Freitag, 29. Mai 2020

# 242 - Wer hat den Toten wirklich gekannt?

Nach Mattias ist kein klassischer Roman, der eine Geschichte halbwegs übersichtlich erzählt. Das Buch des niederländischen Autors Peter Zantingh ist eine Abfolge von Beobachtungen von acht Menschen, die in einem unterschiedlichen Verhältnis zu Mattias standen. Standen, denn Mattias ist tot. Ganz plötzlich kam er ums Leben. Manche dieser Menschen kennen sich gar nicht.

In jedem Kapitel wird Mattias von einer anderen Person beschrieben. Da sind Menschen wie seine Freundin Amber, die den Verstorbenen sehr gut kannten, aber auch ein junger Mann, der mit ihm nur über ein Online-Spiel verbunden gewesen ist. Falls man dabei überhaupt von "verbunden" sprechen kann.

Mit jedem Kapitel und damit jedem sozialen Kontakt zu Mattias schält sich ein Stück von seiner Persönlichkeit heraus. Dabei stellen Einzelne fest, dass es an dem Toten Seiten gab, die sie nicht an ihm kannten. Manchmal bemerkt man aber auch, dass Eigenschaften, die man an Mattias mochte und schätzte, von anderen nicht oder anders wahrgenommen wurden.  

Nach Mattias handelt nicht nur von der Titelfigur, sondern auch von der Erkenntnis, dass es auch Verbindungen zwischen Menschen geben kann, die es ohne eine dritte Person so nicht gegeben hätte -  und das, obwohl diese Menschen nicht unbedingt Kontakt zu dieser dritten Person gehabt haben.
Erst spät wird deutlich, warum Mattias gestorben ist. Und dass dies der Grund dafür ist, dass die Trauer den privaten Bereich verlässt und öffentlich wird.

Nach Mattias beschäftigt sich zwar mit der Trauer und dem Tod, strahlt aber Hoffnung aus: Das Leben der acht Menschen wird 'nach Mattias' weitergehen, auch wenn Mattias Sterben eine Lücke hinterlassen hat.

Der Roman ist bei Diogenes erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 22 Euro sowie als E-Book 18,99 Euro.

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