Sonntag, 1. Juli 2018

Die neue "Herbstkollektion" der Unabhängigen

Kataloge prall gefüllt mit tollen Titeln

 

In zwei Sendungen hat mir die Literaturagentur re-book marketing & kommunikation die neuesten Kataloge von 19 unabhängigen Verlage für den Herbst 2018 zugesendet. An dieser Stelle herzlichen Dank dafür!

Was gibt's Neues?

 

Der Wieser Verlag aus Klagenfurt legt einen Schwerpunkt auf Literatur aus Georgien. Kein Wunder, denn Georgien ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse im Herbst.

Der Verlag Der gesunde Menschenverstand aus Luzern hat Werke der verstorbenen rumänisch-schweizerischen Autorin Aglaja Veteranyi, einen Satire-Roman von Matto Kämpf, die Audio-CD "Im Schwarm" von Michael Fehr u. a. sowie die Fortsetzung der Reihe "essais agités" neu im Programm.

Vom Cover des Drava Verlags Klagenfurt guckt dem Leser ein Schaf entgegen. Ein bisschen blättern, und dann findet man es im Inneren des Hefts: Das neugierige Tier gehört zum Titelbild von "24 Ein-Schaf-Geschichten für Erwachsene", eines Buches der österreichischen Autorin Anna Derndorfer. Außerdem finden sich noch weitere Bücher aus den Bereichen Belletristik, Sachbuch und Kunstbuch.

Der Verlag Klöpfer & Meyer aus Tübingen legt zum Herbst eine ganze Menge neuer Bücher auf. Die Bandbreite reicht von Belletristik und Lyrik bis zu Sachbüchern. Auf den ersten Blick ist mir "Angerichtet, herzhaft und scharf!" des Sterne-Kochs Vincent Klink aufgefallen. Dort widmet sich Klink nicht nur dem Kochen, sondern macht sich auch kritisch Gedanken zu Fragen der Zeit. Auch ein anderes Buch hat mich angesprochen: "Gegenverkehr - Demokratische Öffentlichkeit neu denken" enthält Beiträge unter anderem von Andreas Vosskuhle (Präsident des Bundesverfassungsgerichts), Norbert Lammert (Ex-Bundestagspräsident), Alexander van der Bellen (österreichischer Bundespräsident) oder Robert Habeck (Umweltminister in Schleswig-Holstein und Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen). Die Herausgeber Ralf Fücks und Thomas Schmid haben den Buchtitel an ein Zitat des italienischen Schriftstellers Alberto Moravia angelehnt: "Diktaturen sind Einbahnstraßen, in Demokratien herrscht Gegenverkehr." 



Im Septime-Verlag Wien sind mir vor allem zwei Bücher aufgefallen: Da ist der bereits erschienene Roman "Einsame Schwestern" der georgischen Schriftstellerin Ekaterine Togonidze, der bereits durch die Buchblogs "geistert". Es geht um das Leben von siamesischen Zwillingen, von denen ihr Vater erst nach deren Tod erfährt. Von Ryū Murakami stammt das Buch "In Liebe, dein Vaterland", in dem es um den Niedergang Japans geht, nachdem die einst mit dem Land verbündeten USA ihm den Rücken gekehrt haben. Die Namensähnlichkeit zum bekannteren Schriftsteller Haruki Murakami ist zufällig.

Der Osburg Verlag Hamburg legt sich hinsichtlich seines Repertoires nicht auf einige wenige Genres fest. Stark vertreten unter den Neuerscheinungen sind Romane mit historischem Bezug (nicht zu verwechseln mit historischen Romanen) sowie die Fortsetzung der Krimireihe der dänischen Autorin Inger Madsen mit dem Buch "Blutstaub".

Der Piet Meyer Verlag legt seinen Schwerpunkt auf zwei Neuerscheinungen: "Über Kunst/Schriften 1979-2008" von John Updike. Updike ist den meisten Lesern nur als Romanautor bekannt, er hat jeodch auch zahlreiche Essays verfasst, die in diesem Band versammelt sind. Die zweite Neuerscheinung ist "Alberto Giacometti - Der schreitende Mann" von Franck Maubert, in der sich der Kunsthistoriker Maubert mit dem Maler und Bildhauer Giacometti beschäftigt. 

Beim Klever Verlag Wien finden sich Romane neben Gedichten. Die für mich auffälligste Neuerscheinung ist "Das Geheimnisgeschichtenlexikon des David Sylvester Marek", herausgegeben von Franzobel, einem Anwärter auf den Deutschen Buchpreis 2017. Franzobel zählt Mareks Texte "zum Eigenartigsten, Unverständlichsten, aber auch Faszinierendsten, Geheimnisvollsten und Poetischsten, was ich je gelesen habe". Nun denn.

Bei Edition Bücherlese Luzern stehen zwei in der Schweiz spielende Romane sowie ein weiterer, der sich mit den Schwierigkeiten einer Frau befasst, mit ihrer neuen Rolle als Mutter zurechtzukommen, neu im Programm. Für die Originalfassung von  "Am Abend fließt die Mutter aus dem Krug" erhielt Virginia Helbling 2015 den ersten "Premio Studer/Ganz per la migliore opera prima".

Beim Stroemfeld Verlag Frankfurt am Main/Basel fällt insbesondere die Herausgabe der Prager Manuskripte von Robert Walser mit einer begleitenden elektronischen Edition auf. Der Band enthält 103 Reinschriftmanuskripte in Originalgröße, die im Museum der Tschechischen Literatur aufbewahrt werden.


Im Verlag Die Brotsuppe Biel erscheinen Gedichtbände auf Schwyzerdütsch und Deutsch sowie ein Fotoband von Mischa Dickerhoff, der Bilder enthält, die die Stimmung von Musik und die Persönlichkeit von Musikern einfangen: "Donnerstag Abend"/"Jeudi Soir".

Der Rotpunkt Verlag Zürich veröffentlicht mit "Du bist in einer Luft mit mir" eine Familiengeschichte, die von der gebürtigen Georgierin Ruska Jorjoliani geschrieben wurde, die als Flüchtling nach Sizilien kam. Außerdem gibt es mehrere Sachbücher, die sich mit dem Brexit, dem Kapitalismus und seiner Ungerechtigkeit oder der Geschichte der Zürcher Hellmutstraße, in der sich auch der Rotpunkt Verlag befindet, beschäftigen.

Der Lilienfeld Verlag Düsseldorf bringt eine Neuauflage des Romans "Der Kramladen des Glücks" von Franz Hessel (Vater von Stéphane Hessel) heraus. Außerdem: Der Roman "Dor und der September" aus dem Jahr 1940 von Karl Friedrich Borée in einer Neuauflage. Der 1964 verstorbene Borée war der erste Vorsitzende des Westberliner Schriftstellerverbands sowie Generalsekretär der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Der Limbus Verlag Innsbruck veröffentlicht neu Lyrikbände von österreichischen und schweizerischen Autoren, die Erzählung "Monster" der österreichischen Autorin Isabella Feimer sowie mehrere sehr schön illustrierte Kinderbücher.

In der Herbstvorschau des Bilgerverlags Zürich fiel mir das Buch von Willi Wottreng auf: In "Ein Irokese am Genfersee" vermengt der Schriftsteller die wahre Geschichte des Irokesenhäuptlings Deskaheh, der 1923 nach Genf reiste, um beim Völkerbund um Hilfe im 'Appell für Rothäute' zu bitten, mit einer fiktiven Kriminalgeschichte. Als er 1925 plötzlich verstirbt, wittert eine Staatsanwältin dahinter ein Verbrechen.

Weiter geht es mit dem Launenweber Verlag Köln. Hier wird es mehrere neue und interessante Romane geben, am meisten spricht mich aber "novopoint grün" von Daniel Ketteler an. Ketteler stammt aus Westfalen und hat Germanistik und Medizin studiert. All das schlägt sich auch in seinem Buch nieder: Auf einem Hochsitz nahe einer westfälischen Kleinstadt wird ein Toter gefunden. Ein Polizeianwärter und sein Freund Peter recherchieren, der angehende Polizist stirbt jedoch bald. Peter, der unter einer bipolaren Psychose leidet, schreibt das Leben mit seinem Freund auf und offenbart sich auch seinem Psychiater. Doch kann man dem Arzt wirklich trauen?

Der Limmat Verlag Zürich legt seinen Schwerpunkt auf die neuere Geschichte. Interessant: "China brennt - Bildberichte 1931-1939" des schweizerischen Fotojournalisten Walter Bosshard und "Grazie a voi.", herausgegeben von Fausto Tisato u.a., das mit Fotografien die Geschichte der italienienischen Migration in der Schweiz dokumentiert.

Bei kookbooks Berlin werden im Herbst drei Gedichtbände und ein Kinderbuch ("alle nase diederdase" von Dagmara Kraus) herausgebracht.

Last, but not least: der Elsinor Verlag Coesfeld. Nachdem die Originalfassung 75 Jahre verschwunden war, tauchte das Manuskript von Arthur Koetlers Roman "Sonnenfinsternis" 2015 einer Zürcher Bibliiothek wieder auf. Das Buch wurde am 22. Juni 2018 im 'Literarischen Quartett' vorgestellt (ab etwa 15:10): 




Das waren die (aus meiner Sicht) besten Bücher der unabhängigen Verlage, die im Herbst 2018 auf uns warten. Ich hoffe, der kleine Überblick hat euch gefallen.

Nachtrag
Einen Tag nach dem Hochladen dieses Textes habe ich gemerkt, dass ich einen Verlag "unterschlagen" habe, nämlich Edition Korrespondenzen aus Wien. Das kleine Heft ist mir heimlich, still und leise zwischen andere Unterlagen auf meinem Schreibtisch gerutscht, hat sich aber nun glücklicherweise wieder angefunden. Der Verlag widmet sich im Herbst sechs Neuerscheinungen, darunter mit "Der ich bin. Chronik des Vergessens" der Start einer autobiographischen Trilogie des in Berlin lebenden Schweizer Autors Armin Senser sowie Titeln osteuropäischer Schriftsteller. Und weil ich diese Zeilen nachgeschoben habe, bekommt der Verlagsprospekt ein eigenes Foto, auf dem er sich präsentieren kann:



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