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Freitag, 10. Januar 2020

# 224 - Das Mittelalter ruft: Die Waringhams sind zurück

Leser von Rebecca Gablé, die die bislang fünf Bände
der Waringham-Saga kennen, dürfen sich den sechsten Band Teufelskrone nicht entgehen lassen. Wer die Saga noch nicht kennt, kann problemlos mit diesem Buch einsteigen: Der neueste Titel aus der Reihe spielt nicht etwa nach dem fünften Teil Der Palast der Meere, sondern ist zeitlich vor dem ersten angesiedelt: Gablé lässt die Handlung Ende Dezember 1192 mit der Festsetzung von König Richard "Löwenherz" von England durch den österreichischen Herzog Leopold V. beginnen.

Die Familie in zwei Lagern

 

Die fiktive Familie Waringham wird dieses Mal vom Vater Earl Jocelyn of Waringham und seinen Söhnen Guillaume und Yvain dominiert. Jocelyn behält nicht nur die Geschicke seiner Baronie im Blick, sondern beobachtet auch aufmerksam die politische Entwicklung in England. König Richard kann sich seiner Position nicht sicher sein, denn sein Bruder Prinz John "Ohneland" beansprucht die Krone ebenfalls für sich. Guillaume ist bereits ein Ritter des Königs, und als Yvain alt genug ist, schickt ihn sein Vater als Knappe an den Hof des Prinzen. Es ist schließlich immer gut, zwei Eisen im Feuer zu haben.

Dieser Schachzug ist zwar taktisch gut überlegt, treibt aber in den darauffolgenden Jahrzehnten einen Keil zwischen die Brüder. Beide stehen loyal hinter ihren Dienstherren und verteidigen diese gegen Angriffe aller Art - auch untereinander. Die Situation verkompliziert sich, als sich Guillaume und Yvain in dieselbe Frau verlieben und der Ältere sie heiratet.

Rebecca Gablé verwebt das Schicksal der Familie Waringham - wieder einmal - gekonnt mit der englischen Geschichte, bis hin zur Mitwisserschaft an einem Mord, der Yvain of Waringham mit König John verbindet. Der Roman zeugt von den profunden historischen Kenntnissen der Autorin und ist gewohnt flüssig und spannend geschrieben. Die mehr als 900 Seiten sind schnell gelesen. Er endet im Jahr 1216 nach einer schicksalhaften Krise, die die Familie in mehrfacher Hinsicht heimgesucht hat.

Wenn es an diesem Buch überhaupt etwas zu kritisieren gibt, dann den Umstand, dass es so etwas wie der Teil 0 der gesamten Saga ist. Dadurch büßt eine der eigentlich spannendsten Begebenheiten etwas von ihrer Dramatik ein.

Lesen?


Auf jeden Fall. Teufelskrone hat keiner Stelle Längen; da die Zahl der Akteure geringer ist als bei den anderen Teilen der Saga, lässt sich der Verlauf etwas einfacher nachvollziehen. Ein Verzeichnis der wichtigsten Personen sowie ein Stammbaum des Hauses Plantagenet helfen dabei, den Überblick zu behalten.

Teufelskrone ist bei Lübbe erschienen und kostet als gebundenes Buch 28 Euro, als E-Book 19,99 Euro sowie als Audio-CD 24,98 Euro.


Mittwoch, 2. August 2017

Eine Besonderheit aus Afrika, ein totes Kind, ein starker König und ein zweifelndes Paar

Viel Abwechslung im Juli


Der mit den Glasaugen von Marta Monti machte in diesem Monat den Anfang: Der fünfjährige Jan verschwindet aus dem Haus seiner Mutter, und die Kripo Bern, allen voran das Ermittlerduo Beta und Bertschi, machen sich auf die Suche nach dem Kind. Was zu Beginn der Fall eines Ausreißers hätte sein können, entpuppt sich später als Mord. Dieser Krimi kam bei mir nicht besonders gut weg: Der Spannungsbogen hat ein paar Dellen, und an Logik und Schlüssigkeit besteht durchaus Optimierungsbedarf. Auch der Umgang mit der Grammatik war ein Kritikpunkt.










In Die verborgene Schönheit der Sterne steht ein kinderloses Ehepaar aus Berlin im Mittelpunkt, das sich in und mit seinem Leben arrangiert hat. Doch dann platzt eine todbringende Diagnose in ihr Leben, die alles verändert: Ihre Vorstellungen von Treue und Zusammenhalt und darüber, was im Leben wirklich wichtig ist, werden auf die Probe gestellt. Karen Hilgarth hat einen einfühlsamen Roman geschrieben, der glücklicherweise nie ins Kitschige oder Gefühlsduselige abgleitet. Karen Hilgarth stellt sich auf ihrer Autorenseite bei Facebook vor.













An diesem Buch konnte ich nicht vorbeigehen: Libreville von Janis Otsiemi ist der erste Roman aus dem westafrikanischen Gabun, der jemals ins Deutsche übersetzt wurde. Mein Eindruck: Die Struktur dieses Krimis hat nichts mit dem gemeinsam, was wir gewohnt sind. Auch wenn der Klappentext diesen Eindruck vermittelt, geht es nicht nur um einen einzigen Fall, dem die Polizei hier auf der Spur ist, sondern auch um drei weitere, die nichts miteinander zu tun haben. Wie nebenbei lernt der Leser eine Menge über die Geschichte des Landes, die sozialen Verhältnisse und darüber, dass Machos und Korruption an der Tagesordnung sind, gern auch miteinander verbunden. Letzteres ist etwas, was nicht wirklich überrascht. In der WDR-Reihe "Noller liest" wurde ein Interview mit dem Autor veröffentlicht.




Die Bestsellerautorin Rebecca Gablé hat mit Die fremde Königin einen weiteren historischen Roman vorgelegt, der diesmal die deutsche Geschichte zwischen 951 und 962 abdeckt, als König Otto I. regierte und sich zum Kaiser krönen ließ. Die wahren und erfundenen Anteile der Geschichte strotzen vor Intrigen, Morden, Liebe und Verrat. Das Buch hat ein stilistisches Merkmal, das Gablé-Fans schon aus der Waringham-Reihe wie z. B. dem Band Der Palast der Meere kennen. Welches? Lest selbst! Der Verlag hat ein Video bereitgestellt, in dem Rebecca Gablé über ihr neuestes Buch spricht:













Vom Deutschland des Mittelalters geht es mit Jugend ohne Gott von Ödön von Horváth in das Deutschland des Nationalsozialismus'. Ein Lehrer an einem Gymansium erlebt, wie die braune Ideologie in das gesamte Leben der Deutschen einsickert und auch die Schule nicht davon verschont bleibt. Der Roman erzählt von Verrohung, Gefühlskälte und Mitläufertum und beschäftigt sich mit der Frage, ob unter solchen Bedingungen Gott überhaupt eine Chance hat. Trotz dieses Hinweises handelt es sich nicht um ein unbedingt religiöses Buch. Bereits vor 80 Jahren erschienen, aber immer noch aktuell.
Der Roman wurde 1991 mit Ulrich Mühe verfilmt, hier gibt es den Trailer.


War für euch ein Buch dabei?

Freitag, 21. Juli 2017

# 109 - Eine Geschichte aus dem Mittelalter

Spannender Historienroman 

 

Rebecca Gablé ist bekannt für ihre lebendig geschriebenen historischen Romane, und Die fremde Königin fügt sich nahtlos in die Reihe der erfolgreichen Bücher der Autorin ein. Diesmal geht es um Adelheid von Burgund, die ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes König Lothar II. von Italien König Otto I. heiratet. Diese auch aus taktischen Gründen geschlossene Ehe rief erwartungsgemäß einige Gegner auf den Plan und führte auch in der eigenen Familie zu Verwerfungen. Die fremde Königin knüpft an die Handlung des Romans Das Haupt der Welt an. 

Historische Fakten geschickt verwoben mit Erfundenem

 

König Lothar II. von Italien wird 950 Opfer eines Giftmordes, und so ist seine Frau Adelheid im Alter von 19 Jahren plötzlich verwitwet. Markgraf Berengar von Ivrea steckt hinter dem Anschlag: Sein halbwüchsiger Sohn Adalbert soll die junge Witwe heiraten und so zum König von Italien aufsteigen. Doch auch die Kerkerhaft in Garda unter widrigsten Umständen kann Adelheid nicht dazu bringen, sich ein Ja-Wort abzuringen. Mithilfe des Panzerreiters Gaidemar gelingt ihr 951 zusammen mit ihrer kleinen Tochter Emma und ihren Begleitern die Flucht aus dem Verlies, und die Gruppe findet in der Burg des Grafen von Canossa Unterschlupf. Währenddessen ist König Otto I. über die Alpen gezogen, hat Berengar aus Pavia vertrieben und seinen Bruder Heinrich Herzog von Bayern ausgesandt, um Adelheid nach Parvia zu eskortieren. Der Zweck ist klar: Wie im Adel des Mittelalters üblich, soll auch diese Verbindung eine Zweckehe sein, die Otto zum König von Italien macht. Außerdem braucht Otto mehr Söhne, damit es nach seinem Tod kein Problem bei der Thronfolge gibt. Doch Otto und Adelheid haben ein weiteres großes Ziel: Der König plant die Errichtung einer prächtigen Pfalz in Magdeburg und die Gründung des Erzbistums Magdeburg, und sowohl er als auch seine Frau streben die Kaiserkrönung an. Doch zuvor müssen zahllose Intrigen überstanden und überlebt werden, ehe es in Rom dazu kommen kann. Auch die Pest, an der Otto 956 in Köln erkrankt, ist eine schwere Prüfung.

Pageturner bis zur letzten Seite

 

Rebecca Gablé spannt den Bogen von August 951 bis Januar 962, dem Zeitpunkt der Krönung des Königspaares zum Kaiser bzw. zur Kaiserin durch Papst Johannes XII. Wie schon in ihren anderen Romanen verwebt sie gekonnt historisch belegte Tatsachen mit selbst erdachten Personen und Handlungen. Am Ende ihres Buches weist sie jedoch detailliert auf alles hin, was ihrer Phantasie entsprungen ist.
Ebenfalls typisch für die Autorin sind Personen oder Personengruppen, die dem gesamten Verlauf einen roten Faden geben. In der fünfteiligen Reihe um die Familie Waringham (siehe auch Der Palast der Meere) war es eben diese, die alle Titel der Reihe durchzog und die Handlung zusammenhielt, die es aber nie gegeben hat. In Die fremde Königin ist es der Panzerreiter Gaidemar, der für den Fortgang des Romans unverzichtbar ist: Der junge Mann ist insbesondere gegenüber Adelheid sehr loyal, mutig und ehrlich und hat einen weichen Kern unter seiner harten Schale. Schade, dass auch er nicht gelebt hat.

Die fremde Königin ist bei Bastei Lübbe erschienen, hat inkl. des Nachworts ca. 760 Seiten und kostet in der gebundenen Ausgabe 26,-- €, als Audio-CD 20,99 €, als Kindle- oder epub-Edition 19,99 € und als Hörbuch 44,95 € (ungekürzt) oder 20,95 € (gekürzt). 

Vielen Dank!

Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Inhaber der Hemminger Buchhandlung, Herrn Stefan Koß, zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke. Herr Koß bietet ein breites Spektrum unterschiedlichster Bücher an und besorgt nicht im Laden vorrätige Titel innerhalb eines Werktages.  
  

Sonntag, 1. November 2015

Der Rückblick auf den Oktober

Ein Monat mit spannenden Erinnerungen

 

Im Oktober ging es um wieder aufgetauchte Tagebücher von zwei weltweit bekannten Schriftstellern, den Erinnerungen des Sohnes eines prominenten Publizisten, den (vorläufig?) letzten Teil einer Familiensaga, die unzählige Fans hat und einen etwas anderen Krimi.


Astrid Lindgren macht sich ihre Gedanken zum 2. Weltkrieg

Aus einer vergleichsweise komfortablen Position heraus blickt die durch ihre Kinder- und Jugendbücher bekannte schwedische Autorin Astrid Lindgren auf die Kriegswirren, die sich um ihr Heimatland herum abspielen. Ihre Beurteilungen sind kritisch und sehr mitfühlend. In DIE MENSCHHEIT HAT DEN VERSTAND VERLOREN - TAGEBÜCHER 1939-1945 sind außerdem zahlreiche Faksimiles enthalten, die vom Schwedischen ins Deutsche übersetzt wurden. Die Kriegstagebücher bekommen von mir wegen ihrer Authentizität 

(von 5)

Und wer noch etwas mehr über Astrid Lindgren wissen möchte: Hier ist ein Video anlässlich ihres 100. Geburtstages , das einen Ausschnitt aus der Sendung "Titel, Thesen, Temperamente" aus dem Jahr 2007 zeigt.

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Am 9. Oktober ging es mit HEUTE DREIMAL INS POLARMEER GEFALLEN des durch seine Kriminalromane bekannt gewordenen Schriftstellers Arthur Conan Doyle weiter. Schon wieder Tagebücher? Ja, denn diese unterscheiden sich sehr von denen, die Astrid Lindgren verfasst hat. Conan Doyle schildert sehr genau den Verlauf seiner Reise auf einem Arktis-Walfänger im Jahr 1880. Er war damals ein junger Medizinstudent und wurde als Schiffsarzt angeheuert. Da nahm man es offenbar noch nicht so genau. Auch dieses Buch hat 


 verdient.


Radio Bremen hat am 16. August 2015 eine Hör-Rezension veröffentlicht. Hier werden Ausschnitte aus dem Buch vorgelesen.

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Eine Woche später gab es wieder einen Rückblick, diesmal allerdings einen sehr nachdenklichen. Tilman Jens hat über die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters Walter Jens ein Buch geschrieben, in dem er sich sowohl über den Verlauf der Erkrankung, als auch die Frage, wann Sterbehilfe geleistet werden sollte, Gedanken macht. DEMENZ- ABSCHIED VON MEINEM VATER hat nach seiner Veröffentlichung heftige kontroverse Diskussionen ausgelöst, die teilweise ans "Eingemachte" gingen. Für die ehrliche und unverblümte Darstellung sowie den Mut, mit diesem sehr persönlichen Anliegen an die Öffentlichkeit zu gehen, vergebe ich ebenfalls

 



Wenn ihr eine Entscheidungshilfe benötigt, bevor ihr euch diesem Buch zuwendet, dann könnt ihr hier die ersten Seiten lesen.

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Der 23. Oktober war ganz der Unterhaltung gewidmet. Fans von historischen Romanen haben schon lange auf die Fortsetzung der Geschichte des englischen Waringham-Clans gewartet, und im September war es dann endlich soweit. Die Handlung hat sich in DER PALAST DER MEERE von Rebecca Gablé auf die Seefahrt verlagert, der Familiensitz in Waringham ist nur noch einer von mehreren Schauplätzen. Das ist den Plänen der damaligen Königin Elisabeth I. geschuldet, ihr Vermögen und die Kriegskasse mit Sklavenhandel und anderen "Erfolgen" englischer Freibeuter aufzubessern. Das Buch ist - wie von ihr gewohnt - durchweg spannend geschrieben und basiert auf historischen Fakten. Auch hierfür gibt es








Der Verlag hat ein Buchvideo bereitgestellt.

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Am letzten Freitag im Oktober habe ich euch einen Krimi von Friedrich Ani vorgestellt. In DER NAMENLOSE TAG bittet ein Mann den pensionierten Kriminalhauptkommissar Jakob Franck um Hilfe. Vor 21 Jahren war seine damals 17jährige Tochter erhängt an einem Baum im Park gefunden worden. Bis heute glaubt der Vater, dass sein Kind ermordet wurde. Mit seinen sehr eigenwilligen Methoden kann Franck Licht ins Dunkel bringen. Für dieses ungewöhnliche Buch, das sowohl stilistisch als auch inhaltlich jenseites der üblichen Krimis liegt, gebe ich 






Hier ist ein Video zu einer Romanlesung mit Friedrich Ani.

Hinsichtlich der Buchauswahl war das ein super Monat!

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Freitag, 23. Oktober 2015

# 21 - Die Waringham-Saga geht weiter

Nach zwei Jahren Pause kommt jetzt die Fortsetzung

 

Rebecca Gablé hat ihre sehr bekannte und erfolgreiche Romanserie, in der sich alles um die erfundene englische Familie Waringham und die Geschichte Englands dreht, um einen fünften Band ergänzt.
Wer die vorangegangenen Bücher kennt weiß, dass der erste Roman Das Lächeln der Fortuna im Jahr 1360 ansetzt. Die nachfolgenden Bücher schließen sich zeitlich fast nahtlos an, der heute vorgestellte fünfte Teil Der Palast der Meere versetzt seine Leser zurück in die Jahre 1560 bis 1588.


Lug und Trug und jede Menge Seefahrt - das Elisabethanische Zeitalter

 

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen neben Queen Elisabeth I. die jetzt erwachsenen Kinder der Waringham-Generation des vorherigen Romans Der dunkle Thron: Eleanor ist das "Auge" der Königin, ihr Bruder Francis Earl of Waringham lebt mit seiner Frau und seinen Kindern auf dem Familiensitz in Waringham und betreibt sehr erfolgreich das Gestüt, Eleanors jüngerer Brüder Isaac lebt in London bei seinem Onkel Philipp Durham, und die Jüngste, Isabella, wächst behütet in Waringham auf.

Nach den üblichen Regeln ist klar, dass Francis' Sohn Lappidot irgendwann das Gut und den Titel erben wird. Doch da kommt der Familientradition die Pest dazwischen: Der sechsjährige Lappidot erkrankt so schwer daran, dass er völlig erblindet. Somit scheidet er als Erbe aus. Francis schickt einen Boten aus, um seinen Bruder Isaac aus London aufs Land zu holen, damit der sich in den nächsten Jahren auf die ihm zugedachte Rolle vorbereiten kann. Doch Isaac verbindet mit dem idyllischen Landleben nichts weiter als Unfreiheit und stiehlt sich davon. Es zieht ihn in die Ferne, und er möchte Abenteuer erleben. Er schlägt sich nach Plymouth durch und versteckt sich als blinder Passagier auf der "Salomon", weil ihm, der von Schifffahrt nichts versteht, das Schiff als das beste im Hafen erscheint. Erst als er auf See entdeckt wird, wird ihm klar, auf wessen Schiff er geraten ist: Der Captain ist John Hawkins, der berühmt-berüchtigte Freibeuter. Isaac verschweigt seine wahre Identität und hat zunächst noch Glück, als sich Hawkins Vetter Francis Drake um ihn kümmert. Doch entgegen Isaacs erster Vermutung, dass die "Salomon" einen niederländischen oder französischen Hafen ansteuern würde, dauert ihre Fahrt zwei Monate, bis sie den Hafen von Teneriffa anläuft. Nachdem Captain Hawkins seine Geschäfte dort abgewickelt hat, verkauft er Isaac kurzerhand als Sklave an einen spanischen Zuckerrohrpflanzer. Für ihn beginnen die schrecklichsten beiden Jahre seines Lebens.

Immer schön den Schein wahren

 

Niemand in London oder Waringham weiß, wo sich Isaac befindet. Doch die Nachforschungen seiner Schwester Eleanor ergeben zumindest, dass er sich in Plymouth eingeschifft hat. Das untermauert das schlechte Image als schwarzes Schaf der Familie, das sich Isaac schon in der Vergangenheit erarbeitet hat.
Eleanors Leben verläuft indessen in einem Rhythmus, den die Königin vorgibt. Sie ist als ihr "Auge" nicht nur ihre Hofspionin, sondern auch seit Kindertagen ihre engste Vertraute. Ihr Privatleben kommt eine ganze Weile zu kurz, aber dann beginnt sie eine heimliche Beziehung mit Gabriel Durham, dem Londoner "König der Diebe", die sie lange Zeit geheimhalten kann.

Elisabeth I. hat jahrelang mit den Intrigen der schottischen Königin Maria Stuart zu kämpfen, die nach der Ermordung ihres zweiten Ehemanns Lord Darnley durch ihren späteren dritten Mann jeden Rückhalt in Volk und Adel verliert und schließlich 1567 abdanken muss. Doch Maria Stuart besteht darauf, dass ihr Anspruch auf den englischen Thron größer ist als der von Elisabeth I. Auch während ihrer Haft in wechselnden englischen Burgen und Schlössern versucht sie, ihren Machtanspruch mithilfe von treuen Anhängern durchzusetzen. Elisabeth I. widersteht lange Zeit dem Drängen ihrer Vertrauten, diesem Treiben ein Ende zu setzen, kann letztlich aber nicht anders, als 1857 das Todesurteil für die abgesetzte Königin zu unterschreiben.

Jede Menge Meer, Piraten und Sklaven

 

Dieses Buch stellt die Seefahrt und nicht mehr den Landsitz in Waringham in den Mittelpunkt. Für alle, die die ersten vier Romane*) gelesen haben, ist das sehr ungewohnt. Waringham und seine Bewohner spielen zwar immer noch eine Rolle, aber der Umstand, dass die damals regierende englische Königin den Sklavenhandel von Afrika nach Amerika gebilligt hatte und britische Piraten wie Hawkins und Drake (sowie der erfundene Charakter des Isaac Waringham) 1588 entscheidend an der Abwehr der Spanischen Armada beteiligt waren, haben die Handlung zugunsten der Freibeuter verschoben. Das tut der Spannung jedoch keinen Abbruch: Der Roman ließe sich gut "in einem Rutsch" lesen, wenn er dafür mit fast 960 Seiten nicht zu lang wäre.
Auch wenn es die Waringhams nicht gegeben hat und sie so etwas wie das Gerüst sind, an der sich die - historisch verbriefte - Handlung aufbaut, kann man sich kaum vorstellen, wie die englische Geschichte ohne ihre Unterstützung verlaufen wäre. Rebecca Gablé streut wie schon in den anderen Romanen sehr viele Figuren ein, die jedoch den Verlauf voranbringen und das Buch abrunden. Wer Schwierigkeiten hat, die zahlreichen Namen den Personen und ihren Funktionen zuzuordnen, kann hin und wieder einen Blick auf das übersichtliche Personenregister am Beginn des Buches werfen.

Ich habe schon die vorherigen Waringham-Romane verschlungen, und dieser machte keine Ausnahme. Es ist zwar schön, wenn die immer wieder auftauchenden Namen aus den ersten vier Büchern bereits bekannt sind, es ist aber nicht nötig, um dem neuesten Band folgen zu können. 
Hätte ich Der Palast der Meere nicht als Rezensionsexemplar von blogg dein buch zur Verfügung gestellt bekommen, hätte ich es mir auf jeden Fall gekauft.

Die Daten zum Buch:
Rebecca Gablé, Der Palast der Meere, (C) 2015 by Bastei Lübbe AG,  Bastei Lübbe , ISBN 978-3-431-03926-9

*) Die Titel der ersten vier Bücher der Waringham-Saga lauten
    Band 1: Das Lächeln der Fortuna (1360 - 1399)
    Band 2: Die Hüter der Rose (1413 - 1442)
    Band 3: Das Spiel der Könige (1455 - 1485)
    Band 4: Der dunkle Thron (1529 - 1553)