absage der Buchmesse bringt einiges durcheinander

Ausnahmsweise schreibe ich diesmal nicht über ein Buch, sondern über ein ausgefallenes Großereignis: die Leipziger Buchmesse. Vom 12. bis zum 15. März 2020 sollte sie gehen. Viele Buchfans hatten sich auf die Messe gefreut, Verlage sich einen Umsatzschub erhofft. Insbesondere für die kleineren von ihnen ist die Absage bitter. Aber dann kam das, was in den Medien undeutlich als "das Corona-Virus" bezeichnet wird, als gäbe es nur eines davon.Nun heißt das Virus offiziell "SARS-CoV 2" und die von ihm verursachte Krankheit "Covid-19". Hier steht ein bisschen mehr darüber.

Mittlerweile sind die Menschen aufgrund des medialen Trommelfeuers so verunsichert, dass Hamsterkäufe getätigt werden. Handseife ist genau wie Toilettenpapier, Nudeln oder Lebensmittel in Dosen so begehrt, dass die Regale in manchen Supermärkten große Lücken aufweisen. Apotheker haben oft kein Desinfektionsmittel mehr. Mir wurde sogar erzählt, dass es Leute gibt, die sich auf Krankenhausfluren herumdrücken und sich dort beim Toilettenpapier und dem Handdesinfektionsmittel bedienen. Ziemlich erbärmlich ist das, was manche da abliefern, kaum, dass ihnen ein kleines Krisenlüftchen um die Nase weht. Man mag sich kaum vorstellen, was passiert, wenn wir irgandwann mal eine echte Krise haben sollten.

Wegen Covid-19 wurde neun Tage vor ihrem geplanten Start die Leipziger Buchmesse abgesagt. Zum Zeitpunkt der Absage war ich zufällig in Leipzig und habe mir die Stadt angesehen. Wer Leipzig besser kennt, dem sagt wahrscheinlich die "Runde Ecke" etwas. Das ist eine Gedenkstätte in der Innenstadt, die anhand von Originalexponaten zeigt, wie die Stasi es geschafft hat, die Bevölkerung zu überwachen, zu unterdrücken und einzuschüchtern. Sehr interessant, der Besuch lohnt sich. Die Gedenkstätte befindet sich in den Räumen der Stasi-Bezirksverwaltung, wo auch ein Büro oder eine Zelle für Untersuchungshäftlinge gezeigt werden.

Auf einem Tisch in der Nähe des Eingangs lag dieser Flyer. Die Gedenkstätte hatte für die Buchmesse ein eigenes umfangreiches Programm unter dem Motto "Leipzig liest" vorbereitet, das darin ausführlich vorgestellt wurde. Unter diesem Motto tun das zu jeder Buchmesse zahleiche Veranstalter außerhalb des Messegeländes. 

Für die ersten drei Messetage waren sechs bis sieben Termine für Lesungen vorgesehen, am letzten Tag sollte eine Matinee-Lesung stattfinden. So ein Programm auszuarbeiten, den Termin vorzubereiten etc. ist sehr aufwendig. Die Enttäuschung, dann alles vergeblich getan zu haben, muss beim Planungsteam riesengroß gewesen sein.

Doch gleich neben dem Flyer lag ein Informationsblatt. Mit seiner leuchtend gelben Farbe war es nicht zu übersehen. "Leipzig liest doch" war es übertitelt und teilte mit, dass alle Termine wie geplant stattfinden würden. Aus diesen Worten spricht eine "Jetzt erst recht"-Mentalität, der Wunsch, sich nicht so einfach unterkriegen zu lassen. Ich werde dann leider nicht mehr in Leipzig sein. Ich wünsche den Machern der "Runden Ecke" aber, dass ihre Veranstaltungsreihe ein Erfolg und ihre Mühe nicht vergeblich gewesen sein wird. Trotz Covid-19.

Mittwoch, 21. März 2018

Leipziger Buchmesse: Ein Tag ganz ohne Bücher (Teil 4)

Mal etwas anderes sehen

 

Wie ich schon im zweiten Teil meines Messeberichts geschrieben habe, wurde aus dem von den Wettervorhersagen angekündigten leichten Schneefall ein handfester Wintereinbruch - große Klasse, so kurz vor dem Frühlingsanfang. Der Tag sollte natürlich nicht mit Nichtstun vorübergehen, aber eine Aktivität außerhalb von beheizten Räumen schied aus: Es schneite weiter, und ein eiskalter Wind ließ die gefühlte Temperatur auf -15° C absinken. Da stießen wir im Internet auf das Panometer Leipzig. 

Darum geht es

 

Der Künstler Yadegar Asisi hat in einem ehemaligen Gasometer innerhalb von drei Jahren ein 360°-Panorama geschaffen, auf dem die gesunkene Titanic in 3.800 Metern Tiefe plastisch dargestellt wird. Eine Ausstellung im Vorraum informiert die Besucher zunächst über die Technik der Titanic, die das Schiff unsinkbar machen sollte, und die Ursachen, die zum Untergang geführt haben. Auch die Entstehung der Schwesterschiffe Britannic und Olympic wird erläutert. Dort befindet sich auch eine Rekonstruktion des Titanic-Bugs im Maßstab 1 : 1.
Im Inneren des Gasometers ist auf einem rundum gespannten Transparent das Wrack der Titanic und seine unmittelbare Umgebung abgebildet. Ganz unten auf dem Meeresboden sieht man seitlich zum Rumpf ein kleines Tauchboot.
Der plastische Effekt ist zwar schon von unten sichtbar, er verstärkt sich jedoch deutlich, wenn man die Treppen des Stahlturms besteigt, der sich in der Mitte des Gebäudes befindet. 
Asisis Leipziger Panoramen wechseln im Jahrestakt, die Titanic ist also nur bis Ende 2018 zu sehen.

Die Deutsche Welle hat einen sehenswerten Info-Film zur Verfügung gestellt:


Wer sich in oder um Leipzig befindet, sollte sich das Panorama ansehen. Ich finde, es lohnt sich.

 

Leipziger Buchmesse: Diese Bücher haben mich interessiert (Teil 3)

Viele, viele Cover

 

Na klar, wenn man über eine Buchmesse geht, findet man zahllose Bücher, die man am liebsten sofort mit nach Hause nehmen möchte. Ich habe die meiste Zeit auf der Leipziger Buchmesse mit dem Anlesen vieler Bücher verbracht und bin auf Titel gestoßen, die gerade erst auf den Markt gekommen oder aber schon seit einiger Zeit verfügbar sind. Ich schmeiße sie hier jetzt einfach unsortiert und nur kurz kommentiert auf diese Seite. Dazu kommen noch die Bücher, über die ich bereits in Teil 2 meines Messeberichts geschrieben habe.

Rolf Arnold, Professor an der TU Kaiserslautern, schreibt über das, dessen viele Menschen überdrüssig zu sein scheinen: den Umgang mit Fakten. Wie geht man verantwortungsvoll mit der Wirklichkeit um?
Erschienen im Carl Auer Verlag.


Axel Schwab hat mehrere Jahre in Japan gelebt und einige Bücher über das Land geschrieben. In diesem erklärt er Japan-Unkundigen, wie man sich im Alltag des Inselstaats zurechtfindet. 
Auf diesem Blog gibt es eine Rezension zu seinem Titel Sushi-Guide. Japan ist bei BoD erschienen.

Karina Both-Peckham bekocht nicht nur ihre Familie, sondern auch ihre Gäste in Peckham's House. Auch von ihr befidnet sich bereits ein Buch auf diesem Blog, nämlich der erste Band ihrer Reihe: Lieblingssuppen.
Erschienen bei BoD.

Der Autor Wei Zhang beschreibt das Leben zur Zeit von Maos Kulturrevolution aus der Sicht einer Fünfjährigen. Absurde Situationen können gefährlich werden. Die Lesung mit Wei Zhang habe ich leider wegen des Schneechaos' verpasst. Erschienen bei Salis.


1973 wird der österreichische Skirennfahrer Franz Klammer mitten im Abfahrtslauf ins Jahr 33 zurückgeworfen und landet in Jerusalem direkt auf Jesus Christus. Eine absurde Geschichte beginnt. Erschienen bei Lector Books, einem Imprint der Torat GmbH.

Christopher Buckley schreibt über einen beruflichen Super-GAU:
Herb Wadlough ist der persönliche Berater des fiktiven US-Präsidenten Tucker, fällt aber vor allem aufgrund von Intrigen bei ihm in Ungnade. Buckley verarbeitet in seinem Buch seine Zeit als Redenschreiber für George Bush sen. auf witzige Weise. Erschienen bei Louisoder.


Eine wahre Geschichte aus Deutschland während des ersten Weltkriegs. Der Krieg war fast verloren, als Leutnant Stern einen waghalsigen Plan entwickelte: 14 muslimische Gefangene, die als Zirkusgruppe verkleidet waren, sollen nach Konstantinopel geschmuggelt werden, um den Sultan dazu zu bringen, für das befreundete Deutschland den Dschihad auszurufen. Erschienen bei Galiani Berlin, einem Tochterverlag von Kiepenheuer & Witsch.


In grenz:zeiten geht es um Grenzerfahrungen, die der Krieg, das Sterben und die Familie mit sich bringen. Ein Roman mit autobiographischen Elementen, der aber nicht nur traurig, sondern auch witzig ist. Erschienen im Wenz Verlag.


Wer eine Reise nach Nordkorea plant, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Interessant ist es aber auch, wenn man nur einen literarischen Blick über den Zaun werfen möchte. Erschienen bei DVA.



Ein kleines Mädchen aus dem schwedischen Fjällbacka wird vermisst. Ihr Verschwinden erinnert die Einwohner an einen 30 Jahre zurückliegenden Fall, der fast vergessen zu sein schien. Erschienen im List Verlag.



Ein Blick in die Zukunft der Menschheit angesichts der fortschreitenden Technisierung. Erschienen im Verlag C. H. Beck.






Der junge verwundete Soldat Veit Kolbe reist Anfang 1944 nach Mondsee in Österreich, um wieder gesund zu werden. Er trifft auf zwei Frauen, die wie er auf Normalität hoffen. Doch so einfach ist das nicht, denn Kolbe wird von Alpträumen geplagt und sinnt über die Vergangenheit nach. Erschienen bei Hanser. Arno Geiger hat u. a. auch den Roman Es geht uns gut
geschrieben, für den er 2005 den Deutschen Buchpreis erhielt.


Die 21jährige Nora wandert mit ihrer jüngeren Schwester Theresa von Irland in die USA aus. Sie möchte bei ihrem Verlobten sein und der Schwester eine Ausbildung ermöglichen. Doch als Theresa schwanger wird, muss eine Entscheidung getroffen werden. Erschienen im Paul Zsolnay Verlag.

Der österreichische Künstler und Autor André Heller spricht mit seiner 1914 geborenen Mutter über ein Jahrhundert voller Leben und Ereignisse. Erschienen im Paul Zsolnay Verlag.




Das Buch erzählt den fimreifen Überfall auf ein Gelddepot in der Nähe von Stockholm, der 2009 stattgefunden hat. Manchmal ist das Leben spannender als ein erdachter Krimi. Erschienen bei Piper.



Und sonst?

 

Die Autoren dieses im Alexander Verlag Berlin erschienen Buches wollen ihre Leser davon überzeugen, dass das Urheberrecht zugunsten einer Regulierung der Marktverhältnisse abgeschafft werden sollte. Das Buch wurde gratis vom Verlag abgegeben. Ich gebe zu, dass ich grundsätzlich skeptisch bin, aber wenigstens einen Blick in No Copyright werfen werde.

Das war es auch "schon". Vermutlich wären es noch mehr Bücher gewesen, wenn wir nicht an einem der vier Messetage im Panometer Leipzig gewesen wären. Was das ist, könnt ihr hier nachlesen.



 

Leipziger Buchmesse - so ging es weiter (Teil 2)

Warum nicht alles lief wie geplant

 

Ich hatte mir für den dritten Messetag vorgenommen, bei bestimmten unabhängigen Verlagen vorbeizuschauen. Doch ein Plan ist manchmal auch dazu da, umgestoßen zu werden: Am Vorabend hatte es in Leipzig begonnen zu schneien und auch die ganze Nacht hindurch nicht aufgehört. Am nächsten Morgen war in den Verkehrsnachrichten davon die Rede, dass der Verkehr in und um Leipzig praktisch zusammengebrochen ist und sich auf Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen lange Staus gebildet haben. Google Maps hatte die Lage in vielen kurzen und langen rot markierten Straßen angezeigt: Von unserem Hotel in Merseburg sollte die Autofahrt, für die man normalerweise eine halbe Stunde benötigt, nun fast zwei Stunden dauern. Bei der Aussicht, bei Minusgraden im Schneckentempo zum Messegelände zu fahren, ist uns die Lust abhanden gekommen. Ein Alternativprogramm musste her, das gut erreichbar sein sollte und in geschlossenen Räumen stattfindet. Wir sind fündig geworden und haben das Panometer Leipzig besucht. Was sich dahinter verbirgt, schreibe ich hier.

Der letzte Messetag

 

Da wir wegen der Heimfahrt nicht zum Messeschluss um 18 Uhr bleiben wollten, mussten wir unser Programm ein bisschen straffen. 

Ganz gezielt habe ich beim Polar Verlag vorbeigeschaut, weil mir dessen Konzept gefällt: Dort werden Krimis jenseits des Mainstreams herausgebracht, in denen es auch schon mal ein bisschen zur Sache geht. Auf diesem Blog habe ich bereits die beiden Krimis Libreville und Brant vorgestellt. Auch hier habe ich erlebt, was ich schon im ersten Teil meines Messeberichts geschrieben habe: Die Gesprächsbereitschaft war im Gegensatz zu den Publikumsverlagen groß, und ich bin mit dem Buch Ein einziger Schuss von Matthew F. Jones nach Hause gegangen, das ich hier noch vorstellen werde. 

Interessant war auch der Besuch beim Verlag Donata Kinzelbach. Dort liegt der Schwerpunkt auf Literatur aus dem Maghreb, die Bandbreite reicht von Lyrik bis zu Romanen, die Aktuelles oder Historisches aufgreifen. Diese sehr spezielle Ausrichtung stellt die Verlegerin immer aufs Neue vor die Herausforderung, für die von ihr herausgegebenen Bücher einen angemessenen Preis festzulegen: Für jedes Buch müssen zunächst die Rechte erworben und die Übersetzungskosten bezahlt werden. Das ist gerade für einen kleinen Verlag oft nicht leicht. Ich finde das Verlagsprogramm jedoch so interessant, dass ich bestimmt darauf zurückkommen werde.


Mit dem Autor Rainer Böhme hatte ich auf dem Stand des Dresdner Verlags ein gutes Gespräch, in dem er mir zwei seiner Bücher vorstellte. Ich habe sie mit nach Hause genommen und werde sie mir in Ruhe ansehen. Es wird zu beiden einen Blogbeitrag geben.


Vom vielfältigen Angebot der unabhängigen Verlage wird man fast erschlagen. Um mir zusätzlich zu meinen Standbesuchen einen Überblick zu verschaffen, habe ich diese kleine Broschüre mitgenommen. Sie wurde vom Branchenmagazin BuchMarkt und der Kurt Wolff Stiftung, die sich die Förderung einer vielfältigen Literatur- und Verlagsszene zum Ziel gesetzt hat, herausgegeben. Das Spektrum reicht vom Alexander Verlag Berlin bis zum zu Klampen! Verlag aus Springe bei Hannover.


Als sehr offen und gesprächsbereit habe ich auch die Standmitarbeiter der Universitäten erlebt. Auch sie suchten den Kontakt zu den Besuchern und beantworteten kompetent alle Fragen. Ich kann - auch wenn ich mich hier wiederhole - nicht nachvollziehen, warum das bei den großen Verlagshäusern nicht möglich ist.

Immer wieder Politik

 

Die "Ecke" der rechtsgerichteten Verlage hatte ich schon am zweiten Messetag gesehen. Es ist erstaunlich, dass sich oft erst auf den zweiten Blick erkennen lässt, welche Gesinnung hinter ihnen steckt. Den Tumult am Stand des Antaios Verlags habe ich nicht mitbekommen, da wir an diesem Tag nicht auf dem Messegelände waren. Die Politik zog sich jedoch wie ein roter Faden durch die Hallen: Die Initiative #Verlagegegenrechts war ziemlich aktiv, und auch bei den osteuropäischen Verlagen ging es immer wieder um politische Themen. 

Mehr zufällig bin ich auf eine Veranstaltung der 3sat Literaturlounge mit dem Schriftsteller Catalin Florian Florescu gestoßen. Florescu stammt aus Rumänien, ist aber heute Schweizer Staatsbürger. Er schreibt Romane über das Leben in Diktaturen, der Flucht aus diesen Ländern und den Neuanfang in einem demokratischen Land. 


 
Nicht zuletzt gab es auch etliche Stände, an denen Buchkunst, hochwertige Kunst-Illustrationen und ungewöhnliche Buchdrucke gezeigt wurden. Vom Stand des Gutenberg-Museums Mainz musste dieser hübsche Vogel bei mir einziehen.


Wie war's?

 

Die Leipziger Buchmesse war vielfältig und bunt - sowohl, was die unterschiedlichen Genres, die zahlreichen Verlage, die Autoren vor Ort als auch die politischen Ausrichtungen betraf. Nicht zuletzt haben auch die verkleideten Besucher der Manga-Comic-Con für viel Farbe und zahlreiche Hingucker gesorgt. Dem diesjährigen Schwerpunktland Rumänien konnte ich mich leider nur kurz wirdmen. Der im Schnee versunkene Messetag hat dann doch gefehlt. 

Nach den Rangeleien zwischen linken Demonstranten und dem Standpersonal des rechten Antaios-Verlags schien die Präsenz des Sicherheitspersonals und der Polizei zugenommen zu haben. Das war zumindest unser Eindruck, als wir uns am Vormittag des letzten Messetages auf den Weg zu Halle 4 machten. Auch an der Zufahrt zum Presseparkplatz ging es "griffiger" zu: Zwei Tage zuvor war es noch problemlos möglich gewesen, dass wir wegen meiner körperlichen Einschränkung direkt vor dem Pressezentrum parken durften. Am letzten Tag erhielten wir dann aber die barsche Anweisung eines Security-Mannes an der Einfahrtschranke, dass das nicht gehe und wir auf den außen gelegenen Parkplatz fahren müssten. Meinem Hinweis auf meine spezifische Situation wurde im Kasernenton mit der Anweisung "Sie fahren jetzt geradeaus!" begegnet. Nur gut, dass man im Auto nicht die Hacken zusammenschlagen kann. Transparenz und eine lebensnahe Regelung der Parksituation wären hier sehr wünschenswert gewesen. Ach ja, Freundlichkeit hat auch noch keinem geschadet.
Trotzdem: Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, bin ich beim nächsten Mal wieder dabei. 

Ich habe natürlich auch viele Bücher gesehen, die mir nach dem ersten Anlesen sehr gut gefallen haben. Welche das sind, habe ich hier aufgeschrieben.  

Samstag, 17. März 2018

Leipziger Buchmesse 2018 - ein Eindruck nach zwei Tagen Messe

Wie war's bis jetzt?

 

Zwei Tage LBM18 sind vorbei, Zeit für eine kurze Zwischenbilanz. Ich bin dort als Buchbloggerin mit Presseausweis, was einige Vorteile mit sich bringt: Ich zahle keinen Eintritt, die separate Garderobe ist gratis, das Parken ebenso und das
LBM 2018 - Halle Presseeingang

Journalistenrestaurant bietet Essen zu günstigen Preisen an. Als Erkennungsmerkmal trägt man während des Messebesuchs den Presseausweis an einem blauen Band um den Hals. Das erinnert an die bunten Armbändchen in All-inclusive-Hotels. Die Organisation rund um Anfahrt und Akkreditierung habe ich im Vergleich zur Frankfurter Buchmesse als besser empfunden. Doch weiter mit dem eigentlichen Messebesuch.

Halle 1: Bunter geht es nicht

 

Dies ist mein erster Besuch auf der Leipziger Buchmesse. Aus Gründen, die in meiner Person liegen, überlege ich mir vor solchen Großveranstaltungen genau, ob es sich für mich lohnen könnte, die Mühe eines Besuchs auf mich zu nehmen. Der Aufwand ist etwas größer, da mich eben wegen dieser persönlichen Gründe eine Person begleitet. Wie schon in Frankfurt wie auch jetzt in Leipzig ist meine Freundin bei mir, die mich seit 40 Jahren kennt und erträgt. Danke Sabine!
Vom Presseeingang aus kommt man an der bestimmt buntesten Halle vorbei: Gleich in Halle 1 findet die Manga-Comic-Con statt. Da geht das Herz allen auf, die sich für Mangas, Comics, Animes und Games interessieren. Meins nicht, weil mich das nicht besonders anspricht, aber die Besucher sind vom Jugendlichen bis zum Erwachsenen phantasievoll verkleidet. Von Kostümen von der Stange bis zu aufwendigen selbstgemachten ist alles dabei. Wem das noch nicht genug ist, der belässt es nicht nur bei schillernder Kleidung, auffälligen Perücken oder geschminkten Gesichtern, sondern setzt sich auch noch ein blinkendes Geweih auf. Man fällt eher auf, wenn man in normaler Kleidung herumläuft. 


Vorträge und Lesungen

 

Ich habe mir sehr unterschiedliche Lesungen angesehen und gebe zu, dass ich offensichtlich von falschen Voraussetzungen ausgegangen bin. Der Auftritt bei einer so großen Veranstaltung mit einer breiten Wirkung sollte gut vorbereitet sein. Das dachte ich zumindest. Eine Autorin, deren Buch in einem Publikumsverlag erschienen ist und die für ihr Werk einen Preis erhalten hatte, wurde von einer Dame angekündigt, die offenbar eine Verlagsmitarbeiterin war. Sie schien so etwas nicht so oft zu machen, ihr Part wirkte unsicher und nicht professionell. Die Autorin las eine knappe halbe Stunde einige Teile aus ihrem Buch, die sie sich in einer Mappe zusammengestellt hatte. Aber nicht nur das Mikrofon war nicht optimal eingestellt, die Autorin hatte offenbar auch keine Übung im Vorlesen. Ihre Stimme schwankte, und teilweise las sie den Text so betont vor, dass es anstrengend wurde, ihr zuzuhören. Ich verstehe nicht, dass ein großer Verlag solch einen Termin, der den Verkauf ankurbeln soll, nicht besser und professioneller vorbereitet. 
Ein Self Publisher hat auf einer anderen Bühne aus seinem neuesten Krimi vorgelesen, der in Norddeutschland spielt. Er wirkte zwar etwas verloren, kam aber gut rüber. Ich habe vor so einem Einsatz Respekt, weil sich Self-Publishing-Autoren um alles selbst kümmern müssen und es schwer haben, gegen Publikumsverlage zu bestehen. 
Ein Poetry-Slammer hat ebenfalls aus seinem Buch gelesen. Ich habe bisher nicht gewusst, dass Slammer das, was sie auf der Bühne machen, auch in Büchern veröffentlichen. Fehlt da nicht das ganze Atmosphärische, was deren Auftritte auch ausmacht? Dieser Autor hatte - wen wundert's - die nötige Bühnenerfahrung, um sein Publikum gut zu unterhalten.
Mehr zufällig habe ich dann bei einem Vortrag zugehört, der von einem großen deutschen Nachrichtenmagazin veranstaltet wurde. Diese Wochenzeitschrift ist u. a. bekannt dafür, dass sie wöchentlich aktuelle Bestsellerlisten veröffentlicht. Bücher, die dort mal aufgetaucht sind, bekommen einen orangen Aufkleber aufs Cover. Jetzt weiß ich, wie diese Bestsellerlisten zustande kommen. Bisher habe ich geglaubt, es ginge nur um die Bücher mit den höchsten Verkaufszahlen. Okay, das spielt auch eine Rolle, aber eben nicht nur: Die tatsächlichen Bestsellerlisten werden dann noch mal "bereinigt". Titel, die so etwas wie Evergreens sind, fliegen sofort raus: Der Duden und die Bibel wird man darum nicht in diesen Listen sehen. Außerdem erhebt man den Anspruch, dass die erstellten Bestsellerlisten einen Trend widerspiegeln sollen. Eine Flut von Bibelkäufen, die möglicherweise eine neue Hinwendung der Buchkäufer zum Religiösen markieren könnte, würde zumindest in dieser manipulierten Liste außen vor bleiben. 


Und sonst so?

 

Um sich das anzusehen, was die großen Publikumsverlage neu auf den Markt gebracht haben, muss man nicht zur Buchmesse gehen. Neben brandaktuellen Titeln liegen auch solche, die schon vor etlichen Jahren auf den Markt gebracht wurden. Deshalb habe ich meinen Schwerpunkt auf unabhängige Verlage und Self Publisher gelegt. Das war auch aus einem anderen Grund gut: Trotz meines am Hals baumelnden Presseausweises spricht das Standpersonal der großen Verlage nur mit den eigenen Kollegen oder Menschen, mit denen vorab bereits Treffen abgesprochen worden sind. Andere werden schlicht ignoriert. Ich finde das angesichts der schwindenden Anzahl von Buchkäufern erstaunlich. Kein Kontakt zu Lesern, kein Kontakt zu Bloggern. Immer wieder lese ich in der Presse und im Internet, dass die Verlage die Wichtigkeit von Buchbloggern und deren Einfluss auf die Leserschaft erkannt haben, aber an den Ständen der großen Verlagshäuser macht sich das nicht bemerkbar. Man sitzt zusammen, stößt hier und da mit einem Glas Sekt an und findet sich augenscheinlich großartig. Soweit mein subjektiver Eindruck.
Ganz anders bei den unabhängigen Verlagen: Dort habe ich erlebt, dass man um den Kontakt zu den Lesern bemüht ist und auch die Schwierigkeiten anspricht, unter denen dort gearbeitet wird. An mehreren Ständen habe ich mit Autoren und Verlegern sehr nette Gespräche geführt. Vielleicht ergibt sich daraus etwas Neues.
Als sehr kontaktfreudig habe ich auch die Mitarbeiter an den Ständen der Unis empfunden. Es ist ganz ungewohnt, gefragt zu werden, ob man etwas suche oder Hilfe benötige und auf Fragen kompetente Antworten zu bekommen.

Dieser Text ist am Morgen des dritten Messetages entstanden. Der Großraum Leipzig liegt unter einer geschlossenen Schneedecke, der Verkehr auf den Bundesstraßen und Autobahnen geht zum Teil im Schneckentempo oder oft auch gar nicht vorwärts. Mal sehen, wie es heute weitergeht.