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Montag, 21. Juli 2025

# 482 - Männer, die die Welt verbrennen

Dieses Buch gehört zu denen, die mich beim Lesen wirklich auf die Palme gebracht haben. Nicht, weil ich den Autor Christian Stöcker kritisieren würde oder nichts vom Inhalt seines Buches Männer, die die Welt verbrennen halte. Das Gegenteil ist der Fall. Die Erkenntnisse aus Stöckers Recherchen rund um die Fossil-Branche sind so haarsträubend, dass man sie ins Reich der Verschwörungserzählungen verweisen möchte - wohin sie nicht gehören. Ein paar Kostproben gefällig?

Zwischen 1970 und 2020 hat die Öl- und Gasbranche inflationsbereinigt pro Jahr einen Gewinn (!) von einer Billion Dollar gemacht. Das sind drei Milliarden Dollar pro Tag! Das entspricht etwa dem jeweiligen Umfang der öffentlichen Haushalte von z. B. Kanada, Italien oder Brasilien. 
Subventionen (= Steuergelder) tragen dazu bei, dass es der Branche weiterhin gut geht. Der Internationale Währungsfond (IWF) stellte fest: "Weltweit beliefen sich die Subventionen für fossile Brennstoffe im Jahr 2022 auf 7 Billionen US-Dollar oder 7,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, was einem Anstieg von 2 Billionen US-Dollar seit 2020 entspricht [...]" Wohlgemerkt nur in diesem einen Jahr.

Noch nicht mal während der Covid19-Pandemie mussten sich die Ölkonzerne um ihr Geschäftsmodell Sorgen machen: Der Gewinn (!) der fünf größten Öl-Aktiengesellschaften ExxonMobil, Shell, Chevron, Total und BP betrug 2022 insgesamt 200 Milliarden Dollar.

Christian Stöcker hat sein Buch in neun Kapitel aufgeteilt. Sehr anschaulich beschreibt er, wie das Netzwerk der Klimawandelleugner erfolgreich agiert, wer am meisten von Geschäften mit fossilen Energien profitiert und wer für die möglichst lange Beibehaltung von Öl und Gas verantwortlich ist. Die maßgeblichen Akteure sind Männer. Es fallen Namen von einflussreichen Profiteuren wie zum Beispiel Charles Koch, Donald Trump oder Wladimir Putin. Sie benutzen ihre Macht und ihr Geld, um Entscheidungsträger in ihrem Sinne zu beeinflussen. Doch es gibt auch eine Reihe von Staaten, deren Haupteinnahmequelle die Erdöl- oder Erdgasförderung ist. Manchmal ist sie sogar die einzige nennenswerte Einnahmequelle. Auch sie sind Teil einer weltweiten Manipulationsmaschinerie.

Desinformation ist ebenfalls sehr gut geeignet, das "bewährte" Geschäft am Laufen zu halten. Erinnert sich noch jemand an die gigantischen Desinformationskampagnen, die die US-amerikanische Tabakindustrie ab 1960 gestartet hatte? Kurz zuvor hatten wissenschaftliche Studien einen Zusammenhang zwischen Zigarettenkonsum und schweren Erkrankungen wie zum Beispiel Lungenkrebs oder chronischer Bronchitis festgestellt. Das Geschäftsmodell der Tabakindustrie drohte, ins Wanken zu geraten. Die Branche streute gezielt Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser Studien: Wissenschaftler wurden für dem Rauchen unkritisch gegenüber stehende Studien bezahlt, es wurde Werbung mit irreführenden Botschaften geschaltet und man erzeugte den Eindruck, dass es in der Wissenschaftsszene zwei Lager gebe - was falsch war.

Was das mit der Fossilbranche zu tun hat? Von ihr wird mit denselben Mitteln erfolgreich die öffentliche Meinung beeinflusst, obwohl man dort längst weiß, dass die durch das Verbrennen von Erdöl und -gas freigesetzten Treibhausgase die Erde immer weiter aufheizen. Zitat aus einem internen Briefing mit dem Betreff "CO2 Greenhouse-Effect" des Exxon-Konzerns aus dem Jahr 1982:

"Die Verbrennung fossiler Brennstoffe und die Abholzung von Wäldern gelten als die wichtigsten anthropogenen Faktoren [...]. Wir gehen davon aus, dass sich der Klimawandel um das Jahr 2090 verdoppeln könnte, basierend auf dem im langfristigen Energieausblick von Exxon prognostizierten Brennstoffbedarf. [...] Unsere beste Schätzung geht davon aus, dass eine Verdoppelung der aktuellen Konzentration die durchschnittliche globale Temperatur um etwa 1,3 bis 3,1 Grad Celsius erhöhen könnte." Der Text belegt, dass dem Exxon-Konzern der Zusammenhang zwischen dem Verbrennen von fossilen Brennstoffen und dem Treibhauseffekt schon vor mehr als vierzig Jahren bekannt war.

Doch der Blick richtet sich auch nach Deutschland. Ein Klimawandelleugner-Netzwerk ist hier ebenfalls erfolgreich aktiv. Ein seit 2007 eingetragener Verein mit Verbindungen zu einem FDP-Bundestagsabgeordneten, der AfD sowie Koch Industries streut Halb- oder Unwahrheiten, die durch dessen gute Vernetzung ihre gewünschte Wirkung nicht verfehlen. Derselbe Abgeordnete gründete vor mehr als zehn Jahren eine sogenannte Denkfabrik, die sich als 'Freiheitsinstitut' bezeichnet und libertäre Positionen vertritt, wozu auch die Leugnung des Klimawandels gehört. Diese Denkfabrik ist Teil des Atlas-Netzwerks, das aktiv eine 'klimaskeptische' Grundhaltung vertritt und beispielsweise - wenig überraschend - von den Stiftungen der Koch-Brüder und ExxonMobil finanzielle Zuwendungen erhält.

Im letzten Kapitel "Das Zeitalter des Lichts hat begonnen, das des Feuers muss enden" gibt Stöcker einen Ausblick auf eine Entwicklung, die bereits begonnen hat. In immer mehr Ländern wächst die Erkenntnis, dass die bisherigen Arten, Energie zu erzeugen (einschließlich Atomstrom), im Vergleich zu erneuerbaren Ressourcen zu kostspielig sind. Zitat aus einer 2021 von BloombergNEF veröffentlichten Studie: "In Staaten einschließlich China, Indien und Deutschland ist es jetzt billiger, ein neues, großes Solarkraftwerk zu errichten, als ein bereits existierendes Kohle- oder Gaskraftwerk weiterzubetreiben."

Die Abkehr vom Verbrennen von fossilen Ressourcen wird, wenn nicht aus Klimaschutzgründen, aus ökonomischen Gründen erfolgen.

Lesen?

Der Journalist und Fachhochschul-Professor Christian Stöcker beschäftigt sich schon lange mit Technik-, Energie- und Klimathemen. Mit Männer, die die Welt verbrennen zeichnet er die Mechanismen nach, die der Fossilwirtschaft immer noch ihre großen Gewinne sichern und nur ein Ziel haben: einem kleinen Kreis von Männern (und ihren Unternehmen) ihren Profit zu sichern, auch mit Steuergeldern.

Männer, die die Welt verbrennen ist 2024 bei Ullstein Buchverlage erschienen. Mir lag die im selben Jahr herausgegebene Sonderausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung vor, die als Paperback für 5,-- Euro erhältlich ist.

Sonntag, 13. September 2020

# 256 - Der Blick ins Oval Office aus der ersten Reihe

Je näher die US-Wahl am 3. November 2020 rückt, umso mehr Menschen, die dem amtierenden Präsidenten auf die eine oder andere Weise nahe stehen oder standen, veröffentlichen ein Buch mit ihrer Sicht auf ihn. Nicht immer ist klar, was die Autorinnen und Autoren dazu bewogen hat, doch bei John Bolton gibt es hinsichtlich seiner Motivation keinen Zweifel. 

Bolton hat sich aus "kleinen" Verhältnissen hochgearbeitet und ist sein Leben lang für die Republikanische Partei eingetreten. Schon im Alter von 16 Jahren engagierte er sich für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Barry Goldwater, während der Amtszeiten von Ronald Reagan und Bush sen. und jun. hatte er mehrere verantwortugsvolle Positionen in der US-Administration inne. Als er im April 2018 als Nationaler Sicherheitsberater in Trumps Dienst eintrat, war er im 70. Lebensjahr und damit in einem Alter, in dem andere ihr Leben genießen. Das kam für ihn jedoch nicht infrage: Er wollte noch mitmischen und hat auch Trump gegenüber immer wieder betont, dass er nur an zwei Positionen Interesse hat: der des Außenministers und der des Nationalen Sicherheitsberaters.

Zum Zeitpunkt seiner Amtsübernahme hat Bolton sicher nicht damit gerechnet, was ihn in den nächsten Monaten erwarten würde. Er beschreibt mit beinahe buchhalterischer Genauigkeit, was sich während seiner 519 Amtstage in der Welt an politisch Bedeutsamem zugetragen hat und wie seiner Ansicht nach damit hätte umgegangen werden müssen, aber nicht wurde. Während Bolton sich zu Beginn noch über das administrative Chaos um den Präsidenten herum wundert, seine Grundhaltung diesem gegenüber aber grundsätzlich positiv ist, beginnt die Stimmung irgendwann zu kippen. Bolton registriert, dass Trumps Entscheidungen, wie die USA mit den globalen Krisenherden umgehen sollten, nicht auf Fakten und Erfahrungen beruhen, sondern fast durchgehend einem Impuls entspringen: Was heute gilt, kann schon morgen überholt sein. Die wichtigste Richtschnur bei der Entscheidungsfindung ist nicht das Wohl des amerikanischen Volkes, sondern der Nutzen für die eigene Wiederwahl.

Dass Donald Trump nicht über nennenswerte geographische oder historische Kenntnisse verfügt, ist nichts Neues. Auch seine Zuneigung zu Autokraten wie Putin oder Kim Jong-Un sowie sein ambivalentes Verhältnis zum chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping ist schon häufig in den Medien geschildert worden. Aus Boltons Sicht, der diese Zuneigung nicht teilt, hat sich der US-Präsident von ihnen immer am Nasenring herumführen lassen, ohne deren wahre Absichten zu verstehen. Bolton schildert Ereignisse, die belegen, wie gleichgültig Trump demokratische Prozesse und der diplomatische und - als letztes Mittel - militärische Umgang mit Krisen sind. Seine Denkweise ist von Dogmen geprägt, die sich gebetsmühlenartig wiederholen: "Warum sind wir da?", wenn er registriert, dass sich US-Truppen im Ausland befinden, oder "die EU ist schlimmer als China, nur kleiner", was sich immer anbietet, wenn es warum auch immer um einen EU-Mitgliedsstaat geht oder den Staatenbund als Ganzes. Ebenfalls bekannt ist sein gestörtes Verhältnis zu Frauen in Machtpositionen.

Bolton muss sich wie Don Quijote beim Kampf gegen die Windmühlenflügel vorgekommen sein, wenn  immer dann, wenn sich ein für die USA günstiger Regierungswechsel im Ausland abzeichnete (Iran, Venezuela, Syrien), seine Vorschläge für eine militärische Intervention ignoriert wurden. Der Grund für Trumps Ablehnung lag jedoch nicht darin, die amerikanischen Soldaten schützen oder einen Krieg verhindern zu wollen; er wurde stets von einem isolationistischen Leuchtturmdenken geleitet, dem die Erkenntnis, dass kein Land auf der Welt für sich allein steht, völlig fremd ist.
Bolton litt zusehends auch unter dem Chaos, das der Präsident ständig verursachte, und war befremdet von dessen Rachsucht, die auch diejenigen Menschen einschloss, die ihm nicht mehr schaden konnten.

Bolton zeichnet in Der Raum, in dem alles geschah ein Bild des amtierenden US-Präsidenten, das niemanden überraschen dürfte, der das Weltgeschehen in den letzten Jahren ein bisschen verfolgt hat. Mutmaßlich unfreiwillig gibt er seinen Lesern jedoch auch Einblick in seine eigene Persönlichkeit. Die Welt hatte, als Bolton zum Nationalen Sicherheitsberater ernannt wurde, bereits seit über einem Jahr dem erratischen und egomanischen Treiben Trumps zusehen müssen. Da wirkt Boltons Wunsch, in dieser Regierung etwas bewirken zu können, sehr naiv. Die Erkenntnis, dass Trump nicht auf seine besten Berater hört, sondern auf die Person, mit der er zuletzt gesprochen hat, ist Bolton relativ früh gekommen. Er muss sich im Rückblick selbst fragen, warum er fast eineinhalb Jahre trotzdem in der Rolle des Zuträgers geblieben ist. Nicht zuletzt wirkt auch seine Weigerung, vor dem Untersuchungsausschuss auszusagen, der im Rahmen des Amtsenthebungsverfahrens gegen Trump eingerichtet wurde, unglaubwürdig. Wäre es nicht die Gelegenheit gewesen, sich dieses unfähigen Präsidenten zu entledigen? Oder spielten dabei eigene wirtschaftliche Überlegungen hinsichtlich der Buchveröffentlichung eine Rolle?

Sehr unangenehm wirkt auch das Schwarz-Weiß-Denken, in dem sich Trump und Bolton gar nicht so unähnlich sind. Es ist überall üblich, dass sich politische Gegner in der Öffentlichkeit nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnen. Das Ausmaß der Verachtung, das Bolton jedoch sämtlichen demokratischen Politikern entgegenbringt, ist symptomatisch für die derzeitige politische Situation in den USA: Da wird nicht mehr debattiert, sondern der Gegner in die Nähe von Kriminellen gerückt und regelrecht verteufelt. Die fragwürdige Politik unter republikanischen Präsidenten, an der Bolton maßgeblich beteiligt war, wird nicht angesprochen. Ein derart vergiftetes Klima schadet jedem Land.

Verärgert beschreibt Bolton viele Male, wie sich Trump von Beratern beeinflussen ließ und vergisst dabei, dass er das ebenso versucht hat - wenn auch immer öfter vergeblich. Der Bürokratie bringt der Ex-Sicherheitsberater viel Verachtung entgegen: Die Bedenken des damaligen Finanzministers sind ihm zu kleinlich, der Wunsch des Außenministers nach Verhandlungen ist lästig. In vielen Situationen wirkt er persönlich beleidigt.
Die Presse kommt bei Bolton sehr schlecht weg: Wo immer Reporter auftauchen, bezeichnet er sie als "Pressemeute" oder "Pressemob"; als Teil einer demokratischen  Kultur sieht er die Medien nicht. 

Bolton schreibt in seinem Buch sinngemäß, das erste Jahr als Nationaler Sicherheitsberater sei ihm wie zehn Jahre vorgekommen. Man glaubt das unbesehen.

Der Raum, in dem alles geschah ist 2020 bei Das Neue Berlin erschienen und kostet als gebundenes Buch 28 Euro sowie als E-Book 18 Euro.

Zu diesem Buch hatte die Agentur Literaturtest eine Blogtour veranstaltet, die mit diesem Beitrag begann.

Anmerkung: Wer mehr über das Sterben der Demokratie vor allem in den USA erfahren möchte, kann hier weiterlesen.


 

Freitag, 28. August 2020

Blogtour zu "Der Raum, in dem alles geschah" - Die Rolle des Nationalen Sicherheitsberaters

Siebzehn Monate hat es gedauert, bis John Bolton das Handtuch warf und von seinem Amt als Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Trump zurücktrat. Er hat den Weg von seiner Ernennung bis zu seiner Aufgabe in seinem Buch Der Raum, in dem alles geschah zum Teil minutiös geschildert. Der Leser kann nachvollziehen, wie sehr und wie oft Bolton mit seinem Chef und seiner Position haderte. In Tinas Blog Tina liest vor findet ihr eine Rezension des Titels, ich werde in einer eigenen Rezension in Kürze meinen Eindruck schildern.

Aus europäischer Sicht ist die Position, die Bolton inne hatte, nur schwer nachzuvollziehen. Ein vergleichbares Amt, das mit dieser Aufgabenfülle ausgestattet ist, wie es von Bolton beschrieben wird, ist mir zumindest in Deutschland so nicht bekannt.
Bolton war so etwas wie ein Löwenbändiger, der Tag und Nacht damit beschäftigt war, den Präsidenten und seine Äußerungen wieder einzufangen. Er war im diplomatischen Sinn das Mädchen für alles, wobei ihm die Erfahrungen in anderen Ämtern während der Amtszeiten der Präsidenten Reagan und Bush (sen. und jun.) zugute kamen. Da stellt sich die Frage, wie genau das Aufgabenspektrum eines Sicherheistberaters definiert ist.


Was macht eigentlich ein Nationaler Sicherheitsberater?

Er ist der oberste Sicherheitsberater des US-Präsidenten, wird unmittelbar von diesem bestellt und untersteht ihm direkt. Die Zustimmung des Senats für seine Ernennung ist nur dann nötig, wenn es sich bei dem Kandidaten um einen Militärangehörigen handelt.

Der Sicherheitsberater gehört mehreren Sicherheits- und Militärräten an und nimmt an den Sitzungen des National Security Council (NSC) teil. Er organisiert außerdem die Auslandsreisen des Präsidenten, berät diesen in nationalen Sicherheitsfragen, informiert ihn über aktuelle Sachverhalte und schreibt für ihn Reden. Er sorgt auch dafür, dass die Pläne des Präsidenten durch die Exekutive (Kabinett, Behörden etc.) umgesetzt werden.

Der erste Nationale Sicherheitsberater war Robert Cutler, der 1953 unter Präsident Eisenhower tätig war. Schon bei ihm hat sich die Frage gestellt, inwieweit er sich wie ein dienstbarer Geist im Hintergrund halten oder aber die Öffentlichkeit suchen sollte. Dieser Punkt wird offenbar bei jedem neuen Nationalen Sicherheitsberater immer wieder austariert, genauso wie die Präsenz der einzelnen Sicherheitsbehörden.

Zu den wesentlichen Tätigkeitsmerkmalen des Nationalen Sicherheitsberaters gehört auch die Organisation von Entscheidungsprozessen, die üblicherweise zu Beginn der Amtsperiode eines Präsidenten stattfindet. Hier soll sich Cutler sehr positiv hervorgetan haben, während Bolton an seinem Chef fast verzweifelte. Das lag allerdings nicht nur an Trumps chaotischer und sprunghafter  Art und Weise, zu einer Entscheidung zu kommen und diese möglicherweise kurze Zeit später wieder zu revidieren; Bolton hatte das Amt als dritter Berater übernommen, wenn man die kommissarisch eingesetzten Personen nicht mitzählt, und war schon deshalb im Nachteil. Sein Nachfolger Robert O'Brian ist nun kurz davor, seinen ersten Jahrestag in dieser Position zu erreichen. Damit ist Trump auf einem guten Weg, den Rekordverschleiß an Nationalen Sicherheitsberatern zu knacken, den der republikanische Präsident Ronald Reagan in seiner Amtszeit von 1981 bis 1989 aufgestellt hat: Sechs Herren gaben sich damals die Klinke in die Hand. Dieser Job hat sich also oft genug als Schleudersitz erwiesen.


Bekannte Nationale Sicherheitsberater

Einzelne Personen haben sich so oft den Medien präsentiert, dass sich ihre Namen auch uns eingeprägt haben. Außer John Bolton war dies zum Beispiel Henry Kissinger (1969 bis 1975 unter Nixon und Ford): Seine politische Bilanz brachten ihm sowohl den Friedensnobelpreis als auch den Vorwurf ein, vor dem Hintergrund der Einmischung der USA in den kambodschanischen Bürgerkrieg ein Kriegsverbrecher zu sein.

Für politische Beben sorgten gleich zwei Nationale Sicherheitsberater, die für Präsident Reagan tätig waren: Robert Carl McFarlane und John Marlan Poindexter. Die sog. Iran-Contra-Affäre führte zu einem Selbstmordversuch McFarlanes, als herauskam, dass die Regierung dem Iran inoffiziell Waffen verkaufte und die Erlöse an die rechte Guerilla-Bewegung der Contras in Nicaragua weitergab, um diese in ihrem Kampf gegen die linke sandinistische Regierung zu unterstützen. Das war in mehrerer Hinsicht ein gravierender Rechtsbruch, an dem McFarlane und Poindexter maßgeblich beteiligt waren.

Ein weiterer bekannter Name ist der von Condoleezza Rice. Sie war während der ersten Amtszeit von Präsident Bush jun. (2001 bis 2005) dessen Nationale Sicherheitsberaterin und die erste Frau auf diesem Posten. Im Zusammenhang mit den beiden Anschlägen am 11. September 2001 wurde ihr einige Jahre nach ihrer Amtszeit vom ehemaligen CIA-Director George Tenet der Vorwurf gemacht, nicht auf seine Warnungen gehört zu haben. Die Bush-Regierung verfolgte auf Anraten von Rice damals den längerfristigen Plan, gegen Osama bin Laden vorzugehen, und Rice war Tenets Bauchgefühl (das er selbst als "unsicheres Voodoo" bezeichnete), dass da irgendetwas im Gange ist, zu wenig, um aktiv zu werden. Das sollte sich bekanntermaßen als Fehler herausstellen. Hier zeigt sich jedoch die große Schwierigkeit in dieser Position, wichtige von unwichtigen Nachrichten zu unterscheiden. Nicht jedes ungute Bauchgefühl sollte schließlich der Auslöser für militärische Aktionen sein.

Während Präsident Obamas zweiter Amtszeit von 2013 bis 2017 war Susan Elizabeth Rice Nationale Sicherheitsberaterin. Ihre Amtsführung war nicht unumstritten. Eine breit angelegte Abhöraktion des NSA, bei der die Telefonverbindungen französicher Diplomaten angezapft wurden, lobte sie 2013 ausrücklich: Die NSA-Aktion habe ihr im Zuge einer Abstimmung des UN-Sicherheitsrats über Sanktionen gegen Iran die Ansichten anderer Länder vermittelt, sodass die USA den Verhandlungen immer einen Schritt voraus gewesen seien.
Ihre Berufung verwundert, wenn man eine besondere Vorgeschichte kennt: Als außenpolitische Beraterin in Obamas Wahlkampf war sie bereits für die Position der Außenministerin gesetzt. Doch der Anschlag auf das US-Konsulat in Bengasi 2012, dem auch der US-Botschafter zum Opfer fiel, wurde von ihr zunächst heruntergespielt und als "spontaner Protest" bezeichnet. Als die Wahrheit bekannt wurde, konnte Rice ihre Ambitionen auf das Ministeramt beerdigen. Aufrichtigkeit und Transparenz gehörten offenbar nicht zu ihren Stärken.

Diese kurzen Schlaglichter auf einige Sicherheitsberater/innen zeigen, dass diese Tätigkeit von vielen Untiefen geprägt ist und oft den Charakter einer Gratwanderung hat: Bis wohin ist man bereit, geltendes Recht zu dehnen oder zu ignorieren, um die "nationalen Interessen" zu verfolgen? Ist dafür praktisch alles erlaubt?
Macht oder die Nähe zu ihr erfordern sicher immer wieder, sich einigen Versuchungen zu widersetzen. Einigen gelingt das - und anderen eben nicht.

Dieser Beitrag ist der fünfte und letzte der Blogtour anlässlich der Veröffentlichung von John Boltons Buch Der Raum, in dem alles geschah. Wer das Buch gelesen hat, weiß, dass allerdings nicht alles, worüber Bolton schreibt, im Oval Office geschehen ist: Weitere Schauplätze, an denen es zu Begebenheiten zwischen ihm und Trump kam, sind beispielsweise die Präsidentenmaschine 'Air Force One' oder eines der Luftfahrzeuge, die als 'Marine One' bezeichnet werden.

Das Buch könnt ihr übrigens hier gewinnen.

Die weiteren Beiträge zur Blogtour findet ihr hier, hier und hier.

Montag, 24. August 2020

Blogtour zu John Boltons "Der Raum, in dem alles geschah"

Heute beginnt die von der Agentur Literaturtest veranstaltete Blogtour zum Buch des ehemaligen Nationalen Sicherheitsberaters John Bolton Der Raum, in dem alles geschah. Das Buch hat schon lange vor seinem Erscheinungsdatum am 14. August 2020 (in Deutschland) hohe Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil es einen tiefen Blick in die Amtsgeschäfte des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump verspricht. 

Außer meiner Bücherkiste sind noch vier weitere Buchblogs mit dabei, die sich sowohl dem Buch als auch dem Phänomen Trump von verschiedenen Seiten nähern. Dies ist der "Fahrplan":

24.8.: Buchvorstellung bei tinaliestvor.de
25.8.: Donald Trump - Versuch einer Charakterisierung bei lesenundmehr.wordpress.com
26.8.: Die Wahrnehmung Trumps durch Bolton bei franzi-liest.de
27.8.: Interessantes rund um das Amt des US-Präsidenten bei mounddiemachtderbuchstaben.de
28.8.:  Wer waren Boltons Vorgänger und wie hat sich das Amt unter Trump verändert? - Darüber schreibe ich hier.

Als Highlight läuft ab sofort ein Gewinnspiel: Bis zum 4. September 2020 wird hier eine gebundene Ausgabe von Der Raum, in dem alles geschah verlost. Beantwortet dafür bitte diese Frage:

Zum wievielten Mal ist Donald Trump verheiratet?

Alle richtigen Antworten, die bis zum genannten Enddatum an die E-Mail-Adresse degenaar1109@gmail.com geschickt werden, nehmen unter Beachtung der unten genannten Teilnahmebedingungen an der Verlosung teil. 
Die Blogtour wurde von der Agentur Literaturtest organisiert, der Gewinn wird vom Eulenspiegel-Verlag zur Verfügung gestellt.

Teilnahmebedingungen 


Teilnahme 

Die Voraussetzungen, um am Gewinnspiel teilzunehmen, sind:
  • ein Wohnsitz und eine gültige Postanschrift in Deutschland sowie
  • die Vollendung des 14. Lebensjahres oder die Teilnahme mit Zustimmung des/der gesetzlichen Vertreter(s). 
Die gesetzlichen Verlagsertreter und -mitarbeiter, Händler, Sponsoren und Vertriebspartner alle, die an der Durchführung des Gewinnspiels beteiligt sind, sowie deren Angehörige sind von der Teilnahme ausgeschlossen.
Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklären sich die Teilnehmer/innen auausdrücklich mit den Teilnahmebedingungen einverstanden. 
Mit der Gewinnspielteilnahme sind für die Teilnehmer/innen keineKosten verbunden, die Auslosung ist auch nicht mit dem Kauf einer Ware oder Dienstleistung verbunden. 

Für jede/n Teilnehmer/in ist die Teilnahme nur ein Mal möglich. Es ist nicht zulässig, mit mehreren E-Mail-Adressen am Gewinnspiel teilzunehmen oder hierfür einen Gewinspiel-Service oder ein automatisches Massenteilnahmeverfahren heranzuziehen. Das gilt ebenso für die Beauftragung von Agenturen oder sonstigen gewerblichen Anbietern.


Ermittlung der Gewinnerin oder des Gewinners

Der Buchgewinn wird unter allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen nach Ablauf des Gewinnspielzeitraums per Losverfahren nach dem Zufallsprinzip ermittelt. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird unter der angegebenen E-Mail-Adresse benachrichtigt. Der Gewinn wird an die Postadresse geschickt, die mir innerhalb von drei Tagen nach dem Absenden der Gewinnbenachrichtigung mitgeteilt wurde, sofern in der Gewinnbenachrichtigung nichts anderes angegeben wurde. 
Sollte mir die vollständige Postadresse nicht innerhalb von drei Tagen nach Absenden der Gewinnbenachrichtigung vorliegen, dann kann der Gewinn leider nicht zugestellt werden. In diesem Fall verfällt der Gewinnanspruch und der Gewinn wird unter den übrigen Teilnehmern ausgelost. Dieses Verfahren gilt auch dann, wenn mir zwar eine Postadresse mitgeteilt wurde, der Gewinn jedoch nicht innerhalb von drei Tagen nach dem Absenden der Gewinnbenachrichtigung angenommen oder vom Versanddienstleister - z. B. wegen einer falschen oder unvollständiger Anschrift oder Nichtabholung - zurückgeschickt wird.

Der Gewinn ist weder austausch- noch übertragbar. Eine Barauszahlung ist ausgeschlossen. Sollte der Gewinn aus vom Verlag nicht zu vertretenden Gründen nicht zur Verfügung gestellt werden können, behalte ich mir vor, einen gleichwertigen Ersatz zu liefern. Der Versand des Gewinns erfolgt nur innerhalb Deutschlands. Mit der Aufgabe zum Transportdienstleister geht die Gefahr des zufälligen Untergangs und der zufälligen Verschlechterung auf den Gewinner oder die Gewinnerin über.


Datenschutz

Für die Teilnahme am Gewinnspiel ist die Angabe von persönlichen Daten notwendig. Der Teilnehmer versichert, dass die von ihm gemachten Angaben zur Person, insbesondere Vor-, Nachname und Emailadresse wahrheitsgemäß und richtig sind.
Der Veranstalter weist darauf hin, dass sämtliche personenbezogenen Daten des Teilnehmers ohne Einverständnis weder an Dritte weitergegeben noch diesen zur Nutzung überlassen werden.


Facebook Disclaimer

Diese Aktion steht in keiner Verbindung zu Facebook und wird in keiner Weise von Facebook gesponsert, unterstützt oder organisiert.


Anwendbares Recht

Fragen oder Beanstandungen im Zusammenhang mit dem Gewinnspiel sind an meine E-Mail-Adresse degenaar1109@gmail.com zu richten.
Das Gewinnspiel unterliegt ausschließlich dem Recht der Bundesrepublik Deutschland. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Salvatorische Klausel

Sollte eine Bestimmung dieser Teilnahmebedingungen ganz oder teilweise unwirksam sein oder werden, so wird dadurch die Gültigkeit dieser Teilnahmebedingungen im Übrigen nicht berührt. Statt der unwirksamen Bestimmung gilt diejenige gesetzlich zulässige Regelung, die dem in der unwirksamen Bestimmung zum Ausdruck gekommenen Sinn und Zweck wirtschaftlich am nächsten kommt. Entsprechendes gilt für den Fall des Vorliegens einer Regelungslücke in diesen Teilnahmebedingungen.

Viel Glück!

Nachtrag: Der Gewinner wurde ausgelost!

Das Buch hat ein Leser aus Nürmbrecht gewonnen, der bereits von mir benachrichtigt wurde. Herzlichen Glückwunsch und viel Spaß mit dem Gewinn! Bei allen anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bedanke ich mich fürs Mitmachen.