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Sonntag, 18. August 2019

Online (fast) gratis eBooks ausleihen - wie geht das?

Vor ein paar Monaten bin ich auf eine Möglichkeit
gestoßen, so gut wie gratis ständig an neuen Lesestoff zu kommen. Mittlerweile weiß ich, dass es sie schon seit einigen Jahren gibt, aber ihr Angebot immer mehr ausgeweitet wurde. Die Rede ist von der onleihe. Um daran teilnehmen zu können, benötigt man ein internetfähiges Endgerät und einen Leseausweis einer öffentlichen Stadtbibliothek, die an diesem Service teilnimmt.

Die Stadtbibliothek meines Wohnortes stellt dieses Angebot leider nicht zur Verfügung, deshalb bin ich auf die Nachbarkommune ausgewichen. Dort habe ich eine einmalige Gebühr von 2,60 Euro bezahlt und den Hinweis bekommen, dass ich die Gültigkeit meines Leseausweises einmal pro Jahr telefonisch verlängern muss. Dafür fallen keine Kosten an. Das ist nicht überall so: Wie viel für einen Leseausweis und damit für die Teilnahme an der onleihe bezahlt werden muss, ist von Bibliothek zu Bibliothek unterschiedlich.

Über eine eigens eingerichtete Homepage melde ich mich mit der Nummer meines Leseausweises und einem Passwort an und habe dann Zugang zu E-Books, Videos, E-Papers und E-Magazines. Die Verfügbarkeit sowie die maximale Ausleihdauer werden direkt neben dem Medium angezeigt. Sofern eines davon nicht sofort verfügbar ist, besteht die Möglichkeit, sich per E-Mail informieren zu lassen, sobald es zurückgegeben wurde.

Die Rückgabe erfolgt automatisch nach dem Ablauf der Ausleihfrist. Deshalb fallen keine Säumnisgebühren an. Die Medien können beliebig oft ausgeliehen werden, gleichzeitig kann man zehn Medien nutzen. Im Informationsblatt, das mir mit dem Leihausweis ausgehändigt wurde, wurde darauf hingewiesen, dass die Medien dieser Bibliothek nicht mit Kindle-Geräten kompatibel sind. Ich weiß aber, dass das in den einzelnen Stadtbüchereien unterschiedlich gehandhabt wird. Auch die anfallenden Gebühren variieren und müssen vor Ort nachgefragt werden.

Auf mich hat die onleihe einen sehr guten Eindruck gemacht: Sie hat mich durch ihre unkomplizierte Handhabung, die gute Darstellung der Bücher (andere Medien habe ich noch nicht ausprobiert) und die unschlagbar günstigen Kosten überzeugt.
Aber beim Lesen bleibe ich trotzdem altmodisch: Mir ist ein richtiges Buch mit echten Seiten grundsätzlich lieber. Aber angesichts des geringen Gewichts und der besseren Handhabbarkeit ist ein E-Reader für unterwegs die bessere Wahl.

Mittwoch, 29. August 2018

Ich war bei "meinem" Buchhändler - ein Suchtbericht

Habt Ihr ein Geschäft, in das ihr so richtig gern geht? In dem Ihr aufpassen müsst, nicht wieder mal viel mehr Geld auszugeben, als Ihr Euch vorgenommen habt? Bei mir ist das seit meiner Kindheit der Buchhändler an meinem Wohnort. In dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin, habe ich damals reichlich Taschengeld in das Geschäft geschleppt. "Aber es gibt doch auch Stadtbüchereien! Da kostet es doch (fast) nichts!". Stimmt, da war ich auch. Auch! Aber Bücher, die mir gefallen, möchte ich selbst haben. Ich bin da völlig irrational. 
Vor Kurzem war ich wieder mal in "meinem" Buchladen ganz in meiner Nähe. Ich hatte mir den Reader für die Longlist des Deutschen Buchpreises zurücklegen lassen und hatte einen Geschenkgutschein dabei. Gibt es etwas Besseres als dem Konsum frönen zu können, ohne selbst Geld ausgeben zu müssen? Dreimal nein! Dieses Glücksgefühl - und da übertreibe ich nicht - wird bei mir nur inmitten von Büchern ausgelöst.

Deshalb beobachte ich mit Sorge das langsame Sterben des stationären Buchhandels. "Aber im Internet zu bestellen ist doch so bequem", höre ich da den ersten leisen Protest. Ja, ist es. Aber es gibt mittlerweile Angebote, die es möglich machen, im Internet zu bestellen und sich das Buch dann beim Buchhändler abzuholen oder es über ihn bringen zu lassen. Wenn ich weiß, was ich will, schreibe ich "meinem" Buchhändler eine E-Mail und er meldet sich, wenn meine Bestellung im Laden ist. Wenn es Probleme gibt, also z. B. ein Buch vergriffen ist, wird diese Information mit allem, was dazugehört (Wann ist das Buch wieder erhältlich? Welche Alternativen gibt es?) ebenfalls elektronisch ausgetauscht. 
Wenn ich nur ganz ungefähr weiß, wonach ich suche, gehe ich in den Laden und lasse mich beraten. Bei Büchern, die ich verschenken will, hat mein Buchhändler noch nie danebengelegen. Und: Wenn der Beschenkte das Buch schon hat, kann ich es im Laden zurückgeben und ein anderes mitnehmen. Ich gehe immer in denselben Laden. Man kennt mich dort, weiß, was ich gern lese, und ich habe schon mal den Händler in meiner Ratlosigkeit um Hilfe gebeten: "Sie kennen doch Frau XY, eine Freundin von mir. Können Sie mir einen Tipp geben, was ihr gefallen könnte?" Konnte er, meine Freundin hat sich über die Auswahl gefreut.

Eigentlich wollte ich einen Buch-Sucht-Text schreiben, jetzt ist es während des Tippens doch ein Plädoyer für den
örtlichen Buchhandel geworden. Ich habe eine Grafik des Portals Statista gesehen, aus der hervorging, dass die Zahl der Buch-Einzelhändler zwischen 2006 und 2016 von etwas mehr als 5.000 auf nicht ganz 3.700 zurückgegangen ist. Zum Teil sind Buchhändler auch selbst schuld: Wer sich nur hinter seinen Tresen stellt, den Kopf einzieht und hofft, dass das Schlimmste an ihm vorüber geht, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Nur vom Weihnachts- und Schulbuchgeschäft kann ein Buchhändler auch dann nicht leben, wenn er an Mitarbeitern spart. Bei "meinem" Buchhändler sehe ich über die letzten Jahre hinweg die Zeichen des schleichenden Niedergangs: Die Außenbeleuchtung, auf der der Geschäftsname steht, wird nicht mehr angeschaltet, das Lesesofa hat seine besten Tage hinter sich (was mit einem Überwurf kaschiert wird), der Laden wird von Montag bis Samstag pünktlich geöffnet und geschlossen, von Sonderaktionen habe ich nichts bemerkt und die letzte Lesung, von der ich weiß, war im November 2017, als einer unserer Ratsherren seinen zweiten Krimi vorstellte. 

Sollte es eines Tages Geld vom Himmel regnen oder ich doch noch mal den Eurojackpot knacken, werde ich dieses Trauerspiel aufhalten. Bis dahin bleibe ich treue Kundin und hoffe, dass andere es ebenfalls bleiben. Damit das Sterben der Buchhandlungen, das die USA erfasst hat und weswegen es ganze Landstriche ohne einen einzigen Buchhändler gibt, nicht auch hier derart gravierende Folgen hat. Drückt mir die Daumen für einen satten Gewinn.

Dieser Text erscheint parallel bei Tägliches auf drei Beinen.