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Mittwoch, 1. Februar 2017

Leben, Tod und Biogas - das hat den Januar ausgemacht


Ein runder Geburtstag, einige Tote in Irland, ein Leben in Preußen und Zoff auf dem Land


Gas Und Galle
Wie schon 2016 habe ich auch 2017 mit einem Self-Publishing-Titel begonnen, es war im Gegensatz zu damals diesmal aber ein guter Einstieg: A. C. Scharp erzählt in Gas und Galle was passieren kann, wenn erneuerbare Energien in ein kleines Dorf irgendwo in Deutschland Einzug halten sollen. Die Gegner der von Bauer Matthias und dem Energielieferanten Ekelon geplanten Biogasanlage sind sich für nichts zu schade und greifen im äußersten Fall auch zum äußersten Mittel. Doch wo hört politisches Engagement auf und wo beginnt die Verfolgung der persönlichen Interessen? Am Ende dieses Romans ist fast nichts so, wie es vor dem Protest war. Gas und Galle ist ein flott geschriebenes und unterhaltsames Buch. 
Wer mehr über die Autorin sowie dieses und ihr nächstes Buch erfahren möchte, kann sich auf ihrer Homepage umsehen: Homepage A. C. Scharp

(von 5)
 



Von Rechts nach LinksHellmut von Gerlach wird 1866 als Sohn eines niederschlesischen Großgrundbesitzers geboren und wächst mit den konservativen Einstellungen seiner Eltern auf: Das Gesinde gehört klein gehalten, die Sozialdemokratie sowieso und es soll alles so bleiben, wie es ist. Doch nach dem Abitur beginnt er ein Studium in Genf und wird mit für ihn völlig neuen Anschauungen konfrontiert. Im Laufe seines Lebens begegnet er einigen damals wichtigen Persönlichkeiten, die ihn in seinen Ansichten beeinflussen. Nach und nach rückt er immer weiter von seinen früheren Idealen ab. Diese Entwicklung schildert er in seinem autobiografischen Buch Von Rechts nach Links, das erstmals 1937 erschienen ist. Auch nach so langer Zeit kann ich diesen Titel empfehlen, weil er Einblicke in die Zeit des Preußischen Reichs, der Weimarer Republik und des deutschen Nationalsozialismus gibt. Das Buch wurde wieder neu aufgelegt und ist im Buchhandel erhältlich.
Die Wochenzeitschrift DIE ZEIT hat bereits 1994 einen Artikel über das Leben von Gerlachs, das 1935 im Pariser Exil endete, veröffentlicht: ZEIT-Artikel über von Gerlach

                                   




Die letzten vier TageDie letzten vier Tage des Paddy Buckley von Jeremy Massey ist so etwas wie ein Countdown bis zum Ableben des Bestatters aus Dublin. Der Tod macht ihm auf eine ganz neue Art und Weise zu schaffen: Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände macht sich Paddy ausgerechnet den größten Verbrecher Dublins zum Feind, dessen Rechtsanschauung ganz klare Regeln hat: Wer mir ans Bein pinkelt, hat es verdient, zu sterben. Masseys erstes Buch bietet schwarzen Humor, Gefühl und – ja – wird an der einen oder anderen Stelle auch schon mal ein bisschen eklig. Aber hat man je einen zartbesaiteten Gangsterboss gesehen? Eben. 
Jeremy Massey stammt aus einer Dubliner Bestatterfamilie, die das Geschäft schon seit mehreren Generationen betreibt. Er hat selbst etliche Jahre dort mitgearbeitet und weiß deshalb, wovon er spricht. Wer mal sehen möchte, wie man in dieser Branche auf sich aufmerksam macht, kann sich das Firmenvideo der Massey Bros Funeral Homes ansehen. Na, Traumberuf gefunden?







Der SpiegelAm letzten Freitag im Monat gab es einen Grund zum Feiern: Die Wochenzeitung DER SPIEGEL ist 70 geworden. Das anlässlich dieses runden Geburtstags vom derzeitigen Chefredakteur Klaus Brinkbäumer herausgebrachte Buch 70 – DER SPIEGEL – 1947-2017 wartet mit sehr interessanten Texten und zahlreichen Fotos auf. Ein rundum lesens- und sehenswerter Titel.

SPIEGEL-Online hat anlässlich des Jubiläums ein Dossier zusammengestellt, das sich mit seinem unfangreichen Text- und Bildmaterial hier befindet: SPIEGEL-Dossier.
Auch der NDR hat sich dem Thema mit einem Rückblick gewidmet. 


 

Freitag, 20. Januar 2017

# 84 - Über einen Bestatter, dem der Tod auf die Pelle rückt

Das Leben ist riskant und endet immer tödlich

 

Paddy Buckley arbeitet seit einer Ewigkeit in Dublin als Bestatter für Frank Gallagher. Schon sein Vater war dort als Tischler beschäftigt und hat sich bis zu seinem Tod um die Särge gekümmert. Als Kind ging Paddy deshalb bei Gallagher ein und aus. Ihm ist fast nichts mehr fremd, und er hat mehr Tote gesehen, als er zählen kann. Doch Jeremy Massey schüttelt in seinem ersten Roman Die letzten vier Tage des Paddy Buckley das Leben des Mannes so gründlich durch, dass innerhalb weniger Tage nichts mehr so ist, wie es einmal war.

Leichen pflastern seinen Weg...

 

Paddy Buckley ist gern Bestatter und hat seinen Job all die Jahre gewissenhaft und empathisch erledigt. Der Tod ist sein Geschäft, aber vor einigen Jahren ist er ihm zu nahe gekommen: Seine schwangere Frau Eva starb an einem Hirnschlag, während sie im Supermarkt an der Kasse anstand. Den Schock hat er nur schwer verarbeitet, aber er lebt sein Leben weiter.
Am 13. Oktober 2014 um 9.40 Uhr fängt Paddys Leben jedoch an, zu Staub zu zerfallen. Das Verrückte daran: Es ist, als würde er sich selbst beim Rasen in einem Sportwagen beobachten, immer in der Gewissheit, dass die nächste Mauer das Letzte ist, was er lebend sehen würde. Aber nichts kann diesen rasenden Sportwagen aufhalten.
Es beginnt damit, dass Paddy von Gallagher zu einer Witwe geschickt wird, deren Mann vor wenigen Stunden gestorben ist. Die beiden besprechen die Details der Bestattung und kommen sich dabei deutlich näher, als es üblich ist. Ganz offensichtlich findet die Witwe Trost in der sehr intimen Zweisamkeit. Doch als die beiden zum Höhepunkt kommen, bricht die Frau tot auf Paddy zusammen. Was eigentlich eine Katastrophe ist, soll schon in der darauffolgenden Nacht zum kleinsten Problem des Bestatters werden.

Unglückliche Umstände? Wie viel Pech kann man haben?

 

Paddy schlittert geradewegs in die nächste Misere: Er hat kaum den Notarzt gerufen, als die wegen des verstorbenen Vaters angereiste Tochter des Ehepaars zur Haustür hereinkommt und nach ihrer Mutter fragt. Mühsam ringt er um eine plausible Erklärung und hofft, dass die spätere Obduktion keine Hinweise auf seine Beteiligung am Ableben der Kundin zutage bringt.
So viel Pech reicht eigentlich für einen Tag, aber Paddy setzt noch eins drauf: Schon in der folgenden Nacht, in der er einen Toten aus dem örtlichen Altenheim für Arme holen soll und dann auch noch in strömendem Regen einen Reifen wechseln muss, geht das Desaster weiter. Er ist in seinem Privatwagen todmüde auf dem Weg nach Hause, als sich drei Dinge praktisch gleichzeitig ereignen: Paddy bemerkt, dass er ohne Licht fährt, nestelt an seinem Autoradio herum und sieht, dass eine Gestalt, die sich gegen den Regen eine Zeitung über den Kopf hält, kurz vor ihm über die Straße geht. Viel zu kurz vor ihm. Sekundenbruchteile später prallt ein Mensch mit Paddys Wagen zusammen, fliegt meterhoch durch die Luft und bleibt tot liegen. Paddy ist unter normalen Umständen ein moralisch ziemlich aufrechter Mensch, aber nach einem Blick in die Brieftasche des Fremden wirft der Bestatter alle ethischen Grundsätze über Bord und entschließt sich zur Fahrerflucht: Er hat den Bruder des gefährlichsten Gangsters von Dublin getötet. Ehrlichkeit wäre jetzt das sichere Todesurteil. Doch es kommt noch dicker: Der völlig verängstigte Paddy wird von seinem ahnungslosen Chef damit beauftragt, sich um die Bestattung dieses Toten zu kümmern. Seine Gefühle beim ersten Besuch des trauernden Gangsterbosses sind so ähnlich, als würde man seinen Kopf in das weit geöffnete Maul eines hungrigen Löwen stecken.

Eine Mischung aus Krimi und schwarzem Humor

 

Jeremy Massey gelingt es, seine Story so aufzubauen, dass auch die absurdesten Szenen absolut nachvollziehbar sind und gar nicht so unwahrscheinlich wirken, wie es der Plot nahelegt. Seine plastische Sprache lässt den Leser wie einen stummen Zuschauer neben Paddy stehen und ihn dabei beobachten, wie sich die Abwärtsspirale immer schneller dreht. Die letzten vier Tage des Paddy Buckley ist ein Roman, der trotz des Grusels eine heitere und hoffnungsvolle Seite hat. Und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Die letzten vier Tage des Paddy Buckley wurde mir vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke. Es ist als Klappenbroschur bei carl's books erschienen und kostet 14,99 €.