Freitag, 18. Mai 2018

# 149 - Strafverteidiger schreibt über menschliche Abgründe

Was haben ein Bäcker, ein Richter und ein Mathematiker miteinander zu tun?

 

Ferdinand von Schirach ist Strafverteidiger, aber er ist weniger wegen seines Berufs, als vielmehr wegen seiner zahlreichen Bücher bekannt geworden. In Carl Thorberg versammeln sich drei kurze Erzählungen, die davon berichten, wann und unter welchen Umständen ein Mensch zum Mörder werden oder komplett die Seite wechseln kann. Diese Rezension wird kurz, denn das Buch ist es mit seinen 63 Seiten auch.

Enttäuschungen und ein Seitenwechsel 

 

Die drei Protagonisten in von Schirachs Kurzgeschichten sind auf den ersten Blick unauffällige Mitmenschen, die ihr Leben ohne größere Höhen und Tiefen leben. Doch der Berliner Bäcker hat eine dunkle Vergangenheit, die ihn wieder einholen wird. Eine dunkle Vergangenheit hat der unter scheinbar wohlhabenden Umständen aufgewachsene Carl Thorberg zwar nicht, aber ein Erlebnis aus seiner Kindheit hat sich tief in seine Seele eingegraben und wartet nur darauf, daraus wieder hervorzubrechen. Das geschieht auch, und zwar ausgerechnet zu Weihnachten. Und dann ist da noch der Amtsrichter Seybold, der jahrzehntelang pflichtbewusst und unspektakulär seine Arbeit macht, bevor er in den zunächst ebenfalls unspektakulären Ruhestand geht. Doch dann beobachtet er zufällig, wie sich zwei Jugendliche mit einem Draht an einem in einer Garage abgestellten Auto zu schaffen machen. Er sperrt sie kurzerhand ein und ruft die Polizei. Dieses Ereignis soll sein ganzes Leben umkrempeln.

Lesen?

 

Ja. Ferdinand von Schirach erzählt die drei Geschichten in einer schnörkellosen und klaren Sprache und hält jeweils überraschende Finale bereit. Ein kleines Buch über menschliche Untiefen.
Carl Tohrberg kostet als Klappenbroschur 8 Euro und als epub- oder Kindle-Edition 6,99 Euro. Das Buch wurde mir vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke.   

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