Freitag, 29. Mai 2026

# 506 - Radreisen mit dem E-Bike

E-Bikes werden immer beliebter: Seit 2023 liegen ihre Verkaufszahlen höher als die von Fahrrädern ohne Motorunterstützung, und schon seit 2020 werden von ihnen jährlich um zwei Millionen Stück verkauft.

Grund genug für die Stiftung Warentest, einen Ratgeber zu veröffentlichen: Radreisen mit dem E-Bike. Der Journalist und begeisterte Radfahrer Jan Wittenbrink schreibt nicht zum ersten Mal über sein Lieblingsthema, doch hier geht es ausschließlich um Fahrräder mit Unterstützung durch einen Elektromotor. Er weist zu Beginn ausdrücklich auf die Unterschiede zwischen E-Bikes, Pedelecs und S-Pedelecs hin. Da sich jedoch die Verwendung des Begriffs E-Bike im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt hat, wird er von Wittenbrink hier ebenfalls verwendet.

Das Buch wendet sich in den ersten Kapiteln an alle, die sich für den Kauf eines E-Bikes interessieren und noch nicht wissen, wo sie ihren Schwerpunkt setzen und worauf sie bei der Auswahl achten sollten. 

In den darauf folgenden Abschnitten wird genau erläutert, wie man sich auf eine Radreise gut vorbereitet: Welche Kleidung wird benötigt? Welche Fahrradtaschen sind sinnvoll? Worauf muss ich achten, wenn ich mein Fahrrad diebstahlsicher abstellen will? Was gehört zur Ausrüstung, wenn unterwegs nicht im Hotel übernachtet, sondern gezeltet werden soll? 

Jan Wittenbrink hat seine ganze Erfahrung in dieses Buch gelegt und gibt seinen Leserinnen und Lesern viele hilfreiche Tipps und Hinweise. Was er schreibt, kann bei der eigenen Reiseplanung Stück für Stück abgearbeitet werden - von A wie Abfahrt, Checks vor der bis Z wie Zwischenwegweiser bleibt nichts unbeantwortet. 

Im letzten Kapitel schlägt Wittenbrink Gegenden oder ausgewählte Radrouten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen im europäischen Ausland vor, die sich gut für eine Radwanderung eignen. 

Lesen?

Radreisen mit dem E-Bike ist ein übersichtlich strukturierter Ratgeber, der hilft, falsche Kaufentscheidungen und Planungspannen zu vermeiden. Zahlreiche Fotos und Grafiken tragen zum Verständnis bei.

Radreisen mit dem E-Bike ist 2026 bei der Stiftung Warentest erschienen und kostet als Klappenbroschur 29,90 Euro.

Samstag, 23. Mai 2026

# 505 - Können wir ändern, wer wir sind?

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Rachel Khong einen Teil
ihrer Familiengeschichte und ihres Lebensgefühls in ihren Roman Real Americans eingeflochten hat: Als Kind chinesisch-malaysischer Eltern kam sie als Zweijährige von Malaysia in die USA. 2024 sagte sie in einem Interview: "Wann immer meine Familie nach Malaysia zurückkehrte, um Verwandte zu besuchen, fühlte ich mich fremd, da ich weder Malaiisch noch die Dialekte meiner Familie sprechen konnte; ich hatte nie das Gefühl, dazuzugehören."

In ihrem Roman geht es ebenfalls um Migration und die Probleme, die damit verbunden sind. Allerdings ist diese Geschichte eines in die USA eingewanderten chinesischen Paares und seiner dort geborenen Tochter Lily eine besondere.

Rachel Khong beginnt ihre Erzählung im Jahr 1999. Lily ist 22, praktisch mittellos und macht ein unbezahltes Praktikum in der Medienbranche. Sie lernt den reichen und gutaussehenden Matthew kennen und nimmt wahr, dass er das verkörpert, was man im Allgemeinen als "typisch amerikanisch" ansieht, obwohl sie selbst ebenfalls dort geboren wurde - jedoch aufgrund ihres Aussehens als Chinesin wahrgenommen wird, obwohl sie die Sprache nicht spricht.

Matthew und Lily heiraten und werden Eltern eines Sohnes: Nick, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit seinem Vater und sogar dessen Vater hat. 

Die Handlung springt ins Jahr 2021. Lily und Matthew haben sich vor langer Zeit getrennt und keinen Kontakt mehr. Nick ist auf Vashon Island in der Nähe von Seattle bei seiner Mutter aufgewachsen und hat keine Ahnung, wer sein Vater ist. Zwischen Matthews Zuhause in New York und ihnen liegen mehr als zweieinhalbtausend Kilometer. Die beiden schlagen sich finanziell durchs Leben, es reicht immer irgendwie. Auch zu Lilys Eltern gibt es keine Verbindung. Immer, wenn die Rede auf die Kontaktabbrüche kommt, hüllt sich Lily in Schweigen. Da kommt Nicks bester Freund auf eine Idee: Ein Gentest könnte ihn zu seinem Vater führen. Ohne seine Mutter einzuweihen, schickt Nick eine Probe in ein Speziallabor. Das Ergebnis ist der Beginn einer Annäherung zwischen Vater und Sohn, die alles andere als linear verlaufen wird.

Der dritte Teil beschäftigt sich mit der Geschichte von Lilys Eltern. Charles und May sind Wissenschaftler, die vor dem Mao-Regime in die USA geflohen sind und dort zufällig auf einen reichen Mann stoßen, der auf dem Gebiet der Genetik Großes erreichen will. Diese Bekanntschaft ist Ausgangspunkt und Schlüssel für eine ungewöhnliche Familiengeschichte, in der Geschäftspartner durch einen Zufall Teil derselben Familie werden, obwohl zwischen ihnen tiefe kulturelle und soziale Gräben liegen. Rachel Khong schickt Nick und May ins Jahr 2030 und begleitet sie, die sich bislang völlig fremd waren, bei ihrer Annäherung.

Lesen?

Rachel Khong hat mit Real Americans viele Aspekte angerissen, die nachdenklich machen: Was macht einen "echten Amerikaner" aus? Wo sollten die Grenzen der künstlichen Befruchtung sein? Wie wirkt sich die kulturell geprägte Erziehung auf das Leben der nachfolgenden Generationen aus? Was sind Menschen bereit zu tun, um in einem unmenschlichen System zu überleben?

Der Roman ist ein Pageturner, weil er so völlig unvorhersehbar ist, dass die Leserinnen und Leser von den Wechselfällen, die Khongs dramatische Erzählung durchziehen, gefesselt werden.

Real Americans ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen und kostet als gebundenes Buch 24 Euro sowie als E-Book 19,99 Euro.


Freitag, 8. Mai 2026

# 504 - Geld als Waffe

Der Krieg - das ist ein Thema, das viele Menschen gern
ausblenden würden. Der Krieg ist: Tod, Zerstörung, unendliches Leid. Zum Krieg gehören: Militär, Politik, Demokratie und - Geld.

Damit sind jedoch nicht die Aktienkurse von Rüstungsunternehmen gemeint. Gemeint ist, dass sich am Geld entscheidet, wie Kriege beendet werden. Die ökonomische Sicht auf Kriege bringt die Wirtschaftsexpertin Ulrike Herrmann ihren Leserinnen und Lesern in ihrem Buch Geld als Waffe näher.

Ulrike Herrmann beschränkt sich auf zwei Bedrohungsszenarien: Chinas Wunsch, Taiwan zu annektieren, und Putins Plan, Europa zu bedrohen. Sie erläutert in zwei ausführlichen Kapiteln die Hintergründe für die Kriegsbereitschaft der beiden Länder und deren wirtschaftliche Möglichkeiten, Kriege zu führen und in ihrem Sinne zu einem Erfolg zu führen.

Die Betrachtung Russlands beginnt bereits in der Zeit der Mongolenherrschaft, erläutert dann das "Erfolgsmodell" der faktischen massenhaften Volksversklavung während des Zarenreichs und führt über den Bolschewismus und den Stalinismus bis zur Herrschaft von Putin. Herrmann schildert Putins Aufstieg, die politischen Strukturen Russlands und die Fallstricke, die der vom russischen Präsidenten angezettelte Krieg gegen die Ukraine birgt. Sehr einleuchtend erläutert sie, warum Putin diesen Krieg so schnell nicht beenden wird und zieht eine Parallele zum Beginn der Napoleonischen Kriege 1803: Obwohl mehr als 200 Jahre zwischen diesen Kriegen liegen, sind wirtschaftliche Überlegungen sehr wichtige, wenn nicht sogar ausschlaggebende Gründe, die Kriegshandlungen am Leben zu erhalten. Sowohl Napoleon als auch Putin befanden bzw. befindet sich in einem Dilemma. "Erst im Frieden zeigt sich, wie teuer ein Krieg war" bringt es auf den Punkt.

Auch der chinesische Staatschef Xi Jinping steht vor größeren ökonomischen Problemen, als man auf den ersten flüchtigen Blick auf die Wirtschaftsdaten seines Landes glauben würde. Auch hier geht Ulrike Herrmann weit in die Geschichte des Landes zurück, bis zur Gründung des chinesischen Kaiserreichs im Jahr 221 v. Chr. Wie schon bei der Darstellung der Geschichte Russlands sind Grundkenntnisse der chinesischen Geschichte wichtig, um Kultur und Denkweise wenigstens näherungsweise zu verstehen. Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in China macht es Xi schwer, den unausgesprochenen Pakt zwischen der Regierung und der Bevölkerung einzuhalten: Die Regierung versprach die fortschreitende Verbesserung des Lebensstandards, wirtschaftliche Stabilität sowie Chinas Aufstieg zur Weltmacht. Im Gegenzug akzeptierte die Bevölkerung die uneingeschränkte Führungsrolle der Kommunistischen Partei, eine strenge Internetüberwachung, Einschränkungen der persönlichen Freiheit und kaum politische Teilhabe. Doch die Versprechen können nicht mehr eingehalten werden, die Anzeichen für die Unzufriedenheit der Menschen nehmen zu. Ein Krieg gegen Taiwan, unterfüttert mit der passenden Propaganda, könnte geeignet sein, von den innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken. Diese Logik ist nicht neu und war in der Vergangenheit immer wieder ein Auslöser für einen Krieg. Sollte China tatsächlich Taiwan angreifen und das Land einnehmen, "hätten die Amerikaner ihren Status als Supermacht verloren und Peking könnte mühelos noch weitere Gebiete in Südostasien erobern oder unter seine Kontrolle bringen". Die Welt, wie wir sie kennen, wäre eine andere.

Herrmann macht sich Gedanken über das Drohpotenzial von Atomwaffen und die Risiken, die ein atomarer Angriff für die Angegriffenen und Angreifer hätte und erläutert, was es mit "schmutzigen Bomben" auf sich hat. Doch trotz dieser gefühlt großen Bedrohung sagt sie: "Die Wirkungsmacht dieser ökonomischen Waffen [Anm.: Sanktionen, Blockaden, Finanzmarkt-Manipulationen, Zurückhalten wichtiger Rohstoffe] entscheidet, wie viel Militär in einem Krieg noch gebraucht wird." 

Nach Ansicht von Ulrike Herrmann führt kein Weg an der Aufrüstung Europas vorbei. Diese Entwicklung wird ihrer Meinung nach zu einem geänderten Selbstverständnis der EU führen: "[...], diese Militärausgaben werden die EU für immer verändern: Europa ist auf dem Weg, zu einem echten Staat zu werden. Heute ist die EU eine Union selbstständiger Länder, künftig wird sie sich zu einer Art Föderalstaat entwickeln, in dem die einzelnen Nationen zwar noch formal eigenständig sind - aber sehr eng kooperieren."

Lesen?

Geld als Waffe gibt einen sehr guten Überblick, was unter einer sog. Kriegswirtschaft zu verstehen ist. Herrmann verbindet die aktuellen Schlagzeilen mit historischen Betrachtungen und macht immer wieder Exkurse zu praktischen Fragen, die sich in einem Krieg stellen: Wie können Fabriken weiterarbeiten? Woher kommen die Vorprodukte? Und was passiert, wenn diese Systeme zusammenbrechen?

Zum Verständnis von Herrmanns Erläuterungen sind spezielle wirtschaftswissenschaftliche Vorkenntnisse nicht nötig. Das Buch fügt sich in die aktuelle Debatte über Resilienz, Verteidigungsausgaben und die damit zusammenhängenden Zielkonflikte ein, die entstehen, wenn Sicherheit sowohl als militärisches als auch wirtschaftliches Projekt erkannt wird.

Ulrike Herrmanns Ausblick hat trotz der Düsternis des Themas einen positiven Grundtenor: "Putin wollte Europa spalten, doch dürfte er das Gegenteil erreichen und den Kontinent einen. Europa wird stärker, nicht schwächer."

Geld als Waffe ist 2026 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 25 Euro sowie als E-Book 22,99 Euro.