Freitag, 6. Juli 2018

# 157 - Zwei ganz unterschiedliche Reisebücher

Sommer, Sonne ... Reisen!

 

Diesmal geht es um zwei Bücher, die gemeinsam haben, dass sie von Männern geschrieben wurden, die auf einer mehrmonatigen Reise zusammen mit ihren Partnerinnen viel von der Welt gesehen haben. Da hören die Übereinstimmungen allerdings auf. Aber lest selbst. 

Drei Kontinente in sieben Monaten

Der Journalist Torsten Johannknecht hat mit Die Welt von oben sein erstes Buch veröffentlicht. Mit Ausnahme der ersten sechs Wochen reist er zusammen mit seiner Freundin Bärbel um den Globus. Dabei sind ständig besonders zwei Hindernisse zu bewältigen: Bärbel gehört zu den Optimierern und Man-muss-alles-super-planen-Menschen, was dem gern vor sich hin dümpelnden Johannknecht immer wieder ziemlich auf die Nerven geht. Und: seine Körpergröße. 205 Zentimeter bei Schuhgröße 52 haben durchaus ihre Nachteile. Das beginnt bei der Bettenlänge und hört bei der vor Ort üblichen Raumhöhe noch lange nicht auf. 

So manches Mal muss er im Geiste mehrmals über seinen Schatten springen, um die Herausforderungen dieser Reise zu bewältigen. So isst er zum Beispiel im peruanischen Urwald nahe Iquitos widerstrebend einen lebenden Wurm, den einer der Guides aus einer Art Nuss gezogen hat. In Ushuaia (Argentinien), der südlichsten Stadt der Welt, haben Johannknecht und seine Freundin bereits vorab eine Off-Road-Tour gebucht, ohne so ganz genau zu wissen, was sie erwarten wird. Und diese Tour hat es in sich: Die Warnung des Fahrers vor dem launischen Wetter soll sich schon nach wenigen Minuten bewahrheiten, als es anfängt, zu schneien. Doch der größte Aufreger dieser Fahrt soll noch kommen, als sie erkennen, dass man nicht nur neben dem Grenzsee Lago Fagnano fahren kann...

Im bolivianischen La Paz geht das Paar zum Frauen-Wrestling ("Cholitas Wrestling"), um etwas Ausgefallenes zu erleben. Das ist es dann auch: Johannknecht sticht aus der Menge dermaßen heraus, dass er aufgefordert wird, mit einer der 1,50 Meter kleinen Wrestlerinnen zu "kämpfen". Als er genügend Kämpfe "verloren" hat, muss er vor der Frau niederknien - und überragt sie immer noch, was alle in der Halle brüllend komisch finden.
Außer Südamerika bereisen die beiden noch Neuseeland, Australien, Fidschi und Asien (China und Hongkong) und sind, weil sie fast immer in Hostels wohnen, mitten im Geschehen - was spannend ist, weil man mehr erlebt, aber auch anstrengend sein kann, wenn Städte völlig überfüllt sind und sich die Menschenmengen nur noch vorwärts schieben (Hongkong und Jakarta). 

Ganz klar: Auch die typischen Touristen-Hot-Spots dürfen nicht fehlen, wenn man denn schon mal in der Nähe ist: Hobbiton bei Matamata (Neuseeland), die Kulisse von ... ja, genau: der Hobbit-Trilogie.



Natürlich musste der Autor auch sich und der Nachwelt beweisen, dass er zu Großem auf dem Gebiet des Fischfangs berufen ist. Mit diesem Beweisfoto sind auch die letzten Zweifel ausgeräumt: Johannknecht präsentiert einen von ihm auf dem Amazonas in Peru mit der Hand gefangenen Piranha. Die anderen Piranhas sind danach vermutlich verängstigt geflohen, denn es blieb bei diesem einen: 



Wie war's?

 

Johannknecht hat mit Die Welt von oben ein sehr unterhaltsames Buch geschrieben, das aber nicht als Reiseführer betrachtet werden sollte. Es liest sich so, als würde man mit ihm in einer Bar sitzen und jemand würde sagen: "Mensch, Torsten, erzähl doch mal von eurer Reise!" Schön ist, dass er nichts auslässt, sondern offen auch über die Schwächen seiner Reise schreibt, angefangen von der schlechten Unterkunft, nervtötenden anderen Touristen bis hin zur kurzzeitigen Beziehungskrise mit Bärbel. Während die eine oder andere Station etwas zu kurz kommt (Titicacasee), schildert er emotional einen der für ihn schönsten Momente auf einem Hügel in Patagonien mit Ausblick auf einen Gletscher. Das, was allerdings irgendwann ein bisschen ermüdend wirkt, ist der sich etliche Male wiederholende Hinweis auf seine außergewöhnliche Körpergröße. Das lässt sich aber angesichts des guten Gesamteindrucks vernachlässigen.

Die Welt von oben ist im Juni 2018 beim Goldmann Verlag erschienen und kostet als Klappenbroschur 12,-- Euro. Das Buch sowie die Fotos wurden mir von der Agentur Literaturtest zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke. 

Das zweite Buch: eine Reise zu den Alten der Welt

 

Das Buch des Lebens - Eine Reise zu den Ältesten der Welt von Andrew Jackson ist so etwas wie das Kontrastprogramm zum vorherigen Titel. Dieses Buch ist bereits 2000 in der deutschen Erstausgabe erschienen, und Jackson hat für die zweijährige Reise, die ihn und seine Frau Vanella auf alle Kontinente geführt hat, einen Top-Job in der Werbebranche aufgegeben. Das Paar hatte sich vorgenommen, sehr alte Menschen in der ganzen Welt zu finden und mit ihnen über ihr Leben und das Alter zu sprechen. Dabei geht es nicht um die ältesten Menschen im Sinne eines Superlativs; die beiden sind an ihren Zielorten direkt auf die Suche nach sehr betagten Senioren gegangen und durchweg auf offene Persönlichkeiten gestoßen, die bereit waren, mit den Fremden auch sehr private Dinge zu teilen. Und tatsächlich unterscheiden sich die Sichtweisen der einzelnen Senioren auf das, was im Leben wichtig ist und war. Das ist sicherlich nicht nur auf das Heimatland, sondern auch auf die persönlichen Erfahrungen und die Werte, die innerhalb einer Gesellschaft eine Rolle spielen, zurückzuführen. Das Paar trifft zum Beispiel auf einen balinesischen Brahmanen, der sich vor ihnen die Schneidezähne feilt, oder auf einen 102-jährigen Inder, der immer noch zu den Top-Kricketspielern der Welt gehört. Manche dieser Alten sind eher still und leise, andere nutzen ihre letzte Lebensphase, um das auszuleben, was sie sich bislang verkniffen haben. Zu den bemerkenswertesten Gesprächen gehörte für Jackson das mit Sir Mark Oliphant, einem 2000 im Alter von fast 99 Jahren verstorbenen Physiker und Politiker. Es geht darin um die Frage, warum die australische Regierung trotz der günstigen Bedingungen nicht auf Solarenergie umgestellt hat. Seine Antwort: "Weil eine Regierung wie die Industrie funktioniert. Wenn etwas nicht schon morgen Profit abwirft, ist es uninteressant. Jede Art von langfristigem Ansatz ist heute praktisch allen Regierungen ein Greuel." Daran hat sich bis heute, fast 20 Jahre nach diesem Interview, nichts geändert.

Aber es geht in Jacksons Buch auch um Privates. Er schildert, wie Vanella wegen einer Darmerkrankung, die sie schon seit ihrer Kindheit begleitet, in Caracas fast daran verstirbt. Die Not, in der sich die beiden dort befinden, ist praktisch mit Händen zu greifen. Am Ende der Reise weiß er, was für sein eigenes Leben wichtig ist. Mir hat dieses Buch so gut gefallen, dass ich es zweimal gelesen habe.

Das Buch des Lebens - Eine Reise zu den Ältesten der Welt ist in der National Geographic-Reihe bei Frederking & Thaler erschienen und kostete in der mir vorliegenden 2. Auflage von 2003 12,-- Euro. Es ist heute nur noch antiquarisch zu bekommen, was aber auf den hierfür bekannten Internetseiten kein Problem ist.

Dienstag, 3. Juli 2018

Ulrike Busch, Martin Krist und René Jorde im Indie-Katalog von Buchreport!

Ein toller Erfolg für drei Selfpublishing-Autoren

 

Die zweite Ausgabe des Indie-Katalogs in diesem Jahr ist gerade erschienen, und ich freue mich sehr für eine Autorin, deren Bücher mehrfach auf diesem Blog vertreten sind: Ulrike Busch hat mit ihrem Buch Mord auf der Hallig einen verdienten Platz im halbjährlich erscheinenden Katalog, der eher den Charakter einer Branchenzeitschrift hat, bekommen. Als "Ableger" der Fachzeitschrift buchreport wird der Indie-Katalog in einer Auflage von 4.200 Stück an die Buchhandlungen ausgeliefert.


 



Martin Krists spannender Thriller Drecksspiel wird ebenfalls im Indie-Katalog vorgestellt. Sein Buch ist ein echter Page-Turner und kann allen empfohlen werden, die nicht zu zart besaitet sind. Auch von Martin Krist habe ich schon vier Bücher vorgestellt, weil sie mir so gut gefielen.




  




René Jordes Ratgeber Recht für Selbstverleger und Autoren kann allen empfohlen werden, die sich hierzu zählen. Etliche juristische Schnitzer sind mit ein paar Vorkenntnissen vermeidbar und können für Autoren ziemlich teuer werden. 

Ich wünsche allen dreien weiterhin viel Erfolg!











Sonntag, 1. Juli 2018

Die neue "Herbstkollektion" der Unabhängigen

Kataloge prall gefüllt mit tollen Titeln

 

In zwei Sendungen hat mir die Literaturagentur re-book marketing & kommunikation die neuesten Kataloge von 19 unabhängigen Verlage für den Herbst 2018 zugesendet. An dieser Stelle herzlichen Dank dafür!

Was gibt's Neues?

 

Der Wieser Verlag aus Klagenfurt legt einen Schwerpunkt auf Literatur aus Georgien. Kein Wunder, denn Georgien ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse im Herbst.

Der Verlag Der gesunde Menschenverstand aus Luzern hat Werke der verstorbenen rumänisch-schweizerischen Autorin Aglaja Veteranyi, einen Satire-Roman von Matto Kämpf, die Audio-CD "Im Schwarm" von Michael Fehr u. a. sowie die Fortsetzung der Reihe "essais agités" neu im Programm.

Vom Cover des Drava Verlags Klagenfurt guckt dem Leser ein Schaf entgegen. Ein bisschen blättern, und dann findet man es im Inneren des Hefts: Das neugierige Tier gehört zum Titelbild von "24 Ein-Schaf-Geschichten für Erwachsene", eines Buches der österreichischen Autorin Anna Derndorfer. Außerdem finden sich noch weitere Bücher aus den Bereichen Belletristik, Sachbuch und Kunstbuch.

Der Verlag Klöpfer & Meyer aus Tübingen legt zum Herbst eine ganze Menge neuer Bücher auf. Die Bandbreite reicht von Belletristik und Lyrik bis zu Sachbüchern. Auf den ersten Blick ist mir "Angerichtet, herzhaft und scharf!" des Sterne-Kochs Vincent Klink aufgefallen. Dort widmet sich Klink nicht nur dem Kochen, sondern macht sich auch kritisch Gedanken zu Fragen der Zeit. Auch ein anderes Buch hat mich angesprochen: "Gegenverkehr - Demokratische Öffentlichkeit neu denken" enthält Beiträge unter anderem von Andreas Vosskuhle (Präsident des Bundesverfassungsgerichts), Norbert Lammert (Ex-Bundestagspräsident), Alexander van der Bellen (österreichischer Bundespräsident) oder Robert Habeck (Umweltminister in Schleswig-Holstein und Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen). Die Herausgeber Ralf Fücks und Thomas Schmid haben den Buchtitel an ein Zitat des italienischen Schriftstellers Alberto Moravia angelehnt: "Diktaturen sind Einbahnstraßen, in Demokratien herrscht Gegenverkehr." 



Im Septime-Verlag Wien sind mir vor allem zwei Bücher aufgefallen: Da ist der bereits erschienene Roman "Einsame Schwestern" der georgischen Schriftstellerin Ekaterine Togonidze, der bereits durch die Buchblogs "geistert". Es geht um das Leben von siamesischen Zwillingen, von denen ihr Vater erst nach deren Tod erfährt. Von Ryū Murakami stammt das Buch "In Liebe, dein Vaterland", in dem es um den Niedergang Japans geht, nachdem die einst mit dem Land verbündeten USA ihm den Rücken gekehrt haben. Die Namensähnlichkeit zum bekannteren Schriftsteller Haruki Murakami ist zufällig.

Der Osburg Verlag Hamburg legt sich hinsichtlich seines Repertoires nicht auf einige wenige Genres fest. Stark vertreten unter den Neuerscheinungen sind Romane mit historischem Bezug (nicht zu verwechseln mit historischen Romanen) sowie die Fortsetzung der Krimireihe der dänischen Autorin Inger Madsen mit dem Buch "Blutstaub".

Der Piet Meyer Verlag legt seinen Schwerpunkt auf zwei Neuerscheinungen: "Über Kunst/Schriften 1979-2008" von John Updike. Updike ist den meisten Lesern nur als Romanautor bekannt, er hat jeodch auch zahlreiche Essays verfasst, die in diesem Band versammelt sind. Die zweite Neuerscheinung ist "Alberto Giacometti - Der schreitende Mann" von Franck Maubert, in der sich der Kunsthistoriker Maubert mit dem Maler und Bildhauer Giacometti beschäftigt. 

Beim Klever Verlag Wien finden sich Romane neben Gedichten. Die für mich auffälligste Neuerscheinung ist "Das Geheimnisgeschichtenlexikon des David Sylvester Marek", herausgegeben von Franzobel, einem Anwärter auf den Deutschen Buchpreis 2017. Franzobel zählt Mareks Texte "zum Eigenartigsten, Unverständlichsten, aber auch Faszinierendsten, Geheimnisvollsten und Poetischsten, was ich je gelesen habe". Nun denn.

Bei Edition Bücherlese Luzern stehen zwei in der Schweiz spielende Romane sowie ein weiterer, der sich mit den Schwierigkeiten einer Frau befasst, mit ihrer neuen Rolle als Mutter zurechtzukommen, neu im Programm. Für die Originalfassung von  "Am Abend fließt die Mutter aus dem Krug" erhielt Virginia Helbling 2015 den ersten "Premio Studer/Ganz per la migliore opera prima".

Beim Stroemfeld Verlag Frankfurt am Main/Basel fällt insbesondere die Herausgabe der Prager Manuskripte von Robert Walser mit einer begleitenden elektronischen Edition auf. Der Band enthält 103 Reinschriftmanuskripte in Originalgröße, die im Museum der Tschechischen Literatur aufbewahrt werden.


Im Verlag Die Brotsuppe Biel erscheinen Gedichtbände auf Schwyzerdütsch und Deutsch sowie ein Fotoband von Mischa Dickerhoff, der Bilder enthält, die die Stimmung von Musik und die Persönlichkeit von Musikern einfangen: "Donnerstag Abend"/"Jeudi Soir".

Der Rotpunkt Verlag Zürich veröffentlicht mit "Du bist in einer Luft mit mir" eine Familiengeschichte, die von der gebürtigen Georgierin Ruska Jorjoliani geschrieben wurde, die als Flüchtling nach Sizilien kam. Außerdem gibt es mehrere Sachbücher, die sich mit dem Brexit, dem Kapitalismus und seiner Ungerechtigkeit oder der Geschichte der Zürcher Hellmutstraße, in der sich auch der Rotpunkt Verlag befindet, beschäftigen.

Der Lilienfeld Verlag Düsseldorf bringt eine Neuauflage des Romans "Der Kramladen des Glücks" von Franz Hessel (Vater von Stéphane Hessel) heraus. Außerdem: Der Roman "Dor und der September" aus dem Jahr 1940 von Karl Friedrich Borée in einer Neuauflage. Der 1964 verstorbene Borée war der erste Vorsitzende des Westberliner Schriftstellerverbands sowie Generalsekretär der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Der Limbus Verlag Innsbruck veröffentlicht neu Lyrikbände von österreichischen und schweizerischen Autoren, die Erzählung "Monster" der österreichischen Autorin Isabella Feimer sowie mehrere sehr schön illustrierte Kinderbücher.

In der Herbstvorschau des Bilgerverlags Zürich fiel mir das Buch von Willi Wottreng auf: In "Ein Irokese am Genfersee" vermengt der Schriftsteller die wahre Geschichte des Irokesenhäuptlings Deskaheh, der 1923 nach Genf reiste, um beim Völkerbund um Hilfe im 'Appell für Rothäute' zu bitten, mit einer fiktiven Kriminalgeschichte. Als er 1925 plötzlich verstirbt, wittert eine Staatsanwältin dahinter ein Verbrechen.

Weiter geht es mit dem Launenweber Verlag Köln. Hier wird es mehrere neue und interessante Romane geben, am meisten spricht mich aber "novopoint grün" von Daniel Ketteler an. Ketteler stammt aus Westfalen und hat Germanistik und Medizin studiert. All das schlägt sich auch in seinem Buch nieder: Auf einem Hochsitz nahe einer westfälischen Kleinstadt wird ein Toter gefunden. Ein Polizeianwärter und sein Freund Peter recherchieren, der angehende Polizist stirbt jedoch bald. Peter, der unter einer bipolaren Psychose leidet, schreibt das Leben mit seinem Freund auf und offenbart sich auch seinem Psychiater. Doch kann man dem Arzt wirklich trauen?

Der Limmat Verlag Zürich legt seinen Schwerpunkt auf die neuere Geschichte. Interessant: "China brennt - Bildberichte 1931-1939" des schweizerischen Fotojournalisten Walter Bosshard und "Grazie a voi.", herausgegeben von Fausto Tisato u.a., das mit Fotografien die Geschichte der italienienischen Migration in der Schweiz dokumentiert.

Bei kookbooks Berlin werden im Herbst drei Gedichtbände und ein Kinderbuch ("alle nase diederdase" von Dagmara Kraus) herausgebracht.

Last, but not least: der Elsinor Verlag Coesfeld. Nachdem die Originalfassung 75 Jahre verschwunden war, tauchte das Manuskript von Arthur Koetlers Roman "Sonnenfinsternis" 2015 einer Zürcher Bibliiothek wieder auf. Das Buch wurde am 22. Juni 2018 im 'Literarischen Quartett' vorgestellt (ab etwa 15:10): 




Das waren die (aus meiner Sicht) besten Bücher der unabhängigen Verlage, die im Herbst 2018 auf uns warten. Ich hoffe, der kleine Überblick hat euch gefallen.

Nachtrag
Einen Tag nach dem Hochladen dieses Textes habe ich gemerkt, dass ich einen Verlag "unterschlagen" habe, nämlich Edition Korrespondenzen aus Wien. Das kleine Heft ist mir heimlich, still und leise zwischen andere Unterlagen auf meinem Schreibtisch gerutscht, hat sich aber nun glücklicherweise wieder angefunden. Der Verlag widmet sich im Herbst sechs Neuerscheinungen, darunter mit "Der ich bin. Chronik des Vergessens" der Start einer autobiographischen Trilogie des in Berlin lebenden Schweizer Autors Armin Senser sowie Titeln osteuropäischer Schriftsteller. Und weil ich diese Zeilen nachgeschoben habe, bekommt der Verlagsprospekt ein eigenes Foto, auf dem er sich präsentieren kann:



Freitag, 29. Juni 2018

# 156 - Roman über eine lange Liebe mit Höhen und Tiefen

Stille und Einfachheit prägen die Familie

 

Johanna Lettmann und Wilfried Fiebelkorn werden im 2. Weltkrieg von der Roten Armee aus Hinterpommern vertrieben. Johanna wird schnell schwanger, doch auf der Flucht wird Wilfried von britischen Soldaten aufgegriffen und verbringt die nächsten fünf Jahre in englischer Kriegsgefangenschaft, ohne vorher je einen Schuss abgefeuert zu haben. Johanna erhält während dieser Zeit kein Lebenszeichen von ihm. In seinem Debutroman Ein Fiebelkorn erzählt Matthias Lanin auf eine spezielle Art von einer deutschen Familie, deren Schicksal - wie das vieler anderer auch -  von Umständen abhing, die sie nicht beeinflussen konnten.

Mehr als 50 Jahre Ehe in einem Buch

 

Die Fiebelkorns führen ein stilles Leben und sind immer wieder gezwungen, sich mit einschneidenden Ereignissen auseinanderzusetzen und sie zu verarbeiten. Sie haben vier Töchter, aber eine von ihnen stirbt im Alter von vier Jahren. Zu einer anderen Tochter, die in den USA lebt, haben sie nur gelegentlich Kontakt. Johanna und Wilfried haben das Kriegsende erlebt, ihre Kinder in der DDR großgezogen, haben ungläubig den Mauerfall vor dem Fernseher verfolgt und sind über all dem alt geworden. Jeder kennt genau die Vorzüge und Macken des anderen und kommt damit zurecht, sie haben sich als über 80-Jährige in ihrer bescheidenen Zweisamkeit eingerichtet. Doch man ahnt schon auf den ersten Seiten, dass damit bald Schluss ist: Wilfried spürt ein Gewicht auf der Brust, das ihm das Atmen schwer macht, behält das aber für sich. Aber dann, etwa in der Mitte des Romans, passiert das, wovor sich Johanna gefürchtet hat: Ihr Mann bittet sie, ihn sofort mit dem Auto ins Krankenhaus zu fahren. Wenn er das macht, muss es schlimm um ihn stehen, das ist Johanna klar. Aber sie ist schon eine Ewigkeit nicht mehr gefahren, und ihre Brille hat sie auch verlegt. Wilfried sackt auf dem Beifahrersitz zusammen, noch bevor sie am Krankenhaus angekommen sind.

Wie soll es nun allein weitergehen? 

 

Mithilfe einer ihrer Töchter wird Wilfrieds Beerdigung organisiert, aber Johannas Gemütszustand ist völlig aus den Fugen geraten: In manchen Momenten will sie nicht wahrhaben, dass ihr Mann tot ist und nie mehr zur Tür hereinkommen und auf seinem Platz am Küchentisch sitzen wird. Manchmal ärgert sie sich auch, dass er sich so einfach davongemacht hat, ohne ihr Bescheid zu sagen. Doch vom ersten Moment an, den sie allein in ihrem Haus verbringt, spürt sie die Einsamkeit, die Leere um sich herum. Und dann sieht sie etwas vor dem Fenster, was sie unmissverständlich auf ihre eigene Endlichkeit hinweist.

Wie war's?

 

Matthias Lanin setzt für seinen Roman einen neutralen Erzähler ein, der immer dann, wenn der Fokus auf Johanna oder Wilfried liegt, zu plattdeutschen Ausdrücken greift. Auffällig ist die Sprachlosigkeit der Eheleute: Sie verständigen sich untereinander oft nur mit Blicken oder Gesten, richtige Gespräche finden nicht statt. Das setzt sich auch gegenüber ihren Töchtern fort: Das, was die Eltern denken, lassen diese unausgesprochen und fertigen ihre Kinder oft mit Kurzsätzen barsch ab.
Auf dem Buchcover wird Ein Fiebelkorn als Liebesgeschichte bezeichnet. Wer deswegen eine romantische Lektüre erwartet, ist hier falsch. In der Rückschau gibt es sogar einen Moment, in dem sich die junge schwangere Johanna fast einem anderen Mann zugewandt hätte. Auch das, was die Eheleute voneinander denken, ist nicht immer freundlich, aber nach so vielen gemeinsamen Jahren realistisch.

Ein Fiebelkorn ist im Divan Verlag erschienen und kostet als Taschenbuch 15,90 Euro sowie als epub- oder Kindle-Ausgabe 8,99 Euro. Ich bedanke mich bei der Literaturagentur kongking, die  mir das Buch zur Verfügung gestellt hat. 

Freitag, 22. Juni 2018

# 155 - Wandlungskünstler - Insekten unter dem Mikroskop

Großartige Fotos, tolle Texte

 

Wer sich für die Natur interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei: Wandlungskünstler - Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten mit Fotos von Nicole Ottawa und Oliver Meckes sowie Texten von Veronika Strauß und Claus-Peter Lieckfeld ist prall voll mit Informationen und grandiosen Fotos von Insekten, die mit dem Rasterelektronen-Mikroskop aufgenommen wurden. 

Ganz dicht dran an der Metamorphose 

 

An diesem Buch stechen zuerst die spektakulären Fotos ins Auge. Es geht los mit den Schmetterlingen: Aufnahmen von der Metamorphose des Seerosenzünslers und des Seidenspinners machen den Anfang, ihnen folgen Bilder vom Hauhechel-Bläuling, der auch auf dem Cover abgebildet ist. Danach folgen die Käfer, die Libellen, die Hautflügler, die Fliegen (und sogenannten Fliegen) sowie die Mücken. Erst nach dem Studieren dieser Fotos konnte ich mich den Texten zuwenden: Die Autoren erklären die Anatomie der Insekten, erläutern den Prozess der Metamorphose und schreiben, warum die fotografierten Tiere zunächst mit einer Goldschicht überzogen wurden. Ganz nebenbei lernt man, wie ein Rasterelektronen-Mikroskop funktioniert.
Das Buch schließt mit einem Nachwort, das einen eindringlichen Appell enthält, etwas gegen das Insektensterben zu unternehmen. 
Auf diesen Beispielfotos sind oben die Larve der Adonislibelle mit eingeklappter Fangmaske und darunter das erwachsene Insekt (vergrößert und ohne Vergrößerung) zu sehen:

© Nicole Ottawa und Oliver Meckes

© Nicole Ottawa und Oliver Meckes


© Nicole Ottawa und Oliver Meckes


Lesen?

 

Wer sich für Biologie und Fotografie interessiert, dem kann ich dieses Buch unbedingt empfehlen. Die vier Autoren sind Spezialisten ihres Fachs:
  • Nicole Ottawa ist Biologin und Expertin für Mikrofotografie.
  • Oliver Meckes ist Fotograf mit dem Schwerpunkt auf wissenschaftlicher Fotografie. Er gewann zusammen mit Nicole Ottawa mehrere Preise, darunter den World-Press-Photo Award. 1995 gründeten die beiden das Unternehmen eye of science.
  • Veronika Straaß ist Biologin und Autorin zahlreicher Sachbücher.
  • Claus-Peter Lieckfeld ist Journalist und Autor und hat u. a. für GEO und DIE ZEIT geschrieben.

Wandlungskünstler - Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten ist im Dölling und Galitz Verlag erschienen und kostet 24,90 Euro. 

Ich bedanke mich bei der Agentur Literaturtest, die mir das Buch zur Verfügung gestellt hat, und beim Dölling und Galitz Verlag für die Genehmigung, die gezeigten Fotos veröffentlichen zu dürfen..

Freitag, 8. Juni 2018

# 153 - Eine Mordserie hält die Berliner Polizei in Atem

Sera Muth ermittelt

 

Die junge Türkin Adile Gökcan wird mit einem Messer angegriffen und fast getötet. Drei Wochen zuvor hatte sie ihren Mann Aiman verlassen und war zu ihrer Freundin gezogen. Der Verdacht fällt auf Aiman, weil er unmittelbar nach der Tat die Flucht ergriffen hat. Adile kann zunächst nicht befragt werden, weil sie im Koma liegt.
Etwa zeitgleich äußert sich der Berliner Innensenator mehrmals öffentlich abfällig über kriminelle Ausländer, will sie sofort abschieben und bezeichnet die bisherige Politik als multikulturelle Verblendung. Doch Osman Alpzoman, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Berlin, hält dagegen und spricht von rassistischen Ressentiments in der Gesellschaft, die durch solche Äußerungen geschürt würden. So beginnt der Thriller Kalte Haut von Martin Krist, der auf diesem Blog bereits mit weiteren Titeln vertreten ist (siehe unten).

Ein Mensch verschwindet

 

Die Journalistin Tania Herzberg hat sich von ihrem Mann Ralf, einem alkoholkranken Psychopathen, getrennt, der sie seitdem mit ständigen Anrufen und Auflauern terrorisiert. Als sie in der Redaktion des Berliner Kurier angerufen wird, vermutet sie zuerst Ralf am anderen Ende der Leitung. Aber der Anrufer gibt sich als Informant aus, der ihr wichtige Daten zu ihrem aktuellen Thema, an dem sie schon länger recherchiert, übergeben will. Im selben Moment findet Tanias Kollege Harald Sackowitz auf ihrem Rechner eine E-Mail mit einem Link zu einem Video. Der kurze Film ist an Grausamkeit kaum zu überbieten: Er zeigt Frank Lahnstein, den Sohn des Innensenators, fast nackt auf einem Tisch liegend - gefesselt, geknebelt, blutüberströmt und mit blankem Entsetzen in den Augen. Während die polizeiliche Ermittlungsarbeit anläuft, macht sich Tania Herzberg in Begleitung eines Azubis, der mit einer Kamera ausgestattet ist, auf den Weg zum mit ihrem Anrufer vereinbarten Treffpunkt, einer allein liegenden Lagerhalle in Berlin-Friedrichshain. Doch was sie und ihr junger Kollege finden, ist das nackte Grauen: In der Halle liegt die übel zugerichtete Leiche von Frank Lahnstein. Die Presse und die Polizei gehen von einem politisch motivierten Mord aus und ziehen den Polizeipsychologen Robert Babicz hinzu. Er ist nach vier Jahren beim FBI gerade aus den USA nach Berlin zurückgekehrt und hat dort eine große Bekanntheit erlangt: Durch Babicz' Arbeit konnte der als "Knochenmann" bezeichnete Serienmörder gefasst werden, der seinen Namen von der Presse deshalb erhielt, weil er seine Opfer bei lebendigem Leib häutete. An Frank Lahnstein ist dasselbe Tatmuster zu erkennen, aber der "Knochenmann" aus den USA kann nicht der Täter sein, weil er im Gefängnis sitzt. Es soll nicht bei diesem einen Toten bleiben. Je mehr Zeit vergeht, desto stärker gerät Ralf Herzberg unter Verdacht. Doch Robert Babicz hat ständig das Gefühl, etwas zu übersehen. Hat sein Bruder Max, der als Musiker in Berlin arbeitet, etwas mit den Fällen zu tun?

Lesen?

 

Kalte Haut ist der Start der Thriller-Reihe um die türkischstämmige Kriminalhauptkommissarin Sera Muth. Martin Krist schafft es, mit ihr, ihrem Kollegen Paul Kalkbrenner und dem Fallanalytiker Robert Babicz eine spannende Handlung aufzubauen und gleichzeitig zu verdeutlichen, in welchem kulturellen Spagat sich die Ermittlerin fast ununterbrochen befindet. Sie will ihr Leben leben, aber ihre Eltern würden sie gern mit einem Landsmann verheiraten. Zu allem Überfluss gibt es eine Verbindung zwischen Seras Onkel Mergim und Osman Alpzoman: Der Vorsitzende des türkischen Vereins ist der Großonkel der fast getöteten Adile und Mergims ist sein Stellvertreter. Die Polizistin fühlt den Zwiespalt, in dem sie sich befindet, immer deutlicher, da ihr ihr Onkel nicht nur ihren Lebenswandel vorwirft, sondern Adiles flüchtigen Ehemann zu decken scheint.
Kalte Haut steht den Büchern von Martin Krist an Spannung in nichts nach, ein aufmerksameres Korrektorat wäre jedoch schön gewesen.

Kalte Haut ist bereits erstmals 2012 im Goldmann Verlag erschienen. Die mir vorliegende Ausgabe wurde im Februar 2018 über epubli herausgegeben und kostet als Taschenbuch 10,99 Euro sowie als epub- oder Kindle-Edition 3,99 Euro.

Das Buch wurde mir von Indie Publishing zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke.

Mehr von Martin Krist

 

Ihr findet hier Besprechungen zu diesen Büchern:

Drecksspiel 

Böses Kind 

Brandstifter

Donnerstag, 7. Juni 2018

# 154 - An der Nordsee ist's für die Immobilienbranche gefährlich

Wer fällt über eine Schwangere her?

 

Die Pilsumerin Franziska Hinrichs ist 40 Jahre alt, seit vier Jahren glücklich mit ihrem Mann Bodo verheiratet und schwanger. Die Freude darüber ist bei den beiden groß, weil sie nach jahrelangem Warten nicht mehr mit Nachwuchs gerechnet hatten. Franziska und Bodo arbeiten in der Immobilienbranche: Sie für einen großen Ferienhausvermieter, er als Projektentwickler bei einem international tätigen Immobilieninvestor. Das Paar sieht sich allerdings nur an den Wochenenden, weil Franziska eine Autostunde entfernt in Wittmund arbeitet. Mit einer Ausnahme: Eine Woche pro Monat ist Franziska geschäftlich in Nordfriesland. Das tut dem Eheglück aber keinen Abbruch. Doch dann geschieht das Unfassbare: Jemand passt die werdende Mutter in der abendlichen Dunkelheit an einer uneinsehbaren Stelle direkt an ihrem Haus ab, erschlägt sie mit einer Weinflasche und hinterlässt ein Pappschild mit der Aufschrift "2008". Wer hasst Franziska so, dass er sie umbringt? Und vor allem: warum? Die Kriminalbeamten Tammo Anders und Fenna Stern nehmen in Mordsrevanche von Ulrike Busch die Ermittlungen auf.

Eine weiße Weste mit einem Grauschleier?

 

Das miteinander verheiratete Ermittlerteam der Polizeidienststelle Greetsiel kennt das Ehepaar Hinrichs gut: Franziska war das Patenkind von Tammos Onkel Frido. Ihnen ist klar, dass sie ihre persönliche Betroffenheit zurückstellen müssen, um objektiv nach Franziskas Mörder zu fahnden. Die beste Freundin der Toten gibt den Polizisten einen wertvollen Hinweis: 2008 hatte Franziska einen Verehrer aus Nordfriesland, der sie gestalkt hat. Der Mann namens Umo Hanke hatte Bodos Frau sogar vor ihrem Haus in Pilsum aufgelauert. Frido hat einen weiteren Tipp: Ebenfalls 2008 hatte Franziska eine Kollegin verdrängt, als ihr die Stelle einer Abteilungsleiterin angeboten wurde. Die Konkurrentin hatte damals unmittelbar danach das Unternehmen verlassen. Tammo und Fenna verfolgen diese Spuren und finden nach und nach Dinge heraus, die Franziska, von der sie immer so eine hohe Meinung hatten, in einem anderen Licht erscheinen lässt. 
Doch die beiden können nicht ungestört arbeiten: Ihre Dienststelle wird kurzfristig aufgelöst und auf sie wartet die Versetzung an zwei weit auseinander liegende Polizeibehörden. Da sie von ihrem Vorgesetzten aus dem LKA bis zum Dienstantritt beurlaubt werden, beschließen sie kurzerhand, zusammen mit Frido und dessen Frau Magda in Nordfriesland Urlaub zu machen. Kaum angekommen, lesen sie in der Zeitung von einem Mord an einem Husumer Immobilieninvestor. Auch er wurde erschlagen, und neben seiner Leiche wurde ein Pappschild mit der Aufschrift "2013" gefunden. Können diese beiden Morde miteinander in Zusammenhang stehen? 
Es soll nicht bei diesen beiden Taten bleiben, und auch im Privatleben von Fenna und Tammo sowie Frido und Magda wird es einschneidende Veränderungen geben.

Wie war's?

 

Mordsrevanche ist wie die anderen Bücher von Ulrike Busch, die hier bereits vorgestellt wurden, ein sehr flüssig geschriebener Krimi, der seine Leser bestens unterhält. Langeweile kommt hier nicht auf.
Das Buch ist der Beginn einer neuen Serie und knüpft an die vorangegange fünfteilige Serie "Kripo Greetsiel ermittelt" an. Um der Handlung von Mordsrevanche folgen zu können, ist es aber nicht nötig, die vorigen Bücher um Fenna Stern und Tammo Anders zu kennen. Es schadet aber auch nicht. 

Mordsrevanche ist als Taschenbuch für 11,99 Euro oder epub- oder Kindle-Ausgabe für 3,99 Euro erhältlich. 

Von Ulrike Busch wurden hier bereits diese Bücher besprochen:

Der Pfauenfedernmord   



Mord auf der Hallig



Montag, 4. Juni 2018

# 152 - Buch und Recht - worauf Selfpublisher achten müssen

In meinem Buch kann ich schreiben, was ich will!

 

Dass es so einfach nicht ist, stellt der Anwalt René Jorde in seinem Buch Recht für Selbstverleger und Autoren klar. Wenn man weder vertraglich über den Tisch gezogen werden noch Adressat von Anzeigen werden will, sollte man einen Blick hinein werfen.

Urheberrecht, Markenrecht, Titelschutz und noch mehr

 

Viele Selfpublishing-Autoren haben sich mit diesen Themen noch nie beschäftigt. Sie haben ihr Buch geschrieben, es in den meisten Fällen über einen Distributor veröffentlicht und freuen sich, wenn sie positive Rückmeldungen bekommen und sich ihr Werk gut verkauft. Doch noch während der Schreibphase sollten sie darüber nachdenken, ob ihr Text rechtlich unangreifbar ist: In welchen Fällen darf eine Marke nicht genannt werden? Wann wird eine Formulierung zu einer Persönlichkeitsverletzung? Darf für ein Buch der Liedtext einer Band oder ein kopierter Stadtplan verwendet werden? 
Zu dem, was einen Autor für andere angreifbar macht, kommt hinzu, worauf er achten muss, um nicht selbst benachteiligt zu werden. Jorde gibt gedankliche Hilfestellungen bei der Frage, ob sich für das eigene Buch ein klassischer Buchverlag oder eher das Selfpublishing eignet, weist auf Fallstricke in Verlagsverträgen hin und gibt Tipps für eine rechtlich einwandfreie Autorenhomepage.
Das Buch wird durch Zusammenfassungen, Checklisten und hilfreiche Links abgerundet.

Lesen?

 

Recht für Selbstverleger und Autoren gibt wertvolle Hinweise, die helfen, das eigene Buch und alles, was damit zusammenhängt, kritisch unter die rechtliche Lupe zu nehmen und für mögliche Stolpersteine sensibel zu werden. Es ersetzt aber im Zweifel keine individuelle Rechtsberatung, sondern kann sich nur mit den Fragestellungen beschäftigen, die sich den meisten Selfpublishern stellen. 
Recht für Selbstverleger und Autoren ist bei tredition erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 17,50 Euro sowie als Taschenbuch 9,90 Euro.
Das Buch wurde mir von Indie Publishing
zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke.

Freitag, 1. Juni 2018

# 151 - Kindesentführung, Morde - Berlin

Vielschichtige Handlung mit zahlreichen Personen

 

Drecksspiel des Autors Martin Krist (Pseudonym des Schriftstellers Marcel Feige) ist der erste Thriller aus der Reihe um den Ex-Polizisten und Privatermittler David Gross. Ab der ersten Seite wird klar: Dieses Buch ist nichts für empfindliche Gemüter.

Ist Berlin der Hort des Schreckens? 

 

Schon der Einstieg in die Handlung ist der pure Horror: Caro wird in einem Verlies gefangengehalten und ihre Peiniger ermorden vor ihren Augen Ilanka, die vorher offensichtlich gefoltert worden ist. Die Mörder wollen eine Information, die Caro ihnen jedoch nicht geben kann. Wer Caro ist, klärt sich im Verlauf des weiteren Geschehens.

Unbekannte entführen Shirin, die Tochter eines schwerreichen Berliner Ehepaares. Dessen Anwalt Richard Graubner bittet David Gross, der von ihm immer wieder Aufträge erhält, alles zu tun, um die Jugendliche zu finden. Aber Shirin ist nicht die Einzige, die verschwindet: Philip und Hannah fahren mit ihrer kleinen Tochter Millie, die noch ein Säugling ist, und ihrem Hund Bootsmann spontan in einen Kurzurlaub. Hannah wundert sich zwar über diese Abwechslung, weil sie weiß, dass ihr Mann mit seinem Graphikstudio "Pixelschubser" kurz vor der Pleite steht und das Geld sehr knapp ist, aber Philip spricht von einem großen Auftrag, mit dem nun alles wieder gut werde. In einem abgelegenen Ferienhäuschen lässt Philip seine Frau allein, um mit dem Hund raus zu gehen. Doch der, der nach einer Weile die Haustür aufschließt und Hannah von hinten mit der Hand sanft über den Nacken streicht, ist nicht ihr Mann. Für Hannah und Millie beginnt eine Zeit des Martyriums. Hannah ist klar, dass der Fremde ihren Tod will. Aber nicht sofort, sondern erst, nachdem er seinen Sadismus an ihr ausgelebt hat.

In einem Bordell wird die Prostituierte Leyla ermordet aufgefunden. Für den Rechtsmediziner ist klar, dass die Frau vor ihrem Tod Drogen erhalten hat, die nur einen Zweck hatten: Sie sollte die Grausamkeiten, die der Killer an ihr verübte, möglichst lange bewusst miterleben. Der Polizist Toni Risse und sein Kollege Frank Theis übernehmen die Ermittlungen. Was Theis und auch sonst niemand nicht weiß und niemals wissen darf: Leyla war Tonis Freundin und der Polizist war die letzte Person, die die Prostituierte lebend gesehen hat - kurz, bevor ihr Mörder sie tötete. Auch sein Lebenswandel sollte lieber sein Geheimnis bleiben. Toni ist klar, dass alle Indizien gegen ihn sprechen würden, wenn auch nur der Hauch eines Verdachts auf ihn fiele.

Viele Personen und Handlungsstränge

 

In Drecksspiel taucht eine ganze Reihe von Personen auf, die in unterschiedlichsten Beziehungen zueinander stehen. Es gelingt jedoch gut, den Überblick zu behalten und den einzelnen Verläufen zu folgen. Obwohl es um viele Vorgänge geht, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, steuert die Handlung auf ein gemeinsames Finale zu. Rätselhaft bleibt allerdings, was es mit der Vergangenheit von David Gross auf sich hat, über die nicht einmal seine Frau bescheid weiß. Es wird nur deutlich, dass David seinen Namen geändert ein neues Leben angefangen hat und keinen Wert darauf legt, gefunden zu werden.

Lesen?

 

Ja! Drecksspiel ist sehr spannend, hat jedoch eine ganze Reihe brutaler Szenen. Der Thriller kann schon deshalb nur schwer aus der Hand gelegt werden, weil es der Autor meisterhaft versteht, nicht nur am Ende des Buches, sondern am Ende jedes Abschnitts Cliffhanger zu produzieren.    

Drecksspiel ist in der mir vorliegenden Ausgabe 2018 bei epubli herausgegeben worden und kostet als Taschenbuch 10,99 Euro sowie als epub- oder Kindle-Asugabe 3,99 Euro. Das Buch wurde mir von Indie Publishing zur Verfügung gestellt.

Der zweite Teil der Reihe um den Privatdetektiv David Gross ist der Thriller Brandstifter. Außerdem wurde in der Bücherkiste das Buch Böses Kind vorgstellt, in dem Kriminalhauptkommissar Henry Frei die Ermittlungen leitet. Beide stehen Drecksspiel in nichts nach.