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Freitag, 9. Dezember 2022

# 374 - Kaputte Wörter - kann da noch etwas repariert werden?

In Matthias Heines Buch Kaputte Wörter? kreist alles um die Frage, ab wann ein Wort so "kaputt" ist, dass man es auf keinen Fall weiterhin verwenden darf. Doch woran kann man erkennen, ob ein Wort noch gebrauchsfähig ist?

Heine erläutert das anschaulich an 78 Begriffen von "Abtreibung" bis "Zwerg". Ihnen ist gemeinsam, dass ihre Benutzung durch einen Sprecher oft dazu führt, dass sein Gesprächspartner sich nicht über den gesagten Inhalt, sondern über die Verwendung des "kaputten" Wortes erregt. Die eigentliche Botschaft des Sprechers gerät dabei völlig in den Hintergrund.

Diskussionen um den richtigen Gebrauch der Sprache sind in Deutschland nichts Neues. Schon im 17. Jahrhundert wandten sich die deutsche Aristokratie und das Bildungsbürgertum gegen das Einsickern von französischen Begriffen und die Entstehung der sog. Alamodesprache.
Während des Ersten Weltkriegs tat sich mit dem Allgemeinen Deutschen Sprachverein eine Art Tugendwächter hervor, der die seiner Meinung nach falsche Verwendung von Begriffen wie z. B. Billett anstelle von Fahrkarte mit Vaterlandsverrat gleichsetzte.

Die Sprachdiskussionen, die heute geführt werden, haben allerdings einen anderen Hintergrund. Heute verschaffen sich gesellschaftliche Gruppen Gehör, die bislang ignoriert oder marginalisiert wurden und für sich die Art und Weise beanspruchen, wie man über sie spricht.
Hinzu kommt, dass durch die Veränderung der Medienlandschaft in den letzten zwanzig Jahren ein falsches und/oder unbedachtes Wort deutlich mehr Reichweite hat: Wer früher z. B. das N-Wort am Kneipentresen aussprach, löste nur ein Augenrollen aus. Heute haben Äußerungen durch die sozialen Medien ein Mehrfaches an Publikum - und führen schnell zu einem verbalen Flächenbrand.
Und dann ist da noch ein Phänomen, das Heine als German linguistic angst bezeichnet. Nach seiner Beobachtung haben speziell Deutsche eine große Angst vor falscher Sprache. Ein Indiz dafür sind die Begriffe Sprachkritik und Unwort. Sie gibt es in der Bedeutung, wie wir sie kennen, nur in der deutschen Sprache; ähnliche Begriffe wie z. B. language criticism bzw. non word treffen nicht den Kern der Sache.

Lesen?

Kaputte Wörter? bietet eine Fülle von Einsichten. Matthias Heine beleuchtet jedes einzelne Wort sehr genau, indem er nicht nur seinen Ursprung und Gebrauch erläutert, sondern auch die Gründe, die zu der Kritik an ihm geführt haben. Jedes Kapitel schließt mit einer persönlichen Einschätzung des Autors ab.

Viele der von Heine gewählten Wörter waren mir als "kaputt" bekannt. Neu war mir jedoch die Diskussion um beispielsweise "Altes Testament", "Schamlippen" oder "bester Freund". 
Matthias Heine bezieht zwar immer Stellung, betont aber, dass sein Buch ein Beitrag zur Sprachdiskussion sein soll, er aber niemandem seine Sichtweise aufzwingen will. Das ist ihm gelungen.

Kaputte Wörter? ist 2022 im Dudenverlag erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 22 Euro sowie als E-Book 15,99 Euro.

Freitag, 15. Juli 2022

# 356 - Hier werden Sprachschätze "gehoben"

Im letzten Monat hat der Duden Verlag seine 2021
begonnene Reihe Sprachschätze fortgesetzt, und zwar mit den Bänden Mode & Beauty sowie Sprache & Medien.

Wer denkt schon während des Sprechens darüber nach, woher der eine oder andere Ausdruck oder eine Redewendung kommt? Wir wissen zwar, dass eine Sprache immer im Fluss ist und sich ständig verändert, nehmen aber meistens das, was wir kennen und benutzen, hin, ohne es zu hinterfragen.

Den Ausdruck "Ich habe den roten Faden verloren" dürfte fast jeder kennen. Doch was hat es mit diesem "roten Faden" auf sich? Die britische Marine arbeitet seit dem 18. Jahrhundert in die ihr gehörenden Taue einen durchlaufenden roten Faden ein, um diese als ihr Eigentum zu markieren und Diebstähle zu erschweren.

Ihr verbindet mit Seife Sauberkeit? Heutzutage kann man das, aber das war nicht immer so. Das Wort Seife kommt aus dem Westgermanischen; den Germanen diente die Mischung aus Asche, Pflanzensäften und Talg nicht der Körperpflege, sondern der rituellen Rotfärbung der Haare.

Und was hat es mit dem Wort "verballhornen" auf sich? Geht es auf Bälle oder Hörner zurück? Nein, beides trifft nicht zu. Hier steht ein Buchdrucker aus Lübeck im Mittelpunkt, der Ende des 16. Jahrhunderts einen so peinlichen Fehler gemacht hat, dass man aus seinem Nachnamen Balhorn ein neues Wort kreiert hat. Um welchen Fehler es sich gehandelt hat, kann im Band Sprache & Medien nachgelesen werden.

Lesen?

Die zur Reihe Sprachschätze gehörenden Bände sind alphabetisch aufgebaut und erklären auf 127 Seiten moderne und traditionelle Wörter sowie ihre Herkunft und Abwandlungen. Wer sich für die Entwicklung der deutschen Sprache interessiert, wird die Bücher gern lesen.

Die Reihe Sprachschätze ist im Duden Verlag erschienen, jeder Titel kostet 10 Euro. 2021 wurden bereits die Bände Tiere & Pflanzen, Körper & Gesundheit, Essen & Trinken sowie Kunst & Kultur veröffentlicht.

Freitag, 18. März 2022

# 340 - Alls över Plattdüütsch

Plattdeutsch, Plattdüütsch oder kurz 'Platt' kenne ich
aus meiner Kindheit. Meine Eltern sprachen mit ihren Eltern und Geschwistern sowie den Menschen aus ihrem Heimatort im Weserbergland immer Platt. An uns Kinder wurde das nicht direkt weitergegeben und hätte uns dort, wo wir aufgewachsen sind, auch nicht weitergeholfen.

Das Plattdeutsche erzeugt in mir so etwas wie ein Heimatgefühl, obwohl ich es so gut wie nicht sprechen kann; das Verstehen klappt aber meistens. Deshalb hat mich sehr interessiert, was Reinhard Goltz in seinem Buch Plattdeutsch - vom Klönen und Schnacken darüber zu sagen hat.

Goltz ist seit 20 Jahren Sprecher des Bundesrates für Niederdeutsch - wie das Plattdeutsche in wissenschaftlichen Kreisen bezeichnet wird - und hat zahlreiche Bücher auf Platt veröffentlicht. In 48 Kapiteln hat er sich dem Plattdeutschen von allen Seiten genähert: Man erfährt viel über die Grammatik, die Herkunft zahlreicher Begriffe, die unterschiedlichen Varianten des Platts in deutschen Städten oder Regionen sowie eine Menge Anekdoten über das Plattdeutsche. 

Beim Lesen ist mir aufgefallen, dass ich selbst Begriffe verwende, die aus dem Plattdeutschen stammen: So sage ich z. B. 'Trecker' anstatt 'Traktor' oder 'Döneken', wenn ich 'Blödsinn' meine.
Reinhard Goltz hat sich auch Beispiele für plattdeutsche Lieder angesehen: 'Dat du mien Leevsten büst' ist so etwas wie eine Hymne des Plattdeutschen. Das schreibt der Autor und ich empfinde das ebenso. Dieses Lied ist mir immer wieder begegnet, eine der schönsten Versionen ist beim Chorexperiment des NDR entstanden, das ihr hier sehen und hören könnt - mit Text.

Ganz nebenbei erfährt man beim Lesen viel über die Geschichte der Hanse, den Piraten Störtebeker (und die Bedeutung seines Namens) oder die niederdeutsche Herkunft von Familiennamen. Und noch etwas Vertrautes, aber lang Vergessenes ist mir hier wieder begegnet: Das Gedicht des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Bislang war mir nicht aufgefallen, dass darin nur die wörtliche Rede auf Platt formuliert ist, denn diese Sätze haben sich mir eingeprägt, seitdem ich das Gedicht in der Schule kennengelernt habe: "Junge, wiste 'ne Beer?" - "Lütt Dirn, kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn." Der alte Herr von Ribbeck stirbt, aber auf seinem Grab wächst ein Birnbaum, und eine flüsternde Stimme fordert die Kinder auf, sich eine Birne zu nehmen.

Plattdeutsch - vom Klönen und Schnacken wird auch an anderer Stelle zu einer Reise in die Vergangenheit: Die volkstümlichen Stücke des Hamburger Ohnsorg-Theaters wurden und werden auf Platt aufgeführt und waren früher als Fernsehübertragungen ziemlich beliebt.
Goltz verweist auch auf die plattdüütschen Radiosendungen, die von norddeutschen Sendeanstalten ausgestrahlt werden. Auch da kenne ich eine noch aus meiner Kindheit: 'Hör mal 'n beten to' ist seit mehr als 60 Jahren Teil des Programms von NDR 1. 

Lesen?

Auf jeden Fall, wenn man sich für Sprachen und insbesondere für Plattdüütsch interessiert!

Plattdeutsch - vom Klönen und Schnacken ist im März 2022 im Duden Verlag erschienen und kostet 12 Euro.

Samstag, 19. Februar 2022

# 337 - Das Schweigen am Fjord

Die dänische Schriftstellerin Stine Pilgaard war in Deutschland bislang unbekannt, aber das dürfte sich mit ihrem kürzlich auf Deutsch erschienenen Buch Meter pro Sekunde ändern.

Eine namenlose Ich-Erzählerin zieht mit ihrem ebenfalls namenlosen Freund und dem gemeinsamen kleinen Sohn für ein Jahr von Kopenhagen in das Dorf Velling. Der Freund hat dort eine Stelle als Lehrer bei der örtlichen Heimvolkshochschule bekommen, die auch die Wohnung der kleinen Familie stellt.

Velling liegt in Westjütland beschaulich an einem Fjord, hat weniger als 300 Einwohner, deren Häuser sich mit zum Teil großen Abständen längs der Durchgangs- und der wenigen Seitenstraßen verteilen. Es gibt eine Kirche, ein Lebensmittelgeschäft, zwei Schulen und jede Menge Gegend: Landwirtschaft und Windräder prägen das Bild rund um den Ort. Würden nicht hier und da ein paar Hecken oder Baumgruppen wachsen, würde sich der Blick irgendwo am Horizont verlieren. 

Für die junge Mutter ist das Leben in Velling ein Kulturschock. Kopenhagen war laut und lebhaft, die Menschen in Velling sprechen nur formal gesehen ihre Sprache: Im Alltag spürt die Erzählerin bei jeder Begegnung mit den Einheimischen, das sie anders ist. Sie muss sich mithilfe ihres Freundes ein ganz anderes Kommunikationsverhalten antrainieren und begreift, dass nicht jedes zufällige Treffen beim Einkaufen in ein geistig anspruchsvolles Gespräch münden sollte. Genauer: keines. Wer das Klischee über das Gesprächsverhalten der Norddeutschen kennt, weiß, was ich meine.

Die Begegnung mit dem in Dänemark populären Journalisten Anders Agger wird für die Erzählerin zu einem Highlight. Er gibt ihr wertvolle Hinweise, wie sie mit den Menschen in Westjütland kommunizieren sollte, um nicht anzuecken: Die Gemeinschaft ist wichtig, es sollen die Gemeinsamkeiten und nicht die Unterschiede thematisiert werden und Sex ist absolut tabu.

Und noch etwas macht der Erzählerin zu schaffen: Kaum angekommen, spürt sie das Ausmaß der sozialen Kontrolle der Dorfgemeinschaft. Insbesondere die Leiterin der Heimvolkshochschule erweist sich darin als eine Meisterin. Als sie erfährt, dass das junge Paar nicht verheiratet ist, kommentiert sie das mit den Worten: "Dann schau zu, dass sich das ändert." Ähnlich pragmatisch und konservativ geht sie mit den Themen Kindstaufe ("Da reden wir noch drüber") und Namensfindung für das Baby um und greift sofort zum Telefon, als es darum geht, der Erzählerin eine Stelle zu verschaffen.

Letzteres erweist sich als Glücksgriff, denn aufgrund dieser Intervention bekommt die junge Mutter bei der örtlichen Tageszeitung eine Stelle als "Kummerkasten". So öde und merkwürdig sie das Dorfleben findet, so sehr füllt sie diese neue Tätigkeit aus. Die anonymen Zuschriften der Leserinnen und Leser decken deren gesamte Gefühls- und Lebenswelt ab: Da ist zum Beispiel der Lehrer, der ein heimliches Verhältnis mit einer volljährigen Schülerin hat, oder eine verheiratete Frau, die in der Nähe eines anderen Mannes weiche Knie bekommt. Alle erhalten ausführliche und einfühlsame Antworten, die immer auch Anekdoten oder Erlebnisse der Erzählerin enthalten.

Ohne Auto ist man in Velling aufgeschmissen. Deshalb nimmt die Erzählerin Fahrstunden, die ihren wechselnden Fahrlehrern eine Menge Geduld und Selbstbeherrschung abverlangen. Auch das ist in das soziale Umfeld eingebettet und wird kommentiert und beobachtet. Nur unnötig viele Worte werden nicht gemacht. Die Stille der Menschen passt zu der der Landschaft, in der sie verwurzelt sind.

Letztendlich ist das Leben in der dänischen Einöde doch nicht so trostlos, wie es zunächst den Anschein hatte. Mit viel Witz erzählt Stine Pilgaard von den Sorgen und Nöten der kleinen Familie, wie es sie auch woanders gibt: der Kritik der Tagesmutter an der Kleidung und der Länge der Fingernägel des namenlosen Sohnes, der Eifersucht der Erzählerin gegenüber den Schülerinnen, die für ihren gutaussehenden Freund schwärmen, oder der beharrlichen Angewohnheit des kleinen Sohnes, jedes Ding mit dem Kommentar "Muuuh!" zu bedenken.

Pilgaard führt ein weiteres Element in ihren Roman ein, das vermutlich eher die dänischen Leserinnen und Leser begeistern dürfte: Sie textet Lieder aus dem Liederbuch der Heimvolkshochschulen so um, dass sie zu ihrer eigenen Lebenssituation passen. Da es diese ausgeprägte Tradition der in Dänemark verbreiteten Heimvolkshochschulen in Deutschland nicht gibt, lenkt das eher ab. 
Ich habe gelesen, dass der renommierte Übersetzer dieses Buches, Hinrich Schmidt-Henkel, am Ende des Buches erläutert, was es mit den Heimvolkshochschulen auf sich hat. Da es diesen Abschnitt im Hörbuch nicht gibt, kann hier oder hier nachgelesen werden, was es mit dieser Schulform auf sich hat.

Lesen?

Meter pro Sekunde ist das in Dänemark erfolgreichste Buch der letzten Jahre, wofür Stine Pilgaard mit dem Literaturpreis De Gyldne Laurbær ausgezeichnet wurde. Für das Verständnis hilft es, sich ein paar Kenntnisse über die dänischen Heimvolkshochschulen und ihre Bedeutung für die Bildung der Bevölkerung anzueignen. Um zu ermessen, in welcher Landschaft der Roman spielt, ist ein Blick darauf mithilfe eines bekannten Online-Routenplaners hilfreich.
Obwohl ich normalerweise einen Bogen um Hörbücher mache, hat mich dieses besonders überzeugt: Es wird von der Schauspielerin Caroline Peters (bekannt aus der Serie Mord mit Aussicht) gelesen, die das wirklich großartig macht. Nur das Singen der Lieder hat sie sich verkniffen, sie werden von ihr in einem Summton vorgetragen.

Meter pro Sekunde ist im Februar 2022 im Kanon Verlag erschienen und kostet sowohl als gebundenes Buch sowie als Hörbuch-Ausgabe (Laufzeit ca. sechs Stunden) 23 Euro.

Samstag, 11. Dezember 2021

# 319 - Über Sprachen aus der ganzen Welt

Die Literaturwissenschaftlerin Rita Mielke hat in ihrem
neuen Buch Als Humboldt lernte, Hawaiianisch zu sprechen 42 Geschichten gesammelt, in denen es um die Verständigung in fremden Sprachen geht.

Mielke nimmt ihre Leserinnen und Leser nicht nur auf eine Sprachreise mit, die rund um den Globus führt; sie macht deutlich, dass die Geschichte der Menschheit nicht zuletzt auch eine der Sprachbegegnungen ist - beeinflusst von den Menschen, die mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen aufeinander getroffen sind. Da geht es zum Beispiel um baskische Walfänger, die es nach Island verschlägt, oder einen Deutschen, der auf mongolische Nomaden trifft. Diese Art, auf die Entwicklung der menschlichen Sprache zu schauen, ist bislang einzigartig.

Die am längsten zurückliegende Geschichte stammt aus der Zeit Karls des Großen (768 bis 814), die aktuellste von Autoren wie zum Beispiel Galsan Tschinag (geb. 1944). Jede ist für sich sehr besonders und zeigt, wie sich der Umgang mit Sprache verändert hat. Mielke schildert die Ignoranz, die insbesondere europäische Kolonialmächte den Sprachen der Bewohnerinnen und Bewohnern der von ihnen okkupierten Länder entgegenbrachten: Die europäischen Sprachen wurden zwar von den Besetzern als die höherwertigeren angesehen, dennoch war es für sie ärgerlich, sich damit nicht vor Ort verständigen zu können. So kam es zur Bildung von zahlreichen Mischsprachen, die Elemente aus beiden Ursprungssprachen übernahmen. 

Diese sprachliche "Einwanderung" kennen wir aus unserem eigenem Alltag, die Herkunft vieler Begriffe ist uns allerdings oft nicht bewusst. So stammt beispielsweise das arabische Wort biira vom deutschen Bier und das deutsche Wort Beduine vom arabischen badawī. Mielke macht deutlich, dass in der Vielzahl der gesprochenen Sprachen ebenso viele unterschiedliche Weltsichten verborgen sind. Sehr treffend zitiert sie den österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt."

Jedes Kapitel  schließt mit einer kurzen Übersicht über die dort beschriebene Sprache. Hier erfährt man u. a., welche Sprachen sich um ihr Aussterben keine Sorgen machen müssen (z. B. Arabisch, Chinesisch, Mongolisch)  und welche nicht mehr oder kaum noch gesprochen werden (z. B. Arabana, Yámana, Navajo).

Rita Mielke schreibt auch über Themen, die das Buch weiter inhaltlich aufwerten. Was als das älteste Gewerbe der  Welt gilt, dürfte jeder wissen. Aber welches ist das zweitälteste? Auskunft gibt ein Relief, das im Grab des Pharaos Haremhab gefunden wurde, das aus dem Jahr 1330 v. Chr. stammt und einen Dolmetscher zeigt. Mielke beschreibt die Aufgaben und Anforderungen der Dragoman, die sich deutlich von denen der heutigen Dolmetscher unterschieden.

Lesen?

Als Humboldt lernte, Hawaiianisch zu sprechen ist ein Buch, in dem Rita Mielke Sprach-Geschichte(n) sehr spannend erzählt. Wer sich für Sprachen interessiert, dem wird dieses Buch sicher gefallen. Die sehr schönen Illustrationen von Hanna Zeckau runden den Titel ab.

Als Humboldt lernte, Hawaiianisch zu sprechen ist 2021 im Duden Verlag erschienen und kostet 28 Euro.

Sonntag, 29. August 2021

# 305 - Sein durch Sprache?

2020 erschien Kübra Gümüşays erstes Buch Sprache und Sein, das für etliche Diskussionen sorgte. Wer ein Essay über Sprache erwartet, wird jedoch zumindest teilweise enttäuscht.

Gümüşay beginnt ihr Buch mit einer Szene, die sich vor etlichen Jahren zwischen ihr und ihrer Tante abgespielt hat. Es drehte sich um ein türkisches Wort ("yakamoz"), das für die Reflexion des Mondlichts auf dem Wasser steht. Erst seitdem sie diesen Begriff kennengelernt hat, erkennt Gümüşay dieses Phänomen: Die Wahrnehmung wird durch die Sprache beeinflusst. Das belegt sie anhand weiterer Wörter aus anderen Sprachen. 

Diese Erkenntnis ist keine Überraschung: Wer ein Buch von einer Sprache in eine andere übersetzt, kommt ohne kulturelle Kenntnisse und Hintergründe beider Sprachen nicht aus, wenn die Botschaft des Textes im Sinne des Autors in der Zielsprache ankommen soll. Und so folgert auch Gümüşay: "So leben manche Gefühle nur in bestimmten Sprachen. Sprache öffnet uns die Welt und grenzt sie ein - im gleichen Moment." Wer sich in mehreren Sprachen ausdrücken kann, wird wahrscheinlich feststellen, sich in jeder als eine etwas andere Person zu fühlen.
In diesem Zusammenhang führt 
Gümüşay das viel diskutierte generische Maskulinum an: Während Befürworter sagen, dass trotz der männlichen Form (die Lehrer, die Autofahrer, alle Studenten etc.) doch automatisch auch die Frauen mitgemeint seien, weisen immer mehr der "Mitgemeinten" das zurück - und Studien geben ihnen in ihrer Befürchtung recht, dass sie tatsächlich weniger mitgedacht werden.

Gümüşay unterscheidet zwischen den Benannten und den Unbenannten. Die Benannten sind diejenigen, die als von der Norm abweichend empfunden werden, weil sie ein Merkmal haben, das sie als "anders" ausweist: die Kopftuchträgerin, die Muslimin, der schwarze Mann oder die Frau mit Behinderung. Sie werden von den Unbenannten, die die allgemein akzeptierte Norm erfüllen, kategorisiert und auf die eine - aus deren Sicht wesentliche - Eigenschaft reduziert, beurteilt und mit allen anderen, die über dasselbe Merkmal verfügen, in einen Topf geworfen.

Im Kern geht es Gümüşay darum herauszufinden, wie wir miteinander empathisch und vorurteilsfrei kommunizieren können. Aus eigener Anschauung weiß sie, wo das nicht zu gehen scheint: In Talkshows - mit ihr oder ohne sie - wurden eher auf krawallige Art neue Gräben ausgehoben, als dass versucht worden wäre, sich über das Gemeinsame und Verbindende sowie das Zusammenleben Gedanken zu machen.

Gümüşay hat mit ihrer Kritik am hiesigen Umgang mit den sog. Benannten recht. Sie räumt ein, dass es in der menschlichen Natur liegt, sein Gegenüber in die eine oder andere Schublade einzusortieren. Dieses archaische Verhalten hat auch in unserer modernen Welt nicht nur Nachteile: Es schützt uns davor, unter Reizüberflutung zu leiden und hilft uns, durch das Erkennen von Mustern in gefährlichen Situationen angemessen zu reagieren. Das kann jedoch kein Grund sein, dieses Verhalten unreflektiert gegenüber seinen Mitmenschen anzuwenden.

Die Autorin wirft auch einen Blick auf die Einflüsse, die die strukturelle Ausgrenzung weiter befördern: Da sind nicht nur die oben erwähnten Talkshows, sondern auch die schwerpunktmäßige Themenauswahl in politischen Fernsehsendungen, der Einfluss der Social-Media-Plattformen oder die Aktivitäten rechter Spin-Doctors, die ein verzerrtes Bild von der Realität zeichnen.

So emotional diese existierenden (sprachlichen) Missstände von Kübra Gümüşay geschildert werden, so wenig gewährt sie Einblick in ihre eigenen religiösen An- und Einsichten. Als Leser erfährt man kaum, was den Menschen Kübra Gümüşay ausmacht - wäre das nicht nötig, um ein Zeichen gegen die ständigen Kategorisierungen zu setzen? Auch der kritische Blick auf ihre eigene Religion und ihre weltlichen Vertreter fällt sehr knapp aus.

Lesen?

Sprache und Sein ist grundsätzlich ein lesenswertes Buch. Wenn Gümüşay schreibt: "Jedes Wort hat Wirkung. Menschen verändern sich durch die Worte, mit denen wir sie beschreiben. Sie werden zu dem, was ihnen zugeschrieben wird", kann man ihr nur zustimmen. Wie sich so eine selbsterfüllende Prophezeiung im Alltag auswirkt, lässt sich z. B. in dem 1983 erschienenen Buch Anleitung zum Unglücklichsein des österreichischen Psychologen Paul Watzlawick sehr anschaulich nachvollziehen. Das Phänomen und dass darüber geschrieben wird ist also keineswegs neu, es ist aber gut, dass es wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt wird.

Irritierend wirkt teilweise allerdings die Auswahl der Zitate, die das Buch durchziehen. Warum eine Feministin wie Gümüşay z. B. ausgerechnet auf ein Zitat von Friedrich Nietzsche zurückgreift, der mit zahlreichen frauenfeindlichen Äußerungen "geglänzt" hat, erschließt sich mir nicht. 

Was mich aber deutlich mehr gestört hat, ist die Festlegung auf die gesprochene und geschriebene Sprache. Sprache ist schließlich nicht nur verbal, sondern besteht auch aus einem breiten nonverbalen Spektrum von Symbolen bis zur Gestik und Mimik. Ausgrenzung kann auch durch einen verächtlichen Blick oder eine Beschilderung erzeugt werden.

Und was letztlich auch nicht durchdacht ist, ist die Einteilung der Menschen in die Benannten und Unbenannten. Nicht nur, dass es sich dabei um sehr große Schubladen handelt, gegen die Gümüşay doch eigentlich anschreibt; diese Art der Kategorisierung verkennt, dass mit den Frauen eine Hälfte der Bevölkerung immer wieder mit Misogynie und damit Ausgrenzung konfrontiert wird und das, obwohl es sich bei ihnen nicht um eine andersartige Randgruppe handelt. Doch nach Gümüşays Definition gehören sie zu den Unbenannten, die über Privilegien verfügen.

Durchaus mit gemischten Gefühlen kann man auch eine Szene betrachten, über die Gümüşay schreibt: Kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wird sie als 13-Jährige in der U-Bahn von einer Frau auf ihr Kopftuch angesprochen und gefragt, ob sie es freiwillig trage - trotz der politischen Situationen in Saudi-Arabien, im Iran und Irak. Damals antwortete sie: "Damit habe ich nichts zu tun. Das ist nicht mein Islam." Fünfzehn Jahre später hielt sie allerdings im vom Hamburger Verfassungsschutz beobachteten Islamischen Zentrum Hamburg (IZH) einen Vortrag. Das Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz bewertete das IZH schon 2004 als verlängerten Arm der Teheraner Revolutionsführung mit dem Ziel, "islamistisches Gedankengut nach heimatlichem Vorbild in Deutschland zu verbreiten". Wie schlecht es um die Gleichberechtigung der Frauen im Iran bestellt ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben.
 
Auch Gümüşays Nähe zur islamischen Bewegung 
Millî Görüş mit ihrem Antisemitismus und ihrer Integrationsfeindlichkeit sowie einer Ideologie, die durch Minderheiten- und Frauenfeindlichkeit sowie Homophobie geprägt ist, ist irritierend und mit der Kübra Gümüşay, wie sie sich selbst ihrem Buch beschreibt, nur schwer in Einklang zu bringen.

Sprache und Sein ist 2020 im Hanser Verlag erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 18 Euro.


Freitag, 28. Mai 2021

# 292 - Eine Sammlung zauberhafter und bedeutungsvoller Wörter aus aller Welt

Der New Yorker Psychologe David Tripolina hat nicht nur ein Faible für sein Fachgebiet, sondern beschäftigt sich auch mit Sprache. Genauer: mit ungewöhnlichen Begriffen. "Panda" heißt auf Isländisch Bambusbjörn zeigt die nach Ansicht Tripolinas "schönsten Wörter der Welt".

Keine Frage: Die Auswahl kann nur subjektiv sein, das gibt der Autor auch zu. Doch er hat sich tatsächlich auf allen Kontinenten umgesehen und sein Buch nicht nur alphabetisch gegliedert, sondern auch einzelne Themenschwerpunkte gesetzt. 

Einer meiner Favoriten ist der Abschnitt "Höhepunkte aus dem deutschen Schimpfwörterbuch von 1838". Beim 'Bettbrunzer' steht mir sofort eine Person vor Augen, die jede Nacht viel Schuld am Klimawandel auf sich lädt. Bei der 'Arschkröte' muss es sich um eine Mutation handeln und beim 'Ofenpudel' um einen bemitleidenswerten Hund, der schleunigst gerettet werden sollte.

Beim Lesen wird deutlich, wie sehr Begriffe, die im ersten Moment lustig sind, etwas über die Mentalität der Menschen in einem Land aussagen.
'Bakku-Shan' gehört dazu: Dieser japanische Begriff steht für "ein hübsches Mädchen, solange man es nur von hinten sieht". Interessant daran: Es handelt sich um ein Kunstwort, das sich aus dem englischen "back" ("hinten") und dem deutschen "schön" ableitet. In Deutschland würde man sich keine Freunde machen, wenn man eine Frau offen so abwertend beschreiben würde. In Japan ist die Gesellschaft von einer Gleichberechtigung der Geschlechter allerdings weit entfernt: Der im März 2021 veröffentlichte Global Gender Gap Report des World Economic Forum sieht Japan auf dem 120. Rang bei 156 bewerteten Ländern. Damit ist das Land das Schlusslicht unter den G7-Staaten.

Auch der aus Korea stammende Begriff 'Eomchina' lässt tief blicken. Mit ihm ist eine Person gemeint, die eine Mutter ihrem Kind als gutes Beispiel für Leistung und Erfolg anführt. Das soll der Motivation dienen, führt aber, wenn man sich hier ein bisschen in das Thema einliest, eher zu Frustration - zumal auch in Korea der schulische und berufliche Erfolg stark von der sozialen Herkunft beeinflusst werden.

'Kalsarikannit' beschreibt einen (angeblichen) Trend in Finnland, sich allein und nur mit der Unterhose bekleidet zu betrinken. Dieses Wort hat einen bitteren Beigeschmack: Seitdem das Land seine Alkoholgesetzgebung 2018 gelockert hat, steigt die Zahl der durch Alkohol verursachten Todesfälle an. Bevor die Alkoholsteuer in Estland in mehreren Schritten angehoben wurde, florierte auf den Fähren zwischen Helsinki und Tallinn der finnische Alkoholtourismus. Jetzt hat sich das Geschehen nach Lettland verlagert.

Von reichlich Geduld und Gelassenheit zeugt der schwedische Begriff 'Tidsoptimist'. Unter einem Zeitoptimisten wird eine Person verstanden, die sich zwar um Pünktlichkeit bemüht, aber trotzdem ständig zu spät kommt, weil sie glaubt, dass sie mehr Zeit zur Verfügung hat als es tatsächlich der Fall ist. Tja, ich erkenne mich wieder ... Auf nach Schweden.

Im Land des Polarlichts wurde 2014 ein Begriff zum schönsten Wort des Jahres gewählt: Mit 'Ljósmóðir' ist in Island eine Hebamme gemeint. Wörtlich heißt der Begriff aber 'Lichtmutter'. Strahlt dieses Wort nicht jede Menge Wärme und Wertschätzung aus?

Lesen?

"Panda" heißt auf Isländisch Bambusbjörn ist ein sehr unterhaltsames Buch, das seine Leser oft zum Schmunzeln und Staunen bringt. Ich hätte allerdings gern mehr über die Herkunft und Entstehung der einzelnen Wörter gewusst, was hier leider zu kurz kam.

Wer das Buch kauft, sollte wissen, dass es an einigen Stellen Überschneidungen mit Tripolinas Buch Einzigartige Wörter gibt, das 2017 im Riva Verlag erschienen ist.

"Panda" heißt auf Isländisch Bambusbjörn ist 2021 bei Yes Publishing erschienen und kostet in der gebundenen Ausgabe 9,99 Euro sowie als E-Book 8,99 Euro.


Nachtrag: Wer sich für das oben zitierte Deutsche Schimpfwörterbuch von 1839 interessiert, kann es sich hier ansehen.


Freitag, 19. Februar 2021

# 278 - Wenn eine Sprache verstummt, stirbt auch eine Kultur

Dieses Buch ist ein echtes Highlight für alle, die sich für Sprachen begeistern können und hat kaum Ähnlichkeit mit den Atlanten, die wir aus unserer Schulzeit kennen: In ihrem Atlas der verlorenen Sprachen begibt sich Rita Mielke auf alle Kontinente und stellt beispielhaft jeweils einige Sprachen vor, die bereits untergegangen oder nur noch wenigen Menschen geläufig sind.

Mielke hat 50 Sprachen ausgewählt, und man erfährt nicht nur statistische Daten wie deren Verbreitungsgebiet oder die Zahl der Sprecher, sondern auch viele interessante Besonderheiten.

Da ist zum Beispiel Khosian. Die Sprache ist in Botswana, Namibia, Angola und Südafrika beheimatet. Sie erschien den Europäern, die seit dem 17. Jahrhundert dabei waren, den Kontinent zu unterwerfen, so fremdartig, dass sie sie als "Hottentott" bezeichneten. Die Redewendung "Das sieht hier aus wie bei den Hottentotten" geht also auf die Kolonialzeit zurück und bewertet alles Fremdartige als minderwertig. Khosian bestand ursprünglich nur aus Schnalz- und Klicklauten, erst seit 1982 gibt es ein afrikanisches Referenzalphabet. 
Eine traurige Berühmtheit erlangte die 1789 geborene Sklavin Sarah Baartman, die wegen ihrer Sprache und ihres Aussehens im Alter von 20 Jahren nach Europa gebracht und dort zur Schau gestellt wurde. Auch ihr viel zu früher Tod in Frankreich konnte nicht dazu führen, sie als Mensch und nicht nur als Ausstellungsstück zu sehen.

Aus dem alten China stammt die ausgestorbene Sprache Nushu. Sie war eine ausschließlich von Frauen verwendete Geheimsprache und hatte ihren Ursprung in der Provinz Hunan. Nushu diente nicht nur der Kommunikation, sondern stand symbolisch für den Versuch, sich aus der männlich verordneten Unmündigkeit und Unselbstständigkeit zu befreien, die Frauen von Bildung ausschloss und sie ans Haus band - nicht zuletzt wegen ihrer traditionell gebundenen Lotusfüße, die das Gehen zur Qual machten. Die Kenntnisse des Nushu-Schreibens und -Sprechens wurden von einer Generation zur anderen weitergegeben, immer unter den Vorzeichen der absoluten Geheimhaltung.

Rita Mielke vermittelt nicht nur ihr Wissen um die Sprachen, sondern beleuchtet auch, in welchem politischen, gesellschaftlichen und/oder ökonomischen Kontext sie entstanden und untergegangen sind. Atlas der verlorenen Sprachen ist also nicht nur ein "Sprachbuch", sondern auch eine Quelle vieler historischen Begebenheiten und Entwicklungen, die zum Verständnis von Sprachentwicklungen nötig sind. 

Die Illustrationen von Hanna Zeckau veranschaulichen die Darstellungen und machen das Buch "rund".

Lesen?

Na klar! Der Atlas der verlorenen Sprachen ist auch für diejenigen sehr gut verständlich, die sich bislang noch nicht näher mit diesem Thema beschäftigt haben und dürfte auch für Experten einige Überraschungen bereithalten.

Atlas der verlorenen Sprachen ist 2020 im Dudenverlag erschienen und kostet als gebundenes Buch 28 Euro.

Dienstag, 8. Dezember 2020

# 269 - Wer spricht denn da? Wir sind von immer mehr Algorithmen umgeben

Seit den 1950-er Jahren wird versucht, der menschlichen Sprache mit technischen Mitteln möglichst nahe zu kommen. Aber Sprache ist eben nicht nur der Austausch von Worten unter Verwendung der korrekten Grammatik. Menschliche Kommunikation setzt darüber hinaus eine Art Weltverständnis voraus, das Wissen um Hintergründe und Zusammenhänge. Der Autor und Journalist Christoph Drösser hat sich nicht nur Siri, Alexa & Co. angeschaut, sondern in seinem Buch Wenn die Dinge mit uns reden einen Ausblick auf die zu erwartende Weiterentwicklung der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine gegeben.

Auch wer selbst keine "Alexa" in seinem Wohnzimmer hat, weiß, was der Sprachassistent kann: Er ist in Lautsprecher integriert und kann zahlreiche Smart Home-Geräte steuern. Alexa gehört zu den KI-Anwendungen, also zu dem, was heute unter "Künstlicher Intelligenz" verstanden wird. Mit einer mittlerweile sehr menschenähnlichen Stimme lauert die Software auf ihr Stichwort, das ihr signalisiert, dass ihr Nutzer etwas von ihr möchte: den aktuellen Wetterbericht, die Lieblingsmusik oder eine Lexikoninformation. Erweitert man das Grundgerät mit smarten Geräten, können per Sprachbefehl Saugroboter bedient, Heizkörper reguliert oder Türen geöffnet werden. Der Erfolg dieses und anderer Sprachassistenten beruht auf der Bequemlichkeit der Käufer: Viele alltägliche Dinge lassen sich mit der Stimme erledigen, sich wegen banalen Tätigkeiten aus dem Sofa hochzuquälen kann vermieden werden. 

Klar, dass das nur funktioniert, wenn die entsprechenden Geräte ununterbrochen online sind. Sie schicken alle Daten in eine Cloud und erhalten von dort Daten zurück. So "lernt" der Algorithmus ständig dazu - und dadurch, dass Mitarbeiter irgendwo auf der Welt mithören, was bei den Kunden passiert. Auf diese Weise soll der Grad der Perfektionierung weiter vorangetrieben werden.

Aber dieser Typus von Sprachprogrammen ist natürlich noch lange nicht der Weisheit letzter Schluss. Das Ziel ist ein Algorithmus, der sich am Sprachverständnis des Menschen orientiert und das möglichst so gut, dass er menschliche (Sprach-)Züge annimmt und als dessen Gesprächspartner agieren kann - und nicht bloß als auf der Reiz-Reaktion-Ebene verharrt. Bei aller Technikbegeisterung, die Christoph Drösser seinen Lesern vermittelt, mischt sich an dieser Stelle eine gehörige Portion Skepsis in seine Ausführungen. Insbesondere dann, wenn es um die Entwicklung von Sprachmodellen geht, die mit Deep Learning arbeiten und sich dazu eignen, einige Dinge in der Wirtschaft und der Gesellschaft umzukrempeln.

Das amerikanische Forschungsunternehmen OpenAI hat mit Generative Pre-trained Transformer 3 - oder kurz GPT-3 - ein solches Modell entwickelt. GPT-3 befindet sich seit Juli 2020 im Betatest und hat mit 175 Milliarden maschinellen Lernparametern das bislang führende Produkt Turing NLG von Microsoft, das erst im Februar 2020 eingeführt worden ist, mit seiner mehr als zehnfachen Kapazität überrundet.

GPT-3 ist zunächst einmal ein Textgenerator, der nicht versteht, was er schreibt. Das ist für Menschen jedoch kein Grund, sich beruhigt zurückzulehnen. Die Sprache ist zwar nicht identisch mit der eines Menschen und auch die Sinnhaftigkeit mancher von GPT-3 erstellter Texte lässt zu wünschen übrig. Das Sprachmodell eignet sich aber bestens für den Einsatz als Chatbot, für das Schreiben von Hausarbeiten im Grundstudium - und leider auch für die Verbreitung von Fake News, die vom durchschnittlichen Leser nicht mehr von wahren Meldungen unterschieden werden können, weil das Modell seinen Schreibstil an den von tatsächlich existierenden Schreibern wie z. B. bestimmten Zeitungsjournalisten anlehnen kann. Nicht zuletzt ist zu erwarten, dass durch den Einsatz von GPT-3 Menschen arbeitslos werden, die ihr Geld bislang mit dem Schreiben von Texten verdient haben. Wie bei allen Neuerungen hat die Medaille auch hier zwei Seiten.

Was Wenn die Dinge mit uns reden von zahlreichen anderen Sachbüchern unterscheidet, ist die Heranziehung von Fachkompetenz durch Interviews: Drösser befragt u. a. den Experten für KI und Sprachverarbeitung Richard Socher und die Stanford-Professorin Monica Lam, die mit ihrem Team das Open-Source-System Almond entwickelt hat, das in Konkurrenz zu Alexa und Siri treten soll.

Lesen?

Wer sich mit Sprachassistenz und -modellen bereits beschäftigt hat, wird in Christoph Drössers Buch auch Bekanntes antreffen. Aber jedem, der sich hierfür interessiert, kann der Titel empfohlen werden, weil sich der Autor und seine Interviewpartner dem Thema von verschiedenen Blickwinkeln aus annähern. Die Sorge, vor lauter Fachbegriffen nicht zu verstehen, worum es geht, ist unbegründet: Drösser schreibt so, dass ihm auch Techniklaien folgen können.

Wem der Name des Autors bekannt vorkommt, hat von ihm möglicherweise schon Artikel in der Wochenzeitschrift DIE ZEIT gelesen. Drösser war dort lange Redakteur und hat das Ressort "ZEIT-Wissen" gegründet. Etliche Jahre hat er außerdem in der Kolumne "Stimmt's?" Fragen von Lesern beantwortet wie z. B. Verhindert ein Löffel im Flaschenhals, dass Sekt über Nacht schal wird? (Antwort: Nein, von ihm natürlich ausführlich begründet.)

Wenn die Dinge mit uns reden ist 2020 im Dudenverlag erschienen und kostet als Klappenbroschur 16 Euro sowie als E-Book 13,99 Euro.

Samstag, 10. Oktober 2020

# 260 - Darüber spricht der Bundestag

Dieses Buch ist aus einem Projekt mehrerer Redakteure von ZEIT ONLINE hervorgegangen, mit dem herausgefunden werden sollte, zu welchem Zeitpunkt und wie oft die Abgeordneten bestimmte Begriffe verwendet haben und wie sich die Wortwahl im Laufe der Zeit verändert hat. Maßgeblich ist hier nicht die absolute, sondern die relative Wortzahl pro 100.000 Wörter. 

Vorweg ein paar Zahlen, die die Dimension verdeutlichen: Es geht hier um mehr als 200 Millionen Wörter, die im Laufe von 4.216 Budestagssitzungen zwischen 1949 (erste Bundestagssitzung) und 2019 (letzte Sitzung vor der Sommerpause) protokolliert wurden. Es geht auch darum, herauszufinden, ob sich der Eindruck, das Parlament beschäftige sich nur mit wenigen Themen intensiver und mit anderen gar nicht, stimmt. Und letztendlich geht es außerdem darum, inwieweit die Bundestagsdebatten ein Spiegel ihrer Zeit waren und sind. 

Das Buch ist in vier Kapitel unterteilt, die jeweils mit Betrachtungen über häufig in den Parlamentsdebatten verwendeten Wörtern gefüllt sind. Die Benennungen der Kapitel soll(t)en den Leserinnen und Lesern Orientierung bieten, schrammen jedoch knapp an diesem Ziel vorbei, weil es ihnen an Trennschärfe fehlt. So beschäftigt sich das erste Kapitel Politische Herausforderungen beispielsweise mit der Atomkraft, dem Kalten Krieg oder dem Antisemitismus; im zweiten Kapitel Gesellschaftlicher Wandel geht es dann u. a. um die Rolle und Stellung der Frauen in der Gesellschaft oder die Ausgestaltung der Heimarbeit, die im Bundestag später unter dem Schlagwort "Telearbeit" und danach unter dem Begriff "Homeoffice" diskutiert wurde. Es erschließt sich nicht unbedingt, warum Themen dem einen oder anderen Kapitel zugeordnet wurden.

Abseits solcher Überlegungen hält das Buch eine Menge interessante Fakten bereit. Da geht es zum Beispiel um die Häufung des Begriffes "Angst" in Zusammenhang mit dem Begriff "Atomwaffen". Wie bei allen untersuchten Wörtern wurde auch hier ein Kurvendiagramm erstellt, aus dem die Entwicklung der Häufigkeit der Nennungen sowie der Zusammenhang zwischen den beiden Begriffen hervorgeht. Dazu gehört immer auch eine ausführliche Erläuterung des entsprechenden historischen Hintergrunds. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Die Grafik zeigt die mit Abstand meisten Nennungen des Begriffs "Atomwaffen" in den Bundestagsprotokollen im Jahr 1958. Damals wurde bekannt, dass Bundeskanzler Adenauer und Verteidigungsminister Strauß - getreu ihrer Vorstellung, dass Abschreckung den Frieden sichert - die Anschaffung von Atomwaffen planten und dies mit der Begründung, es handele sich um "eine Weiterentwicklung der Artillerie", verharmlosten.

Wie sich die Bedeutung von Szenarien und Problemen in der Wortwahl niederschlägt, ist immer wieder zu beobachten. Ein gutes Beispiel sind die Debatten über das Klima: Mitte der 1980-er Jahre begann die parlamentarische Debatte mit dem Wort "Klimakatastrophe", versiegte in den folgenden Jahren jedoch nach und nach. Die Weltklimakonferenz, die 1999 in Bonn ausgerichtet wurde, gab dem Thema neuen Schub, nun aber war es - in Anlehnung an den weltweit verwendeten Begriff "climate change" - der "Klimawandel", über den im Bundestag gesprochen wurde. 2007 hat dessen Verwendung unter den Parlamentariern ihren Höchststand erreicht, nachdem der Weltklimarat IPCC seinen vierten Sachstandsbericht veröffentlicht hatte, in dem es um den von Menschen gemachten Klimawandel und seine Folgen ging.

Zum Schmunzeln ist das vierte Kapitel Der parlamentarische Sprachgebrauch: Hier geht es darum, wie die Abgeordneten verbal miteinander umgingen oder ob sich in ihren Zitaten, mit denen sie ihre Reden schmücken, ein bestimmtes Bildungsniveau widerspiegelt. Seit 1986 wurde immerhin 32 Mal über "Arschlöcher" und "Ärsche" gesprochen, in den seltensten Fällen war damit jedoch eine Beleidigung verbunden, sondern ein Zitat oder eine gängige Redewendung. Wenn man sein Missfallen über andere Abgeordnete in die passenden Worte fassen will, sind "Trottel" und "Idiot" beliebter, weil Nettigkeiten auf diesem Niveau nach der Geschäftsordnung noch nicht als zu ahndende Beleidigungen gelten, "Arschloch" hingegen schon.

Der Buchtitel ist die gekürzte Fassung einer Beschimpfung, die der Abgeordnete Joschka Fischer 1984 dem Bundestagspräsidenten Richard Stücklen entgegengeschleudert hat: "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!" Diese Attacke hatte kein formales Nachspiel: Stücklen hatte Fischer kurz zuvor des Saals verwiesen, das Mikrofon war bereits abgeschaltet und die Sitzung unterbrochen. Deshalb findet sich dieser Satz in keinem Parlamentsprotokoll.

Lesen?

Das Buch eignet sich für alle, die sich für Politik und politische Entwicklungen interessieren. Aber auch, wenn man auf diesem Gebiet bislang eher desinteressiert war, bietet Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind..." eine gute Möglichkeit, hinsichtlich politischer Diskussionen einen roten Faden zu finden und so besser zu verstehen, wie und vor welchem Hintergrund Bundestagsentscheidungen zustande gekommen sind. Das Buch ist ein interessanter Blick nicht nur in die Vergangenheit des Bundestags, sondern auch in die deutsche Gesellschaft.
 
Es schließt mit einem Ausspruch des CDU-Abgeordneten Hans Hermann Dichgans vom 25. Oktober 1967: "Nun, ich möchte hier leidenschaftlich für das Recht der Abgeordneten eintreten, Unsinn zu reden. (Heiterkeit und Beifall.) Es ist eines der Grundrechte des Parlaments."  Diesen Eindruck kann man als Bürger immer wieder bekommen.

Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind..." ist im September 2020 im DUDEN-Verlag erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 16 Euro sowie als E-Book 13,99 Euro.
 
Nachtrag: Hier hat ZEIT ONLINE den Zugriff auf die Datenbank bereitgestellt. Und hier wurden die Bundestagsprotokolle der 18. Legislaturperiode (2013-2017) durchsuchbar aufbereitet und zur Verfügung gestellt (Projekt der Open Knowledge Foundation Deutschland).

Samstag, 16. Mai 2020

# 240 - Bei diesem Buch muss es niemandem kalt den Rücken hinunterlaufen

Rolf-Bernhard Essig ist Literaturwissenschaftler und hat sich bereits in mehreren Büchern Gedanken über Redensarten gemacht. Der Bayerische Rundfunk hat ihn deshalb auch als "Sprichwortpapst" bezeichnet. 

Vor wenigen Wochen ist sein neuestes Buch erschienen. In Hand aufs Herz spürt Essig Redensarten nach, die sich auf unseren Körper beziehen und erklärt ihre Bedeutung und Herkunft. Da geht es um Arme und Beine, den Kopf mit seinen Bestandteilen, den Rumpf, die inneren Organe, die Haut, die Nerven und - ja - auch die Körperausscheidungen. Über 500 Redewendungen stellt Essig vor und sorgt mit so mancher Erläuterung für eine Überraschung:
Wenn jemand sagt, dass ihm plötzlich etwas klar wird und ihm "wie Schuppen von den Augen fällt", dann geht das auf die biblische Figur Saul (oder Saulus) zurück. Der Verfolger der Christen erblindete plötzlich in Damaskus, nachdem er ein helles Licht gesehen und Jesus' Stimme gehört hatte. In Damaskus wurde er drei Tage später vom Jünger Hananias wieder sehend gemacht. In der Apostelgeschichte 9, 18 heißt es: "Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder". 

Wer jemandem absolut vertraut, würde wohl für ihn "seine Hand ins Feuer legen". Für diese Redewendung bietet Essig gleich zwei mögliche Erklärungen an: Im Mittelalter waren Gottesurteile ein beliebtes Verfahren, um die Schuld oder Unschuld eines Menschen herauszufinden. Gern ließ man die Verdächtigen bei der Feuerprobe eine Hand in ein Feuer halten. Die Unschuld war erwiesen, wenn die Hand nicht oder nur wenig verletzt wurde. Auch für jemanden zu bürgen, war auf diese Weise möglich. So hatte man ruckzuck ein Urteil ohne langes Gerede, denn wer konnte schon mehr wissen als Gott der Allmächtige, der oben im Himmel den Daumen hob oder senkte?
Die zweite Erklärung ist ein richtiges "Männer-können-so-tapfer-sein"-Ding: Der Etruskerkönig Lars Porsenna soll 508 v. Chr. Rom belagert haben. Der Römer Gaius Mucius schlich sich mit dem Plan, Porsenna zu töten, in das Lager der Etrusker. Doch er kam nicht weit: Man nahm ihn gefangen und Porsenna fragte Mucius, ob alle Römer so mutig seien. Als Antwort legte der Gefangene seine rechte Hand in ein Kohlebecken und ließ sie verbrennen, ohne einen Mucks von sich zu geben. DAS sind wahre Heldensagen.

So haben weder Saulus (der zu Paulus wurde) noch Mucius ihre Köpfe in den Sand gesteckt, sondern das Herz in die Hand genommen. An ihnen hat sich vielleicht mancher die Zähne ausgebissen, aber sie haben die Nerven behalten. Doch sie haben bestimmt Blut und Wasser geschwitzt.

Hand aufs Herz ist im Dudenverlag erschienen und als Taschenbuch für 10 Euro erhältlich.

Freitag, 11. Januar 2019

# 181 - Was schon Mark Twain wusste

"Deutsche Sprache, schwere Sprache" - diesem Ausspruch wird die Amerikanerin Dana Newman wahrscheinlich sofort zustimmen. Das legt zumindest ihr Buch You go me on the cookie nahe, in dem sie schildert, über welche Sprachfallen sie anfangs gestolpert ist oder immer noch stolpert. 

Dana Newman hat zunächst mithilfe eines Lehrbuches und der dazugehörigen CD versucht, Deutsch zu lernen. Auch Unterricht hat sie genommen, sich im Alltag mit der Sprache umgeben, indem sie zum Beispiel Nachrichten hörte, und dergleichen mehr. Jahre sind über dem Deutschlernen vergangen, und wenn man ihre Wechselbäder aus der Freude darüber, endlich den richtigen Begriff oder eine Regel gelernt und angewandt zu haben, und der folgenden Enttäuschung, dass es dann doch wieder -zig Ausnahmen gibt, verfolgt, kann sie einem oft leid tun. Peinliche Situationen gibt es selbstredend dazu wie die Amarenakirsche auf dem Sahnehäubchen eines Eisbechers. Ihr deutscher Ehemann Stefan ist ihr in vielen Fällen keine große Hilfe: Er weiß, warum man ein Wort so oder so schreibt oder verwendet, aber leider oft nicht, warum. Ich glaube, damit befindet er sich in bester (deutscher) Gesellschaft.

Newman machen auch regionale Unterschiede zu schaffen. Das reicht von der Verwendung verschiedener Begriffe für ein und dieselbe Sache bis zu lapidaren Dingen wie der Uhrzeit: Weiß jeder, was mit "viertel 8" gemeint ist? Das ist eine eher süd- oder ostdeutsche Zeitangabe, im Norden ist sie ungebräuchlich. Aber das ist nur ein Beispiel von vielen, die die Autorin immer wieder dazu bringen, sich verzweifelt die Haare zu raufen.

Wie war's?

 

You go me on the cookie ist ein sehr witzig geschriebenes Buch, und ich finde es toll, dass Dana Newman nie aufgegeben hat, korrektes Deutsch zu lernen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ebenso viel Energie und Ausdauer aufgebracht hätte wie sie.

Dana, solltest Du das hier lesen, empfehle ich Dir das Buch eines Landsmanns, der allerdings schon lange verstorben ist: Mark Twain und Du wäret sicher ein Herz und eine Seele, wenn es um die Einschätzung geht, wie "leicht" sich Deutsch lernen lässt. Am 21. November 1897 hielt Twain eine Rede vor dem Wiener Presse-Club, in der er seinen Problemen mit unserer Sprache auf humorvolle Weise Luft gemacht hat. 
Sein Buch "Die schreckliche deutsche Sprache" kann man sich hier anhören: 


You go me on the cookie ist bei Goldmann erschienen und kostet als Taschenbuch 10 Euro und als epub- oder Kindle-Ausgabe 9,99 Euro. 

Wer sich Dana Newman quasi live und in Farbe ansehen möchte, kann das übrigens auf ihrem Youtube-Kanal Wanted Adventure - an american in germany tun. Dort gibt es viele Videos darüber, wie es ist, als Amerikanerin Deutsch zu sprechen.