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Donnerstag, 11. Januar 2018

Das war's schon wieder: Das Bücherkisten-Jahr 2017 ist vorbei

Sehr viel Gutes, ab und zu Mäßiges, aber immer viel Abwechslung

 

Die meisten Bücher, die ich euch 2017 vorgestellt habe, haben mir gut oder sogar sehr gut gefallen. Ich zeige euch hier mit meinen Tops und Flops des Jahres die Bücher, die für mich ganz weit vorn waren und die, die durchs Raster gefallen sind.

Meine Favoriten

 

Sachbücher


Ich habe ein gewisses Faible für Sachbücher, darum kommen sie jetzt zuerst dran. Zu denen, die mir am besten gefallen haben, gehört 70 - DER SPIEGEL - 1947-2007. Egal, welche politische Einstellung man hat und wie man die Zeitschrift grundsätzlich finden mag: Dieses Buch ist lebendige deutsche und internationale Geschichte und wartet zusätzlich mit tollen Fotos auf. 

 

 

 

 

Überzeugt hat mich Die 7 größten Irrtümer über Frauen, die denken von Beatrix Langner. Ihr Essay beleuchtet sehr anschaulich, welches Bild sich Männer bis vor etwa 50 Jahren von Frauen gemacht haben und wirbt für einen gemeinsamen Blick von Frauen und Männern auf die Probleme unserer Zeit. Das tut die Germanistin und Literaturkritikerin unterhaltsam und sachlich, ohne sich in feministische Floskeln zu verlieren. 





Baskisch ist ein großartiges Kochbuch des Spaniers José Pizarro, der sich seit Langem mit mehreren Restaurants in London als Spitzenkoch etabliert hat. Hier werden nicht nur die Rezepte erläutert, sondern die Leser mit zahlreichen Fotos auf das Baskenland neugierig gemacht. Wer noch nie in dieser nordspanischen Provinz war, will nach dem Durchblättern dieses Buches hin. 



In seinem Buch Verstehen Sie Geld? erklärt der Finanzmarktanalyst Davut Çöl seinen Lesern alles, was sie über das Thema Geld wissen sollten: Woher kommt es? Wie sollte man damit umgehen? Welche Geldkreisläufe gibt es? Was hat es mit den "Rettungsschirmen" der Euro-Staaten auf sich? Alles einfach und mit zahlreichen Beispielen erklärt.   




Der Medienwissenschaftler Stefan Russ-Mohl macht sich in seinem Buch Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde Gedanken, welche Entwicklung die Medien innerhalb der letzten Jahre durchgemacht haben. Werden sie zu Recht als "Lügenpresse" beschimpft? Hat die Qualität der Nachrichten gelitten? Und wenn ja: warum?





Romane

 

Bei den Romanen steht für mich Die fremde Königin von Rebecca Gablé weit vorn. Die erfolgreiche Schriftstellerin entführt die Leser in die Jahre 951 bis 961: Königin Adelheid von Burgund heiratet König Otto I. und durchlebt mit ihm etliche Höhen und Tiefen. Der Höhepunkt ihres Lebens ist die Krönung zum Kaiser bzw. zur Kaiserin durch Papst Johannes XII. 



 

Sehr gut hat mir auch Palast aus Staub und Wind, das erste Buch des Autors Haroon Gordon, gefallen. Es handelt von Baptiste, der vor Kurzem Witwer geworden ist, und seiner ungewöhnlichen Freundschaft mit Gabriel. Als Kinder und Jugendliche sind die beiden, die in einem algerischen Frauengefängnis aufwachsen, unzertrennlich. Doch irgendwann lüftet sich das dunkle Geheimnis, das zwischen ihnen steht, und es kommt zur gewaltsamen Eskalation. 

 

 

 

Fans von Dystopien wird Chlorophyll von M. J. Herbert gefallen. In Finnland beginnt mitten im Winter ein Phänomen, das sich schnell epidemisch ausbreitet: Alle Pflanzen verlieren ihr Chlorophyll und ihr Laub färbt sich orange. Eine ganze Weile ist völlig unklar, was hinter dieser Seuche steckt, die nach und nach die Pflanzen von der Erde eliminiert und dafür sorgt, dass eine globale Hungersnot ausbricht. Den Forschern sitzt die Zeit im Nacken, denn im Überlebenskampf zählt nur noch: Jeder ist sich selbst der Nächste.  

 

Ein morbider Spaß ist der Roman Die letzten vier Tage des Paddy Buckley von Jeremy Massey. Der irische Bestatter Paddy durchlebt eine Pechsträhne, die sich gewaschen hat. Als er dann auch noch den Bruder des gefährlichsten Gangsters von Dublin anfährt und ihn tödlich verletzt, hängt sein eigenes Leben an einem seidenen Faden. Im Buch reiht sich eine absurde Szene an die andere, doch dank Masseys plastischer Sprache wirkt die Handlung glaubwürdig und authentisch. 




Geister von Nathan Hill ist ein spannender Familienroman, der von den 1920er-Jahren bis heute reicht und im Laufe der Handlung mehrere Themen streift, die wichtig waren oder es noch sind - Pädophilie kommt ebenso vor wie die Occupy-Wallstreet-Bewegung. 







In Die Ermordung des Glücks setzt Friedrich Ani seinen Münchener Ex-Ermittler Jakob Franck zum zweiten Mal auf einen Mordfall an. Ein elfjähriger Junge verschwindet auf dem Heimweg von der Schule spurlos und wird Wochen später tot aufgefunden. Dank Francks akribischer und unaufgeregter Nachforschungen kommt der Fall zu einem überraschnden Ende. 






Es gab nicht nur gute Bücher: Hier kommen meine persönlichen Flops des Jahres 2017

 

Sachbuch


Das Buch Wann Sie eine Bank überfallen sollten der amerikanischen Journalisten und Ökonomen Stephen J. Dubner und Steven D. Levitt verspricht mit diesem Buchtitel mehr, als es hält. Ihr in den USA bekannter Blog Freakonomics diente offensichtlich als Textquelle. Da das schon bei den beiden vorangegangenen Büchern so gehandhabt wurde, ist dieser Titel so etwas wie ein Kehraus. Man verpasst nichts, wenn man das Buch links liegen lässt. 


Roman

 

Der mit den Glasaugen von Marta Monti ist ein in der Umgebung von Bern spielender Krimi. Der fünfjährige Jan ist verschwunden, eine Entführung kann nicht ausgeschlossen werden. Der Kreis der Verdächtigen wird immer größer. Nach eineinhalb Jahren wird das Kind tot in einer Felsspalte gefunden. Das Ermittlerduo Beta Bianca und Benno Bertschi ist dem Mörder auf den Fersen. Der Krimi schafft es trotz des guten Plots nicht, Spannung zu entwickeln, weil vieles zu vorhersehbar ist. Die Logikfehler und das nicht oder nicht ausreichend durchgeführte Lektorat tun ihr Übriges. 
            

Sonntag, 1. Januar 2017

Tops und Flops - Das war das Jahr 2016 in der Bücherkiste

Romane, Thriller, Sachbücher, Fotobände 

 

Auch 2016 war wieder ein Mix sehr unterschiedlicher Bücher. Dabei kamen sowohl Titel aus großen Verlagen als auch von unabhängigen Verlagshäusern sowie Independent Publisher zum Zuge. Die "Indies" haben es oft trotz hoher Qualität schwer, sich durchzusetzen und ein Mindestmaß an Bekanntheit zu erreichen, das für ein paar Einnahmen sorgt. Darum wird es auch künftig dabei bleiben, dass ich SP-Bücher vorstellen werde, wenn sie mir gefallen.


Meine persönlichen Highlights aus 2016

 

Ich werde keine Hitliste à la "Die 10 besten Bücher" aufstellen, weil das mehreren Titeln nicht gerecht würde. Aber eine Reihe von Büchern hat mir nun mal besser gefallen als andere.

Kind 44Am 22.Januar  ging es um Kind 44: Tom Rob Smith erzählt angelehnt an einen tatsächlichen Fall die Geschichte eines Kindermörders, der in der UdSSR zwischen 1978 und 1990 sein Unwesen trieb und1994 hingerichtet wurde. Spannend erzählt, verbunden mit einer Kritik am politischen System und dessen Mechanismen.







Der DistelfinkEin richtig tolles Buch war am 6. Februar Der Distelfink von Donna Tartt. Der 27-jährige Theo Decker blickt auf seine Jugend und den Tag zurück, der sein ganzes Leben verändern sollte: Während er als 13-Jähriger mit seiner Mutter das New Yorker MoMa besucht, kommt es zu einem Bombenanschlag, bei dem seine Mutter getötet wird. Theo wird von einem sterbenden Besucher dazu aufgefordert, das Gemälde Der Distelfink des niederländischen Malers Fabritius zu retten, was er auch tut. Nach diesem Ereignis irrlichtert Theo durch sein Leben. Mitreißend erzählt und trotz seines Umfangs von über 1.000 Seiten nie langweilig, 


Vom Yin ... 

Jens Thaele hat mit seinem Buch Vom Yin und Yang der digitalen Revolution eine Art Leitfaden verfasst, der sich an Leser richtet, die wissen wollen, was es mit den neuen Technolgien auf sich hat und wie sie sie für sich nutzen können. Ein verständlich geschriebenes Sachbuch mit Abbildungen, die das Gelesene noch näher bringen.







Repair CafeRepair Café stammt von einem Autoren-Team, das zu den Gründungsmitgliedern eines Stuttgarter Repair Cafés gehört. Mit dieser Idee, die  mittlerweile deutschlandweit ihre Fans hat, sollen defekte Alltagsgegenstände repariert werden, sodass sie nicht weggeworfen und keine neuen Dinge angeschafft werden müssen. Es geht darum, nicht nur Geld, sondern auch Ressourcen zu sparen. Das Buch verfügt über zahlreiche Fotos, die die Schritt-für Schritt-Anleitungen unterstützen.







Sechs JahreIn Sechs Jahre schildert Charlotte Link das lange Sterben ihrer Schwester, die an Darmkrebs erkrankt war, letztendlich aber nicht daran, sondern an den zeitversetzt auftretenden Nebenwirkungen einer früheren Krebstherapie zugrunde gegangen ist. Die Autorin schrieb dieses Buch auf ausdrücklichen Wunsch ihrer Schwester und um das Erlebte zu verarbeiten. Kein selbstmitleidiges Gejammer, sondern eine empathische Darstellung dessen, was die gesamte Familie an Höhen und Tiefen in dieser Zeit erlebt hat. 





Ausgerechnet KabulDie Journalistin Ronja von Wurmb-Seibel hatte viel über Afghanistan gehört, und ihre Vorstellungen deckten sich mit denen der meisten Menschen, die das Geschehen dort in den Nachrichten verfolgen: Krieg, Terror und Taliban - etwas anderes schien es in diesem Land nicht zu geben. Doch die Autorin wollte es genauer wissen und lebte ein Jahr mitten in Kabul. In Ausgerechnet Kabul schildert sie ihre Erlebnisse und Erfahrungen. 







Panama PapersAm 3. April veröffentlichten die beiden Journalisten der SÜDDEUTSCHE ZEITUNG Bastian Obermayer und Frederik Obermaier die Recherchen aus den Panama Papers, kurz darauf erschien ihr Buch dazu. Es geht um das größte jemals ausgewertete Datenleak eines bis heute unbekannten Informanten, das offenbart, wie die Reichen und Mächtigen unserer Welt ihr Geld vor dem Steuerzugriff der Staaten verstecken. Ein Jahr lang waren sie zusammen mit dem  International Consortium for Investigative Journalists (ICIJ) in Washington D. C. damit beschäftigt, 2,6 Terabyte Datenvolumen aufzubereiten und auszuwerten. Ihre zentralen Erkenntnisse: Es ist relativ leicht, ein Vermögen unsichtbar zu machen, und 1 % der Menschen lebt auf Kosten der übrigen 99 %. Auf die völlig gerechtfertigte Empörung der Steuerzahler warte ich bis heute. Ein spannendes Sachbuch, das Gründe liefert, sich die Haare zu raufen.


Till TürmerIn Till Türmer und die Angst vor dem Tod beschäftigt sich Andreas Klaene mit genau dem, was der Titel ankündigt: Wie gehen wir damit um, wenn uns der Tod begegnet und sich jemanden holt, der uns nahesteht? Sehen wir ihn als das, was er ist, nämlich einen Teil des Lebens? Oder ziehen wir lieber den Kopf ein und tun so, als wäre die Endlichkeit des Seins nicht mehr als ein böses Gerücht? Der Journalist Till Türmer muss sich entscheiden, ob er bereit ist, seine Vermeidungsstrategien abzulegen und sich dem Thema zu stellen, um sein Glück zu finden. Ein SP-Buch, das mir gut gefallen hat, weil es mit dem Sterben unverkrampft umgeht und sich so mancher Leser zumindest ein bisschen in Till wiedererkennen dürfte.




Maklerfotos
DER Favorit meiner Leser war Maklerfotos aus der Hölle, in dem sich ein Auszug der Immobilienscheußlichkeiten befindet, die Andy Donaldson auf seinem Blog gesammelt hat. Donaldson war auf die Idee gekommen, als er in London auf Wohnungssuche war und in Internetportalen auf von Maklern gemachte Fotos stieß, die an deren beruflicher Kompetenz starke Zweifel aufkommen ließen. Das Buch garantiert endlose Lachsalven, da der Autor nicht nur die Fotos präsentiert, sondern jedes einzelne Bild mit einem brüllend komischen Kommentar ausstattet.


UnterleutenJuli Zeh hat mit ihrem Gesellschaftsroman Unterleuten einen Bestseller geschrieben, den sie in dem kleinen gleichnamigen (erdachten) Dorf in Brandenburg angesiedelt hat. Kaum ein Buch wurde zuvor mit so viel medialem Aufwand begleitet wie dieses und hat die Riege der Kritiker so gespalten. Eine Windkraftanlage rüttelt Unterleutens Einwohner auf und teilt sie in zwei unversöhnliche Lager. Trotz des ansonsten immer beschworenen Gemeinschaftssinns ist letztlich jeder sich selbst am nächsten und versucht aus der Situation so viel wie möglich herauszuholen. Juli Zeh inszeniert eine Handlung, wie sie in jedem anderen Ort stattfinden könnte oder bereits stattgefunden hat. Für mich eines der Buch-Highlights des Jahres.

MallorcaAn Mallorca clásica mit Fotos des vor einem knappen Jahr verstorbenen Fotografen Josep Planas I Montanya führte für mich kein Weg vorbei. Als Mallorca-Fan musste dieses Buch in meinem Regal landen. Wer mit der größten Baleareninsel mehr verbindet als nur Ballermann und Eimersaufen, sollte sich diesen Fotoband auf jeden Fall kaufen. Josep Planas I Montanya hat jahrzehntelang Fotos von Mallorca gemacht und so dokumentiert, wie sich die Insel unter dem Einfluss des Tourismus verändert hat. Dieses Buch nimmt man immer wieder gern in die Hand.





Die UnglückseligenThea Dorn hat sich in ihrem Roman Die Unglückseligen mit der Unsterblichkeit befasst, die seit jeher Forscher umtreibt. Eine deutsche Molekularbiologin und ein Physiker, der bereits 240 Jahre alt ist, begegnen sich zufällig in einem amerikanischen Supermarkt. Der Physiker hat während der Zeit der deutschen Romantik zahlreiche Experimente mit Elektrizität gemacht - an sich selbst. Heute ist er von einer so guten Konstitution, dass Verletzungen, die er sich zuzieht, ungewöhnlich schnell heilen. Sind seine Versuche der Schlüssel zu den Forschungen der deutschen Wisssenschaftlerin? Thea Dorn wechselt zwischen den Epochen und bedient sich zugunsten der Authentizität verschiedener Dialekte. Der Teufel hat übrigens auch seine Hände im Spiel. Die Unglückseligen ist ein unter Kritikern und Rezensenten stark diskutiertes Werk, das mir trotz einiger Schwächen sehr gut gefallen hat.


The DryIn einem kleinen australischen Kaff hat ein Farmer offensichtlich zuerst seine Frau und seinen kleinen Sohn ermordet und sich dann anschließend selbst erschossen. Nur die einjährige Tochter wird verschont. Die Sachlage ist klar, die Polizei legt den Fall bereits zu den Akten, bevor die Toten unter der Erde sind. Das ist die Ausgangslage in Jane Harpers Debutroman The Dry. Der Jugenfreund des toten Familienvaters kommt nach 20 Jahren zur Trauerfeier in seinen Heimatort zurück und wird dort unmittelbar mit den Vorbehalten konfrontiert, die die langjährigen Einwohner gegen ihn haben: Hat er damals ein junges Mädchen getötet? Zusammen mit dem örtlichen Sergeant beginnt er, sich die Begleitumstände zum Tod seines Freundes und dessen Familie näher anzusehen. Ein sehr spannender Thriller, der erst kurz vor dem Ende offenbart, wie sich alle Puzzleteile zusammenfügen.


13 Titel, die mir sehr gut gefallen haben, und viele weitere, die ebenfalls sehr gut waren, aber nicht alle genannt werden können. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten.


Die Flops 2016

 

Boat PeopleGleich das erste Buch, das ich 2016 vorgestellt habe, war mit Abstand das schlechteste dieses Blogs. Boat People von Roland Künzel wäre ein heißer Titelanwärter, wenn es einmal um den Roman mit der größten Unglaubwürdigkeit gehen sollte. 23 Flüchtlinge eines afrikanischen Phantasielandes werden nachts an einem Strand von Gran Canaria abgesetzt. Durch eine Verwechslung werden jedoch anschließend nicht sie, sondern 23 Urlauber, die in der Nähe eine Piratenparty gefeiert haben, von einem Schlepper abgeholt und zurück gen Afrika gebracht. "Selbstverständlich" erkennt der dortige britische Hafenmeister nicht, dass es sich hier nicht um Afrikaner, sondern um Europäer, deren Gesichter mit Dreck geschwärzt wurden, handelt. Währenddessen werden die Flüchtlinge auf den Kanaren irrtümlich für die wohlhabenden Touristen gehalten, die sich nun auf einer Odyssee in Afrika befinden, und behandelt wie Könige. Die Zukunft Großbritanniens wird gegen Ende durch eine Entscheidung der Queen bestimmt, die ihr Augenmerk auf eine Afrikanerin gelenkt hat, die zur Flüchtlingsgruppe gehörte, zwischenzeitlich aber auf die Touristen getroffen ist und sich in einen von ihnen verliebt hat. Phantasie ist eine feine Sache, wenn sie nicht zu einer Gemengelage von unsinnigen Szenarien verquirlt wird.

MörderhotelZwei Monate später habe ich über ein Buch geschrieben, von dem ich mir deutlich mehr versprochen hatte, als es gehalten hat: Mörderhotel von Wolfgang Hohlbein ist der erste Titel, den ich von diesem bekannten und erfolgreichen Autor gelesen habe. Anfangs war ich von der Vorstellung ausgegangen, dass jemand mit so viel Schreiberfahrung wie Hohlbein auf jeden Fall etwas Überzeugendes abliefern würde, aber leider war dem nicht so. Der Arzt Mudgett betreibt zusammen mit seinem besten Freund zur Zeit der Weltausstellung in Chicago 1893 mit mäßigem Erfolg ein Hotel. Als Arlis Christen in Begleitung eines Privatdetektivs im Hotel eincheckt, weil sie von dort aus die Suche nach ihrer verschwundenen Schwester beginnen will, wird Mudgett hellhörig: Die gesuchte Dame war geraume Zeit seine Geliebte. Christen und ihr Begleiter stoßen nach und nach auf Erkenntnise, die belegen, dass es sich bei dem Arzt um einen sadistischen Massenmörder handelt, der in einem geheimen schalldichten Folterkeller innerhalb des Hotels sein Unwesen treibt. Die Handlung lehnt sich an einen tatsächlichen Fall an, statt Spannung kommt allerdings nur Ekel auf. Splatter wäre die richtige Bezeichnung für dieses Werk gewesen, dass darüber hinaus auch noch mit einigen Logikfehlern aufwartet. Keine Empfehlung.

Heilige KuhDavid Duchovny hat mit Heilige Kuh sein erstes Buch auf den Markt gebracht, das ich hier als Hörbuch vorgestellt habe. Duchovny ist u. a. durch die Serie "Akte X" bekannt geworden, hat aber vor seiner Karriere als Schauspieler einen Abschluss in Literaturwissenschaften an der Princeton University erworben. Der Inhalt: Die Kuh Elsie erfährt, dass die etwas älteren Rinder nicht einfach so verschwinden, sondern direkt von der ländlichen Idylle in die Massenschlachtung überführt werden. Diesem Schicksal will sie entfliehen und wird dabei von einem Truthahn und einem Schwein begleitet, die zu ganz ähnlichen Erkenntnissen gelangt sind. Die Handlung ist von sehr merkwürdigen Voraussetzungen durchzogen, die das in Fabeln übliche Ausmaß überschreiten: Niemand erkennt beispielsweise am Flughafen, dass es sich bei den drei Reisenden nicht um gewöhnliche Menschen, sondern verkleidete Tiere handelt. Elsie hat da auch kein Problem mit der aufrechten Haltung. Die Kuh, die den Leser (oder Hörer) auch ab und zu direkt anspricht,  transportiert bekannte Erkenntnisse auf eine sehr belehrende und altkluge Art. Der Übersetzer Tim Vernes hat ihr eine aufgesetzt wirkende jugendliche Sprechweise gegeben, die im Laufe des Hörens immer nervtötender wird. Die bemühte "Eindeutschung" trug ihren Teil dazu bei, dass mir Heilige Kuh nicht besonders gut gefalen hat. 


Die Analphabetin...
Jonas Jonasson hat nach seinem "Hundertjährigen" den Roman Die Analphabetin, die rechnen konnte folgen lassen. In Südafrika wird 1961 die clevere, aber bitterarme Nombeko geboren, die durch einen Zufall zu großem Reichtum kommt, von dem aber niemand etwas wissen darf. Doch dann wird sie als junge Frau in einen Autounfall verwickelt, den ein weißer betrunkener Ingenieur verschuldet, der die Verantwortung für das streng geheime südafrikanische Atomwaffenprogramm trägt. Mit einer fadenscheinigen Begründung wird Nombeko dazu verurteilt, auf unbestimmte Zeit für den Ingenieur zu arbeiten. Sie ist ihrem neuen Chef intellektuell weit überlegen und schafft es, das Beste aus der Situation zu machen. Sie wird zu seiner unentbehrlichen Stütze, doch nach einigen Jahren gelingt ihr die Flucht, die sie bis nach Schweden führt. Spätestens ab dann beginnt die Geschichte abstrus und unglaubwürdig zu werden. Die Analphabetin, die rechnen konnte ist nach dem "Hundertjährigen" ein neuer Aufguss eines alten Schemas, der so wenig überzeugt, dass ich das Buch nach etwa zwei Dritteln abgebrochen habe.

Die Informanten1994 wurde die Originalausgabe von Die Informanten des US-amerikanischen Autors Bret Easton Ellis veröffentlicht. Darin geht es im Wesentlichen um das Leben der Reichen in Los Angeles während der 1980-er Jahre. Ellis schildert eine gnadenlose und rücksichtslose Haltung des "Geldadels" gegenüber den Normalbürgern, die an Kälte und Brutalität nicht zu überbieten ist. Ein Buch, in dem in rauen Mengen Drogen konsumiert werden, vergewaltigt und jede Menge Blut vergossen wird. Wer den letzten Anstoß für einen anhaltenden Brechreiz sucht, ist mit diesem Buch gut bedient.




HannoverZu den ärgerlichen Büchern des Jahres 2016 gehört auch Hannover - ein deutsches Machtzentrum des Journalisten Lutz Hachmeister. Ursprünglich als eine Art Reportage über den Verlauf der Karriere von Christian Wulff geplant, scheint Hachmeister irgendwann bemerkt zu haben, dass man mit Herrn Wulffs Lebenslauf kein Buch füllen kann, das dann für knapp 20 Euro verkauft werden soll. So musste dann jede Menge Füllmaterial her, das inhaltlich nur durch die Stadt Hannover notdürftig zusammengehalten werden konnte. Die teilweise sehr detaillierten Angaben werden hin und wieder so "genau", dass sie schlicht falsch sind. Ich wurde bis zur letzten Seite den Eindruck nicht los, dass dem Autor nichts anderes eingefallen ist, als seine eigenen Vorurteile über die niedersächsische Landeshauptstadt selbst zu bestätigen. Es fehlen Objektivität und die Vermittlung von Informationen, die dem Leser die Frage, ob es sich bei Hannover um ein deutsches Machtzentrum handelt, beantwortet.


Ausortiert und ...Ein paar Wochen später habe ich im Oktober ein weiteres Sachbuch gelesen, dessen Titel die fundierte Beschäftigung mit einem aktuellen und wichtigen Thema zu versprechen schien: Aussortiert und abkassiert - Altwerden in Deutschland des früheren Moderators der Wirtschaftssendung WISO, Michael Opoczynski, wartet mit Thesen auf, die entweder seit Jahren bekannt sind oder die auf den ersten Blick so einleuchtend erscheinen, dass der Leser unwillkürlich bestätigend mit dem Kopf nickt. Doch überprüft man stichprobenartig die eine oder andere Behauptung Opoczynskis, stellen sich einge von ihnen als genau das heraus: Behauptungen, die jeder faktischen Grundlage entbehren. Das ist sehr ärgerlich, weil davon auszugehen ist, dass viele Leser gerade diesem Autor aufgrund seiner früheren Position als Wirtschaftsjournalist einen Vertrauensvorschuss geben und unbesehen seine Äußerungen übernehmen. So werden falsche Inhalte in die Welt gesetzt, die sich kaum noch zurückholen lassen. Michael Opoczynski ist kurz, bevor er an diesem Buch gearbeitet hat, selbst Rentner geworden und scheint diesem neuen Status nur wenig abgewinnen zu können. Vielleicht erklärt das die Stimmungslage in Aussortiert und abkassiert - Altwerden in Deutschland ein bisschen.


Ausblick auf 2017

 

Für diesen Blog gibt es keinen Redaktionsplan. Ich habe also noch keinen Schimmer, über welche Bücher ich in den nächsten zwölf Monaten schreiben werde. Da mich viele Themen interessieren, wird das Spektrum aber voraussichtlich genauso abwechslungsreich sein wie 2015 und 2016. Ich bin selbst gespannt, was sich hier abspielen wird.



 

Dienstag, 22. Dezember 2015

Das war 2015

2015 ist bald vorbei - was gab es zu lesen?

 

Am 15.Juni 2015 habe ich meinen Blog gestartet. Meine Vorkenntnisse und Erfahrungen "mit so etwas" lagen bei praktisch null. Aber nach dem ersten halben Jahr kann ich sagen: Es hat Spaß gemacht! Ich habe sowohl in den Kommentaren als auch den sozialen Netzwerken viele positive Rückmeldungen bekommen und weiß, dass etliche meiner Leser an jedem Freitag nachsehen, was sich in meiner Bücherkiste getan hat. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken!

Im Laufe der Monate sind ständig neue Leser hinzugekommen. Da ich sehe, dass meine ältesten Rezensionen seltener gelesen werden, sondern für die meisten nur die Bücher der jeweils letzten Wochen interessant sind (wie schade!), habe ich mir für heute überlegt, einen kurzen Jahresrückblick zu machen. Das, was Fernsehsender können, kann ich schon lange...



Der Juni - im Startmonat gab es diese Bücher

Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war - CoverbildWann wird es endlich wieder so, wie es nie war von Joachim Meyerhoff war gleich zum Start ein tolles Buch. Der Autor erzählt von seinem Leben in einer psychiatrischen Einrichtung, in der sein Vater Chefarzt war. Es geht lustig, aber auch nachdenklich zu.








Herr der Krähen CoverAm 22. Juni ging es um das Buch Herr der Krähen des Autors mit dem unaussprechlichen Namen: Ngũgĩ wa Thiong’o. Er steht immer wieder auf der Liste der Anwärter für den Literatur-Nobelpreis, auch für dieses Buch. Sein Roman ist von vorn bis hinten eine Persiflage auf die afrikanischen Despoten, die sich mit aberwitzigen Aktionen selbst erhöhen wollten und von A....kriechern dabei unterstützt wurden. Liest sich wie an eine Aneinanderreihung von Übertreibungen, entspricht aber im Kern der Wahrheit.





Am schönsten Arsch der Welt CoverDarauf folgte von Bernhard Hoëcker und Tobias Zimmermann mit Am schönsten Arsch der Welt ein Reisebericht, in dem der Comedien seine Tour durch Neuseeland schildert, die er im Auftrag des dortigen Tourismusverbandes unternommen hat. Hoëcker muss dabei mehrere von Fernsehzuschauern ausgewählte Aufgaben bewältigen.







NovecentoEin sehr berührendes Buch war Novecento von Alessandro Baricco. Ein Mann, der im Jahr 1900 auf einem Ozeandampfer geboren wurde, verlässt diesen sein ganzes Leben lang nicht ein einziges Mal. Er bringt sich selbst das Klavierspielen bei und übertrifft sogar den größten Pianisten seiner Zeit. Doch der Erfolg ist nicht alles, und er versucht, sich seine größte Sehnsucht zu erfüllen. Das Buch wurde unter dem Titel "Die Legende vom Ozeanpianisten" verfilmt, hier ist ein kurzer Trailer.






Juli 2015

Es geht uns gut - CoverbildAm 3. Juli habe ich über den Roman Es geht uns gut des österreichischen Schriftstellers Arno Geiger geschrieben. Es geht um das Leben der Familie Erlach, die in Wien lebt. Geiger schildert die Jahre 1938 bis 2001 und lässt seine Leser die Zerrissenheit sowie den geschäftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg der Erlachs, aber auch deren Misserfolge miterleben. Sehr lebensnah und authentisch geschrieben. Hier ein Auszug aus dem Hörbuch,das von Matthias Brandt gelesen wird.





Paula CoverIn der darauffolgenden Woche habe ich euch Paula von Isabel Allende vorgestellt. Die aus Chile stammende Schriftstellerin schreibt darin schonungslos und offen über das langsamen Sterben ihrer Tochter Paula, die an einer unheilbaren Stoffwechselerkrankung litt. Aber auch sich selbst verschont sie nicht und berichtet über die Geschichte ihrer Familie und ihr eigenes Leben, das unzählige Höhen und Tiefen hatte. Sehr emotional, aber keine Spur kitschig.Der damalige Präsident der Georgetown University spricht 1997 über das Buch.




Die wundersame Reise einer finnischen Gebetsmühle - Coverbild 
Da geht es in Die wundersame Reise einer finnischen Gebetsmühle des finnischen Autors Arto Paasilinna wesentlich entspannter zu. Die beiden Freunde Kalli und Lauri wollen eine viersprachige Gebetsmühle international vermarkten und gründen nebenher eine neue Weltreligion. Das Buch ist ein Feuerwerk an absurdem Humor.






Produkt-Information
Am 24. Juli ging es mit Lachsfischen im Jemen weiter, das von Paul Torday geschrieben wurde. Ein jemenitischer Scheich möchte in seiner heißen Heimat den kälteliebenden Lachs ansiedeln, um auch zu Hause dem geliebten britischen Angelsport frönen zu können. Wird dieser Plan mithilfe des renommierten Experten Dr. Alfred Jones gelingen? Wer meint, mit dem gleichnamigen Film genug über das Buch zu wissen, irrt: Die Filmhandlung ist ähnlich, das Buch wartet aber nicht mit dessen leicht vorhersehbarem Happy End auf.



Von Juli Zeh stammt Corpus Delicti. Mit diesem Roman wirft die Autorin einen Blick in das Jahr 2057: Die Menschen leben in einer Welt, in der sogar ihre Ausscheidungen in der Toilette überwacht und analysiert werden. Das Dogma dieser Zeit: Die Regierung hat immer recht. Die Naturwissenschaftlerin Mia Holl beschäftigt sich hingegen mit den Umständen, unter denen ihr Bruder wegen einer angeblichen Vergewaltigung verurteilt wurde. Kann sie an den Grundpfeilern des Systems sägen?

 

 

Der August

Cliffhanger CoverCliffhanger von Tim Binding ist ein Roman, der randvoll mit britischem, trockenem Humor ist. Ein mit seiner Ehe unzufriedener Taxiunternehmer will seine Frau umbringen, doch als er nach der Tat nach Hause zurückkehrt, sitzt sie quicklebendig auf dem Sofa. Wen hat er nun tatsächlich von der Klippe geschubst? Die Ereignisse entgleiten ihm immer mehr, was er jedoch erst ganz zum Schluss realisiert.





Am 14. August habe ich mir das Buch Vom Geist der Gesetze des Autors Georg M. Oswald vorgenommen. Ungebremster Egoismus, Kaltblütigkeit und die "Verhandelbarkeit" von Gerichtssachen werden hier von einem geschildert, der es wissen sollte: Oswald ist selbst Jurist.






 
God's Pocket von Pete Dexter ist da ein ganz anderes Kaliber. Ein junger, gewalttätiger Mann kommt bei einem "Unfall" auf einer Baustelle während der Arbeit ums Leben. Außer seiner Mutter weint ihm niemand eine Träne nach, aber es kommen Zweifel an den Umständen seines Todes auf. Die Handlung spielt in einem Stadtteil von Philadelphia, in dem jeder ums Überleben kämpft und keinem etwas geschenkt wird. Es geht sehr ungeschminkt und zum Teil brutal zu, aber wenn ein Toter versehentlich im Lieferwagen durch die Stadt kutschiert wird, ist das sehr witzig.


 

Der 28. August brachte mit Kälteschlaf  einen Krimi des isländischen Schriftstellers Arnaldur Indriðason. Eine Frau wird tot in einem Wochenendhaus an einem idyllischen See aufgefunden. Kommissar Erlendur ermittelt auf eigene Faust, weil der Fall offiziell als abgeschlossen gilt: Die Staatsanwaltschaft geht von einem Selbstmord aus. Die Ermittlungen bringen eine traurige Familiengeschichte und mehrere lange vermisste Tote zutage. 






 

Der September

Am 4. September habe ich über ein Buch geschrieben, das das beliebteste dieses Blogs werden sollte: Road Dogs von Elmore Leonard. Zwei Ex-Häftlinge versuchen in der Freiheit, ihr Leben quasi neu zu starten. Es kommt zu Verwicklungen, Misstrauen und Verrat, keiner weiß mehr, wem noch zu trauen ist. Am Ende gibt es Tote und ein überraschendes Finale.






 
Unerkannt durch Freundesland, herausgegeben von Cornelia Klauß und Frank Böttcher, gehört zu meinen persönlichen Favoriten. In sehr unterschiedlichen Texten schildern ebenso unterschiedliche Menschen, wie es ihnen gelang, auf verbotenen Wegen von der DDR aus in die damalige UdSSR einzureisen und auf eigene Faust durchs Land zu streifen. Eine Zeitreise zurück in die 1970er, 1980er und 1990er Jahre mit sehr vielen von den Autoren aufgenommenen Fotos. Videos hierzu findet ihr direkt bei der Rezension.





In Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert des Schweizers Joël Dicker ging es um einen berühmten Schriftsteller, der in seiner Wahlheimat, einer Kleinstadt in New Hampshire, plötzlich verdächtigt wird, ein Mörder zu sein. 33 Jahre nach seinem Verschwinden wird ein junges Mädchen tot aufgefunden, ausgerechnet im Vorgarten des Schriftstellers. Doch Quebert erhält Hilfe von einem seiner früheren Literaturstudenten, der bei seinen Ermittlungen in ein Wespennest stößt und persönliche, lange verdrängte und vertuschte Taten der Einheimischen wieder in die Gegenwart spült.





Das Auf und Ab im Leben eines Musikproduzenten und Ex-Punk-Rockers schildert Jennifer Egan in ihrem Roman Der grössere Teil der Welt. Früher ein bekannter Star mit Einfluss in der Musikszene, muss sich Bennie Salazar nun eingestehen, dass sein Name niemanden mehr hinterm Ofen hervorholt. Doch sein alter Kumpel Scotty taucht unversehens wieder auf. Schaffen die beiden ein Comeback? 






Der Oktober

Der 2. Oktober hielt ein außergewöhnliches Buch bereit: Die Menschheit hat den Verstand verloren - Tagebücher 1939 bis 1945 ist dem Fund der Tagebücher der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren zu verdanken. Ihre Aufzeichnungen ermöglichen uns heute einen Blick in eine bürgerliche Familie, die im relativ sicheren Schweden den 2. Weltkrieg erlebt. Notizen über den Kriegsverlauf sind ebenso enthalten wie persönliche Einschätzungen und Einblicke ins das Privatleben der Familie Lindgren. Mit Faksimiles.



 

Und weil's so schön war, kamen eine Woche später gleich die nächsten Tagebücher, diesmal vom eher als Krimiautor bekannten Arthur Conan Doyle: In Heute dreimal ins Polarmeer gefallen werden uns umfassende Einblicke gegeben, wie es ist, mit einem Walfänger Ende des 19. Jahrhunderts Kurs auf den Nordpol zu nehmen. Auch die Frage, ob sich ein Medizinstudent im dritten Studienjahr als Schiffsarzt eignet, wird beantwortet. Faksimiles gehören wie schon bei Astrid Lindgrens Kriegstagebüchern ebenfalls dazu. 




 
Am 16. Oktober wurde mit Demenz - Abschied von meinem Vater ein Thema angeschnitten, das man ganz gern von sich schieben würde: Der Autor Tilman Jens schreibt über die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters Walter Jens, der als Professor und Altphilologe einst zu den gefragtesten Gesprächspartnern Deutschlands gehörte. Es geht ums Vergessen, drastische Persönlichkeitsveränderungen und einen Anlass in Walter Jens Leben, der vermutlich für den Ausbruch der Erkrankung mitverantwortlich gewesen ist. Auch die Frage, wann Sterbehilfe geleistet werden sollte, wird hier aufgeworfen.




 
Danach gab es mit Der Palast der Meere von Rebecca Gablé einen richtigen Schmöker. Gablé gehört zu den besten Autorinnen von historischen Romanen und hat mit diesem Buch den fünften Band der Waringham-Saga vorgelegt. Vor dem Hintergrund der britischen Geschichte der Jahre 1560 bis 1588 wird hier der weitere Werdegang der Familie Waringham, die eine seit Generationen erfolgreiche Pferdezucht betreibt, weitererzählt. Der Schwerpunkt liegt diesmal jedoch auf der Seefahrt: Königin Elizabeth I. hatte zugunsten ihrer Kriegskasse die Piraterie erlaubt.



Am 30. Oktober habe ich euch einen Krimi von Friedrich Ani vorgestellt: In Der namenlose Tag ermittelt der frisch pensionierte Kriminalhauptkommissar Franck im Fall eines vor 21 Jahren gestorbenen Mädchens. Ging damals alles mit rechten Dingen zu? Die Ermittler gingen von einem Selbstmord aus, doch der Vater des Mädchens hat daran erhebliche Zweifel.







Der November

Gleich am 6. November ging es los mit dem Buch eines Mannes, der die Welt ein bisschen besser machen will: Es regnet Geld für ein Weltkonto - Die Tausendstel-Frage von Joachim Ackva  erklärt, wie jeder mit einem Tausendstel seines Vermögens wirksam dazu beitragen kann, die drängendsten Probleme der Menschheit zu lösen. Kein dröges Wirtschaftsbuch, sondern nachvollziehbare Erläuterungen. 






 
Eine Woche später habe ich Werbung für ein ganz besonderes Kochbuch gemacht: Fadi kocht syrisch, das vom früheren syrischen Fernsehkoch Fadi Alauwad geschrieben wurde, ist nicht nur ein Kochbuch mit leicht nachzukochenden Rezepten, sondern auch ein Reiseführer, der seinen Lesern die schönsten Seiten Syriens zeigt. Sehr hochwertige Fotos runden dieses Buch ab. Die Verkaufserlöse fließen an den Verein Syrienhilfe e. V., der mit dem Geld notleidende Kinder in Syrien mit Kleidung, Lebensmitteln sowie ärztlicher und psychologischer Hilfe unterstützt.


 


Am 20.November ging es um ein Buch des Journalisten Christoph Reuter, der ein Kenner des Islam und des Islamismus ist: Die schwarze Macht ist ein besonderes Sachbuch das anschaulich erklärt, wie der "Islamische Staat" entstanden ist und wie es zu seinem Aufstieg kommen konnte. 






 
Der letzte Freitag im November: Detlev F. Neufert unterhält sich in Jesus - Das Interview in gelöster Atmosphäre über Themen, die man mit Gottes Sohn immer schon mal besprechen wollte. Gibt es Engel? Ist Gott immer gut? Der Erlöser weiß die Antworten auf diese und viele andere Fragen.








Der Dezember 

 

 

Blogger.com behauptet zwar, dass das nächste Buch im November vorgestellt wurde, aber tatsächlich habe ich die Rezension zu Zu richten die Lebenden von Erica Spindler am 4. Dezember veröffentlicht. Ein spannender Thriller um eine junge Glasmalerin aus New Orleans, die aufgrund mysteriöser Vorkommnisse in den Verdacht gerät, hinter noch mysetriöseren Mordfällen zu stecken. 

 

 

 

 

 

 

In Cop Town - Stadt der Angst von Karin Slaughter gibt es eine Mordserie an Polizisten des Atlanta Police Departments. Zwei Polizistinnen nehmen sich auf eigene Verantwortung der Fälle an und kämpfen dabei ständig gegen die Vorurteile ihrer männlichen Kollegen. Die Handlung spielt vor dem Hintergrund der 1970er Jahre, in denen Rassenhass, Homophobie, Kriminalität und Verachtung gegenüber Frauen in Atlanta an der Tagesordnung waren. 

 

 

 

 

 

 

In ihrem Buch Artgerechte Haltung macht sich Birgit Gieger Steiner Gedanken, wie man der Ungleichbehandlung der Jungen begegnen kann. Sie ist Leiterin einer Grundschule und beschreibt die zu weiblich geprägte Sicht auf Jungen aus ihrer Perspektive. 

 

 

 

 

 

 

 

Das letzte Buch in diesem Jahr habe ich ein paar Tage vorgezogen, weil am regulären Freitag Weihnachten (gewesen) ist. Ein ganzes Jahr von Robert Seethaler ist ein Roman, der eher leise, aber deshalb auf keinen Fall langweilig daherkommt. Das Buch erzählt das Leben von Andreas Egger, der nach dem Tod seiner Mutter auf den Hof des Onkels in einem Bergdorf gebracht wird. Ein Leben, das von Erschütterungen beeinflusst und von Egger mit einer stoischen Gemütsverfassung betrachtet wird. 

 

 

 

 

 

Das besondere Buch

Am 26. August habe ich ein Buch aus meinem Bücherschrank geholt, das ich schon seit mindestens 25 Jahren habe. Das Mädchen aus der Volkskommune zeigt anhand von Originalzeichnungen, wie das chinesische Volk während der Regierungszeit von Mao Tse-Tung mithilfe von Comics, die von Hand zu Hand gingen, für dessen Kurs eingenommen werden sollte. 


 

 

 

 

 

 

Das war das Jahr 2015 in Inas Bücherkiste. Ich habe mich über jeden "alten" und neuen Leser sehr gefreut und hoffe, dass auch 2016 viele von euch wieder hierher finden. Ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht euch

Ina   

Foto: Maria Reinfeld/pixelio