Donnerstag, 25. Februar 2016

# 38 - Leben unter Königin Maria I.

Ein Perspektivwechsel

 

Das Buch, das ich euch heute vorstellen möchte, hat mich besonders aus einem Grund interessiert: Eine Liebe im Schatten der Krone von Bettina Pecha erzählt ein Stück der englischen Geschichte von 1560 bis 1568 und deckt damit einen Teil einer historischen Episode ab, um die es bereits in Der Palast der Meere von Rebecca Gablé ging. Aber während Gablé ihre Geschichte rund um die englische Queen Elisabeth I. erschaffen hat, stellt Pecha deren Großcousine in den Mittelpunkt: Maria I., Königin von Schottland, besser bekannt als Maria Stuart. Die beiden Frauen haben zeitlebens ein Tauziehen um die Macht in England veranstaltet, was die Handlung des Romans zwangsläufig stark beeinflusst.

 Ohne eine "Leihfamilie" geht nichts

 

In Eine Liebe im Schatten der Krone wird die Handlung von der jungen Fiona Fraser eingerahmt. Sie lernt 1560 in ihrem Elternhaus in Edinburgh den Laird Duncan Sanderton kennen und lieben. Kaum ein Jahr später heiratet sie ihn und geht mit ihm auf sein Landgut Springfield in den West Lothians. Sie lebt sich schnell ein, ihr Mann hat jedoch andere Pläne, als für den Rest seines Lebens auf dem Land zu leben. Er will mit Fiona ein Teil des Hofstaats von Maria Stuart werden und der gesellschaftlichen Enge und Einöde zu Hause entfliehen. Doch das ist nicht das Einzige, das sich Duncan wünscht: Er will einen Sohn, und das möglichst bald.
Wenige Monate nach der Rückkehr Maria Stuarts nach Schottland stellt sich Fiona ihr vor und wird im November 1562 als Hofdame an das königliche Schloss Holyrood in Edinburgh geholt. Duncan begleitet sie: Er wird in das Gefolge von James Stewart, dem 1. Earl of Moray und Halbbruders der schottischen Königin, aufgenommen. Doch dieser Ortswechsel soll ihrer Ehe nicht gut tun.

Fiona lebt sich schnell in das Umfeld Maria Stuarts ein und entwickelt sich im Laufe der nächsten Jahre zu ihrer engsten Vertrauten. Duncan hat es schwerer: Er registriert sehr bald, dass er nur an den Hof gebeten wurde, um in der Nähe seiner Frau sein zu können. Benötigt wird er nicht.

Maria Stuart - eine der schillerndsten Gestalten der schottischen und französischen Geschichte

 

Bettina Pecha hat sich eng an die historischen Ereignisse gehalten und schildert sehr anschaulich, unter welch schlechtem Stern die Regentschaft von Maria Stuart gestanden hat. Die Katholikin hatte in dem Reformator John Knox einen ihrer größten Widersacher. Er scheute auch nicht vor öffentlichen Verleumdungen und dem Verbreiten von wirren Geschichten über die Königin zurück, um sie zu demontieren. Ihrem Halbbruder, einem Protestanten, brachte sie größtes Vertrauen entgegen, was dieser nicht verdiente. Sie führte drei Ehen, schloss jedoch nur die zweite mit Lord Darnley aus Liebe. Strategisch erwies sich dieser Schritt als Fehler: Darnley war Katholik, und die Protestanten werteten diese Ehe als Signal dafür, dass sie nun ins Hintertreffen geraten würden. James Stewart zettelte daraufhin gemeinsam mit anderen proetstantischen Adeligen eine Rebellion an.
Fiona hält ihrer Königin in jeder Situation die Treue. Mit der Treue nimmt es ihr Mann jedoch nicht so genau, und die Ehe der beiden scheitert. Doch auch in anderer Hinsicht trifft Duncan die falsche Wahl.

Lesen?

Eine Liebe im Schatten der Krone ist ein spannend geschriebener historischer Roman, der keine Langeweile aufkommen lässt. Er ermöglicht es dem Leser, die damaligen Ereignisse nachträglich mitzuerleben und hat auch einen Schuss Romantik im Gepäck. Wenn es etwas gibt, das man kritisieren könnte, dann sind es die vereinzelt fehlenden Wörter in der mir vorliegenden epub-Ausgabe.
Der Roman ist bei books2read erschienen und sowohl als epub- als auch als Kindle-Edition erhältlich. Er kostet in beiden Versionen 4,99 €.
Das Buch wurde mir von bloggdeinbuch zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke.

Freitag, 19. Februar 2016

# 37 - Auf Sylt kann es verdammt gefährlich sein

Man kann am Strand nicht nur Muscheln finden

 

Heute ist wieder Krimi-Zeit, und diesmal wird auf Sylt gestorben. Ulrike Busch schubst ihre Leser gleich zu Beginn ihres Buchs Der Pfauenfedernmord direkt an den Strand von Kampen, mitten in der Hochsaison Anfang August eines nicht genannten Jahres: Im Prolog findet eine Joggerin eine Tote, die ein ungewöhnliches Kleidungsstück trägt. Ein Fall für Hauptkommissar Knudsen und seinen Kollegen Kommissar Zander.

Ein Freund, ein guter Freund...

 

In jedem Sommer trifft sich eine Gruppe von Freunden in Kampen, die dort Zeit zusammen verbringt: Der Schönheitschirurg Dr. Claus Wiederkehr und seine Frau, die Galeristin Valerie Wunderlich-Wiederkehr, die Paartherapeuten Konrad und Karin Bitterstein sowie der Fotograf Günther Geier und seine Frau Armgard. In diesem Jahr gibt es sogar mehrere Gründe, zu feiern: Die Wiederkehrs begehen ihre Silberhochzeit, und der Freundeskreis besteht nun ebenfalls seit 25 Jahren. Dieses Mal sind auch Ilona, Valeries beste Freundin und Assistentin, sowie ihr neuer Freund Marian, ein Italiener, mit dabei. Doch schon kurz nach dem ersten Zusammentreffen der alten Freunde im Restaurant "Hinnerks Hof" kommt es zu Spannungen: Ilona und Marian wirken alles andere als frisch verliebt, und auf Claus lastet eine Anspannung, weil ihn kurz zuvor ein anonymer Drohbrief erreicht und danach jemand Rattengift in seinem Vorratsraum platziert hat. Konrad richtet seine Aufmerksamkeit wie immer auf Valerie, was Karin verärgert zur Kenntnis nimmt. Aber auch Marian flirtet mit der Galeristin und zieht sich dadurch Claus' Missfallen zu. 
Um angesichts der anonymen Aktionen Schlimmeres zu verhüten, beobachtet Hauptkommissar Knudsen, der eng mit den Wiederkehrs befreundet ist, das Treiben diskret aus dem Hintergrund. Doch es nützt nichts: Durch das geöffnete Restaurantfenster wird ein Stein geworfen, der Valerie nur knapp verfehlt. In der entstehenden Aufregung gelingt es nicht, den Werfer ausfindig zu machen.


Scheidungsgedanken? Lohnen sich nicht mehr

 

Die Stimmung zwischen den Eheleuten Wiederkehr ist nicht besonders gut. Immer häufiger hat Claus den Eindruck, dass seine Frau Geheimnisse vor ihm hat. Auch ihre stundenlange Morgentoilette geht ihm immer mehr auf die Nerven. Doch drei Tage nach der Silberhochzeit erhält Claus einen Brief, der für ihn das Fass zum Überlaufen bringt: Er stammt vom Einwohner-Zentralamt Hamburg und enthält einen Bußgeldbescheid wegen zu schnellen Fahrens. Zum Beweis ist dem Bescheid ein Blitzerfoto beigefügt, auf dem deutlich Marian zu erkennen ist, der Claus' Sportwagen durch Hamburg steuert und gerade von der neben ihm sitzenden Valerie geküsst wird. Claus weiß allerdings nicht, dass diese Affäre nur die Spitze des Eisbergs an Seitensprüngen ist, die sich seine Gattin in den letzten Jahren geleistet hat.
Valerie, die 20 Jahre jünger als ihr Mann ist, ihm aufgrund mehrerer Schönheitsoperationen ein rundum erneuertes Aussehen verdankt und ohne sein Geld nie die Galerie hätte eröffnen können, ist der Typ Mensch, um den man einen großen Bogen machen sollte: Sie benutzt ihre Mitmenschen und legt sie ab wie ein durchlöchertes Kleidungsstück, wenn sie ihr keinen Vorteil mehr bieten können. Freundschaften sind für sie nichts anderes als Vorteilspartnerschaften. Deshalb wundert man sich auch nicht, als sie nur vier Tage nach ihrer Silberhochzeit tot am Strand vor dem Roten Kliff gefunden wird. Die Spurenlage ist eindeutig: Sie wurde mit einem Messer angegriffen und ist dann verblutet. Und wie es bei einem Krimi so ist, stellt sich auch hier die Frage: Wer hat Valerie Wunderlich-Wiederkehr auf dem Gewissen? Je mehr in ihrem Leben gekramt wird, umso mehr Personen kommen für den Mord in Betracht. Keine leichte Aufgabe für Knudsen und Zander.

Für wen eignet sich dieses Buch?

 

Der Pfauenfedernmord ist ein locker geschriebenes Buch, das sich sehr flüssig liest. Bei Amazon ist es den Cosy-Krimis zugeordnet, und das passt meiner Ansicht nach auch sehr gut: Der Krimi hat jede Menge Lokalkolorit, und ein großer Teil der Handlung beschäftigt sich mehr mit dem Beziehungsgeflecht der Figuren und deren charakterlichen Untiefen als mit der knallharten Falllösung. Dazu passt auch, dass Hauptkommissar Knudsen die Ermittlungen leitet, obwohl er wegen seiner Freundschaft zu Claus Wiederkehr so voreingenommen ist, dass er den Chirurgen von vornherein als Tatverdächtigen ausschließt. Sein Kollege Zander, der hier immer wieder als Polizist dargestellt wird, an dessen Fähigkeiten man zweifeln darf, weist ihn mehrmals erfolglos darauf hin.
Kurzum: Für diejenigen Leser, die von einem Krimi Blutlachen, das Pfeifen von Pistolenkugeln und einen smarten Ermittler mit einem hochprofessionellen Team erwarten, ist dieser Krimi nicht das Richtige. Aber er ist durchweg gute Unterhaltung und kann schon deshalb empfohlen werden.

Die Autorin ist promovierte Sprachwissenschaftlerin und hat mit Der Pfauenfedernmord ihren ersten Krimi veröffentlicht. Er ist bei Amazon Publishing erschienen und als Taschenbuch (9,99 €) sowie als Kindle-Edition (4,99 €) erhältlich.

   

Freitag, 12. Februar 2016

# 36 - Wie sich der digitale Dschungel lichten lässt

Die digitale Revolution betrifft fast jeden

 

Mit Vom Yin und Yang der digitalen Revolution von Jens Thaele geht es heute um ein Sachbuch, das seine Leser gewissermaßen an die Hand nehmen und ihnen zeigen will, wie sie sich den rasanten Veränderungen, die sich hinsichtlich des Einsatzes von neuen Technologien abspielen, stellen können. Dies ist kein Buch für Computernerds und IT-Experten, sondern für den Nutzer, der vor der Frage steht, wie er die Informations- und Kommunikationstechnik für seinen privaten Bereich oder seine Firma aufstellen sollte.


Prolog und Epilog als Rahmen

 

Thaele beginnt sein Sachbuch mit einem Prolog, der seine Leser in eine fiktive Szene im Flughafen Berlin Tegel führt. Dort begegnen sich zufällig zwei Freunde, die beide Unternehmer sind, und sprechen über die Unzufriedenheit des einen mit seiner neuen Kommunikationslösung: Die Mitarbeiter verweigern sich, er selbst ärgert sich über den Anbieter. Doch sein Freund ahnt, welcher Fehler hier der technischen Umstellung von Anfang an zugrunde lag. Er wertet die Erneuerung seiner eigenen Firmentechnik als vollen Erfolg, was im Wesentlichen mit der Herangehensweise des gewählten Anbieters zu tun hat.
Jens Thaele stimmt seine Leser so auf den fachlichen Teil seines Buches ein und führt sie zu den grundsätzlichen "Knackpunkten", die bei einer Entscheidung für eine modifizierte oder neue Kommunikationsplattform  beachtet werden müssen.


Moderne Kommunikation - ein Buch mit sieben Siegeln?

 

Das Buch kommt selbstverständlich nicht ohne Fachvokabular aus. Anders als mithilfe von eingeführten Begriffen lassen sich Zusammenhänge nicht deutlich darstellen. Sie werden jedoch im Text oder im angehängten Glossar so erläutert, dass sie verständlich sind. Der Begriff der Unified Communication (UC) zieht sich hier durch alle Kapitel: Damit ist gemeint, dass alle Kommunikationskomponenten wie z. B. die Endgeräte, die Kommunikationsdienste oder die Funknetze in jeder Hinsicht zusammenarbeiten und nicht wie vor Jahren getrennte Bereiche sind. Zum Gelingen einer zufriedenstellenden Kommunikationslösung ist ein reibungsloses Zusammenspiel aller Komponenten nötig.

Thaele ist bewusst, dass viele Menschen nicht wissen, worauf sie bei der Gestaltung der eigenen Kommunikationsumgebung Wert legen sollten. Er rät dazu, sich über die eigenen Bedürfnisse im Klaren zu sein und diese Ansprüche den Anbietern gegenüber entsprechend zu formulieren. Dieser Hinweis zieht sich wie ein roter Faden durch sein Buch und wird zum besseren Verständnis auch grafisch dargestellt. Das bloße Aufzählen von Leistungsmerkmalen im Rahmen einer Ausschreibung führt seiner Erfahrung nach in der Regel zu Enttäuschungen. Da ist es nur folgerichtig, dass er den "Rundum-sorglos-Paketen" mancher Anbieter eine klare Absage erteilt.
Der Autor widmet ein ganzes Kapitel der Frage, wie bei der Auswahl des richtigen Anbieters vorgegangen werden sollte. Da er dies sowohl für die Zielgruppe der Privatkunden als auch für Unternehmen verschiedener Größenordnungen tut, findet sich hier jeder Leser wieder.


Die Cloud - wie "böse" ist sie?

 

Jens Thaele weiß um die zahlreichen Vorbehalte, die gegen die Nutzung von Clouds bestehen. Er erläutert, welches technische Prinzip sich dahinter verbirgt und inwieweit die Sorgen von Nutzern, ihre Daten könnten dort nicht sicher sein und von Unbefugten missbraucht werden, tatsächlich berechtigt sind. Auch auf die Bedenken, die hinsichtlich der Datenverfügbarkeit bestehen, geht er ein. 
In einem weiteren Kapitel geht es um die typischen Fehler, die im Zuge der Planungen einer UC sehr häufig passieren. Thaele beschreibt hier anschaulich, an welchen Stellen eine sehr gute und zielgerichtete Kommunikation zwischen Kunden und Anbietern nötig ist und welche Erwartungen, die Kunden in vielen Fällen haben, nicht erfüllbar sind und deshalb nicht eingefordert werden sollten, um das Gelingen der Umstellung oder Einführung einer UC nicht zu gefährden.

Jens Thaele hat mit Vom Yin und Yang der digitalen Revolution einen Ratgeber geschrieben, der zahlreiche Menschen ansprechen dürfte, die auf der Suche nach einer verständlichen Erläuterung für die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der modernen Kommunikationstechnik sind. 
Nach meiner Einschätzung eignet es sich jedoch nur begrenzt für Leser, die sich mit dieser Thematik bislang noch nie beschäftigt haben und buchstäblich bei null anfangen. 
Der Autor lockert seine Darstellung immer wieder durch eigene Erfahrungen, die er als Fach- und Führungskraft in mehreren Telekommunikationsunternehmen gemacht hat, auf. Die eine oder andere Wiederholung bleibt in seinen Hinweisen nicht aus, das hemmt jedoch nicht den Lesefluss und könnte dazu beitragen, dass sich das Gelesene noch weiter verfestigt.

Empfehlung?

 

Wer sich für dieses Thema interessiert, ist mit dem Kauf von  Vom Yin und Yang der digitalen Revolution gut beraten. Jens Thaele ist Dipl.-Ing. der Nachrichtentechnik und Dipl.-Wirtschaftsingenieur, sodass sich seine Leser  auf seinen Sachverstand verlassen können.

Das Buch ist als Hardcover-Ausgabe für 19,80 €, als Paperback für 14,80 € und als E-Book zum Preis von 8,99 € erhältlich. 

Samstag, 6. Februar 2016

# 35 - Ein preisgekröntes Epos

Ein Vogel auf Abwegen

 

Der Roman Der Distelfink der Amerikanerin Donna Tartt beginnt fast am Ende der Erzählung: Theo Decker, ein 27-jähriger Amerikaner, befindet sich seit einer Woche in einem Amsterdamer Hotelzimmer. Er ist krank und sieht in einem Fiebertraum im Spiegel seine Mutter, die plötzlich hinter ihm auftaucht. Doch kurz, bevor sie etwas sagen kann, endet der Traum abrupt. Theo wird bewusst, dass sein Leben einen besseren Verlauf genommen hätte, wenn es diesen Tag vor 14 Jahren nicht gegeben hätte. 
 

Der 13-jährige Theo Decker lebt allein mit seiner Mutter in einer kleinen Wohnung in New York. Sein alkoholkranker und meistens übellauniger Vater hat die kleine Familie bereits vor einem Jahr sang- und klanglos verlassen und zahlt keinen Unterhalt. Dass das Geld seitdem knapp ist, ist allerdings im Vergleich dazu das kleinere Übel.
Theo und seine Mutter Audrey hatten schon immer eine enge Bindung, die seit dem Verschwinden des Vaters noch etwas intensiver geworden ist. Doch dann kommt der Tag, der Theos bisheriges Leben aus den Fugen und seine Welt zum Einsturz bringen soll: Er besucht mit seiner Mutter das Metropolitan Museum of Art, in dem gerade eine Ausstellung gezeigt wird: Nördliche Meisterwerke des goldenen Zeitalters. Audrey hatte vor Jahren  Kunstgeschichte an der New York University studiert, bevor sie Theos Vater kennenlernte und nach der Hochzeit das Studium aufgab. Ihr Faible für Kunst hatte sie jedoch nie losgelassen und sie freut sich sehr, als sie in der Ausstellung ein Bild entdeckt, das sie seit ihrer Kindheit nur aus einem Kunstbildband kannte, von dem sie jedoch seit damals fasziniert ist: Der Distelfink des niederländischen Künstlers Carel Fabritius, das 1654 gemalt wurde.

Die Wege trennen sich...

 

Theo und seine Mutter haben mittags einen Termin, sodass die beiden ihren Museumsrundgang abkürzen müssen. Doch Audrey möchte sich auf die Schnelle noch ein weiteres Gemälde ansehen, das in einem benachbarten Ausstellungsraum hängt. Sie verabreden, dass sie sich im Museumsshop treffen. Wenige Augenblicke später wird der Raum von einer so gewaltigen Explosion erschüttert, dass Theo zwischen herumwirbelnden Trümmerteilen zu Boden geworfen wird und das Bewusstsein verliert. Erst als er nach einer Weile wieder zu sich kommt, erkennt er, was wirklich passiert ist: Ein Bombenanschlag hat Teile des Museums zum Einsturz gebracht. Um ihn herum liegen Tote, von seiner Mutter ist weit und breit nichts zu sehen. Auf der Suche nach einem Ausgang trifft er auf einen schwer verletzten alten Mann, der um sein Leben ringt. In seinen letzten Minuten weist er Theo eindringlich an, ein staubiges rechteckiges Brett, das ganz in der Nähe zwischen Trümmern liegt, aufzuheben und auf jeden Fall mitzunehmen. Als Theo sich das Brett genauer ansieht, erkennt er, dass es sich um den Distelfinken, das Lieblingsbild seiner Mutter, handelt. Ohne länger darüber nachzudenken, entscheidet er, das Bild an sich zu nehmen. Doch kurz bevor Theo die Suche nach dem Ausgang fortsetzt, gibt ihm der sterbende Mann einen schweren Goldring. Einige seiner letzten Worte sind "Hobart and Blackwell" und "Läute die grüne Glocke."

Theo schafft es, einen Weg aus dem zerstörten Museum zu finden und klammert sich an die Hoffnung, seine Mutter zu Hause anzutreffen. Doch die Wohnung ist leer. Erst etliche Stunden später stehen zwei Sozialarbeiter vor der Wohnungstür. In diesem Moment wird Theo klar, dass er seine Mutter nie wiedersehen wird. Angesichts dessen, dass die Sozialarbeiter überlegen, Theo entweder in staatliche Fürsorge, zu einer Pflegefamilie oder zu seinen Großeltern zu geben, wird er von Panik erfasst: Jeder dieser Vorschläge ist schlimmer als der andere; seine Großeltern hatten sich noch nie für ihn interessiert und waren an Lieblosigkeit kaum zu übertreffen. In seiner Not nennt er den Namen der Familie seines Freundes Andy Barbour, und tatsächlich wird er dort aufgenommen. Der Distelfink bleibt zunächst in der alten Wohnung.


Trautes Heim, Glück allein?

 

Die Familie Barbour lässt ihn bei sich wohnen, aber die Atmosphäre dort ist sehr kühl und sachlich. Sein Aufenthalt wird akzeptiert, finanziell ist er jedoch kein Problem: Mr. Barbour arbeitet an der Wall Street, man leistet sich Personal und einen angenehmen Lebensstil. Ihre Wohnung liegt an der bekannten und teuren Park Avenue.
Theo hat den Ring des alten Mannes immer bei sich, aber es dauert eine Weile, bis er sich entschließen kann, die Adresse von Hobart and Blackwell im Telefonbuch nachzuschlagen und hinzufahren. Dort trifft er auf Mr. Hobart ("Hobie"), den guten Freund und Geschäftspartner des toten Mannes aus dem Museum. Die beiden Männer betreiben seit vielen Jahren ein in Sammlerkreisen angesehenes Antiquitätengeschäft, in dem Hobie den Part des Restaurators innehat. Hobie wird zu einem Anker und Ruhepunkt in Theos Leben, das immer mehr aus den Fugen gerät. Der Heranwachsende trägt schwer am Tod seiner Mutter und gibt sich die Schuld daran. Seit der Explosion ringt er außerdem mit einer posttraumatischen Belastungsstörung: Er erträgt Menschenmengen nur sehr schlecht,  und plötzliche Geräusche oder Bewegungen in seiner Nähe bringen ihn aus der Fassung. 
Als sein Leben bei den Barbours sich etwas normalisiert hat, taucht unvermittelt sein Vater mit seiner Freundin Xandra auf und holt Theo zu sich in die Einöde eines Trabantenvororts von Las Vegas. Doch die Hoffnung, jetzt wieder ein richtiges Zuhause in einer normalen Familie zu haben, wird schon kurz nach der Ankunft beendet: Der Vater hat seinen Suchtschwerpunkt vom Alkohol auf Tabletten verlagert und häuft bei Wetten und Glücksspiel Schulden an, während Xandra keinen Hehl daraus macht, dass ihr Theo lästig ist. Theo lebt in den Tag hinein und spürt deutlich, nicht geliebt zu werden.

14 Jahre Leben auf mehr als 1.000 Seiten 


Wer angesichts der Seitenzahl abgeschreckt ist, diesen Roman zu lesen, verpasst ein sehr flüssig und lebendig geschriebenes Buch, das seine Leser bis zum letzten Punkt auf Seite 1.022 nicht mehr loslässt. Donna Tartt beschreibt das psychische Loch, in das der junge Theo nach dem Tod seiner Mutter, der wichtigsten Person in seinem Leben, fällt, so authentisch, dass man es mit dem Jungen mitfühlt. Über viele Jahre hinweg kann er nicht an bestimmte Dinge denken oder sich an Orten aufhalten, an denen er mit ihr gewesen ist, ohne dass in seinem Kopf ein Film mit Szenen aus dem gemeinsamen Leben abläuft. Wie sehr sich Theo wünscht, dass alles so bleiben möge, wie er es gekannt hat, wird besonders deutlich, als er zum Mietshaus, in dem er jahrelang mit seiner Mutter gelebt hat, zurückkehrt, um mit den ihm vertrauten Türstehern zu sprechen. Als er dort ankommt, ist er fassungslos: Das Haus ist eingerüstet und wird gerade entkernt, das gesamte Hauspersonal wurde entlassen. Ein Fremder erzählt ihm, ein Investor habe das Gebäude gekauft und wolle daraus moderne, teure Wohnungen machen.

Das Leben entgleitet dem Jugendlichen Theo mehr und mehr. Über einen Freund gerät er an Drogen und Alkohol, und erst ein weiterer Schicksalsschlag, der für ihn mehr ein Befreiungsschlag ist, öffnet ihm die Tür für ein einigermaßen normales Leben. Das Gemälde, dessen Rückgabe er sich mehrmals vorgenommen und immer wieder aufgeschoben hat, entwickelt sich zu einem Fluch, obwohl er es gut versteckt hält und irgendwann nicht mehr wagt, es auszupacken und anzusehen.

Donna Tartt hat 2014 für The Goldfinch den Pulitzer Preis bekommen - meiner Ansicht nach absolut verdient. 
Die deutsche Übersetzung ist 2014 im Goldmann Verlag erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 24,99 €, als Taschenbuch 12,99 €, als mp3-Hörbuch 14,99 € sowie als Kindle-Edition 9,99 €.


 

Vielen Dank!

Das Buch Der Distelfink wurde mir als Rezensionsexemplar vom Inhaber der Hemminger Buchhandlung, Herrn Stefan Koß, zur Verfügung gestellt, wofür ich mich ganz herzlich bedanke. Herr Koß bietet ein breites Spektrum unterschiedlichster Bücher an und besorgt nicht im Laden vorhandene Exemplare innerhalb eines Werktages. 
Die Kontaktdaten und Öffnungszeiten gibt es hier: Hemminger Buchhandlung



   

Montag, 1. Februar 2016

Das habe ich im Januar gelesen

Wieder einmal waren die Bücher sehr unterschiedlich

 

Da ich Urlaub gemacht habe, hatte über den Jahreswechsel auch die Bücherkiste eine Pause. Das Buchjahr begann am 8. Januar mit Boat People von Roland Künzel. Nichts gegen Phantasie und eine Portion Zufall, aber bei diesem Buch fand ich die Dichte der Zufälle wirklich bemerkenswert. Der Roman hat mich nicht überzeugt und bekommt 
(von 5)















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Am 15. Januar ging es in Nicole Neubauers Roman Kellerkind um den Mord an einer erfolgreichen Rechtsanwältin. Zunächst wird ein 14-jähriger Junge der Tat verdächtigt, der im Keller der Toten blutbesudelt angetroffen wird. Doch die Zahl der Verdächtigen steigt. Ein Buch, das mir sehr gut gefallen hat, darum gebe ich hierfür

 und 1/2 




   Eine Hörprobe gibt es hier bei Soundcloud.

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Eine Woche später habe ich euch Kind 44 von Tom Rob Smith vorgestellt. Anfang 1953 wird ein Junge tot auf den Bahngleisen eines Bahnhofs in Moskau gefunden. Ideologische Gründe verhindern polizeiliche Nachforschungen und sorgen dafür, dass der Mörder diesem noch mehrere Dutzend weitere Opfer hinzufügt. Der degradierte Geheimdienstoffizier Leo Demidow erkennt das System dahinter und beginnt, heimlich zu ermitteln.
Bei diesem Roman muss ich nicht lange überlegen:











 

Robert Hofmann hat den Film, der sich sehr nah an das Buch hält, in einem Video besprochen.

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Den Abschluss für diesen Monat bildete La Vita Seconda - Das zweite Leben von Charlotte Zeiler. Ihr Roman rankt sich um zwei Frauen, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts bzw. in der Gegenwart einen Schicksalsschlag erleiden. Ihn bewerte ich mit 






Wenn ihr mehr über die Autorin wissen möchtet, dann geht das über ihre Homepage.







Ich hoffe, euch hat die Auswahl gefallen. Die Bücherkiste macht mit dem nächsten Buch am 5. Februar weiter.

Samstag, 30. Januar 2016

Nominierung zum Liebster Award

11 Fragen - und 11 Antworten, die zum Teil gar nicht so einfach zu geben waren

 

Vom Liebster Award hatte ich schon mal gehört und gelesen, mich aber nie weiter damit beschäftigt. Dieser Blog ist seit Juni 2015 im Großen und Ganzen eine One-Woman-Show: Ich habe nie an Challenges teilgenommen, und sogar bei der bisher einzigen Leserunde, bei der ich mich abschnittsweise über das gerade gelesene Buch äußern sollte, habe ich versagt. Ich lese ein Buch, das mich wenigstens einigermaßen anspricht und meine Aufmerksamkeit wach hält, in meinem eigenen Rhythmus und kann nicht an vorgegebenen Stellen unterbrechen, um meine Meinung abzugeben. Umso verblüffter war ich, als ich von Claudia Goepel, die den Zaubertraumtagebuch-Blog betreibt, nominiert wurde. An dieser Stelle bedanke ich mich noch einmal herzlich bei Claudia, dass sie an mich gedacht hat.

Wozu gibt es den Liebster Award?

 

Dieser Award soll noch junge Blogs bekannter machen und die Vernetzung unter den Bloggern fördern. Als er ins Leben gerufen wurde, gab es die strikte Vorgabe, immer 11 Blogs zu nominieren. Da dieses Vorgehen etwas Inflationäres hat und etliche Blogger mehrfach nominiert wurden, hat sich irgendwann eine Mindestzahl von zwei Nominierungen ergeben. Das Prinzip dahinter wird weiter unten erklärt. 

Los geht's: Das möchte Claudia wissen

 

1.   Seit wann bloggst du und warum?
Ich habe meinen allerersten Post am 15. Juni 2015 hochgeladen. Mit der Idee hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt schon seit einer ganzen Weile getragen, meine Tochter hatte mich immer mal wieder mit "Mach das! Du kennst doch so viele Bücher!" angefeuert. Und dann gab es zwei Tage, an denen ich irgendwie einen Leerlauf hatte: Da habe ich dann die Gelegenheit beim Schopf gepackt und einfach mal losgelegt. 

2.   Wie lautet deine Message an die Welt?

Gerade in diesen Tagen kann sie eigentlich nur lauten: Leute, hört auf, euch gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Das ist selbstverständlich bildlich gemeint, und ich bin mir dessen bewusst, dass die Erde mit dem Auftauchen des Menschen ganz sicher nicht friedlicher geworden ist und irgendwo auf dem Planeten immer Leute sein werden, die an die Macht kommen oder sie behalten wollen und die das Wort "Demokratie" für ein Hirngespinst von Weicheiern halten. Aber man kann es gar nicht oft genug sagen, damit es nicht vergessen wird: Wer glaubt, die Probleme unserer Zeit mit Gewalt lösen zu können, ist auf dem Holzweg. Das begreifen hoffentlich auch die Menschen, die hier in einer benachbarten Kleinstadt zuerst ein fast fertiggestelltes Flüchtlingsheim und drei Tage später drei Fahrzeuge der Stadtverwaltung angezündet haben, wodurch fast das Rathaus ebenfalls abgebrannt wäre. Aber ich schweife ab.

3.   Wie viel Zeit investierst du in einen Blogbeitrag? 

Das ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Büchern kann ich meine Rezension mühelos schreiben: Das gilt sowohl für die Exemplare, die ich super finde als auch für die anderen, die meinem persönlichen Geschmack nicht entsprechen - um es mal nett auszudrücken. Ich habe außerdem den Anspruch, dass meine Texte gut lesbar sind, was beispielsweise immer gleiche Redewendungen oder Wortwiederholungen ausschließt. Unter zwei Stunden geht da normalerweise nichts.

4.   Woher nimmst du die Bilder für deinen Blog?

Da ich für den wöchentlichen Beitrag an jedem Freitag nur ein Buchcover brauche, ist die Bildersuche in wenigen Sekunden erledigt. Bei den zusammenfassenden Monatsrückblicken dauert das schon etwas länger: Hier suche ich für jedes Buch nach etwas Besonderem wie z. B. einem Interview mit einem Autor oder einem Filmtrailer.Da werde ich - na klar - bei der allseits bekannten Suchmaschine fündig.

5.   Wo und wie machst du auf dich und deinen Blog aufmerksam?

Ich gehe davon aus, dass sich dieser prima Blog schon bald überall herumgesprochen haben wird und der Server unter der Last der Anfragen zusammenbricht ;-) Nein, natürlich nicht! Im Gegensatz zu Mode, Kosmetik und allem, was sonst noch unter Lifestyle fällt, haben es Bücherblogs ungleich schwerer. Ich poste meine Beiträge in jeder Woche bei Facebook auf meiner eigenen Seite und in den entsprechenden Gruppen, bei Google+ ebenso sowie bei Twitter und Instagram. Letzteres ist besonders hartes Brot, weil es ja bei einem Buch nicht viel zu zeigen gibt oder besser gesagt: ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages nur das Cover abgebildet sein darf. Es gibt jedoch Bücher, die ein richtig schönes "Innenleben" haben. Ich denke da an die Tagebücher von Astrid Lindgren oder Arthur Conan Doyle: In beiden befinden sich Faksimiles ihrer handschriftlichen Aufzeichnungen, Skizzen oder auch Fotos, die ich leider nicht einfach so zeigen darf. Sehr interessant wäre es auch gewesen, einen Blick in Das Mädchen aus der Volkskommune - Chinesische Comics zu werfen, damit ihr euch mit mir amüsieren könnt. Das geht alles nicht. Sehr schade.

6.   Woher holst du die Tipps, wenn du bei technischen Problemen nicht weiter weißt?

Ich versuche zuerst selbst, mein Problem zu lösen. Ein paar wenige Kenntnisse habe ich mir angeeignet, ansonsten hält das Internet ja einige hilfreiche Seiten bereit. Die meisten Technik-Foren meide ich, weil dort Leute schreiben, die mit Fachvokabular glänzen oder deren Antworten mit "Ich glaube, das geht soundso..." beginnen. Wenn ich gar nicht mehr weiter weiß, frage ich meinen Mann, der in diesem Bereich arbeitet.

7.   Kennst du Blogger|innen persönlich? 

Wenn die Frage meint, dass ich ihnen Aug' in Aug' gegenübergestanden habe, dann nein. Es gibt allerdings sehr nette und auch hilfreiche Kontakte, bislang aber eben nur auf der virtuellen Ebene. Aber vielleicht ändert sich das ja noch.

8.   Welchen Traumberuf hattest du als Kind? 

Als Kind habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, wovon ich einmal leben möchte. Als Jugendliche habe ich mit dem Beruf der Goldschmiedin geliebäugelt. Heute bin ich froh, dass ich das nicht gemacht habe: Vermutlich wäre ich bei meinem handwerklichen Talent zum Sozialfall geworden. Danach gefiel mir der Gedanke, Germanistik zu studieren, weil die Nähe zu Büchern praktisch schon immer da war. Aber was macht man typischerweise damit? Die meisten Absolventen werden Lehrer, was mir immer fern lag. Die restlichen brauchen zumindest viel Kreativität, um in Lohn und Brot zu kommen. Diese Mischung aus viel Aufwand und wenig Ertrag hat mir schon vor 30 Jahren nicht gefallen.

9.   Hast du Tiere, wenn ja - welche?

Wir haben Griechische Landschildkröten - drei erwachsene Tiere und acht Jungtiere aus eigener Zucht. Im Moment sind sie noch in der Winterstarre, aber ab Mitte März werden sie wieder in den Garten entlassen.

10. Was war das schönste Feedback für deinen Blog? 

Ich freue mich über jeden Kommentar, der sich inhaltlich auf einen Post bezieht und nicht nur dem Zweck dient, die eigene Blogadresse weiträumig zu streuen, um Google auf sich aufmerksam zu machen. Gelacht habe ich beim Lesen der Rückmeldung einer anderen Buch-Bloggerin, die sich auf meine Rezension eines Romans bezogen hatte, der mit einem renommierten Preis ausgezeichnet worden war: Ich konnte diesem Werk nicht viel abgewinnen, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Handlung hin und her sprang wie ein Laubfrosch auf der Flucht. Als die Autorin dann auch noch auf 80 Seiten Inhalte in Form von Torten- und Säulendiagrammen darstellte und so etwas wie Sprechblasen verwendete, um Beziehungen darzustellen, war es mit meinem Verständnis vollends vorbei. Kommentar der Blog-"Kollegin": "Tortendiagramme in einem Roman? Seltsam, seltsam. Ich musste deine Rezension 2x lesen, weil ich das rote Dingens verloren hatte .... ;-) LG" Tja, was soll man da sagen? Ging mir ja auch so.

11. Was wünschst du dir für die Zukunft?  

Man soll ja die Hoffnung nie aufgeben, darum verweise ich auf meine Antwort zu Frage 2. Meine realistischen Wünsche sind: Gesundheit und ein erfülltes Leben für alle, die mir wichtig sind.


Diese Blogs nominiere ich

 

Kein Wunder, wo der Schwerpunkt liegt: auf Büchern. Deshalb nominiere ich diese beiden Blogs: 

Stuffed Shelves - auf diesen Blog bin ich bei Google+ erst vor Kurzem gestoßen. Die beiden Blogger Daniela und Sebastian stellen hier Bücher aus dem Bereich Krimi/Thriller/Horror, aber auch das eine oder andere emotionalere Buch vor. Der zweite Bereich ihres Blogs beschäftigt sich mit Filmen.
 
Den Bücher-Blog von Kerstin Scheuer - ein Blog,der nicht nur Bücher vorstellt, sondern auch Menschen, die mit Büchern zu tun haben: Bücherblogger, Autoren, Vielleser und alle anderen, die sich mit Büchern umgeben, können dort in der Reihe "Lieblingsleseplätze" etwas über sich erzählen. Auch ich wurde schon interviewt.


Das interessiert mich - meine 11 Fragen

 

1. Wie bekommst du/bekommt ihr Anregungen für deinen/euren Blog?
2. Wo werden deine/eure Beiträge "beworben" ?
3. Worüber kannst du dich/könnt ihr euch freuen?
4. Was hat sich für dich/euch durch das Bloggen geändert?
5. Welcher ist dein/euer Lieblingsort oder -platz?
6. Welches ist dein/euer Lieblingsbuch und warum?
7. Wie viel Zeit benötigst du/benötigt ihr für einen Blog-Beitrag?
8. Hast du/habt ihr schon mal andere Blogger oder Bloggerinnen persönlich getroffen?
9. Welche Hobbies hast du/habt ihr?
10. Hast du/habt ihr Haustiere?
11. Welches war dein/euer schönstes Feedback? 


Leitfaden für den Liebster Award


  • Danke der Person, die dich für den Liebster Award nominiert hat und verlinke den Blog in deinem Artikel.
  • Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, stellt.
  • Nominiere 2 (bis 11) weitere Blogger für den Liebster Award.
  • 
Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen oder verwende diese Fragen weiter.
  • Schreibe diese Regeln in deinen Liebster-Award-Blog-Artikel.
  • Informiere deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel.
  • Such dir das Beitragsbild aus dem Netz oder bastle (wenn du kannst) selbst eins.

Ich freue mich sehr auf Danielas, Sebastians und Kerstins Antworten und bin schon gespannt.

Freitag, 29. Januar 2016

# 34 - Ein Roman in zwei Epochen

 Zwei Schauplätze, zwei Zeiten

 

Ich stelle euch heute mit La Vita Seconda - Das zweite Leben das Erstlingswerk von Charlotte Zeiler vor. Sie arbeitet als Krankenschwester in einer Intensivstation, was sich in ihrem Buch positiv bemerkbar macht.


Köln/Cölln als Schicksalsstadt

 

Im Jahr 1617 findet sich die junge Franziska verletzt auf einer staubigen Straße zwischen Cölln und Jülich wieder. Nur mit Mühe kann sie sich konzentrieren, aber die Umgebung um sie herum ist ihr fremd. Auch alles, was ihr Leben ausmacht, ist aus ihrem Gedächtnis verschwunden: ihr Wohnort, der Name ihrer Eltern ... alles ist weg. Auch an den Mann, der ihr offensichtlich helfen will und sich um sie kümmert, kann sie sich nicht erinnern: Antonio. Zusammen mit seinem Begleiter bringt er Franziska zu seinem Elternhaus in Cölln, wo sie Ruhe finden und sich erholen soll. 

In einem zweiten Handlungsstrang geschieht in der Gegenwart ein schrecklicher Unfall: Eine junge Frau ist in ihrem Auto auf dem Weg zu ihrer Arbeit in einem Krankenhaus. Kurz vor dem Ziel kommt es zu einem Zusammenstoß zwischen ihrem Fahrzeug und einem Lkw, bei dem dessen Fahrer ums Leben kommt und das Auto fast von dem Vierzigtonner zerquetscht wird. Der Notarzt Mark und ein Rettungssanitäter sind als erste am Unfallort und können die schwer verletzte Autofahrerin ins Krankenhaus bringen. Dort wird sie von Oliver, Marks bestem Freund, weiterbehandelt.

Wie können die Leben zweier Frauen trotz der zeitlichen Distanz umeinander kreisen?

 

Charlotte Zeiler hilft ihren Lesern dabei, die beiden unterschiedlichen Handlungsstränge auseinanderzuhalten: Bei jedem Wechsel in die jeweils andere Epoche ändert sich nicht nur die Schriftart, sondern auch die Zeit: Die Kapitel, die in der Gegenwart spielen, sind im Präteritum, die Handlung im 17. Jahrhundert ist im Präsens formuliert. Ohne die klare Strukturierung würde es vermutlich schwerfallen, jeden Handlungsverlauf für sich zu verfolgen.

Doch es bleibt lange rätselhaft, was die Schicksale der beiden Frauen miteinander zu tun haben könnten. Gemeinsam ist ihnen, dass sich in beiden Epochen eine Liebesgeschichte anbahnt: Mark, der von seiner früheren Verlobten betrogen wurde und monatelang keine Freude mehr am Leben hatte, fühlt sich zu der Autofahrerin hingezogen und besucht sie sogar, als sie wegen der Schwere ihrer Verletzungen in die Uni-Klinik Köln verlegt wird. Ihr ist das allerdings nicht bewusst: Sie liegt im Koma auf der Intensivstation. Mark erfährt auch bald ihren Namen, weil man in der Uniklinik irrtümlich annimmt, dass es sich bei der Patientin um seine Freundin handelt: Leya Volta. Er hat den Eindruck, ihr schon einmal begegnet zu sein, kann sich aber zunächst nicht daran erinnern, wo oder in welchem Zusammenhang er Leya bereits kennengelernt haben könnte.

Auch Franziska hat großes Gefallen an ihrem Retter Antonio gefunden, der sich als ein Sohn des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm entpuppt. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft im Haus des Pfalzgrafen kann Franziska nicht mehr sprechen. Auch ihre Erinnerung an ihr Leben vor dem Augenblick ihrer Rettung ist nicht zurückgekehrt. So beginnt die Suche nach ihrer wahren Identität. Doch schon bald ahnt sie, dass sie im Haushalt des Pfalzgrafen eine Feindin hat. Diese Ahnung soll sich tatsächlich bestätigen.


Vorsicht Spoiler!


Es fällt mir bei La Vita Seconda - Das zweite Leben sehr schwer, den weiteren Verlauf des Romans zu beschreiben, ohne zumindest einen Hinweis zu geben, was hinter diesen beiden Geschichten steckt. Charlotte Zeiler hat sich eines ungewöhnlichen Schreibstils bedient, an den man sich zu nächst gewöhnen muss, der jedoch das Verständnis für die Hintergründe erleichtert. Ihre medizinischen Fachkenntnisse, die an vielen Stellen deutlich werden, tragen ebenfalls dazu bei, dass die Handlung immer glaubwürdig bleibt.

Das Buch ist als Taschenbuch zum Preis von 9,95 € und als Kindle-Edition für 2,99 € erhältlich.

 

Freitag, 22. Januar 2016

# 33 - Sowjetische Gerechtigkeit im Stalinismus

Eine Spur des Todes entlang der Transsibirischen Eisenbahn

 

Kind 44 von Tom Rob Smith ist ein Roman, dessen Verfilmung ich gesehen hatte, bevor ich das Buch kannte. Neu war mir jedoch bis zum Lesen des Nachworts, dass sich die Handlung des Romans sehr eng an einem tatsächlichen Fall orientiert. Aber der Reihe nach.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf 

 

Januar 1933: In der Ukraine leiden die Menschen unter dem Hungerwinter. Viele sind bereits an Unterernährung gestorben, die noch Lebenden ernähren sich buchstäblich von allem, was irgendwie essbar ist. Da sieht Pavel eine streunende Katze. Auf Anweisung seiner Mutter nimmt er seinen jüngeren 8-jährigen Bruder Andrej mit auf die Katzenjagd. Dabei wird Pavel hinterrücks von einem Mann überwältigt und entführt. Der kurzsichtige Andrej, der seinen Bruder nach einer kurzen Suche nicht finden kann, kann seiner Mutter nur noch von dessen Verschwinden berichten. Pavel taucht nicht mehr zu Hause auf.

14. Februar 1953: Der knapp 5-jährige Arkadi wird tot auf den Bahngleisen in Moskau gefunden. Man hört, ein alter Mann habe die Leiche gesehen, die völlig nackt und übel zugerichtet gewesen sei. Eine Frau will einen Mann beobachtet haben, der in der Nähe des Leichenfundortes gewesen ist - mit einem kleinen Jungen an der Hand. Doch für die Behörden ist schnell klar: Der Tod des kleinen Arkadi ist tragisch, aber ein Unfall, an dem keiner außer dem Kind selbst eine Schuld trägt. Der Junge hatte sich zu dicht an den Bahngleisen aufgehalten, niemand nimmt Ermittlungen auf: Während der Diktatur Stalins gab es offiziell keine Kriminalität. Sie wurde als Auswuchs des Kapitalismus angesehen. Doch Arkadis Vater Fjodor Andrejew, ein Mitarbeiter des MGB, der Vorgängerinstitution des KGB, zweifelt an dieser Darstellung: Seinem Freund und Kollegen Leo Demidow, der den Auftrag erhalten hat, Fjodor und dessen Familie vom Unfalltod des Sohnes zu überzeugen, gelingt es nicht, dessen Zweifel an der Darstellung, die vom MGB vorgegeben ist, zu zerstreuen. Leo ist ein treuer und überzeugter Anhänger des Sowjetsystems und würde fast alles für sein Land tun. Er teilt die Vision Lenins, dass sich die Zahl der Verbrechen in dem Umfang verringern würde, in dem die Armut sich zurückbildet. Die sowjetische Gesellschaft war seiner Meinung nach auf dem besten Weg dorthin. Sofern die Menschen daran glaubten, würden sie sich stetig auf das Ziel hinbewegen, ein besseres Gemeinwesen zu formen. Dieser Glaube durfte nicht durch Gerüchte um ein ermordetes Kind ins Wanken gebracht werden.

Leos persönliche Wende: Ein Spion wird verhört

 

Das MGB verdächtigt den Tierarzt Anatoli Brodsky der Spionage, weil auch die Haustiere ausländischer Diplomaten zu seinen Patienten zählen. Als Brodsky bemerkt, dass er beschattet wird, kann er fliehen, wird jedoch von einer Gruppe von MGB-Beamten, die von Leo kommandiert wird, gefangengenommen. Leo hadert mit sich, weil er als Verantwortlicher eine der Grundregeln seines Berufs verletzt hat: "Besser, zehn Unschuldige leiden, als ein Spion entkommt." Zum ersten Mal erlebt Leo jedoch, dass er einem Verhafteten seine Aussage glaubt: Brodsky wird wie üblich gefoltert und widersteht den Misshandlungen länger als es andere Gefangene tun.

Doch Brodskys Festnahme hat für Leo ein Nachspiel: Als sein Untergebener Wassili Nikitin in einem entlegenen Dorf aus offensichtlichem Spaß am Töten ein Ehepaar erschießt, das verdächtigt wird, dem Entflohenen Unterschlupf gewährt zu haben und damit zwei kleine Mädchen zu Waisen macht, wird er von Leo niedergeschlagen, bevor er auch noch die beiden Kinder umbringen kann. Das macht die Männer zu Todfeinden.

Weil Leos Verhalten Aufmerksamkeit bei seinem Vorgesetzten Generalmajor Kuzmin erregt, fordert dieser von ihm einen Loyalitätsbeweis: Leo soll seine eigene Frau Raisa bespitzeln, die verdächtigt wird, eine Spionin zu sein. Ihm ist klar, dass Kuzmin nur eine Antwort von ihm akzeptiert: Die Bestätigung, dass Raisa tatsächlich ein Schädling des Sowjetvolkes ist. Damit wäre ihr Schicksal besiegelt: Nach einem Verhör, das wie gewohnt mit einem durch Folter erpressten Geständnis enden würde, würde auf die junge Frau eine Haft im Gulag warten, die mehrere Jahrzehnte dauern könnte - wenn sie diese lange Zeit überhaupt überleben könnte. Er entscheidet sich dafür, seine Frau nicht zu denunzieren, was die unmittelbare Degradierung und die Versetzung zur Miliz in Wualsk, einer tristen Industriestadt im Ural, nach sich zieht.

Leo wird in Wualsk General Nesterow unterstellt, der ihm wegen seiner ehemaligen MGB-Zugehörigkeit mit großem Misstrauen begegnet. Nur zwei Tage vor seiner Ankunft wurde in Wualsk ein junges Mädchen ermordet aufgefunden, und Leo fällt sofort die Ähnlichkeit mit den Umständen auf, unter denen der kleine Arkadi in Moskau ums Leben gekommen ist: Auch diese Leiche wurde grausam zugerichtet und befand sich in der Nähe des Bahnhofs. Nesterow lehnt kriminalistische Ermittlungen ab und verhaftet den geistig zurückgebliebenen Warlam Babinitsch, weil bei ihm eine blonde Locke, die von dem getöteten Mädchen stammen könnte, gefunden wurde. Babinitsch wird wegen Mordes zum Tod verurteilt und hingerichtet. Erst als in Wualsk eine weitere Kinderleiche gefunden wird, an der deutliche Parallelen zu den beiden vorangegangenen Morden zu erkennen sind, kann Leo seinen Vorgesetzten dazu überreden, mit ihm zusammen heimlich Ermittlungen aufzunehmen. Ihre Arbeit ist gefährlich und ergibt Anfang Juli 1953, dass quer durch die Sowjetunion außer Arkadi noch mindestens 43 weitere Kinder und Jugendliche auf die gleiche Weise getötet worden waren - Arkadi ist damit Kind 44. Nie hatte jemand eine Verbindung zwischen diesen Morden hergestellt, aber in jedem Fall hatte es einen "Täter" gegeben: bereits verurteilte Vergewaltiger, Diebe oder stadtbekannte Alkoholiker mussten hierfür herhalten.

Spannung bis zur letzten Seite

 

Kind 44 ist kein Krimi im klassischen Sinn. Natürlich ist viel davon die Rede, auf welche Weise und unter welchen widrigen Umständen Leo und Nesterow jeden Mord recherchieren, aber der Roman wirft auch ein Schlaglicht auf die Zeit, in der das Sowjetreich von Josef Stalin diktatorisch und gewaltsam regiert wurde. Die Beschreibung des Hungerwinters zu Beginn des Buchs geht auf tatsächliche Begebenheiten zurück: Im Winter 1932/1933 starben allein in der Ukraine etwa 3,5 Millionen Menschen an Unterernährung - ein Umstand, den die meisten Historiker heute als einen von Stalin absichtlich herbeigeführten Zustand betrachten, um die Ukrainer gefügig zu machen. In dieser Zeit soll es auch Fälle von Kannibalismus gegeben haben.

Auch die Schilderung der Mordserie geht auf einen historischen Kriminalfall zurück, der in der UdSSR für viel Aufregung sorgte und fast die Evakuierung einer ganzen Stadt nach sich gezogen hätte: Zwischen 1978 und 1990 tötete der Lehrer  Andrei Romanowitsch Tschikatilo mehr als 50 Kinder und Jugendliche auf grausame Weise. Wie im Roman stellte die Miliz lange Zeit keine Verbindung zwischen den Morden her: Tschikatilos Opfer waren Frauen und Mädchen fast aller Altersgruppen, die Taten hatten kein erkennbares Muster. Erst als er zufällig von einem Beamten dabei beobachtet wurde, wie er verdreckt aus einem Waldstück kam, in dem kurz darauf Kleidungsstücke und eine weitere Leiche entdeckt wurden, geriet er in den Fokus der Ermittler und konnte schließlich überführt werden. 1994 wurde er hingerichtet.

Kind 44 ist ein Buch, das man bis zum Schluss nicht mehr aus der Hand legt. Es schildert sehr deutlich das politische Klima in der Sowjetunion unter dem Regime von Stalin: Jeder achtete genau auf seine Worte und musste damit rechnen, auch von Angehörigen denunziert und der staatlichen Willkür ausgeliefert zu werden. Die Strafen für allerkleinste Vergehen, deren sich die Beschuldigten oft gar nicht bewusst waren, waren drakonisch. Tom Rob Smith versteht es, seinen Lesern das Leben der Menschen in dieser Zeit zu verdeutlichen, ohne sie mit Milieustudien zu langweilen. Für seinen Roman gibt es von mir eine ganz klare Empfehlung. 
Für alle, die sich jetzt fragen, wo der Zusammenhang zwischen dem Hungerwinter und den Tötungen sein könnte, sei gesagt: Es gibt sie, und seine Umstände sind die Erklärung für das Motiv des Mörders.


Ich bedanke mich beim Bloggerportal, das mir dieses Buch zur Verfügung gestellt hat. Kind 44 kann beim Goldmann Verlag bestellt und in jeder Buchhandlung zum Preis von 9,99 € gekauft werden (Taschenbuch). Die Kindle-Edition und die epub-Ausgabe kosten je 8,99 €.