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Freitag, 2. Februar 2024

# 425 - Ein Familiengeheimnis wird entschlüsselt

Matilda war zum letzten Mal vor zwanzig Jahren im Haus ihrer Großmutter Enni am Bodensee. Doch Enni ist vor Kurzem gestorben, und Matilda hat gemeinsam mit ihrer Schwester deren Haus geerbt. Matildas Mutter, Ennis Tochter, hat das Erbe ausgeschlagen. Sie wollte nichts mehr von ihrer Mutter, mit der sie seit Jahrzehnten kein Wort mehr gewechselt hatte, haben. Der Graben zwischen ihnen war offenbar zu tief.

Rike Richstein schickt ihre Protagonistin in ihrem Roman Die Farben des Sees für eine Auszeit an den Bodensee, die Matilda helfen soll, die Trennung von ihrem Freund zu überwinden. Als sie sich in Ruhe im Haus umsieht, stellt sie fest, wie wenig sie über ihre Großmutter wusste. Die Besuche bei ihr fanden damals, als sie noch ein Kind war, ein abruptes Ende. Warum, das hat ihr nie jemand erklärt.

Und dann stößt Matilda im Nachttisch ihrer Großmutter auf das Foto eines jungen Mannes, der nicht ihr verstorbener Großvater ist. Um wen handelt es sich und warum ist dieser Mann für Enni offenbar so wichtig gewesen, dass sie dieses Bild aufbewahrt hat?

Mit einer Mischung aus Neugier und dem Versuch, sich vom eigenen Kummer abzulenken, macht sich Matilda auf die Suche nach einer Antwort. Doch sie hätte nicht gedacht, dass sie am Ende ihrer Nachforschungen ein Familiengeheimnis aufdecken würde, das eine Erklärung für einige Ungereimtheiten, die Matilda im Laufe der Jahre aufgefallen sind, ist.

Lesen?

Die Farben des Sees verknüpft eine besondere Familiengeschichte mit der Atmosphäre des Bodensees, dessen Farben immer wieder anders sind und von einer Person beschrieben werden, die sich erst nach und nach als diejenige herausstellt, die ohne es zu wollen außerhalb der Familie steht.

Mir hätte das Buch noch besser gefallen, wenn die einzelnen Figuren etwas genauer herausgearbeitet geworden wären. So weiß man zum Beispiel von Matilda kaum mehr, als dass sie um das Zerbrechen ihrer Beziehung trauert und ein enges Verhältnis zu ihrer Schwester hat.

Etwas kurios ist, dass ich im Buchtext auch bei einer zweiten Durchsicht keinen Hinweis darauf gefunden habe, dass es sich bei dem beschriebenen Gewässer um den Bodensee handelt. Es ist die Rede von einem See, über den eine Fähre fährt und in dessen Nähe Berge sind. Das trifft jedoch nicht nur auf den Bodensee zu. Die einzige konkrete Benennung findet sich im Klappentext. Immerhin.

Die Farben des Sees ist 2024 im Verlag Friedr. Stadtler Konstanz erschienen und kostet als gebundene Ausgabe mit Lesebändchen 22 Euro.

Freitag, 17. August 2018

# 163 - Neue Ermittlungen am Bodensee

Ines Fox ist wieder unterwegs

 

Die Hobbyermittlerin Ines Fox, der von der Autorin Christiane Kördel Leben eingehaucht wird, ist den Lesern dieses Blogs schon bekannt: In den ersten beiden Bänden Seezeichen 13 und Seeblick kostet extra hat die Inhaberin einer kleinen Webdesign-Agentur in Konstanz bereits eindrucksvoll ihr Talent bewiesen, sich durch ihre bodenlose Neugier immer wieder selbst in tödliche Gefahr zu bringen. Warum sollte das im neuesten Buch Seekoller - Eine Bodensee-Miami-Komödie anders sein? 

Urlaub oder Ermittlungen?

 

Ines Fox und ihr Dr. Frieder, ein Rechtsmediziner, haben eigentlich einen gemeinsamen Urlaub an der Nordsee geplant, doch der fällt buchstäblich ins Wasser: In einer Fahrradrikscha wird ein totes Ehepaar aus den USA gefunden, das sich gerade in den Flitterwochen befunden hat. Vanessa wurde mit einem Giftpfeil getötet, Jeff ist offenbar beim Anblick seiner frisch gemeuchelten Gattin an gebrochenem Herzen gestorben. Kurz nach dem Eintreffen der Polizei explodiert am Ufer des Bodensees ein Boot.
Merkwürdig ist, dass der Fahrer der Rikscha ein früherer Verehrer der Toten gewesen ist, der sie angeblich sogar gestalkt haben soll.  
Ines Fox erfährt im noblen Inselhotel, dass Vanessa dort an der Rezeption und im Büro gearbeitet hat. Alle Mitarbeiter wussten, dass ihre Eltern in ihrer Heimat Miami ein edles Luxushotel besitzen, das 'The Charmond'. Die junge Frau hatte berichtet, dass sie in Nobelhotels auf der ganzen Welt Erfahrungen sammeln wolle, um später das elterliche Haus zu übernehmen. 
Als ob zwei Tote noch nicht genug wären, stolpert Ines auf der Suche nach dem Ort, von dem der Giftpfeil abgefeuert wurde, buchstäblich über eine abgetrennte Hand. Liegt hier ein weiteres Mordopfer?

Ines' Neugier siegt auch dieses Mal über die Vernunft und sie beschließt, nach Miami zu fliegen, sich das 'The Charmond' selbst anzusehen und mit Vanessas Eltern zu sprechen. Aber die Hoteleigentümerin eröffnet der Hobbyermittlerin, dass sie gar keine Kinder hat. Spätestens jetzt wird klar, dass hier etwas oberfaul ist. Durch ihren Leichtsinn bringt sich Ines zu allem Überfluss in Lebensgefahr. Wie soll sie den Verbrechern entkommen, die sie gefangen halten?

Wie war's?

 

Wer bereits Seezeichen 13  und Seeblick kostet extra gelesen hat, weiß, wie Ines Fox tickt: Die Webdesignerin strauchelt in immer neue verfängliche und oft gefährliche Situationen hinein. Christiane Kördel macht da auch bei Seekoller - eine Bodensee-Miami-Komödie keine Ausnahme. Ihre Leser werden von der ersten bis zur letzten Seite gut und humorvoll unterhalten, und mit dem aus Norddeutschland stammenden und mit einem staubtrockenen Humor ausgestatteten Dr. Frieder hat die Autorin einen guten Gegenpart zur quirligen und impulsiven Ines Fox geschaffen, über die man nördlich von Hannover wohl sagen würde: "Die hat Hummeln im Mors!"

Seekoller - eine Bodensee-Miami-Komödie ist als Taschenbuch (Books on Demand) für 9,99 Euro sowie als epub- oder Kindle-Edition für 2,99 Euro erhältlich. 
 

Freitag, 6. Oktober 2017

# 120 - Und wieder wird am Bodensee getötet

Ines Fox auf Abwegen

 

Im August 2016 habe ich hier das Buch Seezeichen 13 von Christiane Kördel vorgestellt, heute wird es um die Fortsetzung Seeblick kostet extra gehen. Die selbstständige Webdesignerin Ines Fox bleibt ihrem Verhalten, ihre Nase in fremde Angelegenheiten zu stecken und sich damit selbst in Bedrängnis zu bringen, auch dieses Mal treu. Der Psychopath Roger Merian aus dem ersten Band wird vom Gericht wider Erwarten frei gesprochen, womit für Ines Fox erneut unruhige Zeiten anbrechen. Schon wenige Stunden nach dem Richterspruch wird die Leiche von Kriminalhauptkommissar Schroff gefunden, der im Verdacht stand, korrupt zu sein und deshalb suspendiert worden war. Die Ermittlungen ergeben, dass jemand sein plötzliches Ableben mit einem Gift beschleunigt hat. Schroffs Kollege Arthur von Leisfall erfährt von dessen Witwe, dass Roger Merian kurz vor dem Tod Schroffs noch bei ihm gewesen ist. Doch der streitet ab, etwas mit dem Mord zu tun zu haben.

Eine alternative Methode, Kriminalfälle zu lösen

 

Ines leidet immer stärker unter plötzlich einsetzenden Echtträumen. Wenn sie passieren, löst sie sich mental aus ihrem Körper und findet sich in luftiger Höhe und für die meisten Menschen unsichtbar über ihr bekannten Personen wieder. Doch was auf den ersten Blick ganz praktisch erscheint, hat für sie ernste körperliche Folgen: Immer, wenn sie in ihren Körper zurückkehrt, spürte sie eine tiefe Kälte in sich, die bis in die letzte Zelle eingedrungen zu sein scheint und zu einer massiven Unterkühlung führt. Diesem Phänomen, das sich für Ines immer bedrohlicher anfühlt, ist ihr Freund, der Pathologe Dr. Frieder, auf der Spur. Doch nicht nur die unvorhersehbaren Echtträume machen ihr das Leben schwer: Sie wird verfolgt, und jemand hat das Wahrzeichen von Konstanz, die Imperia, verschandelt und mit einem Fluch versehen, der sich gegen die Stadt und Ines Fox richtet. Als unmittelbar danach Falschmeldungen in Umlauf gebracht werden, die zur Folge haben, dass Konstanz in einem nie dagewesenen Verkehrschaos versinkt und das öffentliche Leben zum Stillstand kommt, werden Forderungen laut, dass Ines Fox die Stadt verlassen soll. Wie, um das zu unterstreichen, wird ihre Wohnung von Unbekannten zu Kleinholz verarbeitet. Freund und Ex-Freund stehen ihr jedoch immer wieder hilfreich zur Seite und tragen dazu bei, dass die junge Frau wegen ihrer Neigung zu spontanen und unüberlegten Handlungen nicht noch mehr in Gefahr gerät.


Wie war's?

 

Wer Seezeichen 13 mochte, dem wird auch Seeblick kostet extra gefallen. Das Buch ist locker und humorvoll geschrieben und eine sehr gute Unterhaltungslektüre. Es ist kein Muss, den ersten Teil der Serie gelesen zu haben, trägt aber bei mancher Szene zum Verständnis bei. Wie Christiane Kördel in ihrem zweiten Epilog andeutet, wird es eine weitere Fortsetzung geben. Wir dürfen also gespannt sein, wie es mit Ines Fox und ihren unfreiwilligen Ermittlungen weitergeht.
Seeblick kostet extra ist bei Books on Demand erschienen und kostet als Taschenbuch 11,99 Euro sowie als Kindle-Edition 2,99 Euro. 

Freitag, 12. August 2016

# 63 - Urlaubsort wird zur Mordkulisse

Am Bodensee geht es krimineller zu, als man denkt

 

Christiane Kördel hat mit ihrem Erstlingswerk Seezeichen 13 ein lockeres und unterhaltsames Buch geschrieben, in dem die junge Ines Fox als unfreiwillige Ermittlerin im Mittelpunkt steht. Ines ist Chefin von Foxinet, einer kleinen Firma in Konstanz, die sich auf Webdesign spezialisiert hat. Von ihrer Mutter, einer Lokalredakteurin, hat sie deren unstillbare Neugier geerbt. Diese Eigenschaft soll sie noch in Bedrängnis bringen.

High Heels sind der Auftakt zu einem Kriminalfall 

 

Ines dreht eine Joggingrunde am Bodensee, als sie auf einer Stufe am Ufer ein Paar ordentlich abgestellte High Heels stehen sieht. Die Schuhe sehen teuer aus, aber Ines' Aufmerksamkeit ist geweckt, als sie auf dem Innenfutter des einen Exemplars einen Blutfleck bemerkt. Mangels besserer Ideen hinterlässt Ines in einem der Schuhe ihre Visitenkarte mit der Bitte, sie anzurufen. Schon kurz danach erhält sie den Anruf einer Frau mit einem russischen Akzent, die sich als die Eigentümerin des Schuhpaars ausgibt, es aber offensichtlich nicht kennt. Auch die Herkunft ihrer Telefonnummer macht Ines nachdenklich: Es handelt sich um einen Firmenanschluss in Zürich, der einem international tätigen Consultingunternehmen gehört.

Kurz darauf wird in das Konstanzer Casino eingebrochen. Doch Beute haben die Täter nicht gemacht: Die Kasse war leer. Aber auf dem Baugerüst, das wegen Renovierungsarbeiten am Gebäude aufgebaut ist, finden sich Blutspuren. 

Zeitgleich zieht in die obere Etage des Mietshauses, in dem Ines wohnt, Yata Krüger ein. Sie ist offensichtlich gut situiert und erzählt, in der Sicherheitsbranche tätig zu sein. Als Ines neugierig im Internet nachforscht entdeckt sie, dass das Unternehmen, für das Yata arbeitet, kürzlich mit derjenigen Firma fusioniert ist, bei der die angeblich High Heels tragende Russin tätig ist.

 

 Ein Kollege verschwindet

 

Kurz darauf wird eine im See treibende männliche Leiche gefunden, ganz in der Nähe von Seezeichen 13 am Jakobsteg. Gibt es eine Verbindung zwischen dem Toten und den Funden im Lorettowald? Dort untersucht die Polizei einen blutbeschmierten Dolch und Damenschuhe. Da Ines einen der Polizeibeamten vor Ort persönlich kennt, erfährt sie über ihn mehr, als sie eigentlich sollte. Dass ihr das nicht genügt, liegt auf der Hand. Sie versteckt sich im Wald und beobachtet heimlich die Arbeit der Ermittler. Schon nach wenigen Minuten wird sie jedoch entdeckt und muss sich für ihre Anwesenheit rechtfertigen. Ihr wird erst später bewusst, dass sowohl ihre unerlaubten Beobachtungen im Lorettowald als auch ihre Anwesenheit während der Spurenaufnahme im Casino sie für die Polizei in einem ungünstigen Licht erscheinen lassen. Das wird nicht besser, als sich die Identität des Toten im Bodensee herausstellt: Es handelt sich um ihren Mitarbeiter Bernd Gregor. 
Aber das soll nicht der einzige Tiefschlag für Ines bleiben: Es stellt sich heraus, dass über ihren Firmenrouter jede Nacht auf das Netzwerk eines Unternehmens zugegriffen wurde, für das Foxinet arbeitet. Ines gerät jetzt nicht nur in das Visier der Ermittlungsbeamten, sondern wird auch von einem dubiosen Geschäftsmann verfolgt und bedroht, den sie für Bernds Mörder hält. Doch sie ist nicht allein, sondern erhält Beistand von ihrem Ex-Freund, einem BKA-Beamten, und ihrem neuen Freund, einem Pathologen. Das ist auch bitter nötig, denn ihr größter Widersacher ist ein wohlhabender Psychopath, der sich mit allen nötigen Mitteln nimmt, was er haben will.

Schönes Debüt einer Selfpublisherin

 

Christiane Kördel hat mit Seezeichen 13 ein Buch herausgebracht, das ich wie Vor dem Erben kommt das Sterben zu den Cosy-Krimis zähle. Der kriminalistische Inhalt ist in eine unterhaltsame Geschichte eingebunden, in der auch das Gefühlschaos der Protagonistin eine Rolle spielt. Die Autorin ist gebürtige Konstanzerin und ihrer Heimat bis heute treu geblieben. Das merkt man auch ihrem Krimi an, der jede Menge Lokalkolorit enthält. 

Christiane Kördel bedient sich eines schreibtechnischen Kniffs, um zu erklären, warum Ines immer wieder von Dingen weiß, von denen sie eigentlich keine Ahnung haben kann: dem Echttraum. Sie ist dann ungewollt und ohne einen Einfluss darauf zu haben unsichtbar über einer Szenerie und kann sehen und hören, was die Personen unter ihr gerade tun. Ich bin noch unentschlossen, ob ich das clever und ungewöhnlich oder hanebüchen finden soll. Kreativ ist es auf jeden Fall.

Seezeichen 13 wurde wie oben beschrieben im Selbstverlag herausgegeben und kostet als Taschenbuch 13,99 € (Books on Demand, ISBN-10: 3739247045)  und als Kindle- oder epub-Ausgabe 2,99 €.