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Freitag, 28. Juni 2024

Happy birthday to Inas Bücherkiste

Heute Vormittag fiel mir ein, dass ich die Bücherkiste
irgendwann im Juni 2015 gestartet habe. Mit einem Buch, das ich immer noch gut finde: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war von Joachim MeyerhoffUnd wann war das genau? Am 15. Juni 2015. Vor fast zwei Wochen ist mein Blog also neun Jahre alt geworden, und ich habe das verpasst. Das ist mir leider nicht zum ersten Mal passiert.

Aber sollte meine Dösigkeit ein Grund sein, diesen Geburtstag jetzt komplett abzuhaken? Ich finde: nein.

Ich will jetzt aber nicht schreiben, welche von den bislang über 440 vorgestellten Büchern ich am allerbesten fand und welche eher ein Fall für den Schredder sind. Das machen schon andere Leute im Fernsehen, und ich kann nicht sagen, dass ich das besonders gelungen finde. Beim Lesen soll es um die Lust an der Sache gehen; ich glaube nicht, dass diese Lust steigt, wenn in der Buchszene präsente Menschen das  Lieblingsbuch einiger Leserinnen und Leser mit dem Etikett "Schund" versehen. 

bloggdeinbuch.de und die Plagiate

Rund um die Bücherkiste gab es ein paar Begebenheiten, die es wert sind, erzählt zu werden. Manchmal war das Buchbloggen nämlich ein Kommen und Gehen.
Im Frühling 2012 wurde die Bloggerplattform bloggdeinbuch.de ins Leben gerufen. Dahinter stand der kaum ältere Verlag EPIDU, der sich selbst als Web 2.0-Verlag bezeichnete: Leserinnen und Leser konnten mitbestimmen, welche Bücher veröffentlicht werden. Über bloggdeinbuch.de konnten Verlage gegen eine Gebühr ihre Neuerscheinungen für Rezensionen anbieten. Drei Jahre später berichtete der Gründer, dass schon 160 Verlage an diesem Modell teilnehmen. 
Viele Publikationen, die sich mit Themen aus der Buchbranche beschäftigen, haben über das Start-up berichtet. Die Grundstimmung war durchweg positiv. Ein paar Jahre später war bloggdeinbuch.de Geschichte. Mein letzter Kontakt war im Sommer 2017, das letzte Lebenszeichen gab das Portal auf Twitter im Januar 2019 von sich. Mir ist das erst später aufgefallen, obwohl ich immerhin sieben Bücher, die ich über bloggdeinbuch.de bekommen hatte, in der Bücherkiste vorgestellt habe.

Mit der Rezension eines Buches, das ich von bloggdeinbuch.de erhalten hatte, habe ich dann zum ersten Mal erlebt, dass meine Texte plagiiert wurden. Die Bücherkiste war erst ein Dreivierteljahr alt, als mir auffiel, dass eine andere Bloggerin zwei Drittel meiner Rezension unverändert in ihre eigene eingefügt hatte. Nach meinem Hinweis wurde sie von der Plattform aufgefordert, ihren Text zu ändern, was sie auch getan hat.
Fast zeitgleich hatte eine andere Bloggerin ein Buch rezensiert, das ich direkt vom Autor bekommen hatte. Sie hatte sich zwar die Mühe gemacht, den einen oder anderen meiner Sätze ein bisschen umzubauen, aber die "Abschreiberitis" war klar zu erkennen. Auf meine freundlich formulierte Bitte, ihre Rezension in ihren eigenen Worten zu verfassen, reagierte sie schnippisch und forderte mich auf, meine Anschuldigung zurückzunehmen. Hat es Sinn, da noch länger zu diskutieren? Nein, hat es nicht. Ich habe den Fall einem Fachanwalt geschildert, der die Bloggerin aufgefordert hat, ihren Text zu ändern oder zu löschen. Sie hat sich fürs Löschen entschieden. Da ich vom Anwalt nie eine Rechnung bekommen habe, gehe ich davon aus, dass die Bloggerin diese bezahlt hat. Ihren Blog gibt es immer noch, es werden aber nur unregelmäßig Artikel veröffentlicht.
Auf den ersten Blick könnte man mein Verhalten zickig finden. Aber zu diesem Zeitpunkt habe ich auch bezahlt geschrieben, indem ich Websites betextet habe. Meine Blogs waren damals ein Teil meiner Selbstpräsentation. Außerdem bestraft Google sogenannten Duplicate Content mit der Herabstufung der primär rankenden Seite - also in diesem Fall meiner.

Indipendent-Publishing - interessante Jahre und die Insolvenz 

Im Juni 2015 kündigte der Harenberg Verlag an, in seine Branchenzeitschrift "buchreport-magazin" erstmals einen Schwerpunkt zum Thema 'Indipendent Publishing' aufzunehmen. Der sog. "Indie-Katalog" wurde von der Website indie-publishing.de flankiert. Die Redaktion nahm Kontakt zu Bloggern auf, die nicht nur die Titel der großen Publikumsverlage rezensierten, sondern eben auch die von unabhängigen Verlagen, die es deutlich schwerer haben als ihre großen Mitbewerber, auf dem Buchmarkt sichtbar zu werden. Der "Indie-Katalog" beschränkte sich jedoch nicht auf diese Zielgruppe, sondern bot auch Selfpublishern die Möglichkeit, ihre Bücher zu präsentieren. Etliche meiner Rezensionen wurden dort abgedruckt, wie zum Beispiel hier

Das Rezensieren von Büchern, die nicht in der Mainstream-Welle mitschwammen, hat mir viel Spaß gemacht. Die angebotenen Rezensionsexemplare waren ein guter Querschnitt durch alle Genres. Doch Anfang 2019 wurde es plötzlich still. Auf meine Nachfrage teilte mir ein Mitarbeiter des Indie-Katalogs mit, dass man an einem tollen neuen Konzept arbeite und man die Zusammenarbeit mit Bloggern "vorerst" einstelle. Aus dem "vorerst" wurde der Tod des Indie-Katalogs. Was Jahre zuvor so positiv und euphorisch angekündigt worden war, verschwand sang- und klanglos von der Bildfläche. 

Vielleicht war das der Anfang vom Ende des Harenberg-Verlags. Ich weiß es nicht. Der Verlag meldete im Dezember 2023 Insolvenz an. Seit 1971 hatte er für den SPIEGEL die Bestsellerliste erstellt. Nach über 50 Jahren war es damit plötzlich vorbei. Nun werden die Bestsellerlisten von der Buchhandels-Genossenschaft eBuch erstellt und in der Zeitschrift "BuchMarkt" veröffentlicht.

Blogsterben?

Etwa zu dem Zeitpunkt, in dem ich hier meiner Bücherkiste Leben eingehaucht habe, sind auch sehr viele andere Buchblogs entstanden. Ich habe keine Ahnung, was diese "Gründungswelle" ausgelöst hat, aber der Trend war nicht zu übersehen. Ich bin damals einigen Blogs, die mich interessierten, über die Blogroll gefolgt. Nach ein oder zwei Jahren habe ich aber festgestellt, dass ich diese verlinkte Leseliste überarbeiten muss: Die meisten Blogs existierten gar nicht mehr, der anfängliche Schwung der lesebegeisterten Bloggerinnen und Blogger ist nach relativ kurzer Zeit auf der Strecke geblieben. Jetzt, während ich diesen Text schreibe, fällt mir auf, dass ich mir meine Blogroll mal wieder ansehen muss. Die Liste ist bereits auf nur sechs unterschiedliche Blogs geschrumpft. Vier davon sind passiv, ein Foto-Blogger postet nur noch alle paar Monate einen Beitrag, nur eine Buchbloggerin lädt regelmäßig ihre Rezensionen hoch.

Mir fallen Buchblogs ein, die vor Jahren in den sozialen Netzwerken eine Nische besetzt haben und nach meinem Eindruck damit erfolgreich waren. Auch sie existieren nicht mehr.

Woran liegt das? Ich kann da nur spekulieren. Vor einigen Jahren wurde unter Buchbloggern diskutiert, ob es anrüchig ist, mit dem Veröffentlichen von Rezensionen Geld zu verdienen. Auf den Social-Media-Plattformen wurde diese Frage rauf und runter besprochen. Viele bezogen sich auf Kosmetik-, Mode-, Koch- oder Reiseblogger, die bei ausreichend hoher Reichweite mit guten Einnahmen rechnen konnten - und es noch immer können. Da stand dann die kulturell-ethische Fraktion der ökonomischen gegenüber, eine Einigung konnte es nicht geben. Ich selbst habe für mich keine klare Antwort gefunden, ob es in Ordnung ist, mit einem Buchblog Einnahmen zu erzielen. Das Buch wie ein sakrosanktes Kulturgut zu behandeln, finde ich allerdings übertrieben. Möglicherweise gab es Buchblogger, die auf Einkünfte gehofft haben, dann jedoch nur Kosten hatten. 

Das wird aber nur einige Buchbloggerinnen und -blogger zum Aufgeben gebracht haben. Was für Blogleser nicht zu erkennen ist, ist der Aufwand, der hinter jedem Beitrag steckt.
Zuerst muss das Buch natürlich gelesen werden. Bei schmalen Bänden reichen ein paar Stunden, bei dicken und/oder anspruchsvollen Büchern vergehen Tage von der ersten bis zur letzten Seite. Dann wird am Blogtext gefeilt. Das kann dauern und hängt auch von der Tagesform ab. Was nicht vergessen werden darf: Das Bloggen ist für mich wie wahrscheinlich die Mehrheit der Buchbloggerinnen und -blogger ein Hobby. Ich bin im Gegensatz zu manchen anderen Buchbloggern wirtschaftlich nicht mit der Literaturbranche verbunden. Das heißt aber auch, dass ich niemandem nach dem Mund reden muss und in der Auswahl der vorgestellten Titel frei bin. Das ist sicher ein großes Plus. Aufgrund dieser Freiheit entscheide ich auch über die Art, wie ich die Bücher präsentiere. Ich möchte, dass sie im Mittelpunkt stehen und der Blick aufs Buch nicht von Dekoartikeln abgelenkt wird. Meine Bücherkiste ist keine Unterabteilung von "Schöner Wohnen", da muss kein Vorhang oder Blumenstrauß auf die Farben des Covers abgestimmt sein.

Die Zahl der kunstvoll arrangierten Buchfotos dürfte in den letzten Jahren aber zugenommen haben. Viele Buchblogger betreiben entweder parallel zu ihrem klassischen Weblog Accounts auf Social-Media-Kanälen oder sind komplett zu ihnen abgewandert. Während 2015 Facebook weit vorn lag, findet man heute viele Buchblogger bei Instagram, Pinterest und TikTok. Diese Portale haben gemeinsam, dass sie visuell ausgerichtet sind. Der Rezensionstext spielt, wenn es überhaupt einen gibt, nur eine Nebenrolle. Häufig reichen dann drei Sätze und fünf Hashtags, um einen Post zu erstellen. Wenn ich dann Kommentare wie "geiles Cover" lese, weiß ich, dass ich falsch bin. Ich erkenne dann weder in den Buch-Posts noch in den Kommentaren eine Liebe zum Buch.

Ich habe auch Social-Media-Accounts bei InstagramX (Ex Twitter) und Threads. Sie dienen dazu, den eigentlichen Buchblog zu bewerben. Was ich vor neun Jahren für überflüssig gehalten habe, scheint heute der einzige Weg zu sein, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Folge: Die Social-Media-Aktivitäten kosten weitere Zeit. Zeit, die ich im Grunde lieber mit dem Lesen oder anderen Dingen verbringen möchte.

Messen und Kontakte

Buchbloggen kann man natürlich im stillen Kämmerlein im Schein einer Kerze betreiben, das Glas Rotwein immer in Reichweite. Aber wer will das schon?

Zum Bloggerleben gehörte für mich auch der Besuch der Buchmessen in Frankfurt und Leipzig. Es war schön, sich mit anderen Bloggerinnen (ja, die große Mehrheit der Buchblogger ist weiblich) auszutauschen und Kontakte mit Verlagen zu knüpfen. Mein Schwerpunkt lag dabei auf unabhängigen Verlagen; die großen Publikumsverlage haben ohnehin viel Aufmerksamkeit. Doch mein letzter Messebesuch war im April 2023 auf der Leipziger Buchmesse. Danach habe ich beschlossen, nicht mehr zu großen Messen zu gehen. Als Mensch mit Mobilitätseinschränkung habe ich die Besuche in den überfüllten Hallen als extrem anstrengend empfunden, auch mit einem Elektro-Scooter. Es war der nackte Stress, trotz der Unterstützung meiner jeweiligen Begleitung. In Leipzig kam 2023 noch die nicht vorhandene Steuerung auf den Parkplätzen hinzu, was mich trotz meines Presseausweises stundenlang von der Veranstaltung ausschloss. 

Der Kontakt mit den Verlagen hat unter meiner Messe-Abwesenheit allerdings gelitten, was ich sehr schade finde. Physisch präsent zu sein ist dort offenbar wichtiger als ich dachte. Hier nutze ich die Gelegenheit, mich insbesondere beim Verlag Donata Kinzelbach, dem Polar Verlag sowie dem Anthea Verlag für die gute Zusammenarbeit zu bedanken.
Zu einzelnen Buchbloggerinnen gibt es noch eine Verbindung. Aber wahrscheinlich haben alle Dinge ihre Zeit.

Mir macht das Buchbloggen immer noch Spaß und ich bin gespannt, was ich bis zum zehnten Geburtstag der Bücherkiste noch erleben werde. Wenn ich ihn nicht wieder vergesse...



Montag, 1. Mai 2023

Anstelle einer Buchbesprechung: So war die Leipziger Buchmesse 2023

In dieser Woche ist mein Lesepensum im Vergleich zu sonst eher gering ausgefallen. Der Grund: Ich war am Wochenende in Leipzig und habe die Buchmesse besucht - seit der coronabedingten Absage 2020 die erste nach dem offiziellen Ende der Pandemie. Wie war's?

Ich bin nicht zum ersten Mal zur "LBM" gefahren, wusste also, was mich in etwa erwartet und worauf ich mich einstellen muss. Aber wie das so ist mit vermeintlichen Sicherheiten, lösen sie sich manchmal gern in Rauch auf. Das war auch hier so.

Wir sind am Messe-Freitag, dem zweiten Messetag, angereist, kamen in unserem Hotel aber so spät an, dass wir darauf verzichtet haben, für zwei Stunden Messebesuch zum Gelände zu fahren. "Ist doch kein Problem", dachten wir. "Wir haben morgen den ganzen Tag Zeit und am Sonntag auch noch ein paar Stunden." Ein Trugschluss.

Als wir uns am Samstag auf der Autobahn dem Messegelände näherten, wies die Navigationsapp auf ein Problem hin. Schon etliche Kilometer vor der Abfahrt zur Messe war die Straße rot markiert: Stau, angeblich zwölf Minuten Zeitverlust. Na ja, damit kann man leben. Auf eine andere Route auszuweichen, konnte man sich ohnehin schenken: Alle anderen Zufahrtsstrecken waren ebenfalls rot auf der Karte eingefärbt. Also Stillstand. Zwanzig Meter fahren. Stillstand. Fahren. Die angekündigten zwölf Minuten schien der Algorithmus ausgewürfelt zu haben, so weit weg waren sie von der Wirklichkeit.

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Die Autoschlange setzte sich nach der Autobahnausfahrt nahtlos bis zu den Messeparkplätzen fort. Die waren schon rappelvoll. Aber wir wollten zum Presseparkplatz, hatten schon die Parkberechtigung hinter die Windschutzscheibe gelegt und waren verhalten optimistisch. In der Warteschlange vor der Schranke beobachteten wir das Gespräch des Parkplatzwächters mit dem Fahrer des Autos vor uns. Der fuhr kurz darauf dorthin zurück, woher er gekommen war: auf die Straße. Immer noch klingelte es nicht bei uns. "Na, da wollte wohl einer einen 'alternativen' Parkplatz ausprobieren", lästerten wir.

Dann standen wir an der Pole-Position - direkt vor der Schranke. Doch der junge Mann mit der Sicherheitsweste klärte uns auf: "Hier ist nichts zu machen. Die Fahrzeuge stapeln sich schon! Der Park&Ride-Parkplatz ist auch schon voll. Die Besucher-Parkplätze auch." Unsere Idee, in der Nähe einer Straßenbahnhaltestelle zu parken und mit Öffis zum Messegelände zu fahren verpuffte in dem Moment, in dem wir mehrere Bahnen gesehen hatten: Zwischen die einzelnen Fahrgäste passte kein Blatt Papier. 

Wir haben uns dann entschieden, die nächsten Stunden im Panometer zu verbringen. Dort wird gerade das 360°-Panoramabild New York 9/11 des Künstlers Yadegar Asisi gezeigt. Schon 2018 musste dieser Ort als Alternative zur Buchmesse "herhalten", weil ein Schneechaos über Leipzig hereingebrochen war.

Start mit Verzögerung

Unser Messebesuch begann am Samstag um 16 Uhr, zwei Stunden vor der Schließung. Da ich einigen unabhängigen Verlagen meinen Besuch angekündigt hatte, wollte ich auf Nummer sicher gehen und war dort zuerst.

Vom Verlag Donata Kinzelbach habe ich hier schon mehrmals berichtet. Seit nun schon 38 Jahren gibt die Verlegerin Literatur aus dem Maghreb, also den nordafrikanischen Staaten Tunesien, Algerien, Marokko sowie der West-Sahara, heraus. Im Laufe der Jahre hat sich die Bandbreite etwas erweitert: Der Verlag bietet nun auch einige Titel von Autorinnen und Autoren anderer Nationalitäten an, der Maghreb bleibt jedoch der Schwerpunkt. 
Für ihre Verdienste hinsichtlich der Vermittlung zwischen Kulturen und Kulturkreisen erhielt Donata Kinzelbach vor 15 Jahren sogar das Bundesverdienstkreuz am Bande. 
In Kürze werde ich in der Bücherkiste den autobiografischen Titel Wie Mond und Sonne der iranischen Autorin Mahshid Najafi vorstellen, die 1985 gemeinsam mit ihrem Mann aus ihrer Heimat nach Deutschland geflüchtet ist und im Januar 2023 für ihre ehrenamtlichen Bemühungen um Integration und Demokratie mit dem Integrationspreis der Stadt Offenbach ausgezeichnet wurde.

Auch diesmal habe ich beim Polar Verlag vorbeigeschaut, dessen Krimis ich seit einigen Jahren mit Begeisterung lese. Ihr werdet hier bald noch mehr über ihn finden, und damit sind nicht (nur) weitere Rezensionen gemeint. Demnächst werde ich den in diesem Jahr auf Deutsch erschienenen Krimi Sunset City von Melissa Ginsburg vorstellen.

Margarita Stein, die Leiterin der Anthea Verlagsgruppe, habe ich während der Frankfurter Buchmesse 2022 kennengelernt. Sie gibt Bücher von bemerkenswerten Autorinnen und Autoren heraus, darunter das des Gewinners des Europäischen Literaturpreises 2021. Sie hat mir den Roman Der Fassadenkletterer von Angela Schmidt-Bernhardt ans Herz gelegt. Ein Anruf aus Polen reißt eine Frau aus ihrem bisherigen Leben: Der beste Freund ihres Vaters hinterließ einen Stapel Briefe, in denen sich interessante Informationen über ihren eigenen Vater befanden. Was hat ihr Vater ihr verschwiegen?

In der Bücherkiste wurden bereits sieben Titel aus dem erst vor drei Jahren gegründeten Kanon Verlag vorgestellt - ein deutliches Indiz dafür, wie gut mir gefällt, was dort veröffentlicht wird. Das nächste Kanon-Buch wird "Was ich sah, war die freie Welt" des Publizisten Max Dax sein. In seinen 24 Gesprächen über die Vorstellungskraft interviewt er zum Beispiel Yoko Ono, Grace Jones oder Isabella Rossellini. Ich bin sehr gespannt.

Am Samstag hatten wir noch etwa zwei Stunden Zeit, bevor wir die Heimreise angetreten haben. Das genügte für einen Überblick über das Angebot des diesjährigen Gastlandes Österreich. Ein Buch hatte es mir besonders angetan: Die 1929 in Wien geborene jüdische politische Journalistin Hella Pick schreibt in ihrem autobiografischen Buch Unsichtbare Mauern (erschienen im Czernin Verlag, Wien) über ihre Flucht nach England 1939 und ihren Werdegang zu einer der renommiertesten Journalistinnen. Sie war für die BBC tätig und reiste für die Zeitung The Guardian um die Welt. Pick wurde für ihr Lebenswerk mit britischen, österreichischen und deutschen Preisen ausgezeichnet. Ich freue mich darauf, das Buch zu lesen.

Am Stand des Steidl Verlags, dessen Name österreichisch klingt, der aber in Göttingen zu Hause ist, haben wir zuerst die tollen Foto-Bände bewundert. Doch dann bin ich über das Buch Stella Goldschlag - Eine wahre Geschichte gestolpert. Stella? Nachdem ich mich bei einer Standmitarbeiterin erkundigt hatte, wurde meine Vermutung bestätigt: Es handelt sich tatsächlich um dieselbe Person, über die der Autor Takis Würger seinen 2019 veröffentlichten Roman Stella geschrieben hat. Es war damals sicher eines der am kontroversesten diskutierten Bücher des Jahres, das ich auch hier in der Bücherkiste besprochen habe. Der Autor und Journalist Peter Wyden war ein Mitschüler Stella Goldschlags und ist der Geschichte um ihren massenhaften Verrat von Jüdinnen und Juden an die Nationalsozialisten nachgegangen. Sein Buch basiert auf Fakten, was es von Würgers Roman unterscheidet.

Fazit

Die Leipziger Buchmesse hat wieder viele spannende Titel bereitgehalten, und ich habe mich sehr über die guten Gespräche an den Ständen gefreut. 
Der Wermutstropfen war die katastrophale Verkehrs- und Parkplatzsituation am Messe-Samstag. Möglicherweise war die Messeleitung von diesem Ansturm selbst überrascht, man weiß es nicht. Das sollte sich jedoch nicht wiederholen, denn die Messebesucher sollen das Gelände am Ende eines Tages mit einem guten Gefühl verlassen. Schließlich sind sie das, was die Branche dringend braucht: Buchkäuferinnen und -käufer.

Sonntag, 18. November 2018

Statt einer Rezension: So war's auf der Buchlust 2018



Kennt Ihr die Buchlust in Hannover? Das ist eine kleine Buchmesse, die jedes Jahr im Künstlerhaus in Hannover stattfindet und auf der sich unabhängige Verlage präsentieren. In diesem Jahr hatte die Buchlust ihr 25-jähriges Jubiläum, und passend dazu waren 25 Verlage vor Ort.

Ich war dieses und letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse und 2017 auf der Leipziger Buchmesse. Auch, wenn die unabhängigen Verlage dort in einem separaten Bereich untergebracht sind, stehen sie in unmittelbarer Konkurrenz zu den großen Publikumsverlagen. Die meisten Besucher steuern zunächst deren Stände an und gucken bei den kleinen Unabhängigen nur dann vorbei, wenn sie noch ein bisschen Zeit übrig haben. Das ist sehr schade, weil sich unabhängige Verlage gern um Buchprojekte abseits des Mainstreams kümmern.

Dieser Konkurrenz müssen sich die Unabhängigen auf der Buchlust nicht aussetzen. Dort kommt man mit kompetentem Standpersonal ins Gespräch und kann in Ruhe stöbern.
Immer wieder habe ich mein Smartphone gezückt und Fotos der Bücher gemacht, die mich interessiert haben. Ich werde versuchen, sie Euch nach und nach vorzustellen. Hier ist meine "Ausbeute":


Mit diesem Buch liebäugele ich schon eine ganze Weile. Spätestens, seit diese Graphic Novel zu den zehn Gewinnern der Hotlist 2017 gehörte, war mein Interesse geweckt.













Was kann man anderes über dieses Buch sagen als "Toll!", wenn man sich diese Bilder ansieht?








Dieses Foto ist leider etwas verwackelt, aber es geht in diesem Buch um einen Prozess gegen eine Ärztin, der über Jahre hinweg den Raum Hannover beschäftigt hat. Dr. Mechthild Bach war viele Jahre niedergelassene Internistin und hatte Belegbetten in einem Krankenhaus bei Hannover. Eines Tages wurde sie von ehemaligem Krankenhauspersonal angezeigt: Sie sollte für den Tod von mehreren Patienten verantwortlich sein. Sie wurde wegen Mordes angeklagt und hat immer gesagt, sie würde auf keinen Fall eine Haft antreten. Das hat sie auch nicht, da sie ihrem Leben ein Ende setzte, bevor es soweit kommen  konnte. Alle, die sie als Patienten, Angehörige oder Freunde kannten, waren sich sicher, dass an den Vorwürfen gegen sie nichts dran war. Sie wurde durchgehend als kompetent und engagiert bezeichnet. Ein Gerichtsverfahren, das es wirklich in sich hatte.

Die weiteren Favoriten, nachdem ich ein bisschen in ihnen gelesen hatte:














  





Bei der nächsten Buchlust bin ich sicher wieder dabei.

Hier habe ich weitere Eindrücke von dieser Buchmesse geschildert, die die Atmosphäre dort beschreiben und auch erzählt, was mir besonders aufgefallen ist.



Mittwoch, 21. März 2018

Leipziger Buchmesse: Diese Bücher haben mich interessiert (Teil 3)

Viele, viele Cover

 

Na klar, wenn man über eine Buchmesse geht, findet man zahllose Bücher, die man am liebsten sofort mit nach Hause nehmen möchte. Ich habe die meiste Zeit auf der Leipziger Buchmesse mit dem Anlesen vieler Bücher verbracht und bin auf Titel gestoßen, die gerade erst auf den Markt gekommen oder aber schon seit einiger Zeit verfügbar sind. Ich schmeiße sie hier jetzt einfach unsortiert und nur kurz kommentiert auf diese Seite. Dazu kommen noch die Bücher, über die ich bereits in Teil 2 meines Messeberichts geschrieben habe.

Rolf Arnold, Professor an der TU Kaiserslautern, schreibt über das, dessen viele Menschen überdrüssig zu sein scheinen: den Umgang mit Fakten. Wie geht man verantwortungsvoll mit der Wirklichkeit um?
Erschienen im Carl Auer Verlag.


Axel Schwab hat mehrere Jahre in Japan gelebt und einige Bücher über das Land geschrieben. In diesem erklärt er Japan-Unkundigen, wie man sich im Alltag des Inselstaats zurechtfindet. 
Auf diesem Blog gibt es eine Rezension zu seinem Titel Sushi-Guide. Japan ist bei BoD erschienen.

Karina Both-Peckham bekocht nicht nur ihre Familie, sondern auch ihre Gäste in Peckham's House. Auch von ihr befidnet sich bereits ein Buch auf diesem Blog, nämlich der erste Band ihrer Reihe: Lieblingssuppen.
Erschienen bei BoD.

Der Autor Wei Zhang beschreibt das Leben zur Zeit von Maos Kulturrevolution aus der Sicht einer Fünfjährigen. Absurde Situationen können gefährlich werden. Die Lesung mit Wei Zhang habe ich leider wegen des Schneechaos' verpasst. Erschienen bei Salis.


1973 wird der österreichische Skirennfahrer Franz Klammer mitten im Abfahrtslauf ins Jahr 33 zurückgeworfen und landet in Jerusalem direkt auf Jesus Christus. Eine absurde Geschichte beginnt. Erschienen bei Lector Books, einem Imprint der Torat GmbH.

Christopher Buckley schreibt über einen beruflichen Super-GAU:
Herb Wadlough ist der persönliche Berater des fiktiven US-Präsidenten Tucker, fällt aber vor allem aufgrund von Intrigen bei ihm in Ungnade. Buckley verarbeitet in seinem Buch seine Zeit als Redenschreiber für George Bush sen. auf witzige Weise. Erschienen bei Louisoder.


Eine wahre Geschichte aus Deutschland während des ersten Weltkriegs. Der Krieg war fast verloren, als Leutnant Stern einen waghalsigen Plan entwickelte: 14 muslimische Gefangene, die als Zirkusgruppe verkleidet waren, sollen nach Konstantinopel geschmuggelt werden, um den Sultan dazu zu bringen, für das befreundete Deutschland den Dschihad auszurufen. Erschienen bei Galiani Berlin, einem Tochterverlag von Kiepenheuer & Witsch.


In grenz:zeiten geht es um Grenzerfahrungen, die der Krieg, das Sterben und die Familie mit sich bringen. Ein Roman mit autobiographischen Elementen, der aber nicht nur traurig, sondern auch witzig ist. Erschienen im Wenz Verlag.


Wer eine Reise nach Nordkorea plant, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Interessant ist es aber auch, wenn man nur einen literarischen Blick über den Zaun werfen möchte. Erschienen bei DVA.



Ein kleines Mädchen aus dem schwedischen Fjällbacka wird vermisst. Ihr Verschwinden erinnert die Einwohner an einen 30 Jahre zurückliegenden Fall, der fast vergessen zu sein schien. Erschienen im List Verlag.



Ein Blick in die Zukunft der Menschheit angesichts der fortschreitenden Technisierung. Erschienen im Verlag C. H. Beck.






Der junge verwundete Soldat Veit Kolbe reist Anfang 1944 nach Mondsee in Österreich, um wieder gesund zu werden. Er trifft auf zwei Frauen, die wie er auf Normalität hoffen. Doch so einfach ist das nicht, denn Kolbe wird von Alpträumen geplagt und sinnt über die Vergangenheit nach. Erschienen bei Hanser. Arno Geiger hat u. a. auch den Roman Es geht uns gut
geschrieben, für den er 2005 den Deutschen Buchpreis erhielt.


Die 21jährige Nora wandert mit ihrer jüngeren Schwester Theresa von Irland in die USA aus. Sie möchte bei ihrem Verlobten sein und der Schwester eine Ausbildung ermöglichen. Doch als Theresa schwanger wird, muss eine Entscheidung getroffen werden. Erschienen im Paul Zsolnay Verlag.

Der österreichische Künstler und Autor André Heller spricht mit seiner 1914 geborenen Mutter über ein Jahrhundert voller Leben und Ereignisse. Erschienen im Paul Zsolnay Verlag.




Das Buch erzählt den fimreifen Überfall auf ein Gelddepot in der Nähe von Stockholm, der 2009 stattgefunden hat. Manchmal ist das Leben spannender als ein erdachter Krimi. Erschienen bei Piper.



Und sonst?

 

Die Autoren dieses im Alexander Verlag Berlin erschienen Buches wollen ihre Leser davon überzeugen, dass das Urheberrecht zugunsten einer Regulierung der Marktverhältnisse abgeschafft werden sollte. Das Buch wurde gratis vom Verlag abgegeben. Ich gebe zu, dass ich grundsätzlich skeptisch bin, aber wenigstens einen Blick in No Copyright werfen werde.

Das war es auch "schon". Vermutlich wären es noch mehr Bücher gewesen, wenn wir nicht an einem der vier Messetage im Panometer Leipzig gewesen wären. Was das ist, könnt ihr hier nachlesen.



 

Leipziger Buchmesse - so ging es weiter (Teil 2)

Warum nicht alles lief wie geplant

 

Ich hatte mir für den dritten Messetag vorgenommen, bei bestimmten unabhängigen Verlagen vorbeizuschauen. Doch ein Plan ist manchmal auch dazu da, umgestoßen zu werden: Am Vorabend hatte es in Leipzig begonnen zu schneien und auch die ganze Nacht hindurch nicht aufgehört. Am nächsten Morgen war in den Verkehrsnachrichten davon die Rede, dass der Verkehr in und um Leipzig praktisch zusammengebrochen ist und sich auf Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen lange Staus gebildet haben. Google Maps hatte die Lage in vielen kurzen und langen rot markierten Straßen angezeigt: Von unserem Hotel in Merseburg sollte die Autofahrt, für die man normalerweise eine halbe Stunde benötigt, nun fast zwei Stunden dauern. Bei der Aussicht, bei Minusgraden im Schneckentempo zum Messegelände zu fahren, ist uns die Lust abhanden gekommen. Ein Alternativprogramm musste her, das gut erreichbar sein sollte und in geschlossenen Räumen stattfindet. Wir sind fündig geworden und haben das Panometer Leipzig besucht. Was sich dahinter verbirgt, schreibe ich hier.

Der letzte Messetag

 

Da wir wegen der Heimfahrt nicht zum Messeschluss um 18 Uhr bleiben wollten, mussten wir unser Programm ein bisschen straffen. 

Ganz gezielt habe ich beim Polar Verlag vorbeigeschaut, weil mir dessen Konzept gefällt: Dort werden Krimis jenseits des Mainstreams herausgebracht, in denen es auch schon mal ein bisschen zur Sache geht. Auf diesem Blog habe ich bereits die beiden Krimis Libreville und Brant vorgestellt. Auch hier habe ich erlebt, was ich schon im ersten Teil meines Messeberichts geschrieben habe: Die Gesprächsbereitschaft war im Gegensatz zu den Publikumsverlagen groß, und ich bin mit dem Buch Ein einziger Schuss von Matthew F. Jones nach Hause gegangen, das ich hier noch vorstellen werde. 

Interessant war auch der Besuch beim Verlag Donata Kinzelbach. Dort liegt der Schwerpunkt auf Literatur aus dem Maghreb, die Bandbreite reicht von Lyrik bis zu Romanen, die Aktuelles oder Historisches aufgreifen. Diese sehr spezielle Ausrichtung stellt die Verlegerin immer aufs Neue vor die Herausforderung, für die von ihr herausgegebenen Bücher einen angemessenen Preis festzulegen: Für jedes Buch müssen zunächst die Rechte erworben und die Übersetzungskosten bezahlt werden. Das ist gerade für einen kleinen Verlag oft nicht leicht. Ich finde das Verlagsprogramm jedoch so interessant, dass ich bestimmt darauf zurückkommen werde.


Mit dem Autor Rainer Böhme hatte ich auf dem Stand des Dresdner Verlags ein gutes Gespräch, in dem er mir zwei seiner Bücher vorstellte. Ich habe sie mit nach Hause genommen und werde sie mir in Ruhe ansehen. Es wird zu beiden einen Blogbeitrag geben.


Vom vielfältigen Angebot der unabhängigen Verlage wird man fast erschlagen. Um mir zusätzlich zu meinen Standbesuchen einen Überblick zu verschaffen, habe ich diese kleine Broschüre mitgenommen. Sie wurde vom Branchenmagazin BuchMarkt und der Kurt Wolff Stiftung, die sich die Förderung einer vielfältigen Literatur- und Verlagsszene zum Ziel gesetzt hat, herausgegeben. Das Spektrum reicht vom Alexander Verlag Berlin bis zum zu Klampen! Verlag aus Springe bei Hannover.


Als sehr offen und gesprächsbereit habe ich auch die Standmitarbeiter der Universitäten erlebt. Auch sie suchten den Kontakt zu den Besuchern und beantworteten kompetent alle Fragen. Ich kann - auch wenn ich mich hier wiederhole - nicht nachvollziehen, warum das bei den großen Verlagshäusern nicht möglich ist.

Immer wieder Politik

 

Die "Ecke" der rechtsgerichteten Verlage hatte ich schon am zweiten Messetag gesehen. Es ist erstaunlich, dass sich oft erst auf den zweiten Blick erkennen lässt, welche Gesinnung hinter ihnen steckt. Den Tumult am Stand des Antaios Verlags habe ich nicht mitbekommen, da wir an diesem Tag nicht auf dem Messegelände waren. Die Politik zog sich jedoch wie ein roter Faden durch die Hallen: Die Initiative #Verlagegegenrechts war ziemlich aktiv, und auch bei den osteuropäischen Verlagen ging es immer wieder um politische Themen. 

Mehr zufällig bin ich auf eine Veranstaltung der 3sat Literaturlounge mit dem Schriftsteller Catalin Florian Florescu gestoßen. Florescu stammt aus Rumänien, ist aber heute Schweizer Staatsbürger. Er schreibt Romane über das Leben in Diktaturen, der Flucht aus diesen Ländern und den Neuanfang in einem demokratischen Land. 


 
Nicht zuletzt gab es auch etliche Stände, an denen Buchkunst, hochwertige Kunst-Illustrationen und ungewöhnliche Buchdrucke gezeigt wurden. Vom Stand des Gutenberg-Museums Mainz musste dieser hübsche Vogel bei mir einziehen.


Wie war's?

 

Die Leipziger Buchmesse war vielfältig und bunt - sowohl, was die unterschiedlichen Genres, die zahlreichen Verlage, die Autoren vor Ort als auch die politischen Ausrichtungen betraf. Nicht zuletzt haben auch die verkleideten Besucher der Manga-Comic-Con für viel Farbe und zahlreiche Hingucker gesorgt. Dem diesjährigen Schwerpunktland Rumänien konnte ich mich leider nur kurz wirdmen. Der im Schnee versunkene Messetag hat dann doch gefehlt. 

Nach den Rangeleien zwischen linken Demonstranten und dem Standpersonal des rechten Antaios-Verlags schien die Präsenz des Sicherheitspersonals und der Polizei zugenommen zu haben. Das war zumindest unser Eindruck, als wir uns am Vormittag des letzten Messetages auf den Weg zu Halle 4 machten. Auch an der Zufahrt zum Presseparkplatz ging es "griffiger" zu: Zwei Tage zuvor war es noch problemlos möglich gewesen, dass wir wegen meiner körperlichen Einschränkung direkt vor dem Pressezentrum parken durften. Am letzten Tag erhielten wir dann aber die barsche Anweisung eines Security-Mannes an der Einfahrtschranke, dass das nicht gehe und wir auf den außen gelegenen Parkplatz fahren müssten. Meinem Hinweis auf meine spezifische Situation wurde im Kasernenton mit der Anweisung "Sie fahren jetzt geradeaus!" begegnet. Nur gut, dass man im Auto nicht die Hacken zusammenschlagen kann. Transparenz und eine lebensnahe Regelung der Parksituation wären hier sehr wünschenswert gewesen. Ach ja, Freundlichkeit hat auch noch keinem geschadet.
Trotzdem: Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, bin ich beim nächsten Mal wieder dabei. 

Ich habe natürlich auch viele Bücher gesehen, die mir nach dem ersten Anlesen sehr gut gefallen haben. Welche das sind, habe ich hier aufgeschrieben.  

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Der Rückblick: Was war im August und September los?

Die Frankfurter Buchmesse nähert sich

 

Die beiden großen deutschen Buchmessen in Leipzig und Frankfurt führen jedes Jahr zu einer erhöhten Betriebsamkeit in der Buchbranche, je näher das jeweilige Datum heranrückt. Das hat sich auch in der Bücherkiste insbesondere im September bemerkbar gemacht.

Der August

 

In Es brennt das ganze Kind sogar des Autors Edelhard Callies setzt sich der vom Leben benachteiligte Karl Reitz zur Wehr. Gewalt erzeugt Gegengewalt - das bekommen seine Peiniger zu spüren. Ein Roman, in dem es nicht nur um Ungerechtigkeit, sondern auch um das Leben einer deutschen Familie geht, deren Schicksal maßgeblich von vom erstarkenden Nationalsozialismus und der massenhaften Ermordung von behinderten Menschen geprägt ist. 


Mit Brant von Ken Bruen habe ich den ersten Crime Noir auf diesem Blog vorgestellt. Der Londoner Sergeant Brant ist korrupt, draufgängerisch und gnadenlos. Er muss einen offenbar durchgeknallten Killer zur Strecke bringen, der es auf Polizisten abgesehen hat und nach öffentlicher Aufmerksamkeit giert. Was Brant noch nicht weiß: Sein eigener Tod soll das grausame Finale der Mordserie werden, denn er und der Täter sind Jahre zuvor aneinander geraten. Skrupellos, spannend und ganz dicht dran. Mehr Krimi geht nicht. 


"Geld regiert die Welt." Wie sehr das zutrifft, erklärt der Finanzmarktanalyst Davut Çöl in seinem Buch Verstehen Sie Geld? auch für den Laien gut verständlich. Auch wer bislang der Meinung war, ihm könne beim Thema Geld keiner mehr etwas vormachen, wird das nach dem Lesen dieses Buches wahrscheinlich anders sehen. Çöl spannt den Bogen von der Entstehung der ersten Formen des Geldes bis zu den heutigen Finanzmarktmechanismen, die bei der "Rettung" der südeuropäischen EU-Mitgliedsstaaten noch lange nicht enden. 


Ende August hat die Frankfurter Buchmesse mit dem ersten Artikel hier Einzug gehalten: Bei einem Besuch "meines" Buchhändlers sah ich den Reader mit Leseproben aller Bücher auf dem Tresen liegen, die für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurden. Welche Titel ich nur anhand der Textauszüge zu meinen Favoriten gemacht habe, lest ihr in diesem Beitrag


Mit Chlorophyll ist M. J. Herberth ein Roman gelungen, der ein mögliches Weltuntergangsszenario realistisch beschreibt. Die Schilderung macht auch vor teilweise sehr üblen Überlebensstrategien der immer weniger werdenden Menschen nicht halt, wobei man sich manchmal am liebsten schaudernd abwenden möchte. 




Der September

 

Terri Blackstock hat in Nur wenn ich fliehe einen Plot geschaffen, der sich dem Leser erst nach und nach erschließt. Die Versicherungsangestellte Casey findet ihren besten Freund Brant ermordet in dessen Haus und ergreift sofort die Flucht. Damit macht sie sich zu einer Verdächtigen, aber es gibt Menschen, die an ihre Unschuld glauben. Der Grund, dass sie sich nicht der Polizei stellen will, liegt jedoch weit vor dem Zeitpunkt des Mordes. Brant soll nicht das einzige Opfer bleiben. 


Drei Wochen vor dem Tod des Kulturwissenschaftlers und Kulturmanagers Martin Roth wurde sein Buch Widerrede! veröffentlicht. Es enthält ein mehrteiliges Diskussionsprotokoll von Gesprächen mit seinen drei erwachsenen Kindern, in denen es um Fragen der eigenen ethischen und moralischen Werte, des zunehmenden Populismus' und des nötigen politischen Engagements geht. Ein wichtiges Buch in einer Zeit, in der häufig Phrasendrescherei der sachlichen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Auffassungen vorgezogen wird. 


© HOTLIST 2017
Die unabhängigen Verlage müssen einige Energie aufbieten, um sich gegen die Großen der Buchbranche zu behaupten und von den Lesern wahrgenommen zu werden. Um sie zu unterstützen, wird im Zuge der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr zum neunten Mal der Preis der Hotlist vergeben. In der Endrunde befinden sich jetzt noch zehn Titel. Welche das sind und wann die Preisverleihung stattfindet, erläutere ich in meinem Beitrag. 



Mit Mord am Waterberg haben die Autorinnen, die Joirnalistinnen Almut Hielscher und Uta König, einen Kriminalfall in Namibia stattfinden lassen: Eine Deutsche wird ermordet aufgefunden, ihre aus Stuttgart angereiste Schwester tut alles, um den Fall auch ohne die Hilfe der passiven Polizei aufzuklären. Das deutsch-namibische Verhältnis, das durch die deutsche Kolonialzeit beeinflusst ist, spielt hierbei eine große Rolle.  



©: Petra Gass / Börsenverein
Die Jury des Deutschen Buchpreises hat die Shortlist, die Liste der sechs in der Endrunde stehenden Titel, bekanntgegeben. Welches Buch ich für den heißesten Anwärter auf den "Thron" halte, lest ihr hier.



Die Ermordung des Glücks ist der zweite Krimi von Friedrich Ani, in dem der Ex-Kommissar Jakob Franck im Mittelpunkt steht. Kann Ani mit diesem Buch erneut den Deutschen Krimipreis gewinnen? 





©: MVB
Im Laufe der Frankfurter Buchmesse wird erstmalig ein weiterer Preis verliehen: Mit dem Selfpublishing-Preis wird endlich auch dieser Autorengruppe die nötige öffentliche Aufmerksamkeit gegeben, die nötig ist, um die Bücher einem breiteren Lesepublikum bekannt zu machen. 


Das Klischee ist bekannt: Alle Finnen lieben ihre Sauna. Das greift auch der Autor Roope Lipasti in seinem Roman Nachbar mit Sauna auf: Ein chaotischer Familienvater will ein Saunahaus bauen und muss mit den "guten" Ratschlägen seines Nachbars, einem Lehrer, leben. Der klugscheißende Pädagoge verguckt sich obendrein auch noch in die attraktive Frau des Nachbarn. 

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