Montag, 24. Juni 2024

# 441 - Eine wahre Geschichte über den Jazz als Propagandamittel des Dritten Reichs

Jazz galt für die Nationalsozialisten als entartete Kunst. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, ihn im 2. Weltkrieg für ihre Propaganda zu benutzen. Genauer: eine Propaganda gegen Großbritannien, in der vor allem Premierminister Winston Churchill und dessen Kriegspolitik aufs Korn genommen wurden. Der Radiointendant Adolf Raskin schlug dem Propagandaministerium deshalb 1940 ein Paket von drei Maßnahmen vor, die einander jeweils unterstützen sollten: eine Radiosendung mit dem Namen Germany Calling, eine in dieser Sendung auftretende Jazzband und eine wohlwollende Publikation, für die ein bislang unbekannter Schweizer Schriftsteller ausgewählt wurde. Dieser propagandistische Dreiklang war an dem ausgerichtet, was man im Ministerium für angelsächsischen Geschmack hielt.

Was seltsam klingt, hat so tatsächlich stattgefunden. Der Schweizer Autor und Archäologe Demian Lienhard hat die Begebenheit in seinem Roman Mr. Goebbels Jazzband aufgegriffen und sich dabei eng an die historischen Fakten gehalten. Zu diesen Fakten gehört auch, dass man es bei der Auswahl der Bandmitglieder mit deren Herkunft nicht so genau nahm und auch jüdische oder homosexuelle Musiker einstellte. Die Motive, bei Charlie and His Orchestra - wie die Band damals hieß - dabei zu sein, reichten von der Verbesserung des Einkommens bis zur Hoffnung, möglichst lange vom Kriegsdienst verschont zu bleiben.

Für die Moderation der Radiosendung setzte man auf größtmögliche Authentizität und wählte den faschistischen irisch-britischen Kommentator William Joyce aus. Er ging seinem Auftrag mit einem so großen Eifer nach, dass es in Großbritannien eine Fangemeinde gab.
Das kann über den Schriftsteller Fritz Mahler nicht gesagt werden. Er verstand seine Abreise aus der Schweiz nach Berlin und seinen ungewöhnlichen Auftrag sowohl als eine Flucht vor seinem Vater, von dem er sich bevormundet fühlte, als auch die Chance auf den schriftstellerischen Erfolg, den er sich so sehr wünschte.

Die dem Buch seinen Titel gebende Jazzband spielt hier jedoch nicht die Hauptrolle. Lienhard legt den Schwerpunkt auf den Kollaborateur Joyce sowie den Möchtegern-Autor Mahler. Ersterer ist mit seinem unsteten Lebenswandel und einem auf ihn wartenden Henker, noch bevor er 40 Jahre alt wird, eine historisch ziemlich traurige Figur
Mahler wird als Person beschrieben, die sich einredet, sich über den Inhalt des beauftragten Buches ständig Gedanken zu machen, aber in Wahrheit die personifizierte Unstrukturiertheit und der wandelnde Selbstzweifel ist. Es vergehen drei Jahre, in denen Mahler komplett unproduktiv ist und sich auf Kosten des Propagandaministeriums in Bars, Kneipen und Restaurants aufhält - zu Recherchezwecken, versteht sich.

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Demian Lienhard hat sich einem Thema gewidmet, das mir bislang unbekannt war. Dass man es mit den selbst aufgestellten Kriterien, wie ein für die "deutsche Rasse" wertvoller Mensch auszusehen habe, in der eigenen Führungsriege nicht so genau nahm, ist bekannt: Joseph Goebbels haftete wegen seiner geringen Körpergröße und seines Klumpfußes der Spitzname "Schrumpfgermane" an, der 1934 auf Befehl von Adolf Hitler ermordete SA-Führer Ernst Röhm war homosexuell.
Wenn es der eigenen Sache diente, waren auch Menschen gut genug, die man unter anderen Umständen als "unwert" eingestuft hätte.

Das hätte jedoch in Mr. Goebbels Jazzband jedoch auch etwas gestraffter dargestellt werden können. Auch der Schreibstil ist mit seinen oft sehr langen Sätzen und geschraubten Formulierungen gewöhnungsbedürftig. Erst zum Schluss, im Nachwort des Berner Staatsarchivars Dr. phil. Samuel Tribolet, in dem dieser süffisant über Lienhards dortige Nachforschungen berichtet, heißt es zu meiner Überraschung: "Unter diesen Materialien befand sich auch das uns damals nicht näher bekannte, unvollendete Typoskript eines Romans mit dem Titel 'Mr. Goebbels Jazzband', den Lienhard nun auf den vorangehenden Seiten erstmals der Öffentlichkeit zugänglich macht." Damit soll vermutlich der teilweise antiquiert wirkende Stil erklärt und die Handlung zu einem Ende gebracht werden.
Aber stammt dieses Nachwort tatsächlich von Staatsarchivar Tribolet oder hat sich Lienhard die Freiheit genommen, ihn als fiktive Person und Stilmittel einzusetzen? Das bleibt unklar; auf der Website des Berner Staatsarchivs findet sich zumindest kein Mitarbeiter mit diesem Namen.

Mr. Goebbels Jazzband ist 2023 bei der Frankfurter Verlagsanstalt (FVA) erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 24 Euro, als E-Book 18,99 Euro sowie als Hörbuch 9,95 Euro.

Der Roman wurde 2023 für den Schweizer Buchpreis nominiert.

Sonntag, 16. Juni 2024

# 440 - China, wer bist du?

Mehr als 7.000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der
deutschen Hauptstadt Berlin und der chinesischen Hauptstadt Peking. Was wir von hier aus über das "Reich der Mitte" wahrnehmen: große Wirtschaftsmacht, viele Einwohner, einen seine Macht stetig ausbauenden
 Präsidenten Xi Jinping, starke Überwachung der Bevölkerung, chinesisches Porzellan, Buddhismus. Wir glauben, durch die vielen chinesischen Restaurants in Deutschland die chinesische Küche zu kennen, und erinnern uns, wenn wir alt genug sind, an das Foto von Mao Tse-Tung, der mit seiner diktatorischen Politik das Land von 1949 bis 1973 beherrschte, was - je nach Schätzung - 40 bis 80 Millionen Menschen den Tod brachte.

Was wir nicht wissen: Wie geht es der chinesischen Bevölkerung heute? Was ist den Menschen wichtig, worauf legen sie Wert - oder worauf nicht?
Diese Fragen und insbesondere die, was Chinesinnen und Chinesen unter Glück verstehen, hat sich auch die Schriftstellerin und Glücksforscherin Simone Harre gestellt. Innerhalb von fünf Jahren hat sie in mehreren Interviewreisen zahlreiche Gespräche mit Frauen und Männern zwischen Peking im Norden und Yangshuo im Süden der Volksrepublik geführt. 50 dieser Interviews hat sie in ihrem Buch China, wer bist du? versammelt. Ganz überwiegend kommen hier Männer zu Wort; nur zehn Frauen haben mit Simone Harre über ihre Vorstellung vom Glücklichsein gesprochen. Die Gründe für dieses Ungleichgewicht bleiben unerwähnt.

Harre ahnte, dass es nicht so einfach sein würde, Interviews zum Thema Glück in Gang zu bringen. Darum hat sie als "Türöffner" zu Beginn der Unterhaltungen zwei Fragen gestellt:
Welche Blume möchtest du sein? und Ist das Glas halb voll oder halb leer?

Für viele der Interviewten war das Gespräch mit der Autorin sehr herausfordernd, weil diese ihnen Fragen stellte, die sie sich selbst nie gestellt hatten. 

Harre ist es gelungen, Interviewpartnerinnen und -partner aus allen Gesellschaftsschichten zu finden. Von der Straßenverkäuferin über den Taxifahrer bis zum Chefkoch oder Professor stehen ihr die unterschiedlichsten Menschen Rede und Antwort. Die Mehrzahl der Befragten lebt in einer Großstadt, einige jedoch auf dem Land. Auffällig ist die hohe Zahl der Hochschulabsolventen, die allerdings nach ihrem Uni-Abschluss nicht unbedingt im selben Bereich, den sie studiert haben, arbeiten. Auffällig ist auch, wie viele Menschen auf verschiedenen Gebieten gleichzeitig tätig sind und das Scheitern von Unternehmen nicht mit Versagen und Resignation gleichsetzen. Die übliche Haltung ist eher: Wenn dieses Projekt nicht funktioniert, dann vielleicht ein anderes. Eine Einstellung, die für uns ungewohnt ist.

Zahlreiche Gesprächspartner haben in ihrer Kindheit und Jugend in tiefster Armut gelebt, viele sogar gehungert. Das betrifft vor allem die Generation der um 1970 Geborenen. Diese hat die kollektive Erfahrung gemacht, dass Fleiß und Erfolg sehr wichtig sind. Selbstverwirklichung kommt in ihrem Denken nicht vor.
Neben dem beruflichen Erfolg ist die Familie von großer Bedeutung. Zu heiraten und eine Familie zu gründen wird von den eigenen Eltern und der Gesellschaft zwar weniger strikt erwartet als noch vor etwa zwanzig Jahren, ist aber trotzdem als sehr erwünschter Teil des Lebens verankert. Individualismus, wie wir ihn aus unserem westlichen Selbstverständnis kennen, steckt in China noch in den Kinderschuhen.

Die Familie ist auch ein Ersatz für den praktisch nicht vorhandenen Sozialstaat. Wer in eine Notlage gerät und weder Geld noch helfende Angehörige hat, hat ein Problem. Die Vorstellung von sozialer Verantwortung beschränkt sich folgerichtig auf die eigene Familie.

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Simone Harre ist es gelungen, die Menschen zum Nachdenken über sich selbst zu bringen - was eine besondere Leistung ist, da Selbstreflexion in der chinesischen Gesellschaft nicht verankert ist.
Es gelingt ihr, ein authentisches Bild von den Menschen zu zeichnen und uns so einen ungewöhnlichen Einblick in die "Seele" des Riesenreichs zu ermöglichen. 

China, wer bist du? ist allen zu empfehlen, die sich abseits der üblichen Reiseführer ein Bild vom heutigen China machen wollen. Ich bin mir sicher, dass viele überrascht sein werden, inwieweit alte Traditionen im modernen China noch eine Rolle spielen.

Die sehr schöne Aufmachung macht das positive Bild komplett: Der Einband besteht aus starker Pappe, zu jedem Interview gibt es mindestens ein Porträtfoto der befragten Person. Dafür wurde das Buch 2020 beim Wettbewerb der Stiftung Buchkunst "Die schönsten deutschen Bücher" mit der Silbermedaille ausgezeichnet.

China, wer bist du? ist 2020 im Verlag Reisedepeschen Berlin erschienen und kostet 26 Euro.


Samstag, 8. Juni 2024

# 439 - Ich bin Anna Freud

Mit Ich bin Anna hat der Autor und Psychiater Tom Saller einen Roman geschrieben, der sich intensiv mit dem Leben von Anna Freud, der jüngsten Tochter des Psychoanalytikers Sigmund Freud, beschäftigt.

Anna ist das sechste Kind von Sigmund und Martha
Freud. Ihr Vater ist bei ihrer Geburt 1895 bereits 39 Jahre alt und hat wie seine Frau nicht mehr mit einem weiteren Kind gerechnet. Martha Freud lässt ihre Tochter spüren, dass sie das überzählige Kind ist. Anna ist kränklich und wird dafür von einer ihrer Schwestern gehänselt, die der Liebling der Eltern ist. Doch sie ist stärker, als ihre Familie glaubt: Sie arbeitet gegen das Klischee der Jüngsten an und macht mit 17 Jahren ihr Abitur. Danach wird sie Lehrerin. Anna ist das einzige der Freud-Kinder, das sich für die Arbeit des Vaters interessiert. Da sich Sigmund Freud wünscht, dass sein Werk fortgesetzt wird, schlägt er Anna vor, von ihm in die Psychoanalyse eingeführt zu werden.

Ein schwieriger Patient, Ludwig Stadlober, wird 1917 das Anschauungsobjekt, an dessen Behandlung Sigmund Freud seine Tochter teilhaben lassen will. Der junge Deutsche war als Soldat bei einem Senfgasangriff schwer an den Augen verletzt worden, was seine Kriegsbegeisterung allerdings nicht geschmälert hat. Stadlober hat eine temporäre Blindheit, die bislang von keinem Arzt geheilt werden konnte. Der junge Mann glaubt zwar nicht an die Psychoanalyse, aber Sigmund Freud ist seine letzte Hoffnung. Durch die Arbeit mit dem Deutschen gelangt Sigmund Freud zu der Erkenntnis, dass seine eigene Theorie der Libido als zentrale Triebkraft unvollständig ist, und er stellt dem Liebes- den Todestrieb an die Seite.

Stadlober nimmt ohne es zu ahnen eine Position zwischen Anna Freud und ihrem Vater ein. Anna beginnt, sich von ihrem übermächtig scheinenden Vater abzunabeln, und verabredet sich hinter dessen Rücken mit seinem Patienten. Sie ist 22 Jahre alt und hat noch nie Kontakt zu jungen Männern gehabt, die nicht ihre Brüder waren. Stadlober interpretiert die heimlichen Treffen als Annäherungsversuche und ist gekränkt, als sich Anna nach einer Tuberkulose-Erkrankung zurückzieht und die Bekanntschaft nur noch als Brieffreundschaft fortsetzen will. Sie ist sich nicht darüber im Klaren, ob eine Beziehung zu einem Mann in ihrem Leben Platz hat. Stadlober wird durch Annas Entschluss in eine tiefe Krise gestürzt; sein Selbstmordversuch bleibt glücklicherweise erfolglos. Doch Anna kann mit ihren Empfindungen, die sie während der Treffen mit Stadlober hatte, nicht umgehen, und bittet ihren Vater, sie zu therapieren.

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Ich bin Anna beleuchtet das Leben von Anna Freud, soweit es die zur Verfügung stehenden Quellen zugelassen haben. Tom Saller hat die Figur des Ludwig Stadlober erfunden und weiß von der Therapie, der sich Anna bei ihrem Vater unterzogen hat, nur aus Andeutungen. Später sollte allerdings klar werden, warum es ihr nicht gelang, zu einem Mann eine romantische Beziehung aufzubauen.

Saller verfolgt Anna Freuds Leben bis zu Flucht der jüdischen Familie vor den Nationalsozialisten nach London im Jahr 1938. Sie ist ihrem Vater bis zu seinem Tod eine Stütze, obwohl ihr schon lange klar war, dass ihre zwischenzeitlich verstorbene Schwester dessen Lieblingskind gewesen ist.

Tom Sallers Roman ist ungewöhnlich aufgebaut: Anna und Sigmund Freud kommen in identisch nummerierten Kapiteln abwechselnd zu Wort und beschreiben die jeweiligen Situationen aus ihrer eigenen Sicht. So ist es möglich, in die Gedanken der beiden einzutauchen und sich ein umfassendes Bild zu machen.

Ich bin Anna ist ein interessanter Roman, der erklärt, wie aus der unterschätzten jüngsten Freud-Tochter eine angesehene Psychoanalytikerin und die Begründerin der Kinderanalyse wurde.

Ich bin Anna ist 2024 im Kanon Verlag erschienen und kostet gebunden 24 Euro sowie als E-Book 21,99 Euro.


Montag, 27. Mai 2024

# 438 - 16 Bundesländer, 16 Berge: ein Radiomoderator auf Wanderschaft

Der gebürtige Bayer Achim Bogdahn moderiert seit
mehr als 30 Jahren beim Bayerischen Rundfunk verschiedene Radiosendungen und ist wahrscheinlich einer der größten Fans von TSV 1860 München. Diese drei Merkmale - Herkunft, Fußballfan und die Art der "Schreibe" - durchziehen sein Buch Unter den Wolken - Meine Deutschlandreise auf die höchsten Berge aller 16 Bundesländer wie ein Roter Faden.

Eine Zeitungsmeldung gab für Bogdahn den Ausschlag für sein Projekt: 2016 las er, dass der unter dem Spitznamen "Brocken-Benno" bekannt gewordene Benno Schmidt seit dem 3. Dezember 1989, dem Tag der Öffnung der Brockenmauer, zum 8000. Mal den höchsten Berg Sachsen-Anhalts besteigen wollte. Und das am geschichtsträchtigen 3. Oktober. Der Plan, nicht nur den Brocken, sondern alle höchsten Berge der Bundesländer zu erwandern, war geboren.

Bis zur Umsetzung dauerte es jedoch etwas. Bogdahn hatte nämlich nicht vor, allein unterwegs zu sein. Außerdem wollte er möglichst klimafreundlich reisen und plante, sich Übernachtungsmöglichkeiten per Couchsurfing, also für lau, zu organisieren.
Hinter dem Anspruch des klimafreundlichen Reisens konnte er mit dem Kauf einer BahnCard 100 einen Haken machen.
Bei den Begleiterinnen und Begleitern sollte es sich nicht um Krethi und Plethi, sondern bekannte Persönlichkeiten, die ihr Bundesland repräsentierten, handeln. Das ist Bogdahn gelungen: In Niedersachsen wanderte beispielsweise die frühere Bischöfin Margot Käßmann mit ihm auf den Wurmberg, für die Erklimmung des namenlosen Bergleins in Bremen (32,50 Meter Höhe) konnte er den früheren Bürgermeister Henning Scherf gewinnen, für die Bezwingung des Langenberges in NRW (843,50 Meter) bekam er die Unterstützung des langjährigen Geschäftsführers des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke.

Die neunte Wanderung auf den Wurmberg Anfang Februar 2020 fand noch unter normalen Bedingungen statt. Im fernen China gab es irgendein geheimnisvolles "Corona-Virus", aber keine Anzeichen für die Probleme, die auf die Welt in den nächsten Jahren zukommen sollten.
Wanderung Nummer 10 im Mai 2020 führte Bogdahn auf den Brandenburger Kutschenberg. Er wurde von der Bundestagsabgeordneten Anke Domscheit-Berg begleitet, die beiden nutzten die Zeit der Lockerungen nach der ersten Corona-Welle. Planung und Durchführung aller Wanderungen wurden nun jedoch grundsätzlich durch die Pandemie erschwert. 

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Unter den Wolken ist vor allem eines: entspannte Unterhaltung. Um die eigentlichen Erhebungen geht es zwar auch, aber sie sind nur ein Vehikel, um Kontakt zu bekannten Personen herzustellen und rund um die Wanderungen Geschichten zu erzählen, die damit rein gar nichts zu tun haben. Da bricht dann Bogdahns langes Berufsleben als Radiomoderator durch, das ihm einen lockeren Sprachstil und ein für sein Anliegen hilfreiches Netzwerk beschert hat.

Viel Raum nehmen neben seinen persönlichen Anekdoten die Schilderungen des Wanderwetters sowie der meistens sehr langen Bahnfahrten ein. München liegt nun mal in Deutschland sehr dezentral, sodass sich so manche Fahrt wie eine Reise ans Ende der Welt anfühlt. Dieser Eindruck wird noch durch die bekannte "Zuverlässigkeit" der Deutschen Bahn unterfüttert und den Umstand, dass zahlreiche Orte aus Kostengründen vom Bahnnetz abgehängt und oft sogar mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht oder gar nicht erreicht werden können. 

Erst die letzte Wanderung führt Bogdahn dann im Juli 2021 gemeinsam mit Felix Neureuther auf den bayerischen Hausberg, die Zugspitze. Auf den ersten dreieinhalb Seiten lässt er als Bayer Bayern hochleben. Danach wird die Bedeutung der Zugspitze für Bayern erläutert: Man lernt, dass sich das Zugspitzmassiv zu zwei Dritteln auf österreichischem Gebiet befindet und darum nur vom höchsten Gipfel (!), nicht aber höchstem Berg (!) Deutschlands gesprochen werden kann.
Dann wird Felix Neureuther sehr ausführlich vorgestellt und seine Beliebtheit und Bekanntheit beschrieben. Wie in jedem der vorangegangenen Kapitel geht es dann eine ganze Weile um die Erlebnisse und Beobachtungen während der Anreise mit Bahn und Bus. Zum eigentlichen Wandern kommt es nur kurz: Den "Aufstieg" bewältigen die beiden Männer mit der Seilbahn. Erst die letzten Meter bis zum Gipfelkreuz, die man mithilfe einiger Eisensprossen und entlang eines gesicherten Grats überwinden muss, sind die Herausforderung des Tages. Ähnlich kurz kommen auch die anderen jeweils höchsten Erhebungen weg. 

Mir hatte die Idee gefallen, alle höchsten Berge in den 16 Bundesländern zu besuchen, ich habe aber offenbar eine andere Erwartung gehabt, wie ein Buch darüber aussehen könnte: mehr Inhaltliches von der Umgebung der Erhebungen, ein paar Anekdoten vielleicht, mehr über ihre Bedeutungen für die Menschen, die Landschaft, die Gegend,...
Wahrgenommen habe ich, dass die Berge Mittel zum Zweck waren, eine Projektionsfläche für den Autor. 
Mir ist auch unverständlich, warum man ohne einen dringenden Grund während einer Pandemie in öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Republik reisen und bei fremden Menschen übernachten muss. Während der Zugfahrt ins sächsische Fichtelgebirge im Oktober 2020 beobachtet Bogdahn im Zug eine Mitreisende: "Eine rothaarige Frau um die vierzig hustete Stakkato und machte alle nervös." Es hat eben jeder andere Prioritäten.

Unter den Wolken - Meine Deutschlandreise auf die höchsten Berge aller 16 Bundesländer ist 2022 im Heyne Verlag erschienen und kostet gebunden 22 Euro, als Taschenbuch 14 Euro sowie als E-Book 12,99 Euro.

Samstag, 18. Mai 2024

# 437 - Das, was am Ende von uns übrig bleibt - Kodokushi in Japan

Der Roman Oben Erde, unten Himmel der österreichischen Schriftstellerin Milena Michiko Flašar ist eines der sensibelsten Bücher, das mir in der letzten Zeit untergekommen ist. Flašar stellt ein gesellschaftliches Phänomen in den Mittelpunkt, das nicht nur in Japan, wo die Handlung angesiedelt ist, sondern auch in vielen anderen Industrienationen thematisiert, aber oft nicht ernst genug genommen wird: die Einsamkeit.

Aber ist es nicht ganz einfach, der Einsamkeit zu entfliehen, wenn man in Vereine eintritt, sich gesellschaftlich engagiert oder auf andere Weise mit Menschen in Kontakt kommt? Wenn es so banal wäre, gäbe es keine einsamen Menschen mehr. 

Milena Michiko Flašar hat sich in ihrem Buch einer besonderen Form der Einsamkeit gewidmet, für die es in Japan seit den 1980-er Jahren einen eigenen Begriff gibt: Kodokushi, den einsamen Tod. In Japan versteht man darunter das Versterben von Menschen, die über Wochen oder sogar Jahre von niemandem vermisst werden. 

Die 25-jährige Suzu ist grundsätzlich eine heiße Kodokushi-Kandidatin. Sie ist introvertiert und in einem Maße sozial inkompetent, dass sie ihren Aushilfsjob in einem typischen japanischen Familienrestaurant verliert.
Gleich zu Beginn charakterisiert sie sich treffend selbst: "Ich bin gerne allein. Und eigentlich hat sich daran auch nichts geändert. Nach wie vor bin ich kein Mensch, der viel Gesellschaft um sich braucht. Anders als früher brauche ich jedoch welche, und die Erkenntnis, dass dem so ist, hat meinem Leben eine neue Richtung gegeben." 

Auf einen Schlag hat sie nun kein Einkommen mehr. Ihre Eltern, die auf dem Land leben, um Hilfe zu bitten, kommt nicht infrage: Suzu war für ein Studium, das sie nach kurzer Zeit abgebrochen hatte, in die Großstadt gezogen. Das und die Tatsache, noch immer keinen heiratswilligen Partner zu haben, sind genug Enttäuschungen, die sie ihnen zugemutet hat. Eine weitere will Suzu nicht hinzufügen.

Wenn es nicht ihren Hamster Punsuke gäbe, der auf ihre Fürsorge angewiesen ist, wäre jetzt wohl der Zeitpunkt gekommen, an dem sich Suzu aufgegeben und womöglich einen einsamen Tod gestorben wäre. Aber die Verantwortung bringt sie dazu, sich nach einer neuen Stelle umzusehen. Das erste (und einzige) Vorstellungsgespräch bringt sie in die Reinigungsfirma von Herrn Sakai. Suzu begreift erst nach und nach, worauf sich dessen Unternehmen  spezialisiert hat: Der Chef reinigt mit seinem Team die Wohnungen von Verstorbenen, die erst nach langer Zeit entdeckt wurden. Wenn der Trupp kommt und seine Arbeit beginnt, sind die Leichen nicht mehr da, wohl aber die Spuren, die sie hinterlassen haben. Für diese Arbeit braucht man einen starken Magen und ein dickes Fell.

Für Suzu ist klar, dass sie diesen Job nur so lange machen wird, bis sie etwas Besseres gefunden hat. Doch sie fragt sich, wer sie wohl vermissen würde, wenn sie stürbe. Wann würde ihr Tod bemerkt werden?
Die Monate gehen dahin, und sie merkt, dass sie nicht nur wegen des Geldes zur Arbeit geht, sondern dort Teil einer Gemeinschaft geworden ist. Das ist vor allem Herrn Sakai zu verdanken, der seine Firma nicht nur ökonomisch, sondern auch hinsichtlich des sozialen Miteinanders zusammenhält. 

Die neuen Kontakte zu anderen Menschen führen bei Suzu zu ihr völlig neuen Einsichten. Angespornt von einem gleichaltrigen Kollegen steigt sie auf das Flachdach ihres Mehrfamilienhauses, von dem aus sich ihr das Panorama auf ihre Nachbarschaft offenbart: nicht einfach nur eine Ansammlung von Fassaden und Dächern, sondern Szenen aus den Leben der Menschen um sie herum. Bis zu diesem Tag kannte sie in diesem Haus nur den Weg von der Haustür bis zu ihrer Wohnung.
Aber dann gibt es in Herrn Sakais Firma eine Nachricht, die Suzu aus der Bahn werfen könnte. 

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Ich habe die Antwort darauf gleich zu Beginn vorweggenommen. Oben Erde, unten Himmel ist ein durch und durch empathisches Buch, das von großer Kenntnis der japanischen Kultur zeugt. Das ist kein Wunder, denn Flašars Mutter ist Japanerin. Die Autorin hat in ihrer Kindheit mehrere Sommer in Japan verbracht und reist jedes Jahr für einige Wochen in das Land. 

Oben Erde, unten Himmel gehört zu den Büchern, die so berühren, dass man sie nach der letzten Seite nicht einfach beenden und das nächste Buch beginnen kann.

Oben Erde, unten Himmel ist 2023 im Verlag Klaus Wagenbach erschienen und kostet gebunden 26 Euro sowie als E-Book 22,99 Euro.

Nachtrag: Die Japanerin Miyu Kojima hat selbst als Reinigungskraft in einer Firma, die sich um die Wohnungen einsam Verstorbener kümmerte, gearbeitet. Irgendwann kam ihr die Idee, deren Wohnungen so, wie sie vorgefunden worden waren, im Kleinformat nachzubilden. Wer mehr darüber wissen will: hier entlang.

Freitag, 10. Mai 2024

# 436 - Die Krise und der Schatz

Quelle Foto: Verlagsbuchhandlung Liebeskind 
Die Welt ist voller Krisen, die sich geradezu zu stapeln
scheinen. Zahlreiche Menschen empfinden diese Entwicklung als Bedrohung, und viele von denen, die es sich leisten können, lassen sich in ihre Eigenheime private komfortable Bunker für den Ernstfall einbauen - wie immer der am Tag X aussehen mag. Doch was ist mit den Leuten, die ebenfalls Angst, aber weniger Geld haben?

Segismundo García II. ist der Erzähler in dem Roman Ein sicherer Ort des spanischen Schriftstellers Isaac Rosa und hat für sie die Geschäftsidee: Er bietet ihnen den Einbau eines "Sicheren Ortes" an. Dafür eignen sich mehr Gebäudeteile als man ahnt: Segismundo empfiehlt hierfür nicht nur mit Gerümpel vollgestellte Kellerabteile oder Garagen, sondern auch winzige, mit einer Holzklappe abgedeckte Erdlöcher. Wo ein Wille ist, sollte auch ein Weg sein.
Die Nachfrage ist da, aber um seine Idee erfolgreich umzusetzen, braucht Segismundo vor allem Geld. Geld, das er nicht hat und ihm die Bank nicht geben wird. Denn: Sein Vater, Segismundo "der Große", hatte sich mit Billig-Zahnkliniken einst von ganz unten nach ganz oben gearbeitet, die Firmendaten etwas aus dem Blick verloren und war wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Ein sozialer Absturz, von dem er sich nicht mehr erholen sollte und der auch das Leben seiner Frau und seines Sohnes aus der Bahn warf. Wer also "Segismundo García" in eine Suchmaschine eingibt, findet zunächst Artikel über die kriminellen Machenschaften des alten Mannes. Der Name ist verbrannt.

Vor seinem Haftantritt hatte Segismundo I. allerdings vorgesorgt und einen Teil des ergaunerten Geldes versteckt. Mittlerweile wurde er zwar entlassen und lebt in einer Wohnung in Madrid, aber seine Demenz hat ihn seine Vergangenheit vergessen lassen. Er wird von einer Pflegerin rund um die Uhr betreut und ist als alter Mann so freundlich, wie er es früher nie war. Hoffnung geben dem Sohn jedoch die spontanen Gänge des Vaters durch die Straßen der Hauptstadt: Segismundo II. hofft, dass sein Vater sich irgendwann an das Geldversteck erinnert und damit unwissentlich die Geldprobleme seines Sohnes und Enkels löst. Ein Peilsender am Handgelenk des Seniors verrät, welche Route er nimmt.

Segismundo III. ist noch Schüler und ebenso schlitzohrig wie Vater und Großvater. Als noch genug Geld da war, hat man ihn auf eine Privatschule geschickt, um ihm die Chance auf ein gutes und erfolgreiches Leben zu geben. Doch Segis, wie er von seinem Vater genannt wird, investiert seine Zeit lieber in Sportwetten und sammelt von seinen reichen Mitschülern Wetteinsätze ein. Aktuell befindet er sich jedoch wie sein Vater in Schwierigkeiten und braucht wie er dringend Geld.

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Isaac Rosa greift sehr gekonnt die Ängste auf, die Teile der Gesellschaft umtreiben: Der Wunsch nach dem sozialen Aufstieg geht Hand in Hand mit der Angst vor dem Abstieg; die allgemeine Panikmache befördert die Sorge, es könnte zu Ereignissen kommen, die die Menschheit ins Elend stürzen oder gar auslöschen. Rette sich, wer kann.

Diesen Ängsten wird in diesem Roman entweder mit dem egoistischen Einbunkern oder mit dem Gegenteil, einer auf Zusammenhalt und Kooperation basierenden Gesellschaft, die Segismundo II. spöttisch als "Tonkrügler" bezeichnet, begegnet. Er erzählt seinem dementen Vater in der seltenen "Du-Form" seine Sicht auf dessen Leben und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Am Ende schimmert so etwas wie Versöhnlichkeit gegenüber dem alten Vater durch - oder ist es Resignation?

Ein sicherer Ort ist 2022 in der Originalausgabe unter dem Titel Lugar Seguro erschienen und wurde in der deutschen Übersetzung von Luis Ruby 2024 von der Verlagsbuchhandlung Liebeskind herausgebracht.
Der Roman kostet als gebundenes Buch 24 Euro und als E-Book 18,99 Euro.


Freitag, 3. Mai 2024

# 435 - Über die Vergänglichkeit

Die Romane von Maria Borrély sind die Wiederentdeckung in der französischen Literatur. Nach Mistral wurde nun auch der 1931 erschienene Roman La dernier feu für die deutschsprachige Leserschaft übersetzt und unter dem Titel Das letzte Feuer veröffentlicht.

Wie schon in Mistral hat Borrély auch dieses Buch in der Haute-Provence angesiedelt - einer idyllischen Berggegend, in der sie selbst lange bis zu ihrem Tod lebte. 

Das kleine Dorf Orpierre-d'Asse liegt oberhalb des Flusses Asse. Das Leben dort ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschwerlich: Die Böden sind so karg, dass die Menschen gerade so über die Runden kommen. Der Weg dorthin ist für Fuhrwerke sehr gefährlich; der Fuhrmann hat bei jeder Lieferung Angst, sein Karren könnte hinab ins Tal stürzen.
Die Sommer sind heiß und trocken, Teile des Ackerlandes werden immer wieder vom Riou-Sec weggespült. Die Dorfbewohner leiden so sehr, dass sie von den Nachbardörfern den Spitznamen "die Schmalhänse" bekommen haben. 
Die Kinder erben Steine anstatt Äcker und Weinberge.
Die Alten in Orpierre-d'Asse, die keine Kraft mehr für die Feldarbeit haben, leben fast alle vom Schnorren oder geben "geliehene" Lebensmittel nicht zurück.

Nur die alte Pélagie Arnaud tut das nicht. Auch ihr Leben ist von Entbehrungen geprägt, aber sie zieht sogar noch ihre Enkelin Berthe groß, nachdem deren Mutter gestorben ist. Pélagie ist seit langer Zeit verwitwet und nutzt alles, was die Natur, die Ziege und der dürftige Anbau hergeben, um zu überleben.

Das Leben der Menschen von Orpierre-d'Asse ändert sich drastisch, als die Asse eingedeicht wird. Sie wollen das neu entstandene fruchtbare Land nutzen und ziehen nach und nach ins Tal. Es entsteht ein neues Dorf. Nur Pélagie weigert sich, ihr Haus zu verlassen. Sie misstraut trotz der Eindeichung der rauschenden Asse und befürchtet, der Fluss könnte über seine Ufer treten und alles, was sich ihm in den Weg stellt, mit sich reißen. Als ihre Enkelin heiratet und ebenfalls in das neue Dorf zieht, lebt Pélagie allein zwischen verfallenen Gebäuden und den Erinnerungen an die Toten. In ihrem Haus brennt das letzte Feuer.

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Maria Borrély hat einen besonderen Schreibstil, der die Schlichtheit und Kargheit des dörflichen Lebens in der entlegenen Gegend der Haute-Provence greifbar macht. Die Hoffnung der Bewohnerinnen und Bewohner auf ein besseres Leben ist so plastisch beschrieben, dass Pélagies Warnungen wie die einer ewig Gestrigen wirken. Der Roman steuert langsam auf ein nicht überraschendes Ende zu und erfüllt den letzten Herzenswunsch der alten Frau. Das letzte Feuer überzeugt durch seine berührende Schlichtheit.

Das Dorf Orpierre-d'Asse gibt es unter einem anderen Namen: In Bras d'Asse wurden Steindeiche gebaut, um die Bedrohung durch die Asse zu besiegen. 1913 wurde das alte Dorf vollständig aufgegeben. Zwanzig Familien gründeten 1979 eine private Initiative mit dem Zweck, das Vieux Bras d'Asse wieder aufzubauen. Vom heutigen Bras d'Asse führt ein Wanderweg hinauf ins alte Dorf.
(Quellen: 
Agence de Développement des Alpes de Haute Provence und Randomania.fr)

Das letzte Feuer ist 2024 im Kanon Verlag erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 20 Euro sowie als E-Book 17,99 Euro. Der Roman wurde übersetzt von Amelie Thoma.


Montag, 29. April 2024

# 434 - Die Erinnerungen von Deutschlands dienstältestem Parlametarier

Wolfgang Schäuble gehörte 51 Jahre dem Deutschen
Bundestag an. Er war 19 Jahre Bundesminister in den Regierungen Kohl und Merkel in verschiedenen Ministerien, verhandelte die deutsche Wiedervereinigung, ist vier Jahre Bundestagspräsident gewesen und hatte in seiner Partei, der CDU, unterschiedliche Ämter inne. Als Schäuble 1972 im Alter von 30 Jahren zum ersten Mal als Abgeordneter im Bundestag Platz nahm, saß ganz in seiner Nähe der "Vater des Wirtschaftswunders" Ludwig Erhard.


Wer so einen Werdegang hat, hat eine Menge zu erzählen. Und das tut Wolfgang Schäuble in seinem letzten Buch Erinnerungen - Mein Leben in der Politik. Auf rd. 620 Seiten (zuzügl. einer editorischen Notiz und eines mehrteiligen Anhangs) nimmt er kein Blatt vor den Mund und nutzt diese Gelegenheit, seine Sicht auf die deutsche Geschichte von den 1970-er Jahren bis heute deutlich zu machen. Seit 2006 litt er an einer Krebserkrankung, die ihn im Laufe der Zeit in die Knie zwang. Das Schreiben seiner Erinnerungen mithilfe der Historiker Hilmar Sack und Jens Hacke war ein Wettrennen mit der Zeit, das er knapp gewann: Die drei Männer trafen sich am 14. Dezember 2023 zum letzten Mal im Schäubles Abgeordnetenbüro, um einige Feinheiten des Buches zu besprechen. Nur zwölf Tage später ist Wolfgang Schäuble verstorben.

Freundschaften und Abneigungen im Politikbetrieb

Schäuble beschreibt sein Verhältnis zu Helmut Kohl und die Art ihres Umgangs miteinander. Dabei gab er sich keinen Illusionen hin: Er bewundert die humanistische Bildung des Kanzlers und dessen schnelle Auffassungsgabe. Kohls wiederholten öffentlichen Äußerungen, Wolfgang Schäuble werde sein Nachfolger als Bundeskanzler sein, maß er keine größere Bedeutung bei. Die Rolle des ewigen Kronprinzen, ähnlich der des heutigen britischen Königs Charles III., lag ihm nicht.
Die Parteispendenaffäre hat das Verhältnis der beiden Politiker im Jahr 2000 allerdings derart erschüttert, dass es nicht mehr zu kitten war. Kohl war nicht zu bewegen, die Namen der Spender zu nennen. Dass er damit seine Partei durch einen Rechtsbruch in eine problematische Situation brachte, spielte für den Parteipatriarchen keine Rolle. Schäuble wollte sich nicht an diesem Gebaren beteiligen und trat von seinen Ämtern als Partei- und Fraktionsvorsitzender der CDU zurück. Die beiden einstmals Vertrauten haben nie mehr miteinander gesprochen.

Natürlich geht es auch um das Verhältnis zwischen Wolfgang Schäuble und Angela Merkel. Er bezeichnet sie als "Glücksfall". Schäuble hat die unter seiner Zeit als CDU-Parteichef zur Generalsekretärin gewählte spätere Bundeskanzlerin immer menschlich gemocht, aber "Merkels Führungsstil hat meine Loyalität strapaziert, auch wenn ich jedes Ansinnen, ihr in den Rücken zu fallen, kategorisch abgelehnt habe."
Loyalität: Diese Eigenschaft prägte neben Ehrgeiz, Leistungsbereitschaft, Erfolgswillen und Bodenständigkeit das Handeln des Politikers Wolfgang Schäuble. Als Schäuble 2015, in der Hochzeit der Flüchtlingskrise, vom ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber aufgefordert wurde, sich an einem Putsch gegen Merkel zu beteiligen, lehnte er das Ansinnen ab. 
Sowohl Helmut Kohl als auch Angela Merkel waren 16 Jahre Bundeskanzler bzw. -kanzlerin. Schäuble deutet an, dass die langen Amtszeiten in ihren letzten Phasen bei beiden gewisse Abnutzungserscheinungen mit sich gebracht haben. Ob diese Einschätzung die Empfehlung einer Amtszeitbegrenzung beinhaltet, bleibt offen. Man wird jedoch den Eindruck nicht los, dass Schäuble einen großen Anteil an diesen langen Amtszeiten hatte.

Auffallend ist, dass Schäuble seine Kolleginnen und Kollegen in der Politik nicht nach ihrer Parteizugehörigkeit beurteilte. Über Abgeordnete der SPD oder den Grünen urteilte er oft positiv und wertschätzend. 

International

Wolfgang Schäuble bezeichnete sich selbst als Atlantiker. Die politische Nähe zu den USA war ihm immer wichtig.
Als mindestens ebenso wichtig hat er die Europäische Union sowohl für Deutschland als auch Europa eingeschätzt. In seine Amtszeit als Bundesfinanzminister fiel der Beginn der Eurokrise, in der mehrere EU-Staaten vor der Pleite gerettet werden mussten. Den sich damals abspielenden Finanz- und Wirtschaftskrimi erläutert Schäuble so ausführlich wie nötig und gut nachvollziehbar. Sein Urteil über die Banken fällt dabei wenig schmeichelhaft aus: In einer Passage heißt es "man dürfe nicht zu lange Bundesfinanzminister sein, wenn man nicht als grundsätzlicher Kapitalismuskritiker enden wolle". Wenn es um seine Beobachtung geht, wie sich das Verantwortungsbewusstsein führender Manager im Laufe der Zeit verändert hat, wird Schäuble deutlich: "Das früher ehrbare Wort 'Bankier' war längst durch 'Banker' ersetzt worden. Und das entspricht in etwa dem Weg zwischen Alfred Herrhausen und Josef Ackermann." Im selben Kontext erwähnt er, dass die Bankenrettung 30 Milliarden Euro gekostet hat, davon entfielen 18 Milliarden Euro auf die Commerzbank. Schäuble ärgert sich deutlich darüber, "wie hochbezahlte Manager [...] in einer mir zunehmend widerlich erscheinenden Weise am eigenen finanziellen Vorteil interessiert waren. Ich erinnere mich daran, wie der Vorstandsvorsitzende eines Instituts [...] sehr bald die politisch durchgesetzte Deckelung der Managergehälter zu ändern versuchte. Eine halbe Million war nicht genug - der Vorstand bewilligte sich selbst bereits 2012 wieder über 1,3 Millionen. [...] Anstand ist offenbar auch in diesen Kreisen zu einer knappen Ressource geworden." Wolfgang Schäuble hat den Namen des Managers, der ihn mit seiner Gier derart in Rage gebracht hatte, in seinem Buch nicht genannt. Wer sich jedoch an die Nachrichten aus dieser Zeit erinnert, weiß, dass es sich um den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Commerzbank Martin Blessing gehandelt hat.

Das Attentat

Am 12. Oktober 1990, als in Deutschland wegen der Wiedervereinigung eine euphorische Stimmung herrschte, wurde Wolfgang Schäuble durch die Schüsse eines psychisch kranken Attentäters so schwer verletzt, dass er eine Querschnittslähmung erlitt. Überlebt zu haben verdankte er seinem Personenschützer, der mit seinem Körper die dritte Kugel abfing. Schäubles Leben teilte sich fortan in ein "Vorher" und "Nachher": Die Verletzungen führten zu einer Querschnittslähmung und einem Leben im Rollstuhl. Das ganze Land nahm an Schäubles Schicksal Anteil. 

Der Politiker schildert seine damaligen Selbstzweifel, die in die Frage mündeten, ob er gelähmt leben will. Die Behinderung brachte viele Probleme mit sich, doch Wolfgang Schäuble kommt zu dem Schluss, dass er nach dem Attentat "nicht weniger glücklich als vorher" ist. So optimistisch und positiv diese Aussage ist, so irritierend ist eine andere: "Meine Popularität über die vielen Jahre gründet auch in der sichtbaren Behinderung. Ich hätte gern darauf verzichtet, zumal ich bevorzuge, an meinen politischen Leistungen gemessen zu werden." 'Woran denn sonst?', würde man ihn hier gern fragen.

Lesen?

Erinnerungen - Mein Leben in der Politik ist so etwas wie ein subjektives Geschichtsbuch. Durch die Schnelllebigkeit unserer Zeit und die Fülle an Informationen, denen wir täglich ausgesetzt werden, geraten die Details vieler zurückliegender Ereignisse etwas in Vergessenheit. Beim Lesen des Buches gibt es einige Aha-Momente.

Mit Wolfgang Schäuble ist einer der erfahrensten Politiker Deutschlands gestorben - wenn nicht sogar der erfahrenste. Er hat viele Politikerinnen und Politiker kommen und gehen gesehen. Zum Schluss schloss sich sein persönlicher politischer Kreis dort, wo er begonnen hatte: auf den Hinterbänken des Bundestages. Er nahm den großen Altersunterschied zwischen sich und vielen heutigen Abgeordneten wahr ("Sie könnten nicht mehr nur meine Kinder, sondern längst meine Enkel sein."), monierte die immer noch zu wenigen weiblichen Abgeordneten, bedankte sich mehrfach bei seiner Frau für die Unterstützung seiner Karriere, die sie nie gewollt hatte, und riet den jungen Abgeordneten zu mehr Zuhören und weniger Selbstdarstellung.

Egal, ob man den Menschen Wolfgang Schäuble und/oder seine Politik und die der CDU gutheißt: Dieses Buch ist schon wegen seiner vielen Einblicke lesenswert. Schäubles Schreibstil ist klar und beinahe so, als würde er einem Besucher aus seinem Leben erzählen. Trotz seines großen Einflusses auf die deutsche Politik findet sich nirgends eine Stelle, an der sich der Politiker selbst überhöhen würde.

Ich wurde in den 1960-er Jahren geboren. Mir sind Personen und politische Ereignisse aus den 1970-er Jahren mindestens in groben Zusammenhängen geläufig. Für jüngere Leserinnen und Leser könnte es jedoch schwierig werden: Es fallen viele Namen und werden zahlreiche Begebenheiten genannt, die entweder nicht oder lediglich andeutungsweise erklärt werden. Einen erläuternden Anhang hält das Buch allerdings nicht bereit. Niemand sollte sich hiervon jedoch entmutigen lassen.

Erinnerungen - Mein Leben in der Politik ist im April 2024 im Verlag Klett-Cotta erschienen und kostet 38 Euro.



Dienstag, 23. April 2024

Gedanken zum Welttag des Buches

Quelle Logo: s. u.
Heute ist der 23. April und damit der Welttag des
Buches. 1995 wurde er von der UNESCO eingeführt und wird seitdem jedes Jahr durch Feierlichkeiten und Leseaktionen begangen.

Was im allgemeinen Rascheln der Buchseiten seit geraumer Zeit etwas untergeht ist der Umstand, dass es sich bei diesem Welttag nicht nur um einen Termin handelt, an dem man das Kulturgut Buch hochleben lässt. Es wird viele erstaunen, dass die vollständige Bezeichnung dieses Tages "World Book and Copyright Day" heißt, also Welttag des Buches und des Urheberrechts. Mich hat das ebenfalls erstaunt.

Interessanterweise ist in der Proklamation der Generalkonferenz zwar von Copyright die Rede, nicht aber davon, wie der Welttag gestaltet werden könnte, um dem Anliegen gerecht zu werden. Um das Bücherlesen voran zu bringen, werden in der Proklamation immerhin Buchmessen und -ausstellungen vorgeschlagen. Doch hinsichtlich der Ausgestaltung des Urheberrechts ist hier Stille.

In Deutschland wurde in den vergangenen Jahren immer wieder über die Notwendigkeit und Grenzen des Urheberrechts gestritten. Es geht dabei um die Frage, ob und inwieweit ein Werk vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben werden darf. Die Materie ist kompliziert und wohl nur von Fachleuten komplett zu durchschauen. Vor etwas mehr als zehn Jahren begann sogar eine Diskussion, in der es um die vollständige Abschaffung des Urheberrechts ging. Sie ist in der Zwischenzeit im Sande verlaufen.

Doch das Thema "Bücher und Urheberrecht" ist damit keinesfalls tot. Im Gegenteil: Durch die Verbreitung von Künstlicher Intelligenz nimmt es gerade richtig Fahrt auf. Im Sommer 2023 verklagten zwei US-Autoren vor einem Bundesgericht in San Francisco OpenAI, die Firma hinter ChatGPT, weil sie davon ausgehen mussten, dass die KI mit ihren Büchern trainiert wird - ohne ihr Einverständnis. Der Vorwurf ist nicht unberechtigt, denn bereits 2018 gab OpenAI bekannt, dass für das Training von GPT-1 7.000 Romane benutzt wurden, die ein KI-Forscherteam ausgewählt hatte. Es ist keine Überraschung, dass auch damals niemand die Autoren um Erlaubnis gefragt hat.
Im September 2023 strengte die Autorengewerkschaft Authors Guild eine Sammelklage vor einem Bundesgericht in New York an, der sich u. a. bekannte Schriftsteller wie George R.R. Martin, Jonathan Franzen oder John Grisham anschlossen.
Aber da war noch nicht Schluss: Drei Monate später verklagte die New York Times OpenAI und Microsoft, da ungefragt Millionen von Zeitungsartikeln zum Trainieren der Software benutzt und so zum Aufbau einer geschäftlichen Tätigkeit verwendet worden waren.

Da der Wind OpenAI nach der Klageeinreichung im September 2023 ins Gesicht blies, hat man dort Gespräche mit Verlagen und der Authors Guild begonnen. Hierbei geht es um Lizenzvereinbarungen, die vereinzelt bereits abgeschlossen werden konnten. Vor der Klage ist man leider nicht auf diese Idee gekommen.  

In Deutschland hat es meines Wissens bislang keine Klagen gegen ChatGPT gegeben, obwohl davon ausgegangen werden kann, dass hier nach demselben Prinzip verfahren wird. In Frankreich wurde hingegen im März 2024 gegen Google ein Bußgeld in Höhe von 250 Millionen Euro verhängt, weil sich der Konzern nicht an verpflichtende urheberrechtliche Absprachen mit französischen Agenturen und Verlagen gehalten hat. 
Anfang April 2024 wurde der Klage von Austro Mechana, gewissermaßen die GEZ Österreichs, gegen einen Cloud-Anbieter stattgegeben. 

Was das gerade verabschiedete KI-Gesetz der Europäischen Union tatsächlich bringt, bleibt abzuwarten. Vielleicht gucke ich mir das am nächsten Welttag des Buches und des Urheberrechts an. Oder ich lasse mir einen Text von ChatGPT schreiben. 😉



Quelle Logo: Homepage "Welttag des Buches"


Montag, 22. April 2024

# 433 - Mit diesem Roman ging's zum Nobelpreis

Der norwegische Autor Jon Fosse hat 2023 den Nobelpreis für Literatur bekommen. Bis zu diesem Zeitpunkt - das muss ich zu meiner Schande gestehen - hatte ich noch nichts von ihm gehört. Mit welchem Buch fängt man an, wenn man sich einem Schriftsteller nähern will? Denis Scheck empfahl in einem Interview mit SWR Kultur die kurze Novelle Das ist Alise. Diesen Rat habe ich beherzigt.

Normalerweise stelle ich hier in der Bücherkiste nur "richtige" Bücher vor. Mit Hörbüchern habe ich so meine Probleme. Aber wenn das gebundene Buch nur 120 Seiten hat, wie lange wird dann das Hörbuch dauern? Zweieinhalb Stunden, das weiß ich jetzt, denn ich habe beides gemacht: zuerst das Hörbuch begonnen (sehr gut gelesen von Max von Pufendorf) und etwa ab der Hälfte mit dem E-Book weitergemacht. Hätte ich mit dem E-Book begonnen, hätte ich es nicht bis zur letzten Seite geschafft. Aber der Reihe nach.

Das Haus von Asle und Signe steht einsam an einem Fjord. Zwanzig Jahre hat das Paar darin gemeinsam gelebt, doch dann, an einem sehr kalten und dunklen Tag Ende November 1979, verschwand Asle. Wie fast jeden Tag war er nach draußen gegangen, um mit seinem kleinen Ruderboot in den Fjord zu fahren. Doch diesmal kehrte er nicht zurück. Sein beschädigtes Boot wurde angespült.
Dreiundzwanzig Jahre ist das her. Dreiundzwanzig Jahre, in denen sich Signe nicht mit Asles Tod abfinden konnte und noch immer auf seine Rückkehr hofft.

Das Haus hat Asles Eltern, Großeltern und sogar schon den Urgroßeltern gehört. Hundert Jahre ist es alt und atmet förmlich die Familiengeschichte. 
An dem unwirtlichen Tag seines Verschwindens sieht Asle auf dem Weg zu seinem Boot seine längst verstorbene Ururgroßmutter Alise mit ihrem einjährigen Sohn Kristoffer. Die beiden wirken für Asle so real, als würden sie noch leben und wären wirklich da vor ihm. Er denkt an seine anderen Verwandten, die nicht mehr am Leben sind: Kristoffers Söhne Asle und Olav. Asle ertrank an seinem siebten Geburtstag.

Signa, die ewig Wartende, sieht ebenfalls in ihrer Vorstellung Asles Angehörige. Sie erlebt als passive Zuschauerin den Tod des kleinen Asle, der von seiner Mutter Brita aus dem Wasser gezogen und nach Hause getragen wird. Es ist der 17. November 1897. Alise, die gerade ihren Enkel verloren hat, gibt sich pragmatisch und beherrscht. Seid nicht traurig, sagt sie, Gott ist barmherzig.

Lesen?

Das Lesen von Das ist Alise habe ich als Herausforderung empfunden. Jon Fosse verzichtet konsequent auf Gänsefüßchen für die wörtliche Rede und den Punkt am Satzende. Wortwiederholungen, sonst eher verpönt, sind eines seiner Stilmerkmale. Sätze ziehen sich über viele Zeilen hin. Absätze oder Kapitel, die den Text übersichtlicher gestalten würden, fehlen. Zusammen mit der reduzierten Sprache wird eine dichte und gleichzeitig beklemmende Atmosphäre erzeugt. Diese Atmosphäre ist es, die mich beim Lesen bei der Stange gehalten hat.

Um noch einmal auf meine oben gemachte Aussage über das Hörbuch zurückzukommen: Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das Buch zur Seite gelegt hätte, wenn ich mit ihm begonnen hätte.
Ansicht Hörbuch

Kann ich Das ist Alise nun empfehlen? Ich will ehrlich sein: Ich weiß es nicht. Ich weiß allerdings, dass es mir insgesamt zu viel Reduktion war.

Das ist Alise ist vor mehr als zwanzig Jahren zum ersten Mal im mare Verlag erschienen. Anlässlich der Auszeichnung Fosses mit dem Nobelpreis für Literatur hat der Verlag 2023 eine Neuauflage auf den Markt gebracht, die als gebundenes Buch (übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel) 20 Euro kostet. Das Hörbuch ist für 14,99 Euro,  das E-Book 11,99 Euro erhältlich.