Posts mit dem Label lesen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label lesen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 11. Oktober 2026

# 518 - Das Ende des Lesens?

In Deutschland und der Schweiz können 20 Prozent
der Menschen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren zusammenhängende Texte nicht sicher verstehen. In Österreich sind es sogar 27 Prozent in dieser Altersgruppe1, in Großbritannien immerhin noch 18 Prozent. Nur 31 Prozent der Deutschen lesen noch gedruckte Bücher.2

Ob dem britischen Journalisten James Marriott alle Zahlen bekannt sind, darf bezweifelt werden, er wird die Zahl für sein Heimatland aber sicher kennen. Möglicherweise gab sie den Anstoß für sein Buch Das Ende des Lesens.

Das Ende des Lesens? Klingt das nicht nach Fatalismus und Leseuntergangsstimmung? Während dieser Text entsteht, geht mit der Frankfurter Buchmesse 2026 die größte Buchmesse der Welt zu Ende. Wie jedes Jahr werden sich Tausende Buchfans durch die mit Neuveröffentlichungen prall gefüllten Hallen geschoben haben. Im letzten Jahr waren 240.000 Besucherinnen und Besucher dort, die Hälfte davon privat. Das klingt nicht nach einem Dahinsiechen der Printmedien - oder?

Marriott erklärt anhand der Geschichte des Lesens, welche fundamentalen Umwälzungen diese Fähigkeit mit sich gebracht hat. Er zeichnet den Weg von den mittelalterlichen Skriptorien über die Erfindung des Buchdrucks bis zu unseren digitalen Endgeräten nach, mit deren Hilfe wir heute viele Informationen und Unterhaltung bekommen. Im 18. Jahrhundert war die Lesefähigkeit der Schlüssel zur Demokratie; davon ist nicht mehr viel übrig. 

Im 21. Jahrhundert nehmen wir meistens gar nicht wahr, wie wir von den unterschiedlichsten Texten überflutet werden. Bedruckte Verpackungen, Hinweis- und Werbeschilder, aufploppende (Kurz-)Nachrichten: Ständig begegnen uns in unserem Alltag kurze und längere Texte, die mithilfe unterschiedlicher Medien vermittelt werden.

Doch das ist nicht das, was für James Marriott relevant ist. Er beklagt den Rückgang der Fähigkeit, längere und komplexere Texte sinnerfassend zu lesen. Konkret: das Lesen von Büchern. Mit diesem Rückgang geht die wachsende Unfähigkeit einher, lange und sinnvolle Texte zu schreiben, die über den Umfang eines Einkaufszettels hinausgehen. Wann haben wir per Hand zum letzten Mal einen Brief geschrieben? Man muss das Briefeschreiben sicher nicht so ausufernd betreiben wie der deutsche Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz: Er hatte über eintausend Briefpartnerinnen und -partner, mit denen er sich auf Deutsch oder Latein austauschte. Marriott stellt fest, dass allein der Briefverkehr zwischen Leibniz und Voltaire sowie Benjamin Franklin jeweils mehrere Zehntausend Briefe umfasste. Das war schon damals nicht zeitgemäß.

Die Gemeinsamkeit zwischen dem Schreiben eines Briefs und dem Lesen eines Buches macht deutlich, worum es Marriott im Kern geht: Immer mehr Menschen beschäftigen sich nicht mehr vertieft mit Texten. Geschriebenes wird nur noch überflogen, aber nicht mehr hinterfragt oder in einen Zusammenhang gebracht. Das erschwert, eigene Standpunkte zu entwickeln und sich eine fundierte Meinung zu bilden. Doch wann hat diese Entwicklung begonnen? Marriott verortet nicht erst die massenhafte Verbreitung durch Internetangebote als Auslöser für die mangelnde Lese- und Schreibkompetenz, sondern setzt schon deutlich früher an: beim Siegeszug des Fernsehens. Denn: Mehr Fernsehzeit bedeutet weniger Lesezeit.

Und was ist daran so problematisch? Unter dem Hinweis auf den früheren Gewerkschaftsführer John Brophy (1883-1963) sowie den britischen Politiker John Robert Clynes (1869-1949) stellt Marriott fest:
"Im Zeitalter der Bildschirme kehrt die Ungleichheit zurück, die wir für gebannt hielten. Einer zunehmend gespaltenen, polarisierten und schlecht informierten Öffentlichkeit fehlt es an den nötigen Informationen, um die verantwortlichen Personen zur Rechenschaft zu ziehen. Heute laufen allzu viele von uns Gefahr, zur Beute von politischen Betrügern und Schurken zu werden."

Lesen?

Das Lesen gehört zu den anspruchsvollsten kognitiven Fähigkeiten. Marriott hat recht, wenn er sagt, dass sich komplexere Inhalte nicht in vollem Umfang erfassen lassen, wenn diese Fähigkeit verkümmert, weil wir uns von YouTube, Social Media-Plattformen oder Messengerdiensten nur noch berieseln lassen. Lesen zu können bedeutet auch, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Wer verschiedene Textarten erfassen und politischen Diskussionen folgen kann, weiß, wie eine Gesellschaft funktioniert und wie man sich gegen Fehlentwicklungen wehren kann.

Ganz nebenbei verbessert das Lesen die Abstraktionsfähigkeit und die Gedächtnisleistung. Wem das noch nicht reicht: Es macht auch Spaß.

James Marriott ist ein überzeugender und interessanter Überblick über die Entwicklung des Lesens gelungen. Dahinter verblasst, dass er Behauptungen an manchen Stellen nicht näher ausführt, sondern sie ohne weitere Erläuterung stehen lässt.

Das Ende des Lesens ist im Oktober 2026 im DuMont Buchverlag erschienen und kostet als gebundene Ausgabe (mit Lesebändchen) 20 Euro, als E-Book 14,99 Euro.





 1: Studie vergleicht Entwicklung geringer Schreib- und Lesekompetenz in Deutschland, Österreich und der Schweiz : Newsroom : Universität Hamburg

2: Statista Consumer Insights

Montag, 20. Januar 2025

# 463 - Tödlicher Wackelkontakt

Mit Wackelkontakt ist dem österreichischen Schriftsteller Wolf Haas ein ungewöhnlicher Roman gelungen. Das Ungewöhnliche: Ohne das Lesen eines bestimmten Buches käme die Handlung nicht voran.

Elio Russo ist ein Verräter. Der junge Mafioso aus Südkalabrien sitzt im Knast und wartet darauf, freigelassen zu werden. Er hat als Kronzeuge kurz zuvor siebenundzwanzig hochrangige Mitglieder der 'Ndrangheta verraten. Im Gegenzug wurde ihm eine neue Identität versprochen, um in Deutschland neu anfangen zu können.

Der leidlich erfolgreiche Trauerredner Franz Escher wartet in seiner Wohnung in Wien auf den Elektriker. Eine Steckdose in seiner Küche hat einen Wackelkontakt, der nun behoben werden soll. Der alleinstehende Escher hat zwei Leidenschaften: anspruchsvolle Puzzles - gern mit Motiven seines Namensvetters M. C. Escher - und das Lesen von Mafia-Romanen. Die Wartezeit auf den Handwerker zieht sich hin, deshalb beginnt Escher, ein neues Buch zu lesen. Es handelt von dem jungen Kriminellen Elio Russo aus Südkalabrien, der siebenundzwanzig hochrangige Mafiosi verraten hat und eine neue Identität bekommen wird. 

Elio Russo vertreibt sich im Gefängnis das Warten mit dem Lesen eines Buches, das er von seinem deutschen Zellennachbarn bekommen hat. Es geht um einen Mann namens Franz Escher, der zu Hause auf den Elektriker wartet. Als der Handwerker die defekte Steckdose repariert, kommt er ums Leben. Escher wird verzögert klar, dass dieser Tod seine Schuld ist. 

Wolf Haas verwebt zwei Handlungsstränge, die jedoch nicht unbedingt zeitlich parallel verlaufen. Die Leben zweier Männer, die einander nicht kennen und nichts gemeinsam haben, laufen trotzdem aufeinander zu. Das ist umso erstaunlicher, wenn man registriert, dass die Handlung im Leben des Franz Escher nur wenige Tage abdeckt, im Leben von Elio Russo, der nach einem vorgetäuschten Suizid zu Marko Steiner wird, jedoch viele Jahre vergehen.
Das von Escher gelesene Buch bleibt bei ihm, während Steiners Exemplar in andere Hände gerät und die Lesenden wie dieser den Fortgang der Ereignisse er-lesen. 
Letztlich wird die Handlung von Eschers Vorstellung vom Lauf der Zeit bestimmt. Wolf Haas lässt seinen Protagonisten diese Sätze sagen, die dessen Sichtweise auf den Punkt bringen: "Wir haben sowieso eine falsche Vorstellung von der Zeit. Unsere Vorstellung ist zu linear. Wir glauben, es geht in eine Richtung. Man muss es sich aber wie eine Schleife vorstellen."

Lesen?

Wackelkontakt ist ein sehr unterhaltsames Spiel mit der Zeit. Die Anspielungen auf den Künstler M. C. Escher und seine besonderen Werke sowie die Verschränkungen der Handlung machen das Buch zu etwas Besonderem. 

Der deutsche Schriftsteller Daniel Kehlmann hat im Dezember 2024 gegenüber dem Deutschlandfunk diesen passenden Kommentar abgegeben: "Ich bin sehr neidisch auf diese Grundidee. Ich denke mir, man, die hätte ich gerne gehabt, aber ich hatte sie nicht, was soll man machen."

Wackelkontakt ist 2024 im Carl Hanser Verlag erschienen und kostet 25 Euro sowie als E-Book 18,99 Euro.

Freitag, 13. Januar 2023

# 377 - In 80 Büchern um die Welt?

Vermutlich soll der Buchtitel In 80 Büchern um die Welt auf Jule Vernes Werk In 80 Tagen um die Welt anspielen. Doch während Phileas Fogg sein Ziel, einmal um die Welt zu reisen, tatsächlich haarscharf nach 80 Tagen erreichte, verfehlt dieses Buch das gesetzte Ziel knapp: In 78 kurzen zwei- bis sechsseitigen Texten stellen 55 literarische Fachfrauen und -männer Bücher der Weltliteratur vor, die sich mit dem Reisen über kurze oder sehr lange Distanzen beschäftigen.

Es geht allerdings nicht nur um Reisen, die zum Spaß gemacht werden. Das vom britischen Literaturprofessor John Sutherland herausgegebene Buch greift auch Werke auf, in denen es um Migration, Flucht und höchste Not geht. In 80 Büchern um die Welt ist in vier Abschnitte aufgeteilt, die die Beiträge chronologisch sortieren. Es beginnt mit der Vorstellung von Homers Odyssee (725-675 v. Chr.), setzt sich fort mit Laura in der Prärie von Laura Ingalls Wilder (1935) oder John Steinbecks Früchte des Zorns (1939), beschreibt Lolita von Vladimir Nabokov (1955) und endet im letzten Kapitel mit Lincoln Highway von Amor Towles (2021).

Warum gerade diese 55 Titel ausgewählt wurden, bleibt etwas im Dunklen. Zwar erläutert der Lektor John McMurtrie in der Einleitung, welche "drei Kriterien maßgeblich" gewesen seien - "Erstens muss es sich um ein literarisches Werk handeln [...]; zweitens sollte jedes Buch eine Reise enthalten, die zu realen und nicht imaginären Orten führt [...]" -, das dritte Kriterium bleibt er jedoch schuldig. 
Trotzdem ist die Auswahl eine gute Mischung aus Bekanntem und (fast) Unbekanntem, sodass die kurzen Texte zum Lesen der vollständigen Romane einladen.

Ein Highlight sind die zahlreichen Illustrationen: Fotos, historische Karten oder Zeichnungen geben einen guten Eindruck davon, in welchem zeitlichen Kontext die jeweiligen Bücher erschienen sind.

Lesen?

In 80 Büchern um die Welt ist ein sehr gutes Buch zum Schmökern: Es erinnert an Romane, die man vor vielen Jahren gelesen und nur noch undeutlich in Erinnerung hat und gibt Hinweise auf Titel, die man sich noch vornehmen kann. Die Illustrationen runden den positiven Bucheindruck ab.
Sehr schade ist allerdings, dass Autorinnen deutlich unterrepräsentiert sind. Unter den sechs "Tipps zum Weiterlesen" finden sich dann leider nur noch Autoren.

Hinweis: Diese Ausgabe hat keine Ähnlichkeit mit dem gleichnamigen Buch, das 2011 im Thiele & Brandstätter Verlag veröffentlicht wurde und nur noch antiquarisch erhältlich ist.

In 80 Büchern um die Welt ist 2022 im Hirzel Verlag erschienen und kostet 29 Euro.

Freitag, 28. Oktober 2022

Frankfurter Buchmesse 2022 - ein Rückblick auf spannende Tage

Anstelle einer Rezension erzähle ich heute von
meinem Besuch auf der Frankfurter Buchmesse 2022. Mit meiner Begleiterin bin ich vom 19. bis zum 21. Oktober durch die Messehallen gestreift. Hat es sich gelohnt?

Eines vorweg: An die Zahlen "vor Corona", also aus dem Jahr 2019, kam die Buchmesse nicht heran. Weniger Aussteller, freie Flächen in den Hallen und weniger Besucher sind für die Einnahmen der Frankfurter Buchmesse GmbH nicht günstig, für die Besucherinnen und Besucher ist der Aufenthalt aber wesentlich entspannter. Wer auf der Buchmesse 2019 gewesen ist (Stichwort: Messesamstag, Halle 3.0), weiß, was ich meine.

Auf der Agora sah man sofort, welches Land in diesem Jahr der Ehrengast war: Spanien. Das weltbekannte Museo del Prado aus Madrid hatte dort seine Wanderausstellung La Prado en las calles (Der Prado in den Straßen) aufgebaut, die schon in zahlreichen Städten wie z. B. Havanna, Guatemala-Stadt oder Manila sowie mehreren spanischen Städten zu sehen war. Dabei wurden die wichtigsten Meisterwerke des Museums als Reproduktionen in Originalgröße gezeigt. Das hat natürlich nichts mit Büchern zu tun, ist aber ein schöner Einstieg, um das Land kulturell besser kennenzulernen.

In Halle 3.0 zogen vor allem die Stände der größeren Verlagshäuser die Interessenten an. Uns auch. Aber ich will hier nicht auf einzelne Bücher verweisen, die mir ins Auge gefallen sind, dann würde der Text zu lang werden. Es soll hier mehr um die Besonderheiten gehen, die mir besonders gefallen haben. 

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich vor dieser Messe noch nie von der Stiftung Illustration mit dem Bilderbuchmuseum Troisdorf gehört hatte. Die Stiftung wurde 2005 von den Städten Troisburg und Siegburg gegründet und will die Illustrationskunst fördern. Das Bilderbuchmuseum ist europaweit das einzige dieser Art. Es verfügt über Sammlungen mehrerer Illustratorinnen und Illustratoren und veranstaltet Ausstellungen. Am Stand wurden einige Illustrationen gezeigt, und den anwesenden Mitarbeiterinnen war die Freude an ihrer Tätigkeit anzumerken.

Ebenfalls in Halle 3.0 wurden wir fast überfallartig von einer Frau angesprochen, die um Aufmerksamkeit für die mittlerweile zehn Bücher ihres Mannes aus dem Spica-Verlag warb. Sie trug uns die Inhalte aller Mystery Thriller vor, die ihr Mann bislang veröffentlicht hatte. Schon das war beeindruckend, aber ihr Engagement war es noch mehr. Mit diesem starken Rückhalt kann nichts mehr schiefgehen, oder? Danke Frau Roth für das sehr nette Gespräch.

In Halle 3.1 haben wir bei der Bundeszentrale für politische Bildung einen Stopp eingelegt. Dort waren alle aktuellen Publikationen zur Ansicht ausgelegt. Wer sich für Politik und Geschichte interessiert, ist dort genau richtig. Wer nicht, sollte sich beim nächsten Mal trotzdem dort umschauen und bei den spannenden Titeln "Feuer fangen".

Ein paar Meter weiter war der Stand des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. Ich glaube, dass die wenigsten Menschen, die dort schauten, dies taten, um sich zu informieren. Dazu hätten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vielleicht etwas offensiver sein und auf die Menschen aktiv zugehen müssen. Viele, die dort stoppten, griffen nach einem der Give-Aways und zogen weiter. Wie vielen Leuten ist die tolle Außenwand des Standtresens aufgefallen? Ich habe die Bepflanzung erst wahrgenommen, als ich unmittelbar davor stand und mir der Geruch von Basilikum in die Nase stieg. Die ganze Seite ist mit Kräutertöpfen bestückt gewesen, die jeden Abend gegossen wurden. Der Herr links äußerte die Hoffnung, dass die Kräuter nach der Messe nicht vernichtet, sondern genutzt werden.

Im selben Gang hatte der Diogenes Verlag seinen Stand. Dort habe ich mir ein Buch angesehen, von dem ich schon begeisterte Rezensionen gelesen hatte: Papyrus von der spanischen Autorin Irene Vallejo. Es geht um die Geschichte der Bücher und darum, wann der Mensch mit dem Lesen begann und welche Entwicklung dadurch ausgelöst wurde. Der Titel liest sich nicht wie ein trockenes Geschichtsbuch, sondern wie ein spannender Roman. Ich musste mich förmlich von diesem Buch losreißen.
Dort waren auch zwei Promis anwesend: Die Krimiautorin Donna Leon und der Literaturkritiker Denis Scheck. Besonders spannend war daran aber eher nichts.

Der Besuch beim Polar Verlag durfte auf keinen Fall fehlen. Völlig zu Recht bezeichnet er sich als "DER Verlag für anspruchsvolle Kriminalromane". Den Kontakt zwischen uns gibt es bereits seit einigen Jahren und ich freue mich sehr, dass der Verlag die letzten schwierigen Jahre gut überstanden hat und sich seine Fans auf viele weitere spannende Pageturner freuen können. Die Rezensionsexemplare, die mir von Frau Kuhlmann überreicht wurden, sind Pickard County von Chris Harding Thornton und Pleasantville von Attica Locke, das am 15. November 2022 auf den Markt kommt. In meinem Bücherregal stehen bereits etliche Polar-Krimis, und ich könnte jeden empfehlen.

Die Austeller in Halle 4.0 kamen mehrheitlich aus Nord- oder Osteuropa sowie aus arabischen Ländern. Die meisten hatten Literatur in ihren Heimatsprachen ausgelegt, was für uns eher uninteressant war.

Sehr interessant hingegen war das Gespräch mit Margarita Stein, der Geschäftsführerin der Anthea Verlagsgruppe aus Berlin. Der Verlag veröffentlicht Titel aus den Bereichen Lyrik, Belletristik und Zeitgeschichte und kann von sich sagen, das Werk eines Literaturpreisträgers in seinem Programm zu haben: 2021 gewann der bulgarische Autor Georgi Bărdarov mit seinem Roman Absolvo Te den Literaturpreis der Europäischen Union. Ich habe mich sehr gefreut, als er zufällig zum Anthea-Stand kam und mir ein Rezensionsexemplar signiert hat. Das Buch werde ich demnächst hier vorstellen.

Frau Stein empfahl noch ein weiteres Buch aus ihrem Programm: In ihrem biografischen Roman Glut im Eis hat Inge Ruth Marcus sich dem bewegten Leben ihrer Großeltern gewidmet, das von Flucht geprägt war. Die Lebenslinien von vier Generationen wurden davon beeinflusst, dass sich immer wieder politische Verhältnisse änderten und die Familie nur deshalb ihr Leben retten konnte, weil sie in einem (weiteren) fremden Land eine neue Heimat suchte. 

Wer sich im Bildungsbereich umsehen wollte, war in Halle 4.2 richtig. Wissenschaftsverlage und Universitäten zeigten dort ihr Repertoire. Das war interessant, aber hier reichte ein grober Überblick.


Völlig klar, dass ein Besuch im Forum, wo der Ehrengast Spanien seine Sonderausstellung zeigte, nicht fehlen durfte. Das Motto lautete "Creatividad Desbordante", was mit "Sprühende Kreativität" übersetzt werden kann. Diese sprühende Kreativität hat sich vor allem in technischen Dingen gezeigt: Aus in Mikrofone gesprochenen Wörtern wurden bunte Farbbilder, die auf Standbildschirmen zu sehen waren; ein Drucker stellte Geschriebenes in Brailleschrift dar; ein mechanischer Arm schrieb
 live ein Universal Poem, ein von der Menschheit geschriebenes Gedicht; auf einer Installation aus Glasscheiben und Licht stand ein Gedicht, das einer Paula Romero gewidmet war.
In einem Teil des Raums waren weiße, mit spanischen Wörtern bedruckte Stoffbahnen aufgehängt worden, die sich bei jedem Luftzug leicht bewegten. Nicht zuletzt hatte der Ehrengast an einer der Wände eine hohe geschwungene Bücherwand aufgestellt, wo überwiegend spanischsprachige Titel, aber auch Übersetzungen gezeigt wurden. Davor war eine Landschaft aus Sitzschläuchen aufgebaut worden. Vieles war zwar schön anzusehen, aber mir hat der besondere Bezug zu Spanien und die Vermittlung des dortigen Lebensgefühls gefehlt. Die Exponate hätten nach einem Sprachenaustausch von jedem beliebigen anderen Land stammen können. In der Vergangenheit hat es Ausstellungen von Ehrengästen gegeben, denen es besser gelungen war, eine Brücke zu ihrer Heimat zu schlagen.




Zum guten Schluss stand ein Besuch in Halle 6 an.
Ausschnitt Stand der chin. Regierung

Hier waren internationale Verlage vertreten. China war mit großen Ständen sehr präsent. Ein Stand wurde von der chinesischen Regierung betrieben, zwei weitere von chinesischen (unabhängigen?) Verlagen. Was nicht fehlen durfte, war der 4-teilige Bestseller des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping China regieren. Er wurde auf dem Regierungsstand von weiteren hilfreichen Büchern Xis sowie Titeln, die die Großartigkeit des Reichs der Mitte verdeutlichten, eingerahmt. Xis Buch gibt es selbstverständlich in etlichen weiteren Sprachen.
Auffällig war das völlige Fehlen von Belletristik oder Lyrik. Das Buchangebot beschränkte sich auf Titel, die - sagen wir mal - "hilfreich" waren. 

Interessant war auch, dass die asiatischen Verlage (abzüglich China) einen Schwerpunkt auf Kinderbücher gelegt hatten. Im Gegensatz zu deutschen Exemplaren hatten diese Bücher kreischbunte Cover, die in Deutschland vermutlich viele Eltern eher davon abhalten würden, solch ein Buch zu kaufen.
Ich zeige hier einige allgemeine Impressionen aus der Halle, um einen Eindruck zu vermitteln:






Dem Aufruf, der am Eingang zum Forum angebracht war, schließe ich mich an und beende damit meinen Bericht von der Frankfurter Buchmesse 2022. Wenn es geht, werde ich im nächsten Jahr wieder dort sein. Aber wer weiß schon, was in einem Jahr ist.


Nachtrag: Viele werden wissen, dass ich mein Leben auf "drei Beinen" verbringe. In einigen Tagen werde ich in meinem anderen Blog Das tägliche Gruseln darüber schreiben, wie mir die Frankfurter Buchmesse aus meiner Perspektive als behinderte Besucherin gefallen hat. Wenn es soweit ist, werde ich das bei Twitter und Instagram veröffentlichen.
Nachtrag 2: Eben habe ich den Blogtext auf Das tägliche Gruseln veröffentlicht. Schaut vorbei!

Mittwoch, 8. April 2020

# 235 - Arabische Sprichwörter von Frauen zusammengetragen

Bei diesem Buch ist es schwer zu entscheiden, ob die
schönen Grafiken und Kalligrafien oder die Sprichwörter im Mittelpunkt stehen. Für Marokkanische Sprichwörter hat der Donata Kinzelbach Verlag beides zu einer perfekten Auswahl zusammengefügt.

Dieses Buch hat eine ungewöhnliche Vorgeschichte. Einige Frauen, die in Marokko unter problematischen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen lebten, hatten sich zu einem Alphabetisierungskurs entschlossen. Sie wollten eigenständiger werden, selbst Busfahrpläne lesen können und ihre Kinder bei den Hausaufgaben unterstützen. Der Alphabetisierungskurs wurde von der Zakoura-Stiftung durchgeführt. Die private Stiftung wurde 1997 gegründet und fördert die Bildung von Kindern, die Ausbildung junger Menschen und die Eigenständigkeit von Frauen. Sie war die erste Organisation in Marokko, die an Frauen Mikrokredite vergab, ähnlich wie die Grameen-Bank in Indien.

Die Kursteilnehmerinnen wurden gebeten, Sprichwörter aufzuschreiben, die in ihnen besondere Gefühle auslösen oder in ihren Familien benutzt werden. Sie sammelten Sprichwörter, die ihnen gefielen oder über die sie sich ärgerten. Die Sätze wurden anschließend nach den Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder zueinander geordnet.

Parallel zu dieser Aktion wurde in 15 Dörfern, die über ganz Marokko verteilt waren, ein Kalligrafie-Wettbewerb ausgelobt. Es galt, das Dorf zu finden, in dem die meisten künstlerisch begabten Frauen lebten. Die arabische Kalligrafie zählt als Kunstform und ist im Islam entstanden. Sie gilt als die ästhetische Seite der islamischen Religion. Es wird oft behauptet, die arabische Kalligrafie sei wegen des islamischen Bilderverbots entstanden. Doch ob von einem Bilderverbot überhaupt die Rede sein kann, ist selbst unter Fachleuten umstritten. 

Es ist hilfreich, das zu wissen, bevor man sich diesem Buch zuwendet. Wie schön es aufgemacht ist, zeigen diese Bilder. Es geht los mit Sprichwörtern, die Ehemänner über Frauen sagen:

 "Wenn man Frauen die Geschäfte lenken lässt, so ist das, als ließe man dem Maultier die Zügel los." Da muss man nicht lange raten, in welche Kategorie dieser Satz aus der Sicht der Frauen fällt. Glücklicherweise haben sich viele Marokkanerinnen mithilfe der Zakoura-Stiftung auf den Weg gemacht.
Der zweite Spruch fällt milder aus: "Der Stock ist nur dann dein Freund, wenn er dich beim Überqueren des Flusses stützt."


Hier ist ein Auszug aus dem Kapitel, in dem es um Sprichwörter geht, die Frauen missfallen. Mit diesem geht es los: "Eine Frau und eine Eselin behandle nicht als Gäste, sondern sorge dafür, dass sie sich an die Arbeit machen." Als Frau hebt man bei solchen Worten mindestens missbilligend die Augenbrauen - um sich dann daran zu erinnern, dass diese Haltung weit verbreitet war, auch im christlichen Raum. Allerdings wurde das nicht so deutlich formuliert.
"Wer seinen Kopf in den Trog steckt, riskiert Schnabelhiebe abzubekommen", heißt der zweite Satz auf der Seite.



Und hier kommen zwei der Lieblingssprichwörter der Frauen: "Wer mich liebt, liebt mich wie ich bin, nicht nur, wenn ich geschminkt bin, sondern sogar dann, wenn ich mit Ruß verschmiert bin." Das wünscht sich wohl jede(r).
Es geht weiter mit diesem Sprichwort: "Wer nicht sein Leid zum Ausdruck bringt, der ist schlecht beraten - und zwar vom Satan selbst." Oder um es europäisch kurz zu sagen: Lass es raus.

Marokkanische Sprichwörter ist ein Buch für die Seele: Manche Sprichwörter machen nachdenklich, andere amüsieren. Die Illustrationen mit ihren Kalligrafien versetzen die Leser gedanklich in den Orient. Eine Auszeit, die vielen gerade jetzt in der Zeit von Covid-19 willkommen sein dürfte.



Marokkanische Sprichwörter ist 2011 erschienen und für 24 Euro direkt beim Verlag Donata Kinzelbach oder bei jedem örtlichen Buchhändler erhältlich. 

Diese Frauen haben an dem Alphabetisierungskurs der Zakoura-Stiftung teilgenommen:

Samstag, 7. März 2020

Nichts los in Leipzig? Die Absage der Buchmesse bringt einiges durcheinander

Ausnahmsweise schreibe ich diesmal nicht über ein Buch, sondern über ein ausgefallenes Großereignis: die Leipziger Buchmesse. Vom 12. bis zum 15. März 2020 sollte sie gehen. Viele Buchfans hatten sich auf die Messe gefreut, Verlage sich einen Umsatzschub erhofft. Insbesondere für die kleineren von ihnen ist die Absage bitter. Aber dann kam das, was in den Medien undeutlich als "das Corona-Virus" bezeichnet wird, als gäbe es nur eines davon.Nun heißt das Virus offiziell "SARS-CoV 2" und die von ihm verursachte Krankheit "Covid-19". Hier steht ein bisschen mehr darüber.

Mittlerweile sind die Menschen aufgrund des medialen Trommelfeuers so verunsichert, dass Hamsterkäufe getätigt werden. Handseife ist genau wie Toilettenpapier, Nudeln oder Lebensmittel in Dosen so begehrt, dass die Regale in manchen Supermärkten große Lücken aufweisen. Apotheker haben oft kein Desinfektionsmittel mehr. Mir wurde sogar erzählt, dass es Leute gibt, die sich auf Krankenhausfluren herumdrücken und sich dort beim Toilettenpapier und dem Handdesinfektionsmittel bedienen. Ziemlich erbärmlich ist das, was manche da abliefern, kaum, dass ihnen ein kleines Krisenlüftchen um die Nase weht. Man mag sich kaum vorstellen, was passiert, wenn wir irgandwann mal eine echte Krise haben sollten.

Wegen Covid-19 wurde neun Tage vor ihrem geplanten Start die Leipziger Buchmesse abgesagt. Zum Zeitpunkt der Absage war ich zufällig in Leipzig und habe mir die Stadt angesehen. Wer Leipzig besser kennt, dem sagt wahrscheinlich die "Runde Ecke" etwas. Das ist eine Gedenkstätte in der Innenstadt, die anhand von Originalexponaten zeigt, wie die Stasi es geschafft hat, die Bevölkerung zu überwachen, zu unterdrücken und einzuschüchtern. Sehr interessant, der Besuch lohnt sich. Die Gedenkstätte befindet sich in den Räumen der Stasi-Bezirksverwaltung, wo auch ein Büro oder eine Zelle für Untersuchungshäftlinge gezeigt werden.

Auf einem Tisch in der Nähe des Eingangs lag dieser Flyer. Die Gedenkstätte hatte für die Buchmesse ein eigenes umfangreiches Programm unter dem Motto "Leipzig liest" vorbereitet, das darin ausführlich vorgestellt wurde. Unter diesem Motto tun das zu jeder Buchmesse zahleiche Veranstalter außerhalb des Messegeländes. 

Für die ersten drei Messetage waren sechs bis sieben Termine für Lesungen vorgesehen, am letzten Tag sollte eine Matinee-Lesung stattfinden. So ein Programm auszuarbeiten, den Termin vorzubereiten etc. ist sehr aufwendig. Die Enttäuschung, dann alles vergeblich getan zu haben, muss beim Planungsteam riesengroß gewesen sein.

Doch gleich neben dem Flyer lag ein Informationsblatt. Mit seiner leuchtend gelben Farbe war es nicht zu übersehen. "Leipzig liest doch" war es übertitelt und teilte mit, dass alle Termine wie geplant stattfinden würden. Aus diesen Worten spricht eine "Jetzt erst recht"-Mentalität, der Wunsch, sich nicht so einfach unterkriegen zu lassen. Ich werde dann leider nicht mehr in Leipzig sein. Ich wünsche den Machern der "Runden Ecke" aber, dass ihre Veranstaltungsreihe ein Erfolg und ihre Mühe nicht vergeblich gewesen sein wird. Trotz Covid-19.

Dienstag, 22. Oktober 2019

Der dritte Tag auf der Frankfurter Buchmesse

[WERBUNG - unbezahlt, ohne Kenntnis der Beworbenen]

Der dritte Tag, Samstag, war für uns gleichzeitig der
Messe Frankfurt/M., Torhaus
letzte Messetag. Zum ersten Mal begann der Buchverkauf bereits heute und nicht erst am Sonntag.


An gefühlt jeder Ecke signierten Autoren ihre Bücher. Die Schlange der Menschen, die dafür anstanden, dass zum Beispiel Sebastian Fitzek seinen Namen in ihr Buch schreibt, war lang und länger. Auch andere Namen verfehlten nicht ihre Wirkung: Peter Wohlleben, Gaby Hauptmann, Ulrich Tukur oder der frisch gekürte Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Sebastião Salgado zeigten jedem, den es interessierte, dass sie in der Lage sind, mit einem Kugelschreiber umzugehen. Sie und im Laufe des Vormittags 36 weitere bekannte und weniger bekannte Autorinnen und Autoren haben in der Halle, in der auch die größten Publikumsverlage ihre Stände hatten, Besucher angezogen. Nachmittags dürfte die Zahl der Signierstunden ähnlich hoch gewesen sein.

Die Folge: Insbesondere diese Halle platzte aus allen Nähten. Zeitweise ging nichts mehr, und die Menschen kamen nur zentimeterweise voran. Oft war es nicht mehr möglich, zu den einzelnen Ständen zu kommen. Nach meinem Geschmack war das zu viel Kontakt.
Sobald wir konnten, haben wir diese Halle verlassen und uns die Stände der unabhängigen Verlage angesehen, die eine Etage höher ihre Programme vorstellten. Dort war es deutlich leerer. Ein Verleger kommentierte die drängende Enge im Erdgeschoss auf eine sehr spezielle Weise: Wenn es unten so voll sei, würden mehr Besucher zu ihnen nach oben gespült. Ich hoffe sehr, dass das nicht seine Wahrnehmung war: Dass die Leute sich gewissermaßen nach oben "verirren", um mal wieder durchzuatmen. 

Ich habe mich da umgesehen und kann sagen: Das haben die Aussteller dort nicht verdient. Die Etage bot eine große Bandbreite sehr unterschiedlicher Titel. Unabhängige Verlage sind häufig experimentierfreudiger und nehmen Bücher in ihr Programm auf, die die Publikumsverlage nicht mit der Zange anfassen würden. In diesen Verlagen steckt reichlich Herzblut; manche haben sich in einer Nische etabliert, andere sind weniger festgelegt.

Da gibt es beispielsweise Verlage, die sich auf Theater- oder Filmliteratur (Alexander Verlag), maghrebinische Titel (Donata Kinzelbach Verlag) oder internationale Krimis (Polar Verlag) spezialisiert haben. Irgendwo wird hier jeder fündig.

Und dann habe ich Bücher gesehen, bei denen ich mich gefragt habe, wie viele Käufer sich für sie finden werden. Eine Auswahl:

Die Geschichte der Zigarettenindustrie 1862 - 1945 heißt dieses Buch. Bei diesem Thema kann ich mir noch vorstellen, dass sich Interessenten finden.











Bei Kanaldeckel aus aller Welt fällt es mir schon schwerer zu glauben, dass sich hierfür viele Leser begeistern können. Aber es scheint ja einen Kreis von Menschen zu geben, für die Kanaldeckel das sind, was für andere Briefmarken oder Bücher sein können. Aber: Gibt es Leute, die Kanaldeckel sammeln?





Beim Anblick dieses Buches hatte ich auf den ersten Blick keine Vorstellung davon, was sich zwischen den Einbanddeckeln verbergen könnte. Bei dem Wort  Maubeschau hatte ich keinerlei Assoziationen. Der Untertitel ist auf diesem Foto schlecht zu erkennen, darum liefere ich hier den Link zum Buch:  https://maubeschau.de/
Wäret ihr von allein darauf gekommen?


Ich habe zum Schluss noch Gespräche mit Verlagen geführt, mit einem von ihnen zum ersten Mal. Das war sehr interessant, und ich freue mich schon darauf, sie bei einer der nächsten Messen wieder zu besuchen.

Das ist der letzte Beitrag über die Frankfurter Buchmesse 2019. Im Laufe der Woche wird es noch auf dem "Gruselblog" einen weiteren Text zum Thema 'Mobilität auf der Buchmesse' geben, was die An- und Abreise einschließt.

Sonntag, 18. August 2019

Online (fast) gratis eBooks ausleihen - wie geht das?

Vor ein paar Monaten bin ich auf eine Möglichkeit
gestoßen, so gut wie gratis ständig an neuen Lesestoff zu kommen. Mittlerweile weiß ich, dass es sie schon seit einigen Jahren gibt, aber ihr Angebot immer mehr ausgeweitet wurde. Die Rede ist von der onleihe. Um daran teilnehmen zu können, benötigt man ein internetfähiges Endgerät und einen Leseausweis einer öffentlichen Stadtbibliothek, die an diesem Service teilnimmt.

Die Stadtbibliothek meines Wohnortes stellt dieses Angebot leider nicht zur Verfügung, deshalb bin ich auf die Nachbarkommune ausgewichen. Dort habe ich eine einmalige Gebühr von 2,60 Euro bezahlt und den Hinweis bekommen, dass ich die Gültigkeit meines Leseausweises einmal pro Jahr telefonisch verlängern muss. Dafür fallen keine Kosten an. Das ist nicht überall so: Wie viel für einen Leseausweis und damit für die Teilnahme an der onleihe bezahlt werden muss, ist von Bibliothek zu Bibliothek unterschiedlich.

Über eine eigens eingerichtete Homepage melde ich mich mit der Nummer meines Leseausweises und einem Passwort an und habe dann Zugang zu E-Books, Videos, E-Papers und E-Magazines. Die Verfügbarkeit sowie die maximale Ausleihdauer werden direkt neben dem Medium angezeigt. Sofern eines davon nicht sofort verfügbar ist, besteht die Möglichkeit, sich per E-Mail informieren zu lassen, sobald es zurückgegeben wurde.

Die Rückgabe erfolgt automatisch nach dem Ablauf der Ausleihfrist. Deshalb fallen keine Säumnisgebühren an. Die Medien können beliebig oft ausgeliehen werden, gleichzeitig kann man zehn Medien nutzen. Im Informationsblatt, das mir mit dem Leihausweis ausgehändigt wurde, wurde darauf hingewiesen, dass die Medien dieser Bibliothek nicht mit Kindle-Geräten kompatibel sind. Ich weiß aber, dass das in den einzelnen Stadtbüchereien unterschiedlich gehandhabt wird. Auch die anfallenden Gebühren variieren und müssen vor Ort nachgefragt werden.

Auf mich hat die onleihe einen sehr guten Eindruck gemacht: Sie hat mich durch ihre unkomplizierte Handhabung, die gute Darstellung der Bücher (andere Medien habe ich noch nicht ausprobiert) und die unschlagbar günstigen Kosten überzeugt.
Aber beim Lesen bleibe ich trotzdem altmodisch: Mir ist ein richtiges Buch mit echten Seiten grundsätzlich lieber. Aber angesichts des geringen Gewichts und der besseren Handhabbarkeit ist ein E-Reader für unterwegs die bessere Wahl.