Freitag, 29. Januar 2016

# 34 - Ein Roman in zwei Epochen

 Zwei Schauplätze, zwei Zeiten

 

Ich stelle euch heute mit La Vita Seconda - Das zweite Leben das Erstlingswerk von Charlotte Zeiler vor. Sie arbeitet als Krankenschwester in einer Intensivstation, was sich in ihrem Buch positiv bemerkbar macht.


Köln/Cölln als Schicksalsstadt

 

Im Jahr 1617 findet sich die junge Franziska verletzt auf einer staubigen Straße zwischen Cölln und Jülich wieder. Nur mit Mühe kann sie sich konzentrieren, aber die Umgebung um sie herum ist ihr fremd. Auch alles, was ihr Leben ausmacht, ist aus ihrem Gedächtnis verschwunden: ihr Wohnort, der Name ihrer Eltern ... alles ist weg. Auch an den Mann, der ihr offensichtlich helfen will und sich um sie kümmert, kann sie sich nicht erinnern: Antonio. Zusammen mit seinem Begleiter bringt er Franziska zu seinem Elternhaus in Cölln, wo sie Ruhe finden und sich erholen soll. 

In einem zweiten Handlungsstrang geschieht in der Gegenwart ein schrecklicher Unfall: Eine junge Frau ist in ihrem Auto auf dem Weg zu ihrer Arbeit in einem Krankenhaus. Kurz vor dem Ziel kommt es zu einem Zusammenstoß zwischen ihrem Fahrzeug und einem Lkw, bei dem dessen Fahrer ums Leben kommt und das Auto fast von dem Vierzigtonner zerquetscht wird. Der Notarzt Mark und ein Rettungssanitäter sind als erste am Unfallort und können die schwer verletzte Autofahrerin ins Krankenhaus bringen. Dort wird sie von Oliver, Marks bestem Freund, weiterbehandelt.

Wie können die Leben zweier Frauen trotz der zeitlichen Distanz umeinander kreisen?

 

Charlotte Zeiler hilft ihren Lesern dabei, die beiden unterschiedlichen Handlungsstränge auseinanderzuhalten: Bei jedem Wechsel in die jeweils andere Epoche ändert sich nicht nur die Schriftart, sondern auch die Zeit: Die Kapitel, die in der Gegenwart spielen, sind im Präteritum, die Handlung im 17. Jahrhundert ist im Präsens formuliert. Ohne die klare Strukturierung würde es vermutlich schwerfallen, jeden Handlungsverlauf für sich zu verfolgen.

Doch es bleibt lange rätselhaft, was die Schicksale der beiden Frauen miteinander zu tun haben könnten. Gemeinsam ist ihnen, dass sich in beiden Epochen eine Liebesgeschichte anbahnt: Mark, der von seiner früheren Verlobten betrogen wurde und monatelang keine Freude mehr am Leben hatte, fühlt sich zu der Autofahrerin hingezogen und besucht sie sogar, als sie wegen der Schwere ihrer Verletzungen in die Uni-Klinik Köln verlegt wird. Ihr ist das allerdings nicht bewusst: Sie liegt im Koma auf der Intensivstation. Mark erfährt auch bald ihren Namen, weil man in der Uniklinik irrtümlich annimmt, dass es sich bei der Patientin um seine Freundin handelt: Leya Volta. Er hat den Eindruck, ihr schon einmal begegnet zu sein, kann sich aber zunächst nicht daran erinnern, wo oder in welchem Zusammenhang er Leya bereits kennengelernt haben könnte.

Auch Franziska hat großes Gefallen an ihrem Retter Antonio gefunden, der sich als ein Sohn des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm entpuppt. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft im Haus des Pfalzgrafen kann Franziska nicht mehr sprechen. Auch ihre Erinnerung an ihr Leben vor dem Augenblick ihrer Rettung ist nicht zurückgekehrt. So beginnt die Suche nach ihrer wahren Identität. Doch schon bald ahnt sie, dass sie im Haushalt des Pfalzgrafen eine Feindin hat. Diese Ahnung soll sich tatsächlich bestätigen.


Vorsicht Spoiler!


Es fällt mir bei La Vita Seconda - Das zweite Leben sehr schwer, den weiteren Verlauf des Romans zu beschreiben, ohne zumindest einen Hinweis zu geben, was hinter diesen beiden Geschichten steckt. Charlotte Zeiler hat sich eines ungewöhnlichen Schreibstils bedient, an den man sich zu nächst gewöhnen muss, der jedoch das Verständnis für die Hintergründe erleichtert. Ihre medizinischen Fachkenntnisse, die an vielen Stellen deutlich werden, tragen ebenfalls dazu bei, dass die Handlung immer glaubwürdig bleibt.

Das Buch ist als Taschenbuch zum Preis von 9,95 € und als Kindle-Edition für 2,99 € erhältlich.

 

Freitag, 22. Januar 2016

# 33 - Sowjetische Gerechtigkeit im Stalinismus

Eine Spur des Todes entlang der Transsibirischen Eisenbahn

 

Kind 44 von Tom Rob Smith ist ein Roman, dessen Verfilmung ich gesehen hatte, bevor ich das Buch kannte. Neu war mir jedoch bis zum Lesen des Nachworts, dass sich die Handlung des Romans sehr eng an einem tatsächlichen Fall orientiert. Aber der Reihe nach.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf 

 

Januar 1933: In der Ukraine leiden die Menschen unter dem Hungerwinter. Viele sind bereits an Unterernährung gestorben, die noch Lebenden ernähren sich buchstäblich von allem, was irgendwie essbar ist. Da sieht Pavel eine streunende Katze. Auf Anweisung seiner Mutter nimmt er seinen jüngeren 8-jährigen Bruder Andrej mit auf die Katzenjagd. Dabei wird Pavel hinterrücks von einem Mann überwältigt und entführt. Der kurzsichtige Andrej, der seinen Bruder nach einer kurzen Suche nicht finden kann, kann seiner Mutter nur noch von dessen Verschwinden berichten. Pavel taucht nicht mehr zu Hause auf.

14. Februar 1953: Der knapp 5-jährige Arkadi wird tot auf den Bahngleisen in Moskau gefunden. Man hört, ein alter Mann habe die Leiche gesehen, die völlig nackt und übel zugerichtet gewesen sei. Eine Frau will einen Mann beobachtet haben, der in der Nähe des Leichenfundortes gewesen ist - mit einem kleinen Jungen an der Hand. Doch für die Behörden ist schnell klar: Der Tod des kleinen Arkadi ist tragisch, aber ein Unfall, an dem keiner außer dem Kind selbst eine Schuld trägt. Der Junge hatte sich zu dicht an den Bahngleisen aufgehalten, niemand nimmt Ermittlungen auf: Während der Diktatur Stalins gab es offiziell keine Kriminalität. Sie wurde als Auswuchs des Kapitalismus angesehen. Doch Arkadis Vater Fjodor Andrejew, ein Mitarbeiter des MGB, der Vorgängerinstitution des KGB, zweifelt an dieser Darstellung: Seinem Freund und Kollegen Leo Demidow, der den Auftrag erhalten hat, Fjodor und dessen Familie vom Unfalltod des Sohnes zu überzeugen, gelingt es nicht, dessen Zweifel an der Darstellung, die vom MGB vorgegeben ist, zu zerstreuen. Leo ist ein treuer und überzeugter Anhänger des Sowjetsystems und würde fast alles für sein Land tun. Er teilt die Vision Lenins, dass sich die Zahl der Verbrechen in dem Umfang verringern würde, in dem die Armut sich zurückbildet. Die sowjetische Gesellschaft war seiner Meinung nach auf dem besten Weg dorthin. Sofern die Menschen daran glaubten, würden sie sich stetig auf das Ziel hinbewegen, ein besseres Gemeinwesen zu formen. Dieser Glaube durfte nicht durch Gerüchte um ein ermordetes Kind ins Wanken gebracht werden.

Leos persönliche Wende: Ein Spion wird verhört

 

Das MGB verdächtigt den Tierarzt Anatoli Brodsky der Spionage, weil auch die Haustiere ausländischer Diplomaten zu seinen Patienten zählen. Als Brodsky bemerkt, dass er beschattet wird, kann er fliehen, wird jedoch von einer Gruppe von MGB-Beamten, die von Leo kommandiert wird, gefangengenommen. Leo hadert mit sich, weil er als Verantwortlicher eine der Grundregeln seines Berufs verletzt hat: "Besser, zehn Unschuldige leiden, als ein Spion entkommt." Zum ersten Mal erlebt Leo jedoch, dass er einem Verhafteten seine Aussage glaubt: Brodsky wird wie üblich gefoltert und widersteht den Misshandlungen länger als es andere Gefangene tun.

Doch Brodskys Festnahme hat für Leo ein Nachspiel: Als sein Untergebener Wassili Nikitin in einem entlegenen Dorf aus offensichtlichem Spaß am Töten ein Ehepaar erschießt, das verdächtigt wird, dem Entflohenen Unterschlupf gewährt zu haben und damit zwei kleine Mädchen zu Waisen macht, wird er von Leo niedergeschlagen, bevor er auch noch die beiden Kinder umbringen kann. Das macht die Männer zu Todfeinden.

Weil Leos Verhalten Aufmerksamkeit bei seinem Vorgesetzten Generalmajor Kuzmin erregt, fordert dieser von ihm einen Loyalitätsbeweis: Leo soll seine eigene Frau Raisa bespitzeln, die verdächtigt wird, eine Spionin zu sein. Ihm ist klar, dass Kuzmin nur eine Antwort von ihm akzeptiert: Die Bestätigung, dass Raisa tatsächlich ein Schädling des Sowjetvolkes ist. Damit wäre ihr Schicksal besiegelt: Nach einem Verhör, das wie gewohnt mit einem durch Folter erpressten Geständnis enden würde, würde auf die junge Frau eine Haft im Gulag warten, die mehrere Jahrzehnte dauern könnte - wenn sie diese lange Zeit überhaupt überleben könnte. Er entscheidet sich dafür, seine Frau nicht zu denunzieren, was die unmittelbare Degradierung und die Versetzung zur Miliz in Wualsk, einer tristen Industriestadt im Ural, nach sich zieht.

Leo wird in Wualsk General Nesterow unterstellt, der ihm wegen seiner ehemaligen MGB-Zugehörigkeit mit großem Misstrauen begegnet. Nur zwei Tage vor seiner Ankunft wurde in Wualsk ein junges Mädchen ermordet aufgefunden, und Leo fällt sofort die Ähnlichkeit mit den Umständen auf, unter denen der kleine Arkadi in Moskau ums Leben gekommen ist: Auch diese Leiche wurde grausam zugerichtet und befand sich in der Nähe des Bahnhofs. Nesterow lehnt kriminalistische Ermittlungen ab und verhaftet den geistig zurückgebliebenen Warlam Babinitsch, weil bei ihm eine blonde Locke, die von dem getöteten Mädchen stammen könnte, gefunden wurde. Babinitsch wird wegen Mordes zum Tod verurteilt und hingerichtet. Erst als in Wualsk eine weitere Kinderleiche gefunden wird, an der deutliche Parallelen zu den beiden vorangegangenen Morden zu erkennen sind, kann Leo seinen Vorgesetzten dazu überreden, mit ihm zusammen heimlich Ermittlungen aufzunehmen. Ihre Arbeit ist gefährlich und ergibt Anfang Juli 1953, dass quer durch die Sowjetunion außer Arkadi noch mindestens 43 weitere Kinder und Jugendliche auf die gleiche Weise getötet worden waren - Arkadi ist damit Kind 44. Nie hatte jemand eine Verbindung zwischen diesen Morden hergestellt, aber in jedem Fall hatte es einen "Täter" gegeben: bereits verurteilte Vergewaltiger, Diebe oder stadtbekannte Alkoholiker mussten hierfür herhalten.

Spannung bis zur letzten Seite

 

Kind 44 ist kein Krimi im klassischen Sinn. Natürlich ist viel davon die Rede, auf welche Weise und unter welchen widrigen Umständen Leo und Nesterow jeden Mord recherchieren, aber der Roman wirft auch ein Schlaglicht auf die Zeit, in der das Sowjetreich von Josef Stalin diktatorisch und gewaltsam regiert wurde. Die Beschreibung des Hungerwinters zu Beginn des Buchs geht auf tatsächliche Begebenheiten zurück: Im Winter 1932/1933 starben allein in der Ukraine etwa 3,5 Millionen Menschen an Unterernährung - ein Umstand, den die meisten Historiker heute als einen von Stalin absichtlich herbeigeführten Zustand betrachten, um die Ukrainer gefügig zu machen. In dieser Zeit soll es auch Fälle von Kannibalismus gegeben haben.

Auch die Schilderung der Mordserie geht auf einen historischen Kriminalfall zurück, der in der UdSSR für viel Aufregung sorgte und fast die Evakuierung einer ganzen Stadt nach sich gezogen hätte: Zwischen 1978 und 1990 tötete der Lehrer  Andrei Romanowitsch Tschikatilo mehr als 50 Kinder und Jugendliche auf grausame Weise. Wie im Roman stellte die Miliz lange Zeit keine Verbindung zwischen den Morden her: Tschikatilos Opfer waren Frauen und Mädchen fast aller Altersgruppen, die Taten hatten kein erkennbares Muster. Erst als er zufällig von einem Beamten dabei beobachtet wurde, wie er verdreckt aus einem Waldstück kam, in dem kurz darauf Kleidungsstücke und eine weitere Leiche entdeckt wurden, geriet er in den Fokus der Ermittler und konnte schließlich überführt werden. 1994 wurde er hingerichtet.

Kind 44 ist ein Buch, das man bis zum Schluss nicht mehr aus der Hand legt. Es schildert sehr deutlich das politische Klima in der Sowjetunion unter dem Regime von Stalin: Jeder achtete genau auf seine Worte und musste damit rechnen, auch von Angehörigen denunziert und der staatlichen Willkür ausgeliefert zu werden. Die Strafen für allerkleinste Vergehen, deren sich die Beschuldigten oft gar nicht bewusst waren, waren drakonisch. Tom Rob Smith versteht es, seinen Lesern das Leben der Menschen in dieser Zeit zu verdeutlichen, ohne sie mit Milieustudien zu langweilen. Für seinen Roman gibt es von mir eine ganz klare Empfehlung. 
Für alle, die sich jetzt fragen, wo der Zusammenhang zwischen dem Hungerwinter und den Tötungen sein könnte, sei gesagt: Es gibt sie, und seine Umstände sind die Erklärung für das Motiv des Mörders.


Ich bedanke mich beim Bloggerportal, das mir dieses Buch zur Verfügung gestellt hat. Kind 44 kann beim Goldmann Verlag bestellt und in jeder Buchhandlung zum Preis von 9,99 € gekauft werden (Taschenbuch). Die Kindle-Edition und die epub-Ausgabe kosten je 8,99 €.

 

Freitag, 15. Januar 2016

# 32 - Schreibende Juristin lässt Anwältin sterben

Ein Psychodrama in München?

 

Der 14jährige Oliver Baptiste wird an einem klirrend kalten Januartag verletzt und verstört in einem Kellerabteil eines Mehrfamilienhauses in München gefunden. Er kann sich angeblich an  nichts erinnern, aber seine Hände sind blutverschmiert - mit dem Blut der Rechtsanwältin Rose Benninghoff, die ermordet in ihrer Wohnung in der zweiten Etage desselben Hauses liegt. Damit beginnt das Krimidebüt Kellerkind von Nicole Neubauer. Die Autorin hat zwar ebenso wie Georg M. Oswald ein abgeschlossenes Jurastudium hinter sich, aber damit hören die Gemeinsamkeiten zwischen dem heutigen Buch und Oswalds Roman Vom Geist der Gesetze auch schon beinahe auf.

Zunächst scheint alles klar zu sein...

 

Anhand der Spurenlage ergibt sich, dass die Tote ihren Mörder gekannt und ihn arglos in ihre Wohnung gelassen haben muss. Die Indizien sprechen also zunächst dafür, dass Oliver für die Tat verantwortlich ist. Nachforschungen ergeben, dass sein Vater, der erfolgreiche und gut in Münchener Kreisen vernetzte Wirtschaftsprüfer Laurent Baptiste, bis vor wenigen Monaten mit Rose Benninghoff liiert gewesen ist. Man hat sich im Unfrieden getrennt, was den Kreis der Verdächtigen erweitert.

Im Zuge der Ermittlungen ergeben sich auch Hinweise, die bis in die Kindheit der Ermordeten zurückführen. Bereits im Alter von zwölf Jahren hat sich Benninghoff von ihrer ganzen Familie distanziert und niemanden an sich herangelassen. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnung findet das Team um Hauptkommissar Waechter in der unpersönlich eingerichteten Wohnung sehr versteckt das alte Foto eines Mannes, das mit "O. Paulssen" gekennzeichnet wurde. Um wen handelt es sich? Sehr auffällig ist auch das Bild einer Rose, das in Benninghoffs Wohnzimmer hängt und überhaupt nicht in diese nüchterne Umgebung passt. Beim Herabnehmen fällt ein Zettel mit der Widmung "Für immer O." aus dem Rahmen heraus. Hat Paulssen, der sich als mittlerweile dementer Kunstmaler im Rentenalter entpuppt, etwas mit dem Fall zu tun?

Aber auch die auf der selben Etage wie Benninghoff wohnende Judith Herold erregt die Aufmerksamkeit der Ermittler: Sie bezeichnet sich selbst als die beste Freundin der Ermordeten, hat aber von einigen Details aus dem Leben der Toten, die die Polizei nach und nach herausfindet, keine Ahnung.

Psychologie, Familiengeschichten und  jede Menge Lügen

 

Der Mordfall entwickelt sich zu einer nervlichen Belastung für das gesamte Ermittlungsteam. Die privaten Probleme, die manche von ihnen mit sich herumschleppen, wirken bis in die Arbeit hinein und haben Einfluss auf die Tätersuche. Der junge Oliver Baptiste leidet zudem unter psychischen Problemen, die ihn unberechenbar machen. Dass sein empathiebefreiter Vater ihn offenbar immer wieder brutal schlägt und sich bei jedem Gespräch mit der Polizei mit Anwälten umgibt, lähmt die zahlreichen Versuche, Oliver zu Aussagen über den Tattag zu bewegen. Doch das Polizeiteam fühlt sich vollends verschaukelt, als plötzlich Vater und Sohn jeweils die Tat gestehen und sich kaum noch herausfinden lässt, wer hier wen decken will. Der Fall nimmt jedoch nach mehreren Wendungen einen Ausgang, mit dem nicht unbedingt zu rechnen war.

Nicole Neubauer hat ihren Krimi Kellerkind flüssig geschrieben und ermöglicht es ihren Lesern, die einzelnen Ermittler auch von ihrer privaten Seite kennenzulernen. Eine besondere Eigenart von Hauptkommissar Waechter ist es dann auch, die den Fokus des Teams in eine andere Richtung lenkt und zur Aufklärung des Mordes führt. 
Wie bei dem oben zitierten Buch von Georg M. Oswald kann man sich auch bei diesem Krimi fragen, inwieweit die persönlichen juristischen Erfahrungen der Autorin in die Handlung eingeflossen sind. Wie oft kommt es beispielsweise vor, dass ein Staatsanwalt die Polizei bei ihren Ermittlungen abbremst, wenn es dabei um eine stadtbekannte und einflussreiche Persönlichkeit geht?

Mir hat dieses Buch gut gefallen, aber es gehört nicht zu meinen persönlichen Favoriten unter den Krimis. Olivers psychische Probleme werden immer wieder thematisiert, indem von einem Reptil in seinem Kopf die Rede ist, das sich in Stresssituationen zu Wort meldet. Der Junge befindet sich aber nicht in entsprechender Behandlung, sondern wird von seinem beruflich vielbeschäftigten Vater weitgehend sich selbst überlassen, obwohl dieser immer wieder behauptet, Olivers Verhalten schon von dessen verstorbener Mutter zu kennen.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Krimis verwendet Nicole Neubauer eine sehr bildliche Sprache, die den Leser näher an das Geschehen heranrücken lässt und verzichtet auf die Schilderung von brutalen Szenen.

Ich bedanke mich beim Bloggerportal, das mir dieses Buch zur Verfügung gestellt hat. Kellerkind kann beim Blanvalet Verlag bestellt und in jeder Buchhandlung zum Preis von 9,99 € gekauft werden (Klappenbroschur). Die Kindle-Edition kostet 8,99 €, das mp3-Hörbuch auf CD 12,99 €.
 

Samstag, 9. Januar 2016

Eine Premiere: Eine meiner Rezensionen in einem Katalog

©: Lupo / pixelio.de
Überraschungspost


Zum Wochenende kam Post: Der Indie-Katalog von "buchreport", einer Fachzeitschrift des deutschen Buchhandels. Ich habe da nichts bestellt, aber ein gelber Post- It-Zettel war auch drin: Meine Rezension für "Es regnet Geld für ein Weltkonto" von Joachim Ackva wurde in den Katalog aufgenommen. Auch online ist sie zu sehen:

Rezension bei buchreport


Und hier habe ich sie auf diesem Blog besprochen:
Rezension HIER






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Freitag, 8. Januar 2016

# 31 - Afrikanische Armut trifft europäischen Lifestyle

Ein Verwirrspiel vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise

 

Dieses Buch ist eine Premiere für meinen Blog: Zum ersten Mal stelle ich hier mit Boat People von Roland Künzel ein E-Book vor. Der Roman ist in seiner ersten Auflage bereits im Januar 2015 erschienen und beschäftigt sich in erster Linie mit der Flüchtlingsproblematik, die seit Monaten das meistdiskutierte Thema in Europa ist. Die mir vorliegende zweite Auflage wurde im November 2015 herausgegeben.

Gran Canaria als Ziel der Träume

 

Auf der Kanareninsel Gran Canaria treffen sich gut situierte Touristen aus ganz Europa zu einem 5-Sterne-Luxusurlaub, der keine Wünsche offen lässt. Eine Gruppe von 23 Urlaubern, die aus 22 Erwachsenen und einem 8jährigen deutschen Mädchen besteht, hat einen Piratenabend gebucht mit allem, was dazu gehört: Eine Fahrt auf einer komfortablen Segelyacht in Piratenkostümen ist ebenso Teil des Arrangements wie ein zünftiger, feucht-fröhlicher Abend am Lagerfeuer in einer der einsamen Buchten. Das Leistungspaket beinhaltet selbstverständlich den Rücktransfer ins Hotel per Yacht und Bus, doch zum vereinbarten Zeitpunkt ist kein Schiffsführer in Sicht, der die überwiegend sturzbetrunkene Gruppe aufnehmen könnte. Das Servicepersonal entschließt sich zu vorgerückter Stunde trotzdem, Feierabend zu machen und verlässt die Hobby-Piraten, da praktisch minütlich mit dem Eintreffen der Yacht zu rechnen ist.

Zum selben Zeitpunkt steuert ein Fischerboot die Insel an, das 22 Erwachsene und einen Jungen von der nordafrikanischen Küste an den nächstliegenden Ort der EU bringt - Gran Canaria. Die 23 Afrikaner fliehen vor der wirtschaftlichen Aussichtslosigkeit in ihrer Heimat und erhoffen sich in Europa ein besseres Leben. Für die Überfahrt haben die Schleuser viel Geld verlangt, wofür oft die ganze Familie gemeinsam aufgekommen ist.
Die beiden Schleuser setzen ihre Flüchtlingsgruppe in einer der Buchten Gran Canarias ab. Von dort aus sollen die Afrikaner mit einem anderen Boot weitertransportiert werden. Doch schon kurz nachdem das Fischerboot die Heimfahrt in Richtung Afrika angetreten hat, werden die Schleuser von ihrem afrikanischen Mittelsmann darüber informiert, dass sich die afrikanischen Staaten im Rahmen des kürzlich in London geschlossenen europäisch-afrikanischen Abkommens dazu verpflichtet haben, die von dort ausgehenden Flüchtlingsströme zu stoppen und bereits in Europa angekommene afrikanische Flüchtlinge zurückzunehmen.
Im Gegenzug sagen die europäischen Staaten zu, Afrika dabei zu unterstützen, die dortigen Lebensverhältnisse deutlich zu verbessern. Das ist den beiden Schleusern in diesem Moment jedoch nicht so wichtig: Sie haben den Auftrag, die ausgesetzten 23 Flüchtlinge schleunigst wieder einzusammeln und auf direktem Wege zurück nach Afrika zu bringen, um diplomatisches Unheil zu vermeiden. Sollte ihnen das nicht gelingen, droht den beiden bei ihrer Rückkehr massiver Ärger mit dem britischen Hafenkommandanten John Hopkins in der Hauptstadt Nouakar, der von dem Verschwinden der Menschen noch nichts bemerkt hat.

Wenn es mal nicht nach Plan geht...

 

Die Schleuser machen sofort kehrt und fahren zurück nach Gran Canaria. Sie können sich allerdings nicht mehr genau erinnern, an welcher der Buchten sie die Flüchtlinge abgesetzt haben. Als sie ein Lagerfeuer sehen, halten sie direkt darauf zu. Doch sie treffen nicht auf die Afrikaner, sondern auf die Touristengruppe, die immer noch auf ihre Passage wartet. Da die Zeit drängt, beordern sie kurzerhand die Reisenden auf das Boot, die das zunächst noch für einen amüsanten Teil des Piraten-Ausflugspakets halten. Doch als der Bootsführer von ihnen verlangt, sich die Haut mit altem Motoröl einzureiben, um vor dem Hafenkommandanten in Afrika möglichst als Schwarze durchzugehen, keimt bei denjenigen, die noch halbwegs nüchtern sind, das erste Misstrauen auf. Für alle beginnt nun eine Odyssee, die sie ihr Leben lang nicht vergessen werden.

Auch die Flüchtlinge erleben eine interessante Zeit. Sie werden von einer eleganten Yacht abgeholt und an Bord mit köstlichen Getränken bewirtet. Ihre sehr einfache Kleidung erregt kein Misstrauen: Sie wird vom Bordpersonal sogar als besonders originelle Kostümierung gelobt. Nur die dunkle Haut der Menschen macht kurz skeptisch, aber warum soll es nicht auch wohlhabende Afrikaner geben, die sich eine so teure Reise erlauben können?
Die Vorzugsbehandlung setzt sich im Hotel fort, alle Flüchtlinge beziehen komfortable Suiten und werden erstklassig verpflegt. Als sich herausstellt, dass "ihr" Gepäck abhanden gekommen ist, dürfen sich die 23 Fremden auf Kosten der Hotelleitung neu einkleiden - selbstverständlich nur mit teurer Designerkleidung. Doch der Irrtum, den die Afrikaner fälschlicherweise als europäische Großzügigkeit interpretieren, fliegt auf, und die Gruppe wird sang- und klanglos in ein Flugzeug gesetzt, das sie zurück in ihre Heimat bringt.

Im Verlauf der weiteren Handlung begegnen sich die beiden so unterschiedlichen  Gruppen in Afrika, und es kommt zu weiteren Verwicklungen. Die Geschichte nimmt einen unerwarteten Verlauf und endet mit einem Ereignis, das sich auch ein phantasiebegabter Leser über weite Teile des Buches nicht vorstellen kann: Die Queen löst die Frage der Thronfolge auf ziemlich unorthodoxe Weise, was weltweit Begeisterung hervorruft.

Ein - eigentlich - ernstes Thema wird zu einer Folge von unerwarteten Begebenheiten

 

Ich habe selten ein Buch gelesen, das aus so vielen unwahrscheinlichen Elementen bestand, die dazu dienten, den Fortschritt der Handlung und so etwas wie Spannung am Leben zu erhalten. Im Hintergrund wabert immer eine Parallelgeschichte, die aus der Sorge um den Untergang des britischen Königshauses besteht: Einer bereits König Karl II. überlieferten Legende nach gehen die britische Monarchie und das gesamte Königreich unter, sobald die Tower-Raben den White Tower verlassen. Da in Boat People nicht nur die Raben kränkeln, sondern auch der White Tower einzustürzen droht, ist die betagte Queen auf der Suche nach einer Nachfolgeregelung, mit der diese Entwicklung aufgehalten werden kann. Sie findet sie, aber das Zustandekommen ihrer Entscheidung und die "Personalauswahl" selbst sind meiner Ansicht nach an den Haaren herbeigezogen. Auch andere Handlungsstränge sind dermaßen konstruiert, dass ich mich gefragt habe, ob das Buch als Satire gemeint war und deshalb mit bewussten Übertreibungen gearbeitet wurde. 
Schon der Beginn der Haupthandlung mit den identischen Gruppengrößen baute auf einer großen Portion Zufall auf; auch, dass der Hafenkommandant sich die zurückgekehrten "Flüchtlinge" nicht so genau anschaut und sie als Afrikaner ansieht, ist doch ziemlich weit hergeholt: Nach der Schilderung von Roland Künzel entsprachen die echten Flüchtlinge dem Bild, das sich Europäer im Allgemeinen von Afrikanern machen. Hopkins jedoch fällt nicht auf, dass die Gesichtszüge und Augenfarben nichts Afrikanisches an sich haben.
Es gibt noch mehr Ungereimtheiten, die mich fast dazu gebracht hätten, das Lesen dieses Romans abzubrechen. Doch dann hat die Neugier gesiegt: Was würde sich der Autor als Nächstes einfallen lassen, um seine Leser bei der Stange zu halten?
Ich muss es wohl nicht besonders betonen, aber BoatPeople hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Die Grundidee ist gut, aber die Ausgestaltung hat mich nicht überzeugt. 

Ich bedanke mich für die Bereitstellung des Buches bei Blogg dein Buch. Das Buch ist beim Verlag epubli GmbH erschienen und kostet als Softcover-Ausgabe 9,95 € sowie als E-Book 2,99 €.

Montag, 28. Dezember 2015

Einen guten Rutsch ins neue Jahr

Die Bücherkiste macht Urlaub. Das nächste Buch stelle ich euch am 8. Januar 2016 vor.
Bis dahin wünsche ich allen Lesern eine schöne Zeit und einen guten Start ins Jahr 2016 !

Dienstag, 22. Dezember 2015

Das war 2015

2015 ist bald vorbei - was gab es zu lesen?

 

Am 15.Juni 2015 habe ich meinen Blog gestartet. Meine Vorkenntnisse und Erfahrungen "mit so etwas" lagen bei praktisch null. Aber nach dem ersten halben Jahr kann ich sagen: Es hat Spaß gemacht! Ich habe sowohl in den Kommentaren als auch den sozialen Netzwerken viele positive Rückmeldungen bekommen und weiß, dass etliche meiner Leser an jedem Freitag nachsehen, was sich in meiner Bücherkiste getan hat. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken!

Im Laufe der Monate sind ständig neue Leser hinzugekommen. Da ich sehe, dass meine ältesten Rezensionen seltener gelesen werden, sondern für die meisten nur die Bücher der jeweils letzten Wochen interessant sind (wie schade!), habe ich mir für heute überlegt, einen kurzen Jahresrückblick zu machen. Das, was Fernsehsender können, kann ich schon lange...



Der Juni - im Startmonat gab es diese Bücher

Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war - CoverbildWann wird es endlich wieder so, wie es nie war von Joachim Meyerhoff war gleich zum Start ein tolles Buch. Der Autor erzählt von seinem Leben in einer psychiatrischen Einrichtung, in der sein Vater Chefarzt war. Es geht lustig, aber auch nachdenklich zu.








Herr der Krähen CoverAm 22. Juni ging es um das Buch Herr der Krähen des Autors mit dem unaussprechlichen Namen: Ngũgĩ wa Thiong’o. Er steht immer wieder auf der Liste der Anwärter für den Literatur-Nobelpreis, auch für dieses Buch. Sein Roman ist von vorn bis hinten eine Persiflage auf die afrikanischen Despoten, die sich mit aberwitzigen Aktionen selbst erhöhen wollten und von A....kriechern dabei unterstützt wurden. Liest sich wie an eine Aneinanderreihung von Übertreibungen, entspricht aber im Kern der Wahrheit.





Am schönsten Arsch der Welt CoverDarauf folgte von Bernhard Hoëcker und Tobias Zimmermann mit Am schönsten Arsch der Welt ein Reisebericht, in dem der Comedien seine Tour durch Neuseeland schildert, die er im Auftrag des dortigen Tourismusverbandes unternommen hat. Hoëcker muss dabei mehrere von Fernsehzuschauern ausgewählte Aufgaben bewältigen.







NovecentoEin sehr berührendes Buch war Novecento von Alessandro Baricco. Ein Mann, der im Jahr 1900 auf einem Ozeandampfer geboren wurde, verlässt diesen sein ganzes Leben lang nicht ein einziges Mal. Er bringt sich selbst das Klavierspielen bei und übertrifft sogar den größten Pianisten seiner Zeit. Doch der Erfolg ist nicht alles, und er versucht, sich seine größte Sehnsucht zu erfüllen. Das Buch wurde unter dem Titel "Die Legende vom Ozeanpianisten" verfilmt, hier ist ein kurzer Trailer.






Juli 2015

Es geht uns gut - CoverbildAm 3. Juli habe ich über den Roman Es geht uns gut des österreichischen Schriftstellers Arno Geiger geschrieben. Es geht um das Leben der Familie Erlach, die in Wien lebt. Geiger schildert die Jahre 1938 bis 2001 und lässt seine Leser die Zerrissenheit sowie den geschäftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg der Erlachs, aber auch deren Misserfolge miterleben. Sehr lebensnah und authentisch geschrieben. Hier ein Auszug aus dem Hörbuch,das von Matthias Brandt gelesen wird.





Paula CoverIn der darauffolgenden Woche habe ich euch Paula von Isabel Allende vorgestellt. Die aus Chile stammende Schriftstellerin schreibt darin schonungslos und offen über das langsamen Sterben ihrer Tochter Paula, die an einer unheilbaren Stoffwechselerkrankung litt. Aber auch sich selbst verschont sie nicht und berichtet über die Geschichte ihrer Familie und ihr eigenes Leben, das unzählige Höhen und Tiefen hatte. Sehr emotional, aber keine Spur kitschig.Der damalige Präsident der Georgetown University spricht 1997 über das Buch.




Die wundersame Reise einer finnischen Gebetsmühle - Coverbild 
Da geht es in Die wundersame Reise einer finnischen Gebetsmühle des finnischen Autors Arto Paasilinna wesentlich entspannter zu. Die beiden Freunde Kalli und Lauri wollen eine viersprachige Gebetsmühle international vermarkten und gründen nebenher eine neue Weltreligion. Das Buch ist ein Feuerwerk an absurdem Humor.






Produkt-Information
Am 24. Juli ging es mit Lachsfischen im Jemen weiter, das von Paul Torday geschrieben wurde. Ein jemenitischer Scheich möchte in seiner heißen Heimat den kälteliebenden Lachs ansiedeln, um auch zu Hause dem geliebten britischen Angelsport frönen zu können. Wird dieser Plan mithilfe des renommierten Experten Dr. Alfred Jones gelingen? Wer meint, mit dem gleichnamigen Film genug über das Buch zu wissen, irrt: Die Filmhandlung ist ähnlich, das Buch wartet aber nicht mit dessen leicht vorhersehbarem Happy End auf.



Von Juli Zeh stammt Corpus Delicti. Mit diesem Roman wirft die Autorin einen Blick in das Jahr 2057: Die Menschen leben in einer Welt, in der sogar ihre Ausscheidungen in der Toilette überwacht und analysiert werden. Das Dogma dieser Zeit: Die Regierung hat immer recht. Die Naturwissenschaftlerin Mia Holl beschäftigt sich hingegen mit den Umständen, unter denen ihr Bruder wegen einer angeblichen Vergewaltigung verurteilt wurde. Kann sie an den Grundpfeilern des Systems sägen?

 

 

Der August

Cliffhanger CoverCliffhanger von Tim Binding ist ein Roman, der randvoll mit britischem, trockenem Humor ist. Ein mit seiner Ehe unzufriedener Taxiunternehmer will seine Frau umbringen, doch als er nach der Tat nach Hause zurückkehrt, sitzt sie quicklebendig auf dem Sofa. Wen hat er nun tatsächlich von der Klippe geschubst? Die Ereignisse entgleiten ihm immer mehr, was er jedoch erst ganz zum Schluss realisiert.





Am 14. August habe ich mir das Buch Vom Geist der Gesetze des Autors Georg M. Oswald vorgenommen. Ungebremster Egoismus, Kaltblütigkeit und die "Verhandelbarkeit" von Gerichtssachen werden hier von einem geschildert, der es wissen sollte: Oswald ist selbst Jurist.






 
God's Pocket von Pete Dexter ist da ein ganz anderes Kaliber. Ein junger, gewalttätiger Mann kommt bei einem "Unfall" auf einer Baustelle während der Arbeit ums Leben. Außer seiner Mutter weint ihm niemand eine Träne nach, aber es kommen Zweifel an den Umständen seines Todes auf. Die Handlung spielt in einem Stadtteil von Philadelphia, in dem jeder ums Überleben kämpft und keinem etwas geschenkt wird. Es geht sehr ungeschminkt und zum Teil brutal zu, aber wenn ein Toter versehentlich im Lieferwagen durch die Stadt kutschiert wird, ist das sehr witzig.


 

Der 28. August brachte mit Kälteschlaf  einen Krimi des isländischen Schriftstellers Arnaldur Indriðason. Eine Frau wird tot in einem Wochenendhaus an einem idyllischen See aufgefunden. Kommissar Erlendur ermittelt auf eigene Faust, weil der Fall offiziell als abgeschlossen gilt: Die Staatsanwaltschaft geht von einem Selbstmord aus. Die Ermittlungen bringen eine traurige Familiengeschichte und mehrere lange vermisste Tote zutage. 






 

Der September

Am 4. September habe ich über ein Buch geschrieben, das das beliebteste dieses Blogs werden sollte: Road Dogs von Elmore Leonard. Zwei Ex-Häftlinge versuchen in der Freiheit, ihr Leben quasi neu zu starten. Es kommt zu Verwicklungen, Misstrauen und Verrat, keiner weiß mehr, wem noch zu trauen ist. Am Ende gibt es Tote und ein überraschendes Finale.






 
Unerkannt durch Freundesland, herausgegeben von Cornelia Klauß und Frank Böttcher, gehört zu meinen persönlichen Favoriten. In sehr unterschiedlichen Texten schildern ebenso unterschiedliche Menschen, wie es ihnen gelang, auf verbotenen Wegen von der DDR aus in die damalige UdSSR einzureisen und auf eigene Faust durchs Land zu streifen. Eine Zeitreise zurück in die 1970er, 1980er und 1990er Jahre mit sehr vielen von den Autoren aufgenommenen Fotos. Videos hierzu findet ihr direkt bei der Rezension.





In Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert des Schweizers Joël Dicker ging es um einen berühmten Schriftsteller, der in seiner Wahlheimat, einer Kleinstadt in New Hampshire, plötzlich verdächtigt wird, ein Mörder zu sein. 33 Jahre nach seinem Verschwinden wird ein junges Mädchen tot aufgefunden, ausgerechnet im Vorgarten des Schriftstellers. Doch Quebert erhält Hilfe von einem seiner früheren Literaturstudenten, der bei seinen Ermittlungen in ein Wespennest stößt und persönliche, lange verdrängte und vertuschte Taten der Einheimischen wieder in die Gegenwart spült.





Das Auf und Ab im Leben eines Musikproduzenten und Ex-Punk-Rockers schildert Jennifer Egan in ihrem Roman Der grössere Teil der Welt. Früher ein bekannter Star mit Einfluss in der Musikszene, muss sich Bennie Salazar nun eingestehen, dass sein Name niemanden mehr hinterm Ofen hervorholt. Doch sein alter Kumpel Scotty taucht unversehens wieder auf. Schaffen die beiden ein Comeback? 






Der Oktober

Der 2. Oktober hielt ein außergewöhnliches Buch bereit: Die Menschheit hat den Verstand verloren - Tagebücher 1939 bis 1945 ist dem Fund der Tagebücher der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren zu verdanken. Ihre Aufzeichnungen ermöglichen uns heute einen Blick in eine bürgerliche Familie, die im relativ sicheren Schweden den 2. Weltkrieg erlebt. Notizen über den Kriegsverlauf sind ebenso enthalten wie persönliche Einschätzungen und Einblicke ins das Privatleben der Familie Lindgren. Mit Faksimiles.



 

Und weil's so schön war, kamen eine Woche später gleich die nächsten Tagebücher, diesmal vom eher als Krimiautor bekannten Arthur Conan Doyle: In Heute dreimal ins Polarmeer gefallen werden uns umfassende Einblicke gegeben, wie es ist, mit einem Walfänger Ende des 19. Jahrhunderts Kurs auf den Nordpol zu nehmen. Auch die Frage, ob sich ein Medizinstudent im dritten Studienjahr als Schiffsarzt eignet, wird beantwortet. Faksimiles gehören wie schon bei Astrid Lindgrens Kriegstagebüchern ebenfalls dazu. 




 
Am 16. Oktober wurde mit Demenz - Abschied von meinem Vater ein Thema angeschnitten, das man ganz gern von sich schieben würde: Der Autor Tilman Jens schreibt über die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters Walter Jens, der als Professor und Altphilologe einst zu den gefragtesten Gesprächspartnern Deutschlands gehörte. Es geht ums Vergessen, drastische Persönlichkeitsveränderungen und einen Anlass in Walter Jens Leben, der vermutlich für den Ausbruch der Erkrankung mitverantwortlich gewesen ist. Auch die Frage, wann Sterbehilfe geleistet werden sollte, wird hier aufgeworfen.




 
Danach gab es mit Der Palast der Meere von Rebecca Gablé einen richtigen Schmöker. Gablé gehört zu den besten Autorinnen von historischen Romanen und hat mit diesem Buch den fünften Band der Waringham-Saga vorgelegt. Vor dem Hintergrund der britischen Geschichte der Jahre 1560 bis 1588 wird hier der weitere Werdegang der Familie Waringham, die eine seit Generationen erfolgreiche Pferdezucht betreibt, weitererzählt. Der Schwerpunkt liegt diesmal jedoch auf der Seefahrt: Königin Elizabeth I. hatte zugunsten ihrer Kriegskasse die Piraterie erlaubt.



Am 30. Oktober habe ich euch einen Krimi von Friedrich Ani vorgestellt: In Der namenlose Tag ermittelt der frisch pensionierte Kriminalhauptkommissar Franck im Fall eines vor 21 Jahren gestorbenen Mädchens. Ging damals alles mit rechten Dingen zu? Die Ermittler gingen von einem Selbstmord aus, doch der Vater des Mädchens hat daran erhebliche Zweifel.







Der November

Gleich am 6. November ging es los mit dem Buch eines Mannes, der die Welt ein bisschen besser machen will: Es regnet Geld für ein Weltkonto - Die Tausendstel-Frage von Joachim Ackva  erklärt, wie jeder mit einem Tausendstel seines Vermögens wirksam dazu beitragen kann, die drängendsten Probleme der Menschheit zu lösen. Kein dröges Wirtschaftsbuch, sondern nachvollziehbare Erläuterungen. 






 
Eine Woche später habe ich Werbung für ein ganz besonderes Kochbuch gemacht: Fadi kocht syrisch, das vom früheren syrischen Fernsehkoch Fadi Alauwad geschrieben wurde, ist nicht nur ein Kochbuch mit leicht nachzukochenden Rezepten, sondern auch ein Reiseführer, der seinen Lesern die schönsten Seiten Syriens zeigt. Sehr hochwertige Fotos runden dieses Buch ab. Die Verkaufserlöse fließen an den Verein Syrienhilfe e. V., der mit dem Geld notleidende Kinder in Syrien mit Kleidung, Lebensmitteln sowie ärztlicher und psychologischer Hilfe unterstützt.


 


Am 20.November ging es um ein Buch des Journalisten Christoph Reuter, der ein Kenner des Islam und des Islamismus ist: Die schwarze Macht ist ein besonderes Sachbuch das anschaulich erklärt, wie der "Islamische Staat" entstanden ist und wie es zu seinem Aufstieg kommen konnte. 






 
Der letzte Freitag im November: Detlev F. Neufert unterhält sich in Jesus - Das Interview in gelöster Atmosphäre über Themen, die man mit Gottes Sohn immer schon mal besprechen wollte. Gibt es Engel? Ist Gott immer gut? Der Erlöser weiß die Antworten auf diese und viele andere Fragen.








Der Dezember 

 

 

Blogger.com behauptet zwar, dass das nächste Buch im November vorgestellt wurde, aber tatsächlich habe ich die Rezension zu Zu richten die Lebenden von Erica Spindler am 4. Dezember veröffentlicht. Ein spannender Thriller um eine junge Glasmalerin aus New Orleans, die aufgrund mysteriöser Vorkommnisse in den Verdacht gerät, hinter noch mysetriöseren Mordfällen zu stecken. 

 

 

 

 

 

 

In Cop Town - Stadt der Angst von Karin Slaughter gibt es eine Mordserie an Polizisten des Atlanta Police Departments. Zwei Polizistinnen nehmen sich auf eigene Verantwortung der Fälle an und kämpfen dabei ständig gegen die Vorurteile ihrer männlichen Kollegen. Die Handlung spielt vor dem Hintergrund der 1970er Jahre, in denen Rassenhass, Homophobie, Kriminalität und Verachtung gegenüber Frauen in Atlanta an der Tagesordnung waren. 

 

 

 

 

 

 

In ihrem Buch Artgerechte Haltung macht sich Birgit Gieger Steiner Gedanken, wie man der Ungleichbehandlung der Jungen begegnen kann. Sie ist Leiterin einer Grundschule und beschreibt die zu weiblich geprägte Sicht auf Jungen aus ihrer Perspektive. 

 

 

 

 

 

 

 

Das letzte Buch in diesem Jahr habe ich ein paar Tage vorgezogen, weil am regulären Freitag Weihnachten (gewesen) ist. Ein ganzes Jahr von Robert Seethaler ist ein Roman, der eher leise, aber deshalb auf keinen Fall langweilig daherkommt. Das Buch erzählt das Leben von Andreas Egger, der nach dem Tod seiner Mutter auf den Hof des Onkels in einem Bergdorf gebracht wird. Ein Leben, das von Erschütterungen beeinflusst und von Egger mit einer stoischen Gemütsverfassung betrachtet wird. 

 

 

 

 

 

Das besondere Buch

Am 26. August habe ich ein Buch aus meinem Bücherschrank geholt, das ich schon seit mindestens 25 Jahren habe. Das Mädchen aus der Volkskommune zeigt anhand von Originalzeichnungen, wie das chinesische Volk während der Regierungszeit von Mao Tse-Tung mithilfe von Comics, die von Hand zu Hand gingen, für dessen Kurs eingenommen werden sollte. 


 

 

 

 

 

 

Das war das Jahr 2015 in Inas Bücherkiste. Ich habe mich über jeden "alten" und neuen Leser sehr gefreut und hoffe, dass auch 2016 viele von euch wieder hierher finden. Ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht euch

Ina   

Foto: Maria Reinfeld/pixelio