Freitag, 25. September 2015

# 17 - Pulitzer Preis für die Höhen und Tiefen eines Musikerlebens

Sex, Drugs and Rock'n Roll - ist nach 40 Jahren der Lack ab?

 

Es geht in dieser Woche um ein Buch der US-Schriftstellerin Jennifer Egan, deren literarisches Werk 2011 von einem Pulitzer Preis gekrönt wurde. Den Preis bekam sie für ihren Roman Der grössere Teil der Welt, um den es hier jetzt gehen soll. Das Cover lässt schon erahnen, worum sich ziemlich viel dreht: Es ist eine Geschichte um den Musikproduzenten und ehemaligen Punk-Rocker Bennie Salazar, seine hübsche Assistentin Sasha und Scotty, der vor ewigen Zeiten in Bennies Band gespielt und ekstatische Riffs hingelegt hat. 


Mitten im Leben - die 1970er Jahre

 

Es ist schon nach zwei Seiten klar, dass Sasha eine Kleptomanin ist, die sich ihre Krankheit nicht eingestehen will und die Wahrheit so lange verdreht, bis sie ganz harmlos daherkommt. Auch ihr Psychiater hat es schwer, Zugang zu ihr zu finden. In ihrer kleinen  Wohnung befindet sich ein Tisch, auf dem sie alles aufbaut, was je den Bestohlenen durch sie "abhanden gekommen" ist. Auch ihren One-Night-Stand Alex erleichtert sie um dessen Brieftasche, während er sich in ihrer Badewanne räkelt.
Ihr Chef Bennie weiß lange Zeit nichts von ihrem Problem. Nach Jahren des Erfolgs ist es mit ihm beruflich langsam bergab gegangen. Er verdrängt das jedoch noch und leistet sich seine speziellen Dekadenzen: Ohne eine Prise Goldstaub im Kaffee geht es praktisch nicht mehr. Den Erhalt der sexuellen Leistungsfähigkeit gibt es nun mal nicht umsonst. In seinem Privatleben steht er vor einem Scherbenhaufen: Die Scheidung läuft, das juristische Gezerre um seinen kleinen Sohn hat begonnen.

Sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen wird zur Königsdisziplin

 

Im weiteren Verlauf erfährt der Leser, dass Sasha nach zwölf Jahren von Bennie vor die Tür gesetzt wird, als er von ihrem krankhaften Drang zum Klauen erfährt. Durch eine Rückblende wird deutlich, dass sie sich mit 17 sang- und klanglos zu Hause aus dem Staub gemacht hatte, nachdem diverse Familien- und Gruppentherapien an ihr erfolglos abgeperlt waren, sie immer mehr Drogen genommen hatte und drei Suizidversuche hinter ihr lagen. Als sie völlig am Ende ist, wird sie in Neapel von ihrem Onkel aufgelesen.

Auch Bennie hat seine Schwierigkeiten mit der Erkenntnis, dass sein einst in Musikerkreisen bekannter Name in der Bedeutungslosigkeit versunken ist. Einen Hoffnungsschimmer sieht er in seinem plötzlich auftauchenden Kumpel Scotty aus alten Tagen. Er hatte früher in der gemeinsamen Band das Publikum mit seinem Enthusiasmus begeistert, ist aber jetzt nur noch ein Schatten seiner selbst. Doch an diesem physischen Wrack hängen Bennies Hoffnungen auf ein Comeback als Produzent, und er gibt Scotty, der schon seit einer Ewigkeit nicht mehr auf einer Bühne gestanden hat, den Optimismus zurück, endlich doch noch erfolgreich zu werden. 


Wie hieß doch gleich das lange Ding, das sich durch ein Buch schlängelt?

 

Genau: roter Faden! Ich habe ihn nach ungefähr dem ersten Drittel des Romans verloren. Irgendwann wusste ich nicht mehr, wo ich diesen oder jenen Namen hinstecken sollte und habe mich dabei erwischt, wie ich vor- und zurückblätterte, um den Zusammenhang wieder herzustellen. Das Buch geht nicht einmal ansatzweise chronologisch vor. Daten, Wochentage oder ähnliche Angaben, die die Orientierung erleichtern könnten, sucht man vergebens. Es wird klar, dass Sasha in ihrem Leben irgendwann die Kurve kriegt und den nötigen Halt in ihrer Ehe und ihren beiden Kindern findet. Wie das Familienleben abläuft, vermittelt Jennifer Egan auf 76 (von insgesamt etwa 380) Seiten, die keinen Fließtext haben, sondern voll sind mit textgefüllten Diagrammen in Säulen-, Torten- und anderen Formen. Man kann das innovativ finden, aber ich kann damit nichts anfangen. Die Presse hat dieses Buch überschwänglich in den Himmel gehoben, ich war froh, als ich auf der letzten Seite angekommen war. Aber was für Mode, Kunst und vieles andere mehr gilt, gilt auch hier: Die Geschmäcker sind verschieden.

 

Freitag, 18. September 2015

# 16 - Leben, Liebe und Ehre - was ist wirklich wichtig?

Wie wahr ist die Wahrheit?


Heute geht es um den Roman Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert, dessen deutschsprachige Ausgabe erstmals 2013 im Piper Verlag veröffentlicht wurde. Der Autor Joël Dicker stellt zwei Männer in das Zentrum seines Romans.


Beste Freunde halten zusammen

 

Da ist Marcus Goldman, ein Schriftsteller, der im Herbst 2006 mit 28 Jahren sein Erstlingswerk veröffentlicht und damit einen Riesenerfolg gelandet hat. Eine Zeit lang war sein Name in aller Munde, doch nun erwartet sein Verleger, dass er seinen Vertrag erfüllt und vier weitere Bücher vorlegt. Aber es geht einfach nicht: Marcus setzt sich immer wieder an seinen Computer und versucht, einen weiteren Bestseller zu schreiben, aber er bringt nichts Brauchbares zu Papier. Die „Schriftstellerkrankheit“ hat ihn voll im Griff. Auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskrise ruft er im Februar 2008 seinen langjährigen Mentor Harry Quebert an und bittet ihn um Hilfe.

Quebert ist ebenfalls Schriftsteller und zehrt seit 33 Jahren von seinem Bucherfolg mit dem Titel "Der Ursprung des Übels", in dem es um eine unmögliche Liebe geht. Dieser Roman machte ihn auf einen Schlag berühmt und wohlhabend. Ein ähnlicher Erfolg ist ihm seitdem nicht mehr geglückt.
Harry Quebert war damals zuvor von New York in die Kleinstadt Aurora gezogen, einem (fiktiven) Ort im US-Bundesstaat New Hampshire. In dieser ziemlich spießigen und provinziellen Umgebung ist er seitdem geblieben - allein lebend in seinem Haus an einem Meeresarm, dem Goose Cove.
Goldman und Quebert kennen sich seit 1998: In diesem Jahr begann der 20-jährige Goldman sein Literaturstudium am Burrows College in Massachusetts, wo der damals 57-jährige Quebert als Professor tätig war. Quebert hat früh das Talent des jungen Studenten erkannt und ihn während seiner ganzen Collegezeit unterstützt und motiviert. Daraus hat sich eine tiefe und von gegenseitigem Respekt geprägte Freundschaft entwickelt. Quebert will Goldman aus seiner Krise heraushelfen und lädt ihn zu sich ein.


Plötzlich ist alles anders - eine unfreiwillige Zeitreise in die Vergangeheit beginnt

 

Als sich Goldman allein in Queberts Haus aufhält, stößt er zufällig auf eine Schachtel, die Fotos, Zeitungsartikel und den Liebesbrief einer gewissen Nola enthält. Quebert weiht daraufhin Goldman in sein größtes Geheimnis ein: Die nur 15-jährige Nola war die große Liebe seines Lebens, doch wegen des großen Altersunterschiedes von 19 Jahren haben beide ihre Beziehung geheim gehalten. Eines Abends Ende August 1975 wurde sie von einer Nachbarin blutend gesehen und verschwand danach spurlos. Niemand hat seitdem wieder etwas von ihr gehört.
Goldman verspricht Quebert, niemals darüber zu sprechen und reist im März 2008 nach New York ab, um sein Buch zu schreiben. Die Zeit drängt: Sein Verleger hat ihm hierfür ein Ultimatum von drei Monaten gesetzt.
Doch am 12. Juni 2008 ändert sich die Situation von einer Minute auf die andere: Nolas Leiche wird bei Gartenarbeiten auf Queberts Grundstück gefunden. Um ihren Hals trägt sie eine Ledertasche, in der sich das Manuskript von "Der Ursprung des Übels" befindet, versehen mit der handschriftlichen Widmung 'Adieu, allerliebste Nola'. Eine Schädelverletzung lässt darauf schließen, dass sie ermordet wurde. Harry Quebert wird als dringend tatverdächtig festgenommen.
Goldman ist von dessen Unschuld überzeugt und bricht sofort nach Aurora auf, um seinem Freund zu helfen. Er wohnt in Goose Cove und ermittelt zunächst auf eigene Faust, später dann zusammen mit Seargant Gahalowood. Doch es gibt jemanden, dem es offenbar nicht gefällt, dass der Schriftsteller eigene Nachforschungen durchführt: Mehrmals findet Goldman Drohbriefe, dann gehen schließlich das Auto und kurz darauf auch das Haus von Quebert in Flammen auf.
"Der Ursprung des Übels" fällt mit dem Beginn der Ermittlungen gegen Quebert in Ungnade: Der Autor ist in den Augen der Bevölkerung nichts weiter als ein Pädophiler, der seine Gelüste unter dem Deckmantel einer angeblich unschuldigen Liebe ausgelebt hat. Alle Exemplare des Romans werden aus den Buchläden und öffentlichen Bibliotheken entfernt, das College entlässt ihn, Queberts Ruf ist ruiniert.

Goldman gibt dem Drängen seines Verlegers nach und erklärt sich bereit, über seine Ermittlungen ein Buch zu schreiben. Dieser bietet ihm dafür 1 Million Dollar an und sorgt im Hintergrund für eine gut geölte PR-Kampagne.


Es wird kompliziert

 

Ein graphologisches Gutachten beweist, dass die Widmung auf dem bei Nola gefundenen Manuskript nicht von Quebert geschrieben wurde. Damit bricht der Hauptbelastungspunkt der Staatsanwaltschaft weg, und Quebert wird freigelassen. Doch wer hat dann Nola getötet, wenn es nicht der Schriftsteller war? Goldman und Sergeant Gahalowood gehen in die Vergangenheit Auroras zurück und finden zahlreiche bislang gut gehütete Geheimnisse. Je mehr das Buch auf die Lösung des Mordfalls zugeht, umso mehr nimmt die Handlung Fahrt auf: Es werden weitere Verdächtige ausgemacht, es passieren ein Mord und ein vermeintlicher Selbstmord, ein reicher Unternehmer wird zu einem Outing genötigt.

Die Wahrheit über Harry Quebert ist nicht nur ein Kriminalroman. Er beleuchtet auch, wie sich die Freundschaft zwischen den beiden Schriftstellern verändert und thematisiert (Selbst-) Betrug und Lebenslügen. Obwohl der Roman etwa 720 Seiten umfasst, habe ich ihn in wenigen Tagen gelesen. Nach den letzten Zeilen ging es mir so, wie es im Nachwort mit einem Satz von Harry Quebert beschrieben wird: "Ein gutes Buch ist ein Buch, bei dem man bedauert, dass man es ausgelesen hat." 
So ist es.

Danke!

Das Buch Die Wahrheit über Harry Quebert wurde mir als Rezensionsexemplar vom Inhaber der Hemminger Buchhandlung, Herrn Stefan Koß, zur Verfügung gestellt, wofür ich mich ganz herzlich bedanke. Herr Koß bietet ein breites Spektrum unterschiedlichster Bücher an und besorgt nicht im Laden vorhandene Exemplare innerhalb eines Werktages. 
Die Kontaktdaten und Öffnungszeiten gibt es hier: Hemminger Buchhandlung
 


Freitag, 11. September 2015

# 15 - Reisen durch die UdSSR - unter den widrigsten Bedingungen

Mit dem Transitvisum eigene Routen bereisen - Individualreisen von DDR-Bürgern in die UdSSR

 

Es ist ja jetzt schon wieder so lange her, dass sich jüngere Deutsche daran nicht erinnern können - egal, ob sie aus West- oder Ostdeutschland stammen: Bis zur Wende 1989 durften die Bürger der DDR die Sowjetunion nur in Pauschal-Reisegruppen besuchen. Individualreisen dorthin waren grundsätzlich nicht vorgesehen. Doch es gab eine lose Gruppierung von Menschen, denen das nicht genug war: UdF. Nach ihnen ist das Buch benannt, das ich euch heute vorstelle: Unerkannt durch Freundesland wurde 2011 von Cornelia Klauß und Frank Böttcher im Lukas Verlag herausgegeben.



Risiko und Strapazen für Freiheit und Abenteuer

 

 

In 24 Reiseberichten unterschiedlicher Autoren wird von der illegal erlangten Reisefreiheit erzählt, die durch einen formalen Trick möglich wurde: Die sowjetische Regierung hatte 1968 nach dem Einmarsch ihrer eigenen sowie Soldaten befreundeter Staaten in die ČSSR (Tschechoslowakei) und der Beendigung des "Prager Frühlings" das Transitvisum für diejenigen DDR-Bürger eingeführt, die nach Bulgarien oder Rumänien reisen wollten. Es galt in der UdSSR für eine Transitdauer von 48 Stunden. Diesen Zeitraum hielt die sowjetische Regierung für ausreichend, um diese Passage zu schaffen. Doch einzelne Bürger der DDR nutzten die Gelegenheit, um ihre eigenen Reisepläne zu verwirklichen: Waren sie erst einmal in der Sowjetunion, ignorierten sie diese Vorgabe und wanderten, fuhren oder flogen kreuz und quer durch das riesige Reich mit seinen elf Zeitzonen und enorm unterschiedlichen Kulturen, Lebensweisen und klimatischen Verhältnissen.



Von der mongolischen Gastfreundschaft kann man nur träumen




Der heutige Pfarrer Gernot Friedrich brach 1968 zu seiner ersten größeren Reise auf. Erst im zweiten Anlauf schaffte er es bis nach Brest (Weißrussland). Völlig überraschend bekam er versehentlich einen Einreisestempel, der ihn berechtigte, in die Sowjetunion einzureisen. Da er damit nicht gerechnet hatte, beschloss er spontan, den nächsten Zug nach Moskau zu nehmen. „Der Zug ist schon ausverkauft. Fahren Sie doch nach Leningrad, das kostet auch 17 Rubel“, empfahl ihm der Bahnbeamte. Ähnlich zufällig wie diese verliefen fast alle anderen im Buch geschilderten Reisen. Viele wurden die sich in einem Augenblick ergebenden Umstände von einem Ort zum anderen getrieben.

1970 lernte Friedrich bei einer Reise in die Mongolei auf seiner Wanderung einen Einheimischen kennen, der gerade seine Wäsche im Fluss wusch. Dieser lud ihn zu sich in seine Jurte ein und verpflegte ihn. Wie für alle Mongolen gehörte es auch für diesen selbstverständlich zur Gastfreundschaft, einem Reisenden seine eigene Frau für die Nacht anzubieten. Doch Friedrich geriet nicht in die Verlegenheit, dies ablehnen und den Mann vor den Kopf stoßen zu müssen: Die Frau seines Gastgebers befand sich zu seiner Erleichterung gerade zur Entbindung im Krankenhaus. Schon ein Jahr später besuchte er erneut seinen mongolischen Freund und hatte wieder Glück: Dessen Frau war auch diesmal im Krankenhaus, weil sie ein Kind bekommen hatte.

War es zunächst noch Abenteuerlust, die Friedrich immer wieder in die Sowjetunion trieb, kam nach einigen Reisen ein weiteres Motiv hinzu: Er bemerkte, dass es dort zwar etliche christliche Gemeinden gab, Bibeln aber eher Mangelware waren. Also schmuggelte er Bibeln in die entlegendsten Gegenden und hatte manchmal auch Helfer. Mit seinem Tun geriet er in den Fokus der Stasi und musste für ein Jahr seinen Personalausweis zurückgeben, womit man ihn damals an seiner empfindlichsten Stelle traf. Erst lange danach hat er aus den über ihn angelegten Stasi-Akten erfahren, in welchem Ausmaß seine Überwachung stattgefunden hat: In acht Bänden wurde auf mehr als 3.000 Seiten sein Leben dokumentiert.


Ein tiefer Einblick in das Leben der Menschen 

 

 

Allen UdF-Reisenden war gemeinsam, dass sie ein großes Interesse an der Lebensweise und Kultur der Menschen, die sie unterwegs kennenlernten, hatten. Die Motive, sich mit nur wenig Geld, einem oft unklaren Ziel und mit jeder Menge Optimismus, dass alles gutgehen möge, auf den Weg zu machen, waren jedoch sehr unterschiedlich. Neben der Abenteuerlust und dem Schmuggeln von Bibeln war es auch der Wunsch, die Natur in "eigentlich" für Ausländer nicht zugänglichen Gegenden kennenzulernen oder sich beim Bergsteigen nicht nur auf die Sächsische Schweiz beschränken zu müssen, sondern die Gipfel des Kaukasus und Pamir zu erklimmen. Auch die Begeisterung für oppositionelle Literatur ließ manche diesen Weg wählen.

So gut wie niemand von ihnen hatte vor, der DDR den Rücken zu kehren. Eine Ausnahme machte Jürgen van Raemdonck, der mit dem System haderte und zusammen mit einem Freund auf die Idee kam, den Transit durch die Sowjetunion als Fluchtweg zu nutzen, also ostwärts in den Westen zu flüchten. Der Plan: Da der amerikanische Militärstützpunkt Point Hope in Alaska nur 400 Kilometer von der Eismeerküste Nordostsibiriens entfernt liegt, sollte das Übersetzen über das Packeis kein Problem sein. Es musste nur der Zeitpunkt abgewartet werden, zu dem der Atomeisbrecher "Sibir" seine Fahrten einstellte und sich die Eisdecke schloss. Da war die Aktuelle Kamera [Anm.: Nachrichtensendung der DDR] eine wertvolle Hilfe: Hier erfuhren die Freunde, dass ihr Vorhaben ab Mitte Oktober klappen könnte. Beim ersten Anlauf 1986 starteten die beiden mit stolzen 220 Kilogramm Gepäck: Nichts sollte sie aufhalten, sie wollten völlig autark sein. Raemdonck und sein Freund kamen immerhin bis Ostsibirien, wo sie sich am Fluss Kolyma ein Kajütboot "liehen", das keinen Motor hatte. Doch sie hatten die Tücken des Flusses unterschätzt: Das Boot versank in einer Stromschnelle und riss so gut wie ihr gesamtes Hab und Gut mit sich in die Tiefe. Sie konnten sich auf ein Inselchen retten und wurden dort nach ein paar Stunden von Pelztierjägern aufgelesen. Über Umwege reisten sie nach Hause und machten unterwegs noch Bekanntschaft mit dem KGB.
Nach dieser Niederlage begannen sie sofort, einen neuen Plan auszuarbeiten, der sie nach Point Hope führen sollte. Doch ihre Reise endete ein Jahr später an derselben Stelle, und sie wurden erneut dem KGB vorgeführt - denselben Beamten, die sie bereits im Jahr zuvor verhört hatten. Kurz zuvor war Michael Rust auf dem Roten Platz gelandet, und der KGB-Mann fragte die beiden Männer sichtlich genervt, warum die Deutschen sie nicht in Ruhe lassen könnten. Darauf die Antwort von Raemdonck: "Wir haben uns doch im Vorjahr mit einem freundlichen 'Auf Wiedersehen' verabschiedet. Und unter Freunden hält man Wort."
Was nicht im Buch steht: Raemdonck wurde 1989 ausgebürgert, hat also auf einem anderen Weg seinen Willen bekommen. Seit 1991 lebt er in Vorpommern.

Viele Eindrücke und Anekdoten

 

Was lernt der Leser noch? Zum Beispiel, wie man sich auf einer muslimischen Hochzeit, zu der man spontan eingeladen wird, NICHT benimmt, um nicht eine hochnotpeinliche Situation heraufzubeschwören.
Oder dass es nicht unbedingt eine gute Idee ist, als illegal Reisender an einem Sportwettbewerb teilzunehmen und anschließend in der Presse, dem Fernsehen und im Rundfunk erwähnt zu werden.

Viel Raum nimmt die Beziehung zu anderen Menschen ein: Die Angst, die sich einstellt, wenn sich Uniformierte nähern, aber auch die großherzige Hilfsbereitschaft der Einheimischen, die immer sofort bereit sind, Wohnung und Tisch mit ihnen völlig Fremden zu teilen und keine Gegenleistung zu erwarten. Das gilt z. B. auch für die Menschen in Aserbaidshan, über die Robert Conrad schreibt: Sowohl am Rand der Hauptstadt Jerewan (Eriwan) als auch auf dem Land hatte er auf seiner Reise 1985 damals Slums, deren Bewohner in Erdhütten lebten, die ein Dach aus Laub und etwas Dachpappe hatten, gesehen.
Alle UdFler, die Ende der 1980er Jahre in den damaligen Sowjetrepubliken unterwegs waren, berichten vom Geist der Veränderung, der sich durch die Gesellschaft zog und bekanntermaßen letztendlich in den Zerfall der UdSSR mündete.

Das Buch ist nicht nur durch seine sehr unterschiedlichen Reiseberichte, sondern auch wegen seiner unzähligen Fotos, die unterwegs aufgenommen worden sind, ein Zeitdokument, wie es so nur selten zu finden ist. 


Das Buch zum Film

 

Das Buch Unerkannt durch Freundesland  war in dieser Form zunächst nicht geplant. Der Veröffentlichung ging der gleichnamige Film aus dem Jahr 2006 voraus, für den ebenfalls Cornelia Klauß verantwortlich war. Er ist nicht inhaltsgleich mit dem Buch, aber beide stehen für dasselbe Lebensgefühl. Der Film kann in vier Teilen bei youtube angesehen werden, den ersten Abschnitt gibt es hier: Teil 1 Unerkannt durch Freundesland.

Bereits seit 2005 gibt es die Webseite Unerkannt durch Freundesland. Dort finden sich weitere Informationen sowohl zur UdF-Bewegung als auch zum Film.
 

Alle, die sich für die jüngere deutsche Geschichte interessieren oder sich über Einblicke in eine für uns fremde und teilweise vergangene Welt freuen, sollten dieses Buch lesen. Es ist so interessant und abwechslungsreich, dass man es immer wieder zur Hand nimmt, und sei es nur, um sich die Fotos anzusehen. 

 


 

Freitag, 4. September 2015

# 14 - Zwei ungleiche Knastbrüder probieren es mit der Freiheit

Rechtschaffen zu leben kann eine Herausforderung sein

 

Jack Foley, der (angeblich) größte Bankräuber aller Zeiten, und Cundo Rey, ein reicher und hochkrimineller kleiner Kubaner, lernen sich im Gefängnis kennen. Obwohl sie ziemlich verschieden  sind, sind sie zwei Road Dogs, die sich als Duo gegen die Gangs im Knast behaupten. Elmore Leonard vereint hier zwei völlig verschiedene Männer zu einem Team: Der großmäulige Macho Cundo kennt in seiner Welt nur die Macht des Geldes. Damit hält er sich rabiate Gefängniswärter vom Leib und gewalttätige Mithäftlinge auf Abstand. Aber er ist kein Egoist: Sein Kumpel Jack wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt und hat eigentlich keine Chance, jemals ein normales Leben zu führen. Doch da bleibt Cundo nicht untätig: Er spannt seine eigene Anwältin, die überaus clevere und rasend teure Megan Norris, ein. Sie sorgt dafür, dass nicht nur Cundo, sondern auch Jack schon nach kurzer Zeit in die Freiheit entlassen werden.

Alles eine Frage der Zeit? 

 

Jack ist bewusst, dass er bei Licht betrachtet nur eins kann: Banken ausrauben. Aber er ist die große Ausnahmeerscheinung unter seinen "Kollegen": Er sieht gut aus, hat ein tadelloses Auftreten und wendet nie Gewalt an. Seine Freundlichkeit geht sogar so weit, dass er einer nervösen Kassiererin beim Eintüten der Geldscheine die Hand tätschelt und beruhigend auf sie einredet. Doch er ist kaum entlassen, da heftet sich der FBI-Agent Lou Adams an seine Fersen. Er ist fest davon überzeugt, dass Jack bereits innerhalb von 30 Tagen wieder eine Bank ausrauben wird - schlicht, weil es nichts anderes gibt, womit er sein Geld verdienen könnte. Adams fühlt sich beruflich verkannt und möchte kurz vor seiner Pensionierung endlich einmal in der Zeitung stehen als der FBI-Agent, der den berühmten Bankräuber Jack Foley wieder ins Gefängnis gebracht hat.

Jack kommt wenige Wochen vor Cundo frei und zieht in eines von dessen Häusern in Venice, Kalifornien. Im Haus direkt gegenüber lebt Cundos Freundin Dawn, die bereits seit acht Jahren auf ihn wartet und ihm immer wieder versichert hat, sie würde leben "wie eine Heilige". Sie vertreibt sich die Zeit mit riskanten Bettgeschichten und Wahrsagereien, mit denen sie reichen Witwen das Geld aus der Tasche zieht. Sie wird von Cundos "Blutsbruder" Jimmy unterstützt, der das Vermögen des Kubaners verwaltet und nebenbei dafür sorgen soll, dass Dawn nicht vergisst, welchen Lebensstil sie Cundo immer wieder versprochen hat, während er im Knast sitzt.

Jeder ist sich selbst der Nächste


Die Freundschaft zwischen Cundo und Jack kommt ins Wanken, als der Kubaner zu Hause eintrifft und ahnt, dass es zwischen seinem Freund und Dawn nicht sonderlich enthaltsam zugegangen ist. Spätestens ab diesem Zeitpunkt beginnen sich alle insgeheim zu fragen, wer auf wessen Seite steht und wem man noch vertrauen kann. Dawns Lebensinhalt wird die Frage, wie sie Cundo um sein Vermögen erleichtern und künftig sorgenfrei ihr Leben genießen kann - ohne ihn, versteht sich. Sie kann sich sehr gut in Menschen hineinversetzen, was ihr dabei hilft, immer wieder neue Allianzen zu bilden und sich neu zu orientieren, wenn ihr einer der Herren in ihrem Leben nicht kooperativ genug ist. Doch irgendwann weiß niemand mehr, wem noch zu trauen ist, und so beschließen alle insgeheim, ihr eigenes Ding zu machen.


Road Dogs ist ein durchweg interessanter und lebendig geschriebener Roman, der durch seine teilweise drastische Sprache immer authentisch wirkt. Die Handlung nimmt immer wieder neue Wendungen und wird deshalb nie vorhersehbar. Mit dem Ende dürfte kaum ein Leser gerechnet haben.
Die mir vorliegende Ausgabe ist 2011 in der 2. Auflage bei Eichborn erschienen. Der Roman ist auch als Taschenbuch beim Suhrkamp Verlag erhältlich.
 

Sonntag, 30. August 2015

Das war der August

Sehr abwechslungsreich ging es durch mehrere Kontinente

 

Dieser Monat hatte im Gegensatz zum letzten zwar nur vier Freitage, aber da es zwischendurch noch ein "Special" gab, blicke ich wieder auf fünf sehr unterschiedliche Bücher zurück.

Es ging los mit CLIFFHANGER von Tim Binding. Ein frustrierter Ehemann versucht, sich durch einen kräftigen Schubs seiner nervtötenden Ehefrau zu entledigen. Von da an geht alles, was er anfasst, schief und die Situation wächst ihm langsam aber sicher über den Kopf. Ein lustiges Buch mit viel schwarzem Humor. Fazit: Prima Buch, um sich zu entspannen und ein paar amüsante Lesestunden zu genießen. 

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Eine Woche später folgte VOM GEIST DER GESETZE von Georg M. Oswald. Der Roman zeigt, wie unterschiedlich die Möglichkeiten von Arm und Reich sind, wenn es darum geht, sich aus unangenehmen Dingen herauszuwinden; das ahnten wir ja eigentlich immer schon. Der juristisch vorgebildete Autor stellt aber auch die Frage, inwieweit sich deutsche Gerichte vorurteilsfrei, objektiv und unbestechlich an die Gesetze halten. Viele interessante Charaktere und ein sich immer weiter verzweigendes Beziehungsgeflecht machen das Buch "rund". Fazit: Lesen! Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. 

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Einen weiteren Ausflug in die Welt der makabren Bücher gab es danach mit dem Roman GOD'S POCKET von Pete Dexter. Ein junger Mann, der eine handfeste Psychomacke hat und seine Mitmenschen permanent mit wüsten Drohungen und seinem immer griffbereiten Rasiermesser bedroht, wird an seinem Arbeitsplatz, einer Baustelle in Philadelphia, von einem Kollegen erschlagen. Die Polizei glaubt das Märchen vom Unfall, seine Mutter nicht. Die Leiche macht einen ungeplanten "Ausflug", die örtliche Mafia wird in die "Ermittlungen" eingeschaltet und ein altgedienter Lokalreporter ist so neugierig, dass er auf die im Viertel übliche Art mundtot gemacht wird. Sehr spannend, die Gefühlslage des Lesers wechselt immer wieder zwischen Belustigung und Grauen. Fazit: Ist die Beschreibung etwa nicht eindeutig? ;-) Hier ist ein Interview mit dem Autor Pete Dexter:



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Das vierte Freitagsbuch war KÄLTESCHLAF von Arnaldur Indriðason. Ein in Island spielender Krimi, der schon früh hätte beendet sein können, wenn nicht der erfahrene Kommissar Erlendur von der Mordkommission Reykjavik über einige winzige Details gestolpert wäre und auf eigene Faust ermittelt hätte. Der Selbstmord einer Frau in ihrem Ferienhäuschen an einem idyllischen See ist zugleich der Endpunkt ihrer eigenen Familiengeschichte als auch der Beginn eines neuen Lebens mit ungeahnten Möglichkeiten für einen ihr nahestehenden Menschen. Obwohl der Fall gelöst wird, ärgert man sich als Leser über einen anderen Umstand, der auch anderen Mordfällen anhaften dürfte. 
Fazit: Arnaldur Indriðason macht es spannend bis zum Schluss, deshalb gebe ich hierfür eine klare Empfehlung. Um eure Entscheidung für dieses Buch etwas zu vereinfachen, ist hier eine Hörprobe .

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Das "Extra-Buch"

Mit diesem bereits 1972 erschienenen Buch bekommt der Leser Einblicke in die chinesiche Gesellschaft während der Herrschaft von Mao Tse-tung: DAS MÄDCHEN AUS DER VOLKSKOMMUNE - CHINESISCHE COMICS macht deutlich, welche Werte und Verhaltensweisen damals als erstrebenswert galten und wie die Bevölkerung manipuliert wurde. Sehr interessant und dabei unterhaltsam. Als "Extra" wird es ohne eine Wertung vorgestellt.
























Freitag, 28. August 2015

# 13 - Nichts ist, wie es zunächst scheint

Ruhe sanft - davon kann hier keine Rede sein

 

Für diese Woche habe ich einen Krimi ausgesucht, der in Island spielt und von einem isländischen Autor geschrieben wurde: Kälteschlaf von Arnaldur Indriðason. Viele von euch werden Indriðason schon kennen: Er hat bereits zahlreiche Romane geschrieben, und Kälteschlaf ist der achte in einer Folge von bisher 14 Krimis, in denen die Mordkommission von Reykjavik ermittelt.


Ein Selbstmord, der viele Fragen aufwirft

 

Da hängt sich in einer kalten und dunklen Herbstnacht eine Frau in einem Wochenendhäuschen am See auf, und alle, die sie kannten, bestreiten, dass sie lebensmüde gewesen sei. María setzt ihrem Leben im idyllisch gelegenen Ferienhaus an dem in Island bekannten See Þingvellir ein Ende, das schon ihren Eltern gehört hatte. Dort hatten sie, als María noch ein kleines Mädchen war, als Familie viele schöne Stunden verbracht. Bis zu dem Tag, an dem dieser schreckliche Unfall geschah, bei dem ihr Vater sein Leben verlor. Er war, als María erst zehn Jahre alt gewesen ist, mit seinem kleinen Boot auf den See hinausgefahren, um zu angeln. Als der Motor aussetzte, versuchte er ihn zu reparieren, verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte in das eiskalte Wasser. María und ihre Mutter Leónora hatten vom Ufer aus hilflos zusehen müssen, wie er ertrank. So hatte es Leónora bei der Polizei ausgesagt, und so wurde es María immer wieder erzählt. Seitdem fürchtet sie sich vor der Dunkelheit und wird von ihrer Mutter nicht nur umsorgt, sondern regelrecht bewacht.

Der Selbstmord ist für die Polizei von Reykjavik kein Grund, Ermittlungen einzuleiten: Nachforschungen ergeben, dass María unter dem Tod ihrer Mutter vor einigen Jahren sehr gelitten hat und nur schwer darüber hinwegkam. Die beiden Frauen lebten in einer derart symbiotischen Beziehung, dass auch die Ehe mit dem Arzt Baldur an ihrer innigen Zweisamkeit nichts ändern konnte.
Auch wenn die Fakten klar sind und sich keine Verdachtsmomente für eine Straftat ergeben, hat Kommissar Erlendur Zweifel. Er kann zunächst nicht begründen, was ihn stört, beginnt aber, inoffiziell eigene Nachforschungen anzustellen. Seine Ahnung wird genährt, als eine gute Freundin Marías Kontakt zu ihm aufnimmt. Sie übergibt ihm eine Kassette, auf der sich der Mitschnitt einer Séance befindet, an der María teilgenommen hat. Alles Mystische ist dem Kommissar fremd, und er fühlt sich bei diesem Thema sehr unwohl.

Gibt es die Verbindung zu den Toten?

 

Erlendur findet heraus, dass María fest an ein Weiterleben im Jenseits glaubte und versuchte, mithilfe eines Sehers Kontakt zu Leónora aufzunehmen. Ihre Mutter hatte ihr, als sie bereits im Sterben lag, versprochen, ihr von "drüben" ein Zeichen zu geben, wenn sie dort weiterleben sollte. Und dieses Zeichen lässt nicht lange auf sich warten: Wie vereinbart ist es ein Buch von Marcel Proust, Leónoras Lieblingsschriftsteller, das María eines Tages aufgeschlagen vor dem Bücherregal findet. Für sie ist klar, dass ihre Mutter mit ihr Kontakt aufnehmen will, und sie wendet sich erneut an ein Medium.

Erlendur lässt in seinen Nachforschungen nicht nach und findet heraus, dass Baldur während seiner Zeit als Student bei einem Experiment assistiert hat, bei dem ein junger Mann kurzzeitig durch Abkühlung getötet und danach wiederbelebt wurde. Dabei wollten die beteiligten jungen Leute herausfinden, ob es tatsächlich ein Leben nach dem Tod gibt und was es mit den oft geschilderten Nahtoderfahrungen auf sich hat. Auch bei dieser Information folgt Erlendur seinem Bauchgefühl und ahnt, dass ihm diese Information weiterhelfen könnte.

Ein Ende mit Schrecken

 

Es ist keine Überraschung, dass Kommissar Erlendur herausfindet, was mit María geschehen und auf welche Weise sie gestorben ist. Das erwartet man auch von ihm. Das Ende ist jedoch auch etwas ärgerlich, weil seine clevere Vorgehensweise nur teilweise zum Erfolg führt, was nicht seine Schuld ist.

Einen Nebenschauplatz nehmen einige Vermisstenfälle ein, die schon Jahrzehnte zurückliegen. Auch hier kommt es in dem Sinne zu einem guten Ende, dass die Leichen endlich gefunden werden. Da hatte dann aber auch der Zufall seine Hände im Spiel.  

Mir ist ein Rätsel, warum ich bislang noch keine Krimis von Arnaldur Indriðason gelesen habe. Dieser hier ist durchweg spannend, lässt aber die Hauptfigur nicht als strahlenden Helden erscheinen, der einen Ermittlungserfolg nach dem anderen einfährt und sich dabei ganz auf die Kraft seines Intellekts verlassen kann. Die Figur Erlendur hat etliche menschliche Schwächen, und der Leser erfährt, dass sich der Kommissar in seiner kurzen Zeit als Ehemann miserabel verhalten hat. Auch als Vater von zwei Kindern ist er eher durch Abwesenheit als durch Fürsorglichkeit aufgefallen. Sein Verhalten ist jedoch durch eine lange zurückliegende Familientragödie geprägt, bei der Erlendurs jüngerer Bruder im Alter von acht Jahren vermutlich ums Leben kam. Seine Leiche wurde nicht gefunden, sodass die Familie nie mit diesem Unglück abschließen konnte und sogar ihren Einsiedlerhof verließ.

Fazit: Wenn ich das Buch nicht schon gekauft hätte, würde ich es jetzt tun ;-)
Die mir vorliegende Ausgabe ist 2009 bei Lübbe erschienen.