Dienstag, 9. Mai 2017

Der doppelte Rückblick: Vielfalt im März und April

Kochen, essen, töten, der Blick auf die Frauen und die Eigenheiten der Wirtschaft

 

In den letzten beiden Monaten habe ich wieder viele verschiedene Bücher gelesen und vorgestellt, die unterhalten, aber auch neue Einblicke und Sichtweisen ermöglicht haben. Lust auf einen kurzen Rückblick? 

Das waren die Bücher aus dem März

 

Karina Both-Peckham hat mit Peckham's Kochbuch - Band 1: Lieblingssuppen ein tolles Buch herausgebracht, das sich an Menschen richtet, die mit der Variation nur eines Gerichts mehrere Esser zufriedenstellen wollen. Ob Flexitarier, Vegetarier, Veganer,  Paleo- oder Low-Carb-Fans: Mit diesem Buch gelingt es auch Hobbyköchen, allen Geschmäckern gerecht zu werden. Die Autorin betreibt ein Café und Bistro in Erfurt (Peckham's House) und seit mehreren Jahren einen Food-Blog (Iss dich glücklich).

Einen Blick auf die gastronomischen Anfänge von Karina Both-Peckham und ihres Mannes im Jahr 2008 gibt dieses  Video:


 




Beatrix Langner hat in ihrem Buch Die 7 größten Irrtümer über Frauen, die denken auf knapp 240 Seiten ein kulturhistorisches Essay über die (geistige) Unterdrückung der Frauen geschrieben. Ein sehr spannendes, aber auch sehr anspruchsvolles Buch, das in jedem Absatz eine Fülle von Informationen transportiert. Langner verzichtet jedoch darauf, die verbale Keule zu schwingen, sondern analysiert die stetige Benachteiligung vor dem jeweiligen historischen Hintergrund. Klingt trocken, ist es aber nicht. Beatrix Langner ist Literaturkritikerin und Autorin mehrerer Bücher u. a. über Adelbert v. Chamisso oder Jean Paul. Sie trägt neben anderen Autoren Texte zum Chamisso-Forum bei. In der Sendung Mosaik bei WDR 3 hat sie ausführlich über ihr Buch gesprochen und einige zusätzliche Informationen gegeben. Der Sender hat das Interview als Download zur Verfügung gestellt.




Zusammen mit dem Journalisten Göran Schattauer hat der deutschlandweit bekannte Strafrechtsanwalt Steffen Ufer das Buch Nicht schuldig herausgebracht. Aus seiner reichen Erfahrung aus 50 Berufsjahren erzählt Ufer von bekannten und unbekannten Kriminalfällen und macht sehr deutlich, dass Rechtsprechung kein Instrument ist, um an einem Täter Rache zu üben. Auch den häufigen Vorwurf, sogar Menschen zu verteidigen, die eines besonders brutalen Verbrechens angeklagt sind, lässt der Jurist nicht gelten: Er sieht seine Rolle als die eines Wächters, der darauf achtet, dass das geltende Recht angewendet wird. Der SWR-Moderator Wolfgang Heim hat Steffen Ufer im Herbst 2016 interviewt. Das Interview wurde per Download zu Verfügung gestellt. 


Damit ging es im April weiter



Eines der meiner Meinung nach besten Bücher der letzten Zeit ist Geister des US-Autors Nathan Hill. Der College-Professor Samuel Anderson wird gebeten, sich für seine Mutter Faye einzusetzen, die den Präsidentschaftskandidaten Packer attackiert hat. Samuels Problem: Seine Mutter hat die Familie vor Jahrzehnten verlassen, sodass ihr Sohn gar nicht in der Lage ist, etwas Positives über sie zu sagen. Doch die Situation verkompliziert sich immer weiter, je mehr sich Samuel der Vergangenheit seiner Mutter widmet. Irgendwann ist das, was vorher völlig klar und offensichtlich erschien, alles andere als das. Hill greift in der Romanhandlung zahlreiche gesellschaftliche und politische Themen auf, die in ihrer jeweiligen Zeit in allen Medien diskutiert wurden. Von Audible Hörbücher wurde eine Hörprobe veröffentlicht.







Zarah Philips greift in ihrem Roman Lauter Leichen ein uraltes Motiv auf, das Menschen zum Morden bewogen hat, seit es den Tauschhandel gibt: Gier. Das ist auch in diesem Buch nicht anders: In Hamburg wird wegen des Geldes und des gefährdeten guten Rufs seit Generationen gemordet, was das Zeug hält. Der LKA-Beamte Watkowski bringt mit Spürsinn und Verstand Licht in den Beziehungs- und Täterdschungel, gerät dabei aber selbst in die Schusslinie. Sehr flott und unterhaltsam geschrieben, aber hier und da hat sich die Logik von der Handlung verabschiedet. Die farbigen Zeichnungen auf dem Totenschädel, der das Cover ziert, sind übrigens den Motiven entlehnt, die in Mexiko am Tag der Toten (Día de los Muertos am 2. November) auf den Gesichtern der Lebenden oder den dekorativen Zuckerschädeln zu sehen sind, die es dann überall zu kaufen gibt. Euronews hat in einem kurzen Video erklärt, worum es sich bei diesem in Mexiko wichtigen Feiertag handelt: 


Und ehe ich es vergesse: Eine Autoren-Homepage von Zarah Philips gibt es natürlich auch noch.




Und noch ein Kochbuch: Miriam Warnke lebt seit einigen Jahren vegan und kocht gern kreativ. Beides hat sie nun miteinander verknüpft und mit ihrem Kochbuch The Vegan Sister gezeigt, dass vegane Gerichte weder besonders aufwendig noch sehr schwierig nachzukochen sind. Wer die vegane Ernährung selbst einmal ausprobieren möchte, ist mit diesem Buch sehr gut beraten.
Miriam Warnke betreibt auch einen Blog, nach dem das Buch benannt wurde.




Stephen J. Dubner und Steven D. Levitt betreiben seit Jahren einen Wirtschaftsblog. Aus diesem stammen die einzelnen Beiträge für das Buch Wann Sie eine Bank überfallen sollten, die zum Teil bereits 2005 online veröffentlicht wurden. Da dies bereits das dritte Buch der beiden Ökonomie-Experten ist, das Beiträge von eben diesem Blog enthält und sich mit zum Teil etwas abseitigen Überlegungen beschäftigt, wirkt es manchmal, als seien die letzten Reste zusammengekehrt und zu diesem Buch verarbeitet worden. Kann man lesen, muss man aber nicht. Die Autoren betreiben nicht nur ihren Blog, sondern auch einen Video-Kanal bei Youtube. Bei Youtube sich auch die Buchvorstellung durch Steven J.Dubner im Londoner Büro von Google:





Im letzten Buch dieses doppelten Monatsrückblicks wird gut gegessen, aber nicht selbst gekocht. Das überlässt Axel Schwab in Sushi Guide den versierten Köchen in den von ihm empfohlenen Restaurants in vier deutschen Großstädten. Schwab beschränkt sich in seinem Buch auf die Beschreibung von Nigiri-Sushi und geht genau auf die einzelnen hierfür verwendeten Fischarten ein. Der Titel enthält außerdem einen "Restaurant-Knigge" für alle Leser, die in einem japanischen Restaurant nicht ständig ins Fettnäpfchen treten wollen, und ein Wortregister, das sehr dabei hilft, die Sushi-Speisekarte zu verstehen. Ein Buch mit sehr viel Sachverstand, da der Autor fünf Jahre in Tokio gelebt hat.
Axel Schwab gibt auf seiner Homepage Einblick in sein Leben, das zum Teil aus Reisen und Fotokunst besteht.


Das waren die Bücher, die ich euch im März und April vorgesellt hatte. War eins für euch dabei?





Freitag, 5. Mai 2017

# 98 - Mehr Schein als Sein

So geht's zu in Hollywood

 

Doris Dörrie wird vielen eher durch ihre Filme als ihre Bücher bekannt sein, aber sie hat bisher fast zwei Dutzend Titel veröffentlicht. Und was wird aus mir? ist bereits 1997 erschienen, und man wird beim Lesen den Verdacht nicht los, dass sie ganz bestimmte Personen vor Augen hatte, als sie dieses Buch schrieb.

Hollywood, Arroganz und Generationenkonflikt

 

Johanna, eine Frau um die 50, ist in Deutschland zunächst als Schauspielerin und zuletzt als Requisiteurin an einem Opernhaus gescheitert: Ein ordinärer vergessener Müllsack, der bei der Aufführung von Verdis "Rigoletto" nicht rechtzeitig zur Stelle war, brachte ihr die fristlose Kündigung. Ohne Job und erst recht ohne Perspektive erinnert sie sich an ihren früheren Freund, den Regisseur Rainer. Zusammen mit ihm und der blonden Heidi hatte sie in den 1970er Jahren einen Filmerfolg gelandet, der sie bis nach Hollywood brachte. Deutschsein galt damals im US-Filmgeschäft als "refreshing", und die Drei wurden von einem Filmevent zum nächsten herumgereicht und glaubten, angekommen und erfolgreich zu sein. Doch nach ihrem hochgelobten Film ergab sich für Johanna rein gar nichts mehr. Ihr Zusammenleben mit Rainer war geprägt von Langeweile, während sie stundenlang den Telefonaten ihres Freundes zuhörte oder im öden Hotelzimmer auf ihn wartete. Als sie begriff, dass sie weder bei Rainer noch im Filmgeschäft eine Chance hatte, packte sie ihre Sachen und kehrte nach Deutschland zurück. Und jetzt, arbeits- und mittellos, hofft sie, dass ihr Rainer eine Chance geben kann. Er ist in Hollywood ein gefragter und erfolgreicher Regisseur, der seiner modesüchtigen 15-jährigen Tochter Allegra in den Sommerferien eine Menge bieten kann. Bei ihrer Ankunft in Rainers Villa inmitten einer noblen Nachbarschaft ist sie dann auch beeindruckt von der teuren Einrichtung und dem Pool im Garten. Doch ihr fällt auf, dass sich im Haus nichts Persönliches befindet, das einen Hinweis auf den Menschen Rainer geben würde. Ihr Instinkt lässt sie hier nicht im Stich.

Gepflegter Wahnsinn zwischen Konsum und Einsamkeit

 

Johanna merkt schnell, dass es mit Rainers beruflichem Erfolg nicht weit her ist. Er arbeitet als Nebendarsteller in zweitklassigen Filmen und nimmt immer dann, wenn sich seine verwöhnte Tochter, die ihren Vater verachtet, zu ihrem mehrwöchigen Sommeraufenthalt ankündigt, einen Job als Housesitter in einem edlen Villenviertel an. Dazu gehört praktischerweise auch die Benutzung eines sündhaft teuren Autos. So kann er für Allegra die Lüge vom wohlhabenden und erfolgreichen Filmregisseur aufrechterhalten. Während des restlichen Jahres lebt er in einem billigen Motel und kratzt sein Geld zusammen, um seiner Tochter während ihres Urlaubs bei ihm den spendierfreudigen Vater vorspielen zu können. In diesem Jahr entwickelt sich eine besonders pikante Situation: Rainer hütet das Edel-Domizil des millionenschweren Filmproduzenten Marko Körner und spielt in dessen aktuellem Streifen über Adolf Hitler eine kleine Nebenrolle. Rainer hasst Marko: für seinen Erfolg, für seinen Reichtum und dafür, dass er ihn ungestraft verspotten kann. Er ahnt nicht, dass Marko ein seelisches Wrack ist und seine Tage nur mit der Hilfe von Antidepressiva und dem Kontakt zum Medium Heidi übersteht - eben jener Heidi, die 20 Jahre zuvor gemeinsam mit Rainer und Johanna als aufstrebender Stern am Filmhimmel gefeiert wurde. Auch ihr haben die Studios kein Glück gebracht, deshalb hat sie ihren Schwerpunkt auf eine Form der Esoterik verlegt, die sich geschmeidig an die wechselnden Bedürfnisse der Schönen und Reichen anpasst. Heidi vermittelt Marko mehrmals täglich Gespräche mit der verstorbenen Japanerin Misako, die als 16-Jährige von einem Hochhaus in Tokio gesprungen ist, nachdem ihr konservativer Vater im Internet Fotos gesehen hatte, auf denen seine Tochter als Pornodarstellerin zu sehen war. Misakos Worte aus dem Jenseits führen Marko durchs Leben und geben ihm die Kraft, die er braucht, um sich selbstsicher präsentieren zu können. Misako prophezeit ihm, er werde am Ort des Friedens ein 15-jähriges Mädchen treffen, das ihn retten wird. Sie soll recht behalten.

Lesen?

 

Und was wird aus mir?  beschäftigt sich mit der Flüchtigkeit des Erfolgs, dem schönen Schein des Konsums und der Einsamkeit. Die drei früheren Freunde ringen mit dem Älterwerden, das sie nur schwer akzeptieren können. Doris Dörrie beschreibt den Generationenkonflikt zwischen Rainer und Allegra in einer Weise, wie sie vielen bekannt vorkommen wird: Rainer lebt in dem Irrtum, dass seine Tochter ihn am ehesten akzeptiert, wenn er ihr jeden Wunsch erfüllt. Am Ende des Buches muss sich Rainer mit einem Verlust abfinden, aber ein anderer seiner Träume geht in Erfüllung.
Auch Heidi und Johanna finden ihren Frieden, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise.
Und was wird aus mir? ist eine gut erzählte Geschichte, die allerdings manchmal knapp am Klischee vorbeischrammt. Oder ist das, was wir für ein Klischee halten, die Realität? Wer weiß.

Und was wird aus mir? ist beim Diogenes Verlag als gebundenes Buch erschienen, in dieser Ausgabe jedoch nur noch antiquarisch erhältlich. Als Taschenbuchausgabe kostet der Roman 11,90 Euro, als Hörbuch (9 Audio-CDs) 34,90 Euro.

 

Freitag, 28. April 2017

# 97 - Ein Gruß aus Japan

DAS Buch für Sushi-Fans

 

Wer an Japan denkt, kommt an Sushi nicht vorbei: Die kleinen Häppchen mit gesäuertem Reis werden auch in Deutschland immer beliebter. Zeit, sich ihnen genauer zu widmen und zu erklären, wie gutes Sushi zubereitet und gegessen wird. Das und noch viel mehr macht Axel Schwab in seinem Buch Sushi Guide. Der Untertitel Bildatlas, Knigge & Nachschlagewerk beschreibt sehr gut, worum es ihm im Wesentlichen geht.

Sachverstand anschaulich verpackt 

 

Sushi werden mit verschiedenen Zutaten wie z. B. Seetang, Meeresfrüchten, Fisch, Gemüse oder Tofu angeboten. Axel Schwab hat sich im Wesentlichen auf Nigiri-Sushi beschränkt: Hierfür wird der Reis per Hand zu einer Rolle geformt und mit Fisch oder einem Stück Omelett belegt. Es geht ihm nicht darum, seinen Lesern Rezepte zu zeigen. Er legt Wert darauf, die unterschiedlichen Fischarten, die für Nigiri-Sushi verwendet werden, zu erklären, zeigt, wie sich der Besuch in einem Sushi-Restaurant am besten genießen lässt und was man dabei beachten sollte. Wer Sushi in Deutschland auf hohem Niveau probieren möchte, kann den Empfehlungen Schwabs folgen: Er stellt in einem eigenen Abschnitt die seiner Meinung nach besten Sushi-Restaurants in Berlin, Düsseldorf, Hamburg und München vor. Die in Deutschland bekannteren Maki-Sushi, die mithilfe einer Bambusmatte gerollt werden, werden erwähnt, spielen hier aber keine große Rolle. Das Buch schließt mit einem umfangreichen Wortregister, in dem alle Begriffe, die in einem Sushi-Restaurant verwendet werden, erklärt werden.
Der Autor hat mit Illustrationen nicht gespart: Jede Fischart, die für Nigiri-Sushi verwendet wird, wird zeichnerisch dargestellt; anhand eines Fotos wird außerdem gezeigt, wie das entsprechende Sushi aussehen sollte. Auch in dem Kapitel, das sich mit praktischen Hinweisen für Gäste in einem Sushi-Restaurant beschäftigt, werden alle Erläuterungen anhand von Zeichnungen anschaulich gemacht.


Über den Autor

 

Axel Schwab hat mehr als fünf Jahre in Tokio gelebt und mit Labyrinth Tokio und Genießen in Tokio bereits einen Reise- und einen Restaurantführer über die japanische Hauptstadt geschrieben. Inwieweit sich die japanische Kultur auch in Deutschland kulinarisch leben lässt, erfährt man in seinen Büchern Japan in München, Japan in Berlin und Japan in Berlin. Die Leser von Sushi Guide können sich also auf seinen Sachverstand verlassen.

Sushi Guide ist bei BoD erschienen und kostet als Taschenbuch 9,99 Euro sowie als epub- oder Kindle-Edition 6,99 Euro. 

Sonntag, 23. April 2017

Welttag des Buches 2017

Meine Hitparade der Bücherkiste

 

Heute ist der Welttag des Buches. Anlässlich dessen zeige ich euch einige Bücher, die ich in der Bücherkiste vorgestellt habe und die für mich so etwas wie ein Superlativ in ihrer jeweiligen Gruppe sind. Los geht's!


Das lustigste Buch: Maklerfotos aus der Hölle  















DER Pageturner (da fiel die Wahl schwer): Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert



  
 Der schönste Bildband: Mallorca clásica
















Das kreativste KochbuchPeckham's Kochbuch - Lieblingssuppen
 












Das merk-würdigste Buch:  Das Mädchen aus der Volkskommune

















Das anrührendste Buch: Paula 













Das unglaubwürdigste Buch: Boat People











 
Die größten Lese-Enttäuschungen (diesen "Ehrenplatz" teilen sich zwei Bücher): 
Mörderhotel





und
Aussortiert und abkassiert 













Viel Spaß beim Stöbern!

Samstag, 22. April 2017

# 96 - Praktische Lebenshilfe? Wie Ökonomen die Welt sehen

Gesammeltes aus fast allen Lebensbereichen

 

Der Autor und Journalist Stephen J. Dubner und der US-Ökonom Steven D. Levitt haben mit ihrem Buch Wann Sie eine Bank überfallen sollten den dritten Band ihrer Reihe herausgebracht, in der sich reichlich gesammelte Erkenntnisse oder Überlegungen zu Problemen, die die Welt oder doch wenigstens die beiden Herren bewegen, finden. Nicht nur die Titelfrage wird in etwa beantwortet, auch andere alltagstaugliche Antworten auf Fragen, die man vorher gar nicht hatte, werden angesprochen. Eine Auswahl: Wie beseitigt man den Flugstau über New York? Würde eine höhere Bezahlung bessere Politiker anlocken? Wie viel würde Pepsi dafür zahlen, an Coca Colas Geheimrezept zu kommen?

Das was vom Blog übrigblieb

 

Die beiden Autoren sind offenbar auch privat befreundet, nur so lässt sich der lockere Ton deuten, den sie anschlagen, wenn sie über den jeweils anderen schreiben. Doch beim Lesen des Buches wird man den Eindruck nicht los, dass Dubner und Levitt der große Erfolg ihrer beiden vorangegangenen Titel Freakonomics (2007) und SuperFreakonomics (2010) zu der Erkenntnis gebracht hat: Da geht noch was. Auch finanziell. So liest sich zumindest Wann Sie eine Bank überfallen sollten: Die US-Ausgabe erschien 2015, die mir vorliegende deutsche 2017. Die Texte, die jeweils maximal fünf Buchseiten lang sind, stammen alle vom gemeinsam betriebenen Blog Freakonomics, dessen Posts auch mehrere Jahre über die New York Times liefen. Die ältesten von ihnen reichen allerdings bis ins Jahr 2005 zurück, sofern sich das anhand der Datierung überhaupt nachvollziehen lässt. Das, was 2005 die USA oder auch die Welt interessiert hat, lädt heute zum Überblättern der Seiten ein. Dazu passt die Redewendung "Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern": Dieses Gefühl hinterlässt der eine oder andere Beitrag. Von der Relevanz der Überlegungen ergibt sich eine Kluft zwischen den Erwartungen, die beim Buchkäufer geweckt werden, und dem, was das Buch tatsächlich hergibt: Die Auswahl der Blogbeiträge wirkt eher wie der "Rest vom Schützenfest", aber nicht wie fundierte Überlegungen zu relevanten Wirtschaftsthemen. Da wird beispielsweise darüber nachgedacht, warum es nicht üblich ist, einer Stewardess im Flugzeug ein Trinkgeld zu geben, obwohl das bei der Bedienung im Restaurant als selbstverständlich angesehen wird. Diese Frage wird nicht etwa mit einer fundierten  Begründung beantwortet, sondern es wird mit Mutmaßungen im Nebel gestochert. Am Ende des Textes angekommen ist der Leser so schlau wie zuvor.
Geht es dann tatsächlich um ökonomische Themen, wird an diese immer wieder mit einer Sichtweise herangegangen, die nahelegt, dass den Autoren der Blick über den eigenen Tellerrand und damit die Verknüpfung mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen nicht so leicht fällt. Vermutlich würden z. B. Mediziner und Soziologen angesichts des Vorschlags, den Levitt dem früheren britischen Premierminister David Cameron kurz vor dessen Wahl gemacht hat, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Er hatte sich überlegt, wie man das britische Gesundheitswesen von Grund auf reformieren könnte: Jeder Brite sollte zum 1. Januar eines Jahres 1.000 £ bekommen, die grundsätzlich frei verwendet werden können, aber für Gesundheitskosten gedacht sind. Ergänzend dazu schlug er ein gestaffeltes Zuzahlungssystem vor, wonach sich die Zuzahlung durch den Staat prozentual bei größeren Gesamtaufwendungen erhöht. Alles, was über 8.000 £ pro Jahr hinausginge, übernähme die staatliche Gesundheitsfürsorge komplett. Nur bei schweren Erkrankungen käme der Staat vollständig für die Kosten auf. Verursacht jemand bis zu 8.000 £ Gesundheitskosten, müsste er die Hälfte davon aus der eigenen Tasche bezahlen. Angesichts dessen, dass von den rd. 65 Millionen Einwohnern mittlerweile 13,5 Millionen als arm gelten, mag man sich nicht ausmalen, was es hieße, wenn diese Bevölkerungsgruppe im schlechten Fall umgerechnet 400 Euro Gesundheitskosten pro Monat aufbringen müsste.

Lesen?

 

Wann Sie eine Bank überfallen sollten ist kein "Muss" im Bücherschrank. Vieles hat den Charakter eines launigen Geplauders, und durch die lange Dauer zwischen der Veröffentlichung einiger Beiträge auf dem Blog und dem Erscheinen des Buches hat sich die eine oder andere Erkenntnis von selbst erledigt.

Wann Sie eine Bank überfallen sollten ist im Penguin Verlag erschienen und kostet als Taschenbuch 10 € sowie als Kindle- oder epub-Edition 8,99 €. Das Buch wurde mir vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke.

Samstag, 15. April 2017

# 95 - Veganes Kochen? Kein Problem


Veganes Kochen auch für Anfänger



Miriam Warnke hat mit ihrem Kochbuch The Vegan Sister – Lieblingsrezepte ihr Debut abgeliefert. Für alle, die bislang nur darum nicht Veganer werden wollten, weil sie die Lebensmittel für zu teuer oder das vegane Kochen für zu aufwendig und kompliziert hielten, gibt die Autorin Entwarnung: Die Rezepte sind leicht nachzukochen und die Zutaten in größeren „normalen“ oder Bio-Supermärkten erhältlich.

Übersichtliche Gestaltung, praktische Aufmachung

 

In ihrem Vorwort erklärt Miriam Warnke, wie sie dazu kam, vegan zu leben. Sie hatte zuvor eine Wandlung von einer Fleischesserin zur Vegetarierin durchgemacht; die Botschaft, sich nun ganz ohne tierische Lebensmittel ernähren zu wollen, löste in ihrer Familie nicht gerade Begeisterungsstürme aus. Aber sie hat ihren Vorsatz durchgehalten und nun sogar die besten Gerichte aus ihrer Kreativküche in diesem Buch veröffentlicht.
The Vegan Sister – Lieblingsrezepte ist in sechs Kapitel aufgeteilt, die von Frühstück bis Süßkram reichen. Unter diesen Rubriken versammeln sich mehr als 40 Rezepte, die alle für zwei Personen berechnet sind. Für keines der Rezepte muss man ein Kochprofi sein, es genügen Anfängerqualitäten, weil die Abläufe klar beschrieben sind. Anhand der jedem Rezept beigefügten Fotos lässt sich erkennen, wie das, was man sich vorgenommen hat, nach der Zubereitung aussehen wird. Zu vielen Rezepten gibt es separat abgesetzt hilfreiche Hinweise.
The Vegan Sister – Lieblingsrezepte ist in zwei Ausgaben erschienen: als Hardcover und mit Ringbindung. Mir hat ein Exemplar mit Ringbindung vorgelegen, was ich sehr praktisch finde: Man kann das Buch an der gewünschten Stelle aufschlagen, ohne dass die Seiten während des Kochens zuklappen.

The Vegan Sister – Lieblingsrezepte ist bei epubli erschienen und kostet als Hardcover-Ausgabe 20 Euro sowie mit einer Ringbindung 14,99 Euro.