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Freitag, 4. Juni 2021

# 293 - Die Schnüfflerin

Anne von Vaszary hat mit Die Schnüfflerin ihren ersten Krimi veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht die 23-jährige Berlinerin Ninella-Pritilata Buck, die von allen nur Nina genannt wird. 

Nina ist bislang irgendwie durch ihr Leben geschlingert. Sie hat die Schule abgebrochen und sich mit kleinen Jobs über Wasser gehalten. Von ihrer Mutter wurde sie schon früh an die Oma weitergereicht, die immer versucht hat, den Spagat zwischen ihrem Beruf als selbstständige Hebamme und der Erziehung ihrer Enkelin zu schaffen. Die Oma, die immer die einzige Konstante für Nina war, ist seit fünf Jahren tot. Ihr Vater ist in Ninas Leben der große Unbekannte, über dessen Identität sich die Mutter ausschweigt. Die junge Frau fühlt sich allein und haltlos.

Aber schlimmer geht bekanntlich immer. Nina hat einen One-Night-Stand mit dem großmäuligen Aufreißer Ricky und wird prompt von ihm schwanger. Sie hat nichts dagegen, eine Familie zu gründen, aber doch bitte nicht mit diesem Spinner!

Als sie sich mit ihm in einem Restaurant verabredet, um ihm die frohe Botschaft mitzuteilen, hält ein merkwürdiger Geruch Nina davon ab, ihr Essen zu probieren. Durch die Schwangerschaft ist ihr Geruchssinn extrem sensibel geworden. Doch alle Gäste um sie herum - auch Ricky - fangen schon nach dem ersten Bissen an, nach Luft zu ringen und um ihr Leben zu kämpfen. Wie sich später herausstellt, wurde den Gerichten Zyankali beigemischt.

Da Nina als einzige ihr Essen nicht angerührt hat, wird sie für die Polizei automatisch zur Hauptverdächtigen. Doch Kommissar Koller, der für seine unkonventionellen Ermittlungsmethoden berüchtigt ist, spannt Nina für seine Zwecke ein. Er verfolgt gemeinsam mit ihr zahlreiche Spuren und nutzt ihren ausgeprägten Geruchssinn aus - wohl wissend, dass sie nur mitmacht, um ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen.

Nina beeindruckt Koller immer wieder mit ihren logischen Schlussfolgerungen. Aber sein Misstrauen bleibt: Hat sie wirklich nichts mit dem Fall zu tun? Oder war sie tatsächlich nur zur falschen Zeit am falschen Ort?

Nina hat nicht nur gegen Kollers immer wieder aufflammende Zweifel an ihrer Unschuld zu kämpfen, sondern spürt, dass sie ihr Leben endlich in Ordnung bringen muss. Durch unerwartete Ereignisse erfährt sie, auf wen sie sich wirklich verlassen kann.

Lesen?

Nina ist in diesem Cosy-Krimi eine sympathische Protagonistin, die sich trotz aller Rückschläge nicht entmutigen lässt. Sie macht Die Schnüfflerin wegen ihrer Fähigkeiten zu einem ungewöhnlichen Buch und trägt dazu bei, dass das Interesse am Fortgang des Falls bis zur letzten Seite erhalten bleibt. Leseempfehlung!

Die Schnüfflerin ist 2020 im Knaur Verlag erschienen und kostet sowohl als Taschenbuch als auch als E-Book 9,99 Euro.



Freitag, 20. November 2020

# 266 - Eine Reise durch die Antike - aus pharmazeutischer Sicht

Monika Niehaus und Michael Wink sind promovierte Naturwissenschaftler und haben sich in ihrem Buch Wie man Männer in Schweine verwandelt und wie man sich vor solch üblen Tricks schützt der klassischen Antike aus einer ganz neuen Perspektive genähert. 

Man muss die "Ilias" und die "Odyssee" des griechischen Dichters Homer nicht gelesen haben, um einige Figuren daraus zu kennen. Die Abenteuer von Odysseus, dem König von Ithaka, und seine Begegnungen sowie die weiterer griechischer Sagenhelden mit Zauberinnen, Ungeheuern und anderen mythischen Gestalten sind weltbekannt. Immer wieder ist dort von Zaubertränken oder -salben die Rede und von Menschen, die sich nach dem Kontakt mit ihnen euphorisch, phlegmatisch oder erratisch wütend verhielten. 

Homers "Odyssee" ist keine Tatsachenbeschreibung, sondern schildert epische Geschehnisse. Die beiden Wissenschaftler haben jedoch aufgrund der Beschreibungen versucht nachzuvollziehen, welche naturwissenschaftlichen Indizien hinter diesen dort und in der "Ilias" beschriebenen Phänomenen stecken. 

Doch es geht Niehaus und Wink nicht nur um die dunklen Seiten der frühen Pharmakologie, sondern auch um Liebeselixiere und Heilmittel. Dabei richten sie ihren Blick immer wieder auf die Frage, inwieweit diese schon früh verwendeten Substanzen auch in unserer Zeit noch eine Rolle spielen. Nicht zuletzt geht es auch um Sagengestalten wie zum Beispiel Zyklopen, deren Aussehen sich ebenfalls auf pflanzliche Wirkstoffe, die sich in der Ziegenmilch befunden haben, zurückführen lässt.

Bei allem gilt: Die Dosis macht das Gift. Wirkstoffe, die in geringer Konzentration heilend und wohltuend wirken, töten einen Erwachsenen in wenigen Minuten. Niehaus und Wink belassen es jedoch nicht bei der Erläuterung dessen, was da wohl vor 3.000 Jahren Pflanzenkundige getan haben mögen. Sie erklären anhand von Tafeln die wichtigsten Rauschpflanzen und Gifte.

Das Buch ist humorvoll geschrieben, Fachbegriffe werden unmittelbar erklärt. Für Laien ist es darum kein Problem, den Erläuterungen zu folgen. Auch Dinge, die man schon zu wissen glaubt, werden aufgegriffen: Woher kommt das Wort "Droge" und was bedeutet es ursprünglich? Welcher getrocknete Waldpilz sorgt nach dem Verzehr für ekstatische Halluzinationen und hat die Besonderheit, dass der Urin derjenigen, die ihn konsumiert haben, noch stärker berauschend wirkt? Und woher kommt das Bild von den auf Besen reitenden Hexen?

Wie man Männer in Schweine verwandelt und wie man sich vor solchen üblen Tricks schützt endet mit einem Hinweis auf das sog. 'Odysseus-Phänomen'. Mit dem Begriff ist die existenzielle Unsicherheit von Migranten, die in psychische Belastungsstörungen mündet, gemeint. Das soll auch Odysseus so empfunden haben, wie es Homer in der "Odyssee" (5. Gesang, Vers 82-85) beschreibt:

Weinend saß er am Ufer des Meeres. Dort saß er gewöhnlich,
und zerquälte sein Herz mit Weinen, Seufzen und Jammern,
und durchsuchte mit Tränen die große Wüste des Meeres.

Für Niehaus und Wink schließt sich damit in der Gegenwart ein Kreis, der in der Antike seinen Anfang genommen hat.

 

Wie man Männer in Schweine verwandelt und wie man sich vor solchen üblen Tricks schützt ist 2020 im S. Hirzel Verlag erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 24 Euro.