Samstag, 31. Oktober 2020

# 263 - Eine öffentliche Familie

Anna-Louisa ist mit ihrer Jugendliebe Arthur verheiratet
und hat mit ihm eine zweieinhalbjährige Tochter. Gerade hat sie ihren Job als Lektorin in einem Berliner Buchverlag gekündigt, um als Influencerin mit ihrem Mama-Blog voll durchzustarten. Ständig postet sie Fotos von sich und ihrer Familie bei Instagram. Die Zukunft liegt rosarot vor ihr. Was in Martin Krists Psychothriller Niemand wird vergeben so harmlos und harmonisch beginnt, wird schnell zu einer existenzbedrohenden Situation eskalieren.

Auf dem Weg zu einer wichtigen Party läuft ihr Ziggy, ein alter Kumpel, den sie seit 15 Jahren nicht gesehen hat, über den Weg. Er ist kaum wiederzuerkennen: Früher machte er sich über Leute lustig, die ihren Wohlstand zeigten, jetzt steht er vor Anna-Louisa wie aus dem Ei gepellt. Über seinen aktuellen Beruf gibt er allerdings nur zögernd Auskunft. 

Kurz nach diesem Zusammentreffen schickt jemand der jungen Frau eine Botschaft auf ihr Smartphone: Diese Nachricht ist dein Tod. Wenig später wird Ziggy nur ein paar Meter weiter ermordet. In der Hand hält er eine von Annas Visitenkarten. Sein Tod ist der Wendepunkt für Annas kleine Familie, ihr gutes Leben scheint in seine Einzelteile zu zerfallen. Anna weiß immer weniger, wem sie noch trauen kann. Sie wird durch die Presse in den Mord hineingezogen, verliert einen lukrativen Blogger-Vertrag und wird Opfer eines Internet-Shitstorms. Jetzt rächt sich, dass sie ihr Leben öffentlich gemacht hat. Was Anna nicht ahnt: Der Schlüssel zu Ziggys Ermordung und allem, was ihr noch widerfahren soll, liegt in ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Und sie wird lernen, dass die, die sie glaubte gut zu kennen, gefährliche Geheimnisse hatten.

Lesen?

Wer spannende Thriller mag, ist bei Martin Krist auf jeden Fall gut aufgehoben. Er hat einen mitreißenden Schreibstil und erzeugt in diesem Thriller auch dadurch eine authentische Stimmung, indem er einzelne bekannte Songtexte einflicht oder ganz in Social-Media-Manier mit Hashtags arbeitet. 

Niemand wird vergeben ist 2020 über neopubli erschienen und kostet als Taschenbuch 9,99 Euro sowie als E-Book 3,99 Euro.

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