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Freitag, 19. März 2021

# 282 - Grüner wird's heute nicht mehr

Warum widmet man sich ausgerechnet der Farbe Grün?
Darauf gibt der Autor des Buches Grün, Prof. em. Hermann J. Roth, zwar keine Antwort, aber wenn man sich auf seiner Homepage umsieht, erkennt man schnell, dass ihm neben seinem Fachgebiet, der Pharmazie, auch die Kunst wichtig ist. Roth sieht in der Wissenschaft auch immer die Ästhetik.

Sein Buch trägt den Untertitel Das Buch zur Farbe. Dieses Konzept wird sowohl inhaltlich verfolgt als auch ästhetisch konsequent durchgehalten. Nicht nur der Einband ist in Grün gehalten, sondern ebenso der Schnitt, die Seitenränder sowie Überschriften, Seitenzahlen und Verweise.

Roth durchstreift praktisch alle Bereiche des menschlichen Lebens, in denen die Farbe, mit der gemeinhin Leben und Hoffnung assoziiert wird, vorkommt: In sechzehn Kapiteln erläutert er nicht nur die Herkunft des Wortes, sondern sieht sich in den Naturwissenschaften, der Medizin und Pharmazie, der Politik oder der Literatur um. Es ist tatsächlich erstaunlich, wie oft und wofür der Begriff 'Grün' verwendet wird. Da geht es um den Grünen Strahl (ein Phänomen, das beim Sonnenuntergang entsteht), das Grünkreuz (das nichts Positives an sich hat), die Grünen Drogen (Drogen, die das Wort 'Grün' in ihrer Bezeichnung führen, wie z. B. Grünes Pflaster) oder die Grüne Hochzeit. Im letzten Kapitel 'Grüner Omnibus' finden sich Begriffe, die sich thematisch nicht einem der vorangegangenen Kapitel zuordnen lassen. Dazu gehören beispielsweise das 'feindliche Grün' aus dem Straßenverkehr oder die Grüne Fee als poetische Bezeichnung für Absinth.

Jedes Kapitel ist mit Fotos oder Zeichnungen von (überwiegend) grünen Tieren, Menschen, Gebäuden oder Gegenständen illustriert. Nach der letzten Seite fragt man sich, ob sich Roth wohl noch weiteren Farben widmen wird. Grün ist ein sehr interessantes und unterhaltsames Buch. Leseempfehlung!

Grün ist 2021 im Dudenverlag erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 22 Euro.

Freitag, 29. Januar 2021

# 275 - Das Gesicht Europas

Der Biologe Bernd-Jürgen Seitz hatte 2017 mit Das Gesicht Deutschlands ein beeindruckendes Buch herausgebracht, nun hat er das Blickfeld erweitert und mit dem Titel Das Gesicht Europas nachgelegt.

In vier Kapiteln widmet sich Seitz nicht nur einer Beschreibung der geologischen, klimatischen und ökologischen Bedingungen des Kontinents, sondern erläutert Begriffe und Zusammenhänge und macht praktische Vorschläge, wie der Rückgang der Artenvielfalt mit relativ wenig Aufwand gestoppt werden kann. Die Inhalte sind leicht verständlich aufbereitet und richten sich sowohl an Leser mit wenigen Vorkenntnissen als auch an solche, die sich bereits mit der Thematik beschäftigt haben.

Der Abschnitt Landschaften und Lebensräume beschäftigt sich mit einer ausführlichen Betrachtung der Lebensräume Wald, Wasser, Wüste, Grasland, Kulturland sowie Bergland und macht seine Leser auf deren genaue Beschaffenheit und ihre Besonderheiten aufmerksam. Zum Verständnis der Landschaften gehört dabei unbedingt das Wissen um ihre Geschichte.

Im darauffolgenden Kapitel wird jeder dieser Lebensräume genau unter die Lupe genommen: Haben wir noch irgendwo in Europa Wildnis? Sollen auch Kulturlandschaften geschützt werden und wer tut das überhaupt? 

Im letzten Teil stellt Seitz die einzelnen Länder Europas anhand einiger statistischer Daten sowie ihrer Landschaften und Lebensräume vor. Er leitet es sehr treffend mit einem Zitat des Forschungsreisenden Alexander von Humbold ein: Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die sich die Welt nicht angeschaut haben.

Das Buch wird sehr anschaulich durch zahlreiche Fotos wie zum Beispiel diese ergänzt:

Litauen: Der Mittelpunkt Europas


Grabenbuchzone in Island



Eisernes Tor an der rumänisch-serbischen Grenze



Schilfernte am Neusiedler See (Österreich, 1996)



Kuhrische Nehrung mit Haff


Lesen?

Klare Leseempfehlung. Mir ist kein anderes Buch bekannt, das seinen Lesern Europa aus dieser Perspektive so anschaulich nahebringt wie dieses.

Das Gesicht Europas ist 2020 bei wbg Theiss, einem Inprint der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (WBG), erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 50 Euro sowie als E-Book 39,99 Euro.

Ich bedanke mich beim Verlag, der mir die Fotos zur Verfügung gestellt hat.