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Samstag, 4. März 2017

# 90 - Diese Suppen löffelt man gern aus

Das Kochbuch, das allen gefällt 

 

 

Familienmenschen und Gastgeber kennen das: Die Suche nach einem Gericht, das alle am Tisch essen können, kann ziemlich zäh sein. Es geht dabei nicht nur um Unverträglichkeiten und einzelne Abneigungen gegen bestimmte Lebensmittel, sondern Bestandteile von Lebensentwürfen: Da gibt es diejenigen, die auf Paleo schwören, andere leben nur noch vegetarisch oder vegan. Manche wollen schlank werden oder es bleiben und schwören auf kohlenhydratarme Ernährung („Low Carb“), und dann gibt es noch die Flexitarier, die sich immer wieder neu entscheiden, was sie essen wollen. Karina Both-Peckham hat nicht den Kochlöffel in die Ecke geworfen, sondern mit Peckham’s Kochbuch – Band 1: Lieblingssuppen ein Kochbuch geschrieben, das tatsächlich jedem Geschmack gerecht wird.



Ein Kochbuch mit einer durchdachten Struktur




Afrikanische Süßkartoffel-Erdnuss-Suppe
Karina Both-Peckham betreibt in Erfurt ein Bistro und eine Kochschule und ist außerdem Foodbloggerin (Iss dich glücklich). Die Begeisterung fürs Kochen ist ihrem Buch deutlich anzumerken: Die Rezepte für ihre 18 Suppen stammen aus aller Herren Länder und lassen sich auch für ungeübte Hobbyköche leicht nachkochen. Alle Zutaten sind in gut sortierten Supermärkten erhältlich, die Suppenmenge ist immer für vier Personen berechnet. Die Gerichte sind unkompliziert und schnell gemacht: Für ganz Eilige gibt es z. B. den Kichererbsen-Spinat-Tomaten-Topf mit Feta (in acht Minuten fertig), für Geduldigere den Rotwein-Linsen-Topf mit Wurzelgemüse (braucht 30 Minuten).



Jedes Rezept für alle Geschmäcker – wie geht das?




Die Zubereitung jeder Suppe wird zunächst in der vegetarischen Variante erläutert. Separat davon wird erklärt, wie sich das Rezept ohne großen Aufwand in ein Paleo-, Low Carb-, veganes oder Flexitarier- Gericht verändern lässt. Die Paleo-Varianten sind generell gluten- und laktosefrei.

Da Karina Both-Peckham am liebsten mit frischen Zutaten kocht, hat sie an den Rezeptteil einen Saisonkalender angehängt. Mit seiner Hilfe lässt sich schnell herausfinden, welches Gemüse in welchen Monaten frisch vom Feld oder zumindest als Lagerware erhältlich ist.

Die sehr schönen Fotos runden das Kochbuch ab und locken auch Kochmuffel an den Herd. Peckham’s Kochbuch – Band 1: Lieblingssuppen bietet einfach nachzukochende, leckere Suppenideen, die außerdem noch den Geldbeutel schonen. Eine klare Empfehlung.



Peckham’s Kochbuch – Band 1: Lieblingssuppen ist im November 2016 bei Books on Demand (BoD) erschienen und kostet als Hardcover-Ausgabe mit Schutzumschlag 18,90 Euro. 

Die Autorin bereitet gerade die Veröffentlichung zwei weiterer Bücher vor: Peckham's Kochbuch - Band 2: Hauptgerichte und Peckham's Kochbuch - Band 3: Yummy Desserts. Sie werden nach denselben Prinzipien strukturiert sein wie Peckham’s Kochbuch – Band 1: Lieblingssuppe. Man darf gespannt sein.

Freitag, 18. März 2016

# 42 - Schauspieler lässt Kuh reisen

 Auswandern leicht gemacht

 

Heute stelle ich euch zum ersten Mal ein Hörbuch vor. Ich bin eigentlich eher ein Fan von "richtigen" Büchern, aber als ich Heilige Kuh bekam, hat mich interessiert, was dahintersteckt. Es stammt von David Duchovny, der als Schauspieler durch seine Hauptrollen in "Akte X" und "Californication" bekannt geworden ist. Dass er vor seiner Karriere als Schauspieler einen Abschluss in Literaturwissenschaften an der renommierten Princeton University erworben hat, dürften nur wenige wissen.

Kuh trifft auf Realität

 

Die 3-jährige Kuh Elsie lebt ein  ziemlich geruhsames Leben auf einer Farm in den USA, wo sie die Zeit mit ihrer besten Freundin Mallory schwatzend und wiederkäuend verbringt. Beiden ist gemeinsam, dass ihre Mütter ohne Ankündigung verschwanden und sie nicht wissen, wo sie sich jetzt aufhalten. Das wundert sie jedoch nicht besonders, weil sie es so auch bei allen anderen Kühen beobachtet haben und für den normalen Lauf der Dinge halten. Doch eines Tages trabt Elsie am Haus ihres Bauern gerade dann vorbei, als dort im Wohnzimmer im Fernsehen eine Dokumentation über die Massenschlachtungen in Schlachthöfen gezeigt wird. Sie ist entsetzt und kann das Gesehene kaum verkraften. Ihrer Freundin erzählt sie nichts davon. Bei einem weiteren TV-Besuch vor dem Wohnzimmerfenster erfährt Elsie, dass Kühe in Indien nicht geschlachtet, sondern als heilige Tiere verehrt und gepflegt werden. Indien wird zu ihrem Traumland, und Elsie beschließt zu fliehen und künftig dort zu leben. Doch unter den Tieren auf einem Bauernhof bleibt auch das größte Geheimnis nicht geheim. So kommt es, dass sich ihr auch Shalom, ein zum Judentum konvertiertes Schwein, und der Truthahn Tom anschließen wollen. Deren Ziele sind jedoch ganz andere. Shalom möchte den Rest seines Lebens in Israel verbringen, wo sein Fleisch verschmäht wird, während es Tom in die Türkei zieht: Ist die Namensgleichheit zwischen den englischen Bezeichnungen für Truthahn und Türkei - "Turkey"- nicht Beweis genug, dass es ihm dort gutgehen wird? Aber zunächst brauchen sie einander, um die Flucht in die Welt außerhalb der Farm zu wagen.

Transport von Botschaften 

 

Nach allem, was ich über David Duchovny gelesen habe, ist er kein konsequenter Vegetarier, würde jedoch selbst kein Essen, das aus Fisch oder Fleisch besteht, zubereiten. Das, was er seinen Lesern vermitteln will, spricht die Kuh Elsie für ihn aus: Es ist grundsätzlich in Ordnung, dass sowohl Tiere als auch Menschen einander (fr)essen, wenn es tatsächlich dazu dient, den Nahrungsbedarf zu decken. Dass für die Massenproduktion von Fleisch die Tiere jedoch unter unwürdigen Umständen leben und sterben müssen, wird scharf verurteilt. Elsie wird auch nicht müde, immer wieder für gegenseitige Toleranz zu werben und spricht den Hörer dabei auch direkt an. Diesen Botschaften werden die meisten Menschen zustimmen, sie sind jedoch nicht neu und taugen meiner Meinung nach innerhalb dieser Handlung nicht dazu, jemanden zum Nachdenken zu bewegen.

Die Sprecherin Cathlen Gawlich ist Schauspielerin und hat Heilige Kuh nicht einfach nur vorgelesen, sondern den beteiligten Tieren - darunter auch ein Bombenspürhund mit kölschem Dialekt und ein Kamel, das als Model in der Werbung für eine Zigarettenmarke berühmt geworden ist - Leben eingehaucht. Sie gibt jedem Tier eine andere Klangfarbe und lässt Shalom Jiddisch sprechen und Tom im östereichischen Dialekt psychologische Betrachtungen à la Sigmund Freud vortragen. Aber wie das nun mal so ist: Jedes Buch ist Geschmackssache, und was zu Beginn noch amüsant war, begann mir im Laufe des Zuhörens auf die Nerven zu gehen. Wie gut die Übersetzung von Timur Vernes war, kann man nur beurteilen, wenn man den Originaltext gelesen hat. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass eine Geschichte, die von einem Amerikaner geschrieben wird und in den USA ihren Anfang nimmt, an das deutsche Publikum angepasst wird, indem z. B. auf Theo Lingen verwiesen wird. Auch der Sprachstil, der vermutlich besonders jugendlich wirken soll, macht das Zuhören anstrengend. 
David Duchovny hat mir als Schauspieler gut gefallen, als Autor hat er mich leider nicht überzeugt.

Heilige Kuh ist als Hörbuch bei der hörverlag erschienen und kostet 14,99 € (3 CDs). Die gebundene Ausgabe ist zum Preis von 16,99 €, das Taschenbuch für 9,99 € und die Kindle- sowie die epub-Edition für 13,99 € erhältlich.
Das Hörbuch wurde mir vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke.